Wetter Winter 2020/2021 - Wetterprognose und Wettervorhersage

Wetter Winter 2020/2021

  • M. Hoffmann
Ein abwechslungsreicher und vielleicht mal wieder normaler Winter?
Ein abwechslungsreicher und vielleicht mal wieder normaler Winter?

Wie wird der Winter 2020/2021? Der Frühling war noch geprägt von einer gestörten Zirkulation, was über weite Strecken zu außergewöhnlichen Temperaturen und einer ausgeprägten Trockenheit führte. Der Sommer war bisweilen überwiegend maritim geprägt. Welche Auswirkungen kann das auf den Herbst und Winter haben und wie stehen die Chancen auf Schnee und Frost in der Wintersaison 2020/2021?

 

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Der Sommer 2020 zeigte sich bisweilen etwas zu trocken und gegenüber dem langjährigen Mittelwert deutlich zu warm, wenngleich es im Juli ein deutliches Süd-Nord-Gefälle gab. Ganz ähnlich war es im Übrigen im letzten Jahr, wenn auch die letzte Juli-Dekade jeweils nicht miteinander zu vergleichen sind. Ist damit ein Bann gebrochen, der immer wieder zu neuen Hitzerekorden führt? Und was noch - für die Freunde des Winterwetters wichtiger ist - hat der Winter 2020/2021 durch die veränderten Strömungsbedingungen eine Chance? Wie in den letzten Jahren auch, haben wir uns in diesem Jahr dazu entschieden, unsere Wetterberichte für den Herbst und Winter mit dem meteorologischen Herbstbeginn im September zu starten und die Wetterprognosen entsprechend zusammenzufassen.

Wie wird der Winter?

Freunde des Winterwetters warten sehnlichst auf einen normalen bis zu kalten Winter. Andere wiederum fragen sich, was mit dem Winterwetter los ist. Rückblickend waren die Wintermonate der letzten sieben Jahre allesamt zu warm. Rechnet man die nur leicht zu warme Wintersaison von 2012/2013 (+0,1 Grad) noch hinzu, so sind es schon neun Winter in Folge, welche zu warm ausgefallen sind (2011/2012 war auch zu warm). Kein Wunder also, dass die durchschnittliche Abweichung der Wintermonate der letzten 20 Jahre in etwa um +1,3 Grad über dem langjährigen Mittelwert lag.

Das erklärt auch, warum die Flachlandwinter immer seltener werden und auch die mittleren Lagen zwischen 300-600 Meter immer seltener den Schnee zu Gesicht und den Frost zu spüren bekommen. Die Frostgrenze schwankte in den letzten Wintern meist zwischen 500 bis 800 Meter, früher lag diese meist zwischen 300 bis 600 Meter. Den einen freut es, den anderen nicht. Winterwetter polarisiert - keine Frage.

Winterprognose nach der Statistik

Berücksichtigt man nur die statistischen Zahlen, so lässt sich daraus eine klar zu warme Wintersaison 2020/2021 ableiten. Noch deutlicher wird es, wenn man die Monate Dezember bis Februar der letzten 20 Jahre in eine statistische Relation setzt: Gerade einmal 20 Prozent der Winter waren zu kalt, 15 Prozent normal und ganze 65 Prozent waren zu warm - teils deutlich zu warm - darunter auch der Rekordwinter aus dem Jahre 2007, welche mit einer Abweichung vom langjährigen Mittelwert von +4,18 Grad den Rahmen komplett sprengte.

Schaut man sich die Eistage an, so lagen diese im Zeitraum von 1961-1990 im Schnitt bei 22,7 Tagen. In den letzten 20 Jahren betrug der Schnitt 16,2 Tage. Eistage sind die Tage, an denen die Werte innerhalb 24 Stunden nicht über die +0 Grad-Grenze hinaus ansteigen.

Nimmt man die Frosttage, so zeichnet sich ein ähnliches Bild ab. Frosttage sind definiert, wenn binnen 24 Stunden die Werte - auch nur kurzzeitig - unter die +0 Grad-Grenze fallen. Von 1961 bis 1990 betrug der Schnitt im Winter 56,7 Tage und in den letzten 20 Jahren waren es 51,3 Tage.

Verheerend aber ist der Blick auf die Schneetage. Der Durchschnitt lag von 1961-1990 bei 34,9 Tagen und sank in den letzten 20 Jahren auf 24,6 Tage ab. Im letzten Winter 2019/2020 gab es gerade einmal an 3,7 Tagen Schnee, was zugleich ein neuer Negativrekord ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: Man braucht kein großartiger Prophet oder Experte zu sein. Allein die Tatsache des Klimawandels begünstigt zu warme Winter und 65 Prozent Wahrscheinlichkeit ist schon eine Hausnummer. Kurzum - nach der Statistik ist mit höherer Wahrscheinlichkeit ein zu warmer Winter 2020/2021 zu erwarten.

Das Wetter hält sich nicht an die Statistik

Aber so einfach ist das nicht und das Wetter hält sich nicht an Statistiken - wäre ja zu schön - und so gibt es immer wieder Ausreißer. Schaut man sich den Winterverlauf über Deutschland einmal genauer an, so beginnt der Winter meist nasskalt, wird in der zweiten Dezember-Dekade kurz mal kälter und um die Weihnachtszeit wieder milder. Der Januar ist dann gut für den Hochwinter und wenn dieser kommt, ist meist auch noch der Februar davon betroffen. Fällt der Hochwinter hingegen aus, bleibt der Wettercharakter nasskalt.

Und das ist auch das Ergebnis. Die Winter in Deutschland sind selten extrem, sie sind gemäßigt - häufig nasskalt und eher maritim geprägt (Westwetterlage).

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These: Der Winter 2020/2021 normal bis zu kalt

Im Winter 2017/18 war es soweit. Nach ein paar Jahren der Abstinenz erfolgte zum Februar 2018 ein sog. Major Warming in Stratosphärenhöhe, was den letzten Wintermonat Februar, ebenso wie den ersten Frühlingsmonat März zu kalt ausfallen ließ.

Überaschenderweise gab es um Weihnachten 2018 einen ähnlichen Effekt und völlig außer der Reihe wiederholte sich das Phänomen Major-Warming noch im gleichen Jahr. Doch richtiges Winterwetter konnte sich über Mitteleuropa nicht durchsetzen. Der Polarwirbel erfuhr lediglich ein sog. Displacement (Verschiebung) und nach einer längeren Zeit der gestörten Zirkulation setzte mit dem 1. Dezember die Zonalisierung (Westwetterlage) ein und beendete den Winter, bevor er überhaupt begann.

Was sich daraus aber ableiten lässt - die Strömungsmuster verändern sich seit dem Februar 2018 länger andauernd. Eine gestörte Zirkulation ist in den letzten 36 Monaten häufiger anzutreffen gewesen, als eine für Mitteleuropa typische Westwetterlage. Und darin liegt die Chance für den Winter 2020/2021. So seltsam das zunächst einmal klingen mag.

In 2019 gab es eine auffällige Aneinanderreihung von meridionalen Strömungsmustern, welche den März zu warm und zu nass, den April zu einer Rekordwärme und deutlich zu trockenem Wetter verhalf, während der Mai zu kühl und zu nass ausfiel. Der Juni überraschte mit einer Rekordhitze und einer negativen Niederschlagsbilanz und der Juli war über weite Strecken über dem Norden zu kühl. Pünktlich zum Winter aber drehte die Grundströmung dann auf Zonal und sorgte für den zweitwärmsten und schneeärmsten Winter seit Beginn der Aufzeichnungen.

In diesem Jahr folgte ein ähnliches Schema, doch der Sommer (Juni und Juli) waren bislang maritim geprägt, was im Juli vor allem der Norden zu spüren bekam. Im August wird sich nun zeigen, wohin sich die Großwetterlage weiter entwickelt und je länger eine Zonalisierung anhält und ein gestörtes Zirkulationsmuster verhindert, desto größer sind die Wahrscheinlichkeiten, dass sich das zum Winter hin verändern kann. Dazu gibt es auch eine ganze Reihe an Randfaktoren, die dafür sprechen, dazu aber später mehr.

Wichtig ist bei einem meridionalem Strömungsmuster (Nord-Süd, Süd-Nord) zu wissen, dass die Position des Hochdrucksystems entscheidend ist, ob es zu warm (dann deutlich zu warm), oder zu kalt wird (dann deutlich zu kalt). Ein gestörtes Zirkulationsmuster bedeutet also nicht zwingend einen zu kalten Winter. Führt man die Serie von diesem Jahr einfach weiter, so könnten sich die folgenden Monate in etwa wie folgt entwickeln:

Theoretische Annahme
Monat Temperatur­trend
August zu warm
September normal bis zu kühl
Oktober normal bis zu warm
November zu warm
Dezember normal bis zu warm
Januar normal
Februar normal bis zu warm

Wie erwähnt - eine These, welche sich an dem bisherigen Verlauf aus 2020 orientiert. Mit Spannung bleibt zudem abzuwarten, ob mit der langsam zunehmenden Stabilisierung des Polarwirbels im Oktober und November das meridionale Strömungsmuster wiederkehrt! Die Weichen könnten für den Winter 2020/21 sodann schon frühzeitig gestellt werden.

Ausgleichsverhalten und Erhaltungsneigung

Um diese zwei Langzeitkorrelationen wird es auch in der Wintersaison 2020/2021 gehen. Was das ist? Stark vereinfacht zusammengefasst spricht man von wiederholt auftretenden und stabilen Großwetterlagen von einer Erhaltungsneigung, welche sich über Monate mit dem immer gleichen (oder ähnlichen) Muster in Erscheinung treten können. Kommt der Wechsel, spricht man vom Ausgleichsverhalten, welcher seinerseits nach einer längeren Dauer wiederum in eine Erhaltungsneigung übergehen kann.

Warum sind die Winter so warm geworden?

Auffällig waren die Strukturen innerhalb des Polarwirbels, was sich ganz gut anhand der Wetterkarte vom 15. Januar 2019 darstellen lässt. Der Polarwirbel war äußerst instabil, doch das sog. Displacement sorgte mit den Hochdruckzentren zwischen dem westlichen Kanada und Alaska, sowie Sibirien für einen Kaltlufttransport über das östliche Kanada. Diese Grundströmung hat sich auch in den vergangenen Wintern beobachten lassen.

Setzt sich diese Grundströmung erst einmal in Gang, so ist vom mitteleuropäischen Winter nicht viel zu erwarten. Warum? Unentwegt werden Kaltluftmassen in Richtung Kanada gepumpt und gelangen bei Neufundland auf den warmen Atlantik, was wiederum die Tiefdruckproduktion in Gang setzt und das System zur Erhaltung zwingt. Ein Tief nach dem anderen zieht so in Richtung Mitteleuropa und sorgt für einen feuchten und milden Winter. Spielt sich das System schon frühzeitig ein, so liegen die Nerven der Winterfans ebenso frühzeitig blank.

Kaltluftausbrüche über dem östlichen Kanada sorgen über Mitteleuropa für turbulente Wetterlagen und einen häufig zu milden Winter
Kaltluftausbrüche über dem östlichen Kanada sorgen über Mitteleuropa für turbulente Wetterlagen und einen häufig zu milden Winter
© www.meteociel.fr

Eine weiterer Erklärungsversuch liegt im Rückgang der arktischen Meereisfläche. Wer will, kann sich tiefer in das Thema einlesen (Warum die Winter immer wärmer werden). Zusammengefasst aber verlagert sich die Tiefdruckaktivität weiter nach Norden und der Hochdruckgürtel wandert nach. Mitteleuropa liegt zunehmend unter dem Einfluss hohen Luftdrucks, was im Verbund mit den Tiefdruckgebieten zu einer vermehrt südwestlichen und damit milden - Grundströmung führt.

Die Sonnenaktivität

Stark umstritten ist die Sonnenaktivität. Sicherlich hat diese einen (geringen) Einfluss auf das Wetter, doch in Zeiten des Klimawandels sind die Effekte dann wohl äußerst gering. Dreht man es aber um, so kann eine ansteigende Sonnenaktivität den Klimawandel verstärken.

Die Sonnenflecken - welche eine Interpretation über die Aktivität der Sonne zulässt - haben einen festen 11 Jahres Zyklus und wie man in der Grafik gut sehen kann, befindet sich die Sonnenaktivität derzeit in einem Minimum, welches nun wieder etwas anstiegt.

Je mehr Sonnenflecken es gibt, desto aktiver ist die Sonne, ein Minimum ist ein Indiz eine schwächelnde Sonne. Und die Folge daraus? Die Annahme besagt stark vereinfacht:

Wenn Sonnenflecken im Minima sind, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung. Weniger Strahlung bedeutet geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, die eine Änderung in der Zirkulation der beiden niedrigsten Atmosphäre hervorruft, der Troposphäre und Stratosphäre… American Geophysical Union

Kurzum werden Turbulenzen innerhalb des Polarwirbels begünstigt und somit die - weiter oben erwähnten - meridionale Großwetterlagen häufiger auftreten können. Das wiederum erhöht die Schwankungen im Wetterablauf und so ergeben sich größere Chancen für Kaltluftausbrüche über Mitteleuropa mit Frost, Eis und Schnee. Doch auf die Hochdruckposition kommt es an. Die schönste meridionale Grundströmung nützt nichts, wenn sich das Hoch über Europa, oder gar dem östlichen Europa befindet. Optimal für einen kalten und schneereichen Winter wäre hingegen die Hochdruckposition auf dem Atlantik in blockierender Formation auf die Tiefdrucksysteme.

Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2020
Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2020
© Spaceweatherlive.com

Warum wir - trotz geringerer Einflüsse die Sonnenaktivität erwähnen? Schaut man sich die Statistik an so fällt auf, dass in den Jahren, in denen das Minimum auftrat die Winter kurz nach dem Minimum eine Häufung von zu kalt, bzw. normal aufzeigten, kurz zuvor aber eine Häufung von zu warmen Wintern hatten (Ausnahme der Zyklus Mitte der 70 er Jahre).

Temperaturabweichungen Winter zum Sonnenfleckminimum
Winter Tem­peratur Ab­weichung
83/84 +0,5 Grad +0,25 Grad
84/85 -2,44 Grad -1,69 Grad
Minimum: 85/86 -0,86 Grad -1,11 Grad
86/87 -1,36 Grad -1,61 Grad
93/94 +2 Grad +1,8 Grad
94/95 +2,8 Grad +2,6 Grad
Minimum: 95/96 -2,3 Grad -2,5 Grad
96/97 -0,3 Grad -0,5 Grad
06/07 +4,38 Grad +4,2 Grad
07/08 +3 Grad +2,8 Grad
Minimum: 08/09 -0,2 Grad -0,4 Grad
09/10 -1,3 Grad -1,5 Grad
10/11 -0,6 Grad -0,8 Grad

QBO - Quasi zweijährige Schwingung

Nicht unwesentlich ist die Bedeutung der QBO. Sie beschreibt einen Vorgang, welcher sich etwa alle 2,2 Jahre wiederholt und die zonalen Winde in ca. 20 bis 25 km Höhe von West-Ost nach Ost-West umkehren lässt. Stark vereinfacht ausgedrückt ist bei normalen Zustand häufiger eine warme West- bis Südwestwetterlage über Deutschland, Österreich und der Schweiz und bei einer Umkehr auf Ost-West eine Nordwest- bis Ostwetterlage zu beobachten.

Die Umkehr vom Winter 2016/17 fand nicht statt, was seit 1951 erstmalig auftrat. Der letzte Umschwung begann im Sommer 2017 und wurde vom Sommer 2018 bis in den Frühjahr 2019 vollzogen. Eine zonale Windumkehr war für den Winter 2019/2020 nicht zu erwarten. Dafür aber in der Wintersaison 2020/2021. Ein QBO-Ost würde eine gestörte Zirkulation stützen, die im Winter gerne mit einem Skandinavienhoch - gestützt durch das Kontinentalhoch - oder einem Blockadehoch auf dem Atlantik einhergeht. Mehr zum Thema QBO. In jedem Fall ist die QBO-Drehung ein wesentlich stärkerer Faktor, als die Sonnenaktivität. Aber auch dieser ist nur ein stützender und kein in Stein gemeißelter Faktor.

Was spricht für eine zu warme Winterperiode 2020/21?

Weiter oben bereits erwähnt spricht der Klimawandel eine ganz klare Sprache und hat einen weit größeren Einfluss als alle Randfaktoren zusammen. Anders formuliert können die Bedingungen noch so gut sein, aber ein im Schnitt +1,3 Grad zu warmer Winter schiebt die Schneefallgrenze um 130 bis 200 Meter nach oben.

Der Klimawandel bringt aber auch andere Faktoren, wie bspw. die Meereisausdehnung der Arktis aus dem Tritt. Die Folgen hieraus sind noch nicht abzusehen und können in der Theorie sowohl zu kühleren Winter (geschwächter Polarwirbel mit meridionalen Mustern) oder zu wärmeren Wintern führen (eingefahrenes Strömungsmuster über östliches Kanada/Neufundland, was über Europa milde Großwetterlagen zur Folge haben kann).

Die Meereisausdehnung ist im Vergleich zu den letzten Jahren so schwach wie noch nie und liegt aktuell unterhalb des letzten Minimums von 2012 und weit entfernt vom Durchschnittswert der Jahre von 1981 bis 2010!

Meereisausdehnung Arktis auf niedrigstem Stand
Meereisausdehnung Arktis auf niedrigstem Stand
© Alfred-Wegener-Institut

Der Klimawandel hat mit dem Wetter nichts zu tun

Das wird immer wieder und gerne durcheinandergebracht. Der Klimawandel hat mit dem Wetter wenig gemeinsam. Der Klimawandel aber beeinflusst das Wetter über lange Zeit hinaus. Dabei sind zu kalte Wetterphasen nicht auszuschließen, doch nehmen die wärmeren Monate im Verlauf stets zu. Deutlicher wird das in der folgenden Grafik. Die Mitteltemperatur der Winter im Vergleich zu den Vorjahren werden in jüngster Zeit immer wärmer. Übrigens - und das ist nur am Rande erwähnt, wird mit diesem aller Voraussicht nach zu warmen Sommer der 24. zu warme Sommer in Folge zu erwarten sein (Abweichung > +0 Grad).

Die Winter werden immer wärmer
Die Winter werden immer wärmer
© Michael Theusner www.mtwetter.de

Immer wärmer

Zudem wird gerne verwechselt, dass regionale Ereignisse mit dem globalen Klimawandel ebenso wenig gemeinsam haben. So kann z.B. ein Sommer und Winter regional zu nass und zu kalt sein, dass ändert aber nichts daran, dass es global gesehen immer wärmer wird.

Global steigen die Temperaturen immer weiter an
Global steigen die Temperaturen immer weiter an
© DWD www.dwd.de

Die Herbst- & Winterprognose 2020/21 der Langfristmodelle

Wie aber wird das Wetter im Herbst und Winter 2020/21 gibt es schon erste Wettertrends der Prognosemodelle? Die gibt es, sind zwar noch nicht vollständig und zum aktuellen Stand noch mit großer Vorsicht zu genießen:

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Langfristwetter nach dem Deutschen Wetterdienst

Das Jahreszeitenmodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) berechnet den Herbst (September bis November) mit einer Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,7 bis +1,5 Grad über Deutschland zu warm. Über Österreich und der Schweiz wird der Herbst 2020 um +0,5 bis +1,5 Grad ebenfalls zu warm berechnet. In der Niederschlagsbilanz soll der Herbst gegenüber seinem Sollwert weitgehend unauffällig und im Trend leicht zu trocken ausfallen.

Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Das Langfristmodell der NASA berechnet die Monate September, Oktober und November mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad deutlich zu mild. In der Niederschlagssimulation werden die Herbstmonate unauffällig und im Trend etwas zu nass berechnet.

Für die Wintermonate von Dezember 2020 bis Februar 2021 wird eine Abweichung der Temperatur gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von +0,5 bis +2 Grad im leicht zu milden bis deutlich zu warmen Bereich simuliert. Auffällig: Norddeutschland wird kälter als der Süden simuliert (Hochdruck Skandinavien). Die Niederschlagsprognose ist im Trend neutral zu bewerten.

Wetterprognose Herbst und Winter nach dem CFSv2 Modell

Der Herbst fällt nach dieser Wetterprognose mit einer Differenz zum langjährigen Mittelwert von +0,5 bis +1,0 Grad nur leicht zu warm aus, aber auch die Niederschlagsbilanz ist gegenüber dem Sollwert unauffällig zu bewerten.

Der Winter 2020/21 wird hingegen mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm simuliert. Die Niederschlagsleistung liegt weit über dem Mittelwert (zonale Westwetterlage).

Herbst und Winter nach dem europäischen Langfristmodell

Der Herbst soll mit einer Differenz von +0,5 bis +1,5 Grad zu warm und im Trend leicht zu nass ausfallen.

Die ersten beiden Wintermonate Dezember 2020 und Januar 2021 werden mit einer durchschnittlichen Abweichung von +0,3 bis +1,3 Grad nur etwas zu mild simuliert. Besonders der Dezember zeigt deutlich kühlere Phasen, als der Januar. Der Dezember soll zu trocken und der Januar zu nass werden.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2020 +0,5 bis +1,0 Grad Trend: normal bis etwas zu trocken
Oktober 2020 +0,5 bis +1,5 Grad Trend: normal
November 2020 +0,5 bis +1,5 Grad Trend: normal bis etwas zu nass
Dezember 2020 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis zu nass
Januar 2021 +1,0 bis +3,0 Grad Trend: zu nass
Februar 2021 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2020/2021  vom 28.07.2020
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2020/2021 vom 28.07.2020

Auf den Punkt gebracht

Mit einer gewissen Spannung wird die Wintersaison 2020/2021 erwartet. Gelingt der Durchbruch zu einem normalen oder gar etwas zu kühlen Winter in der Zeit, wo die Sonne am schwächsten ist und ihren Minimum durchschritten hat und zudem ein QBO-Ost bevorsteht? Oder setzt sich der Klimawandel mit immer wärmer werdenden Wintern durch?

Die Langfristmodelle werden in den kommenden Wochen in ihren Wetterprognosen für den Herbst und Winter sicherlich noch einige Male hin und her springen, zeigen aber dennoch einen - nicht überraschenden - deutlich zu milden Wettertrend für den Winter. Da gibt es also in den kommenden Wochen einiges zu berichten, sodass wir die Wetterprognosen für den Herbst und Winter 2020/2021 zunächst nach Bedarf, ab Mitte August regelmäßiger und zum September täglich aktualisieren werden.

Wissenswertes zum Wetter im Herbst und Winter

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2019 +18,9 +2,0 +0,9 55 l/m² - zu trocken
August 2019 +19,09 +2,53 +1,53 65 l/m² - zu trocken
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +8,81 +2,45 +1,71 367 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Winter

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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