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Sommertrend: Hat ein Major-Warming einen Einfluss auf das Wetter im Frühling und Sommer?

| M. Hoffmann

Das Wetter stellt sich im Verlauf der Woche zwar um, doch der Spätwinter kann sich zunächst nicht durchsetzen. Das kann sich mit einer nasskalten Witterung infolge eines Warmings in Stratosphärenhöhe noch ändern. Doch mit der Destabilisierung des Stratosphärenwirbels sind auch nachhaltige Veränderung des Polarwirbels anzunehmen. Welche möglichen Auswirkungen hat ein Warming auf das Wetter im Frühling und Sommer?

Ein durchwachsener und nur mäßig warmer Sommer?
Ein durchwachsener und nur mäßig warmer Sommer?

Major-Warming. Normalerweise bereitet sich der Polarwirbel erst in der zweiten März-Dekade auf den Zusammenbruch von oben herab vor, der bis Ende April dann das Ende des winterlichen Polarwirbels besiegelt. In diesem Jahr aber sorgt ein Major-Warming für einen verfrühten Prozess, der unter bestimmten Voraussetzungen den Märzwinter nach Deutschland führen kann.

Beginnt der Winter zum Ende?

Ja, es gab Anfang Dezember und Mitte Januar eine halbwegs winterliche Wetterphase, doch brachte die Wetterlage nicht sonderlich viel Schnee hervor und der Zeitraum von Weihnachten bis heute konnte man nicht wirklich als Winter bezeichnen und so wird auch der Winter 2023/24 mit einer Abweichung von rund +3,7 Grad im Vergleich zum Klimamittelwert von 1961 und 1990 extrem zu warm ausfallen können. Schaut man sich die aktuellen Modellrechnungen an, so wird eine nasskalte Witterung über Deutschland zunehmend wahrscheinlicher, bei der auch Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen eine Rolle spielen können. Winterlich kann es ab den höheren mittleren Lagen werden.

Da das Gesamtkonstrukt der Großwetterlage aber auf ein Displacement des Polarwirbels hinausläuft, sind die Wahrscheinlichkeiten für eine winterliche Wetterentwicklung bis auf tiefere Lagen herab fast schon ein Ding der Unmöglichkeit. Selbst eine Normalisierung der Temperaturen wäre schon eine Überraschung.

Nasskalt mit Winterwetter ab den höheren mittleren Lagen - Ein Hauch von Spätwinter
Nasskalt mit Winterwetter ab den höheren mittleren Lagen - Ein Hauch von Spätwinter © www.meteociel.fr

Wie wird das Wetter im Frühling?

Das Wetter hält sich grundsätzlich nicht an Statistiken oder vergangene Großwetterlagen. Das wäre zu einfach. Was sich aber nach einem milden Winter häufiger abzeichnete, war ein milder bis zu warmer März und April, während der Mai zu nass und manches Mal zu kühl ausfiel. Das kann als Anhaltspunkt, aber nicht als Maßstab genommen werden.

Die Erhaltungsneigung und das Ausgleichsverhalten

Warum das so sein kann, liegt im Ausgleichsverhalten und der Erhaltungsneigung begründet. Nach der lang anhaltenden meridionalen Grundströmung (Nord-Süd, Süd-Nord-Strömung) der vergangenen Monate, konnte schon im letzten Sommer erahnt werden, dass das Strömungsmuster im Winter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit kippen würde, was vor Weihnachten dann auch der Fall war. Das Kaltluftbecken über dem östlichen Kanada war einfach zu dominant und Kenner wussten bereits frühzeitig, welche Auswirkungen das auf den Winter haben wird.

Sehr zum Leidwesen der Freunde des Winterwetters. Das Potential für waschechtes Winterwetter war mit einer absolut gestörten Zirkulation gleich zum Auftakt des meteorologischen Winters gegeben, doch reicht das in Zeiten der Klimaerhitzung nicht mehr aus. Da müssen zukünftig ganz andere Wetterlagen her.

Was bedeutet das für den Sommer 2024?

Folgt man diesem - sehr einfachen - Schema, so sollte sich im März und April eine neuerlich meridionale Großwetterlage einstellen können. Meridional bedeutet in diesem Fall eine hohe Wellenbewegung, die über Deutschland, Österreich und der Schweiz sowohl zu sehr warmen und trockenen Wetterlagen, als auch zu kühlen und nassen Abschnitten führen kann.

Wie wahrscheinlich ist eine meridionale Grundströmung im Frühling?

Das wird sich zeigen müssen. Momentan ist das nichts weiter als eine These, aufgrund vergangener Eigenschaften und Mustern. Sollte es aber tatsächlich eintreten, so wären sowohl ein im Vergleich zum Klimamittelwert von 1961 und 1990 zu warmer Frühling, als auch ein zu warmer Sommer 2024 zu erwarten. Warum? Kühle Strömungsmuster sind seltener geworden. Von den letzten 24 Monaten waren 21 zu warm und drei normal.

Häufiger positioniert sich ein solches Hoch entweder über Mitteleuropa, dem östlichen Europa, oder über Skandinavien und alle drei Varianten sind prädestiniert für einen zu trockenen und zu warmen Wettercharakter. Außerdem zeigte sich in der Statistik nach einem Supermildwinter häufiger zu warmer Sommer. War der Winter - ähnlich wie dieser - erheblich zu warm, so waren die darauffolgenden Sommer im 100 Prozent der Fälle ebenfalls zu warm. Mehr dazu: Wie wird der Sommer 2024: warmer Winter, heißer Sommer?

Major-Warming mit Auswirkungen auf den Frühling und Sommer?

Schauen wir uns einmal die Jahre mit einem Major-Warming an und vergleichen diese mit den jeweiligen Temperaturabweichungen gegenüber dem vieljährigen Mittelwert im Frühling und Sommer. Hat ein Major-Warming überhaupt Auswirkungen auf das Frühjahr und den Sommer und wenn ja, welche?

Abweichungen der Temperaturen nach einem Major-Warming
Monat Ereignis Tem­peratur­abweichung
Januar 2021 Polarwirbelsplit Frühling normal, Sommer deutlich zu warm
Januar 2019 Verschiebung Frühling deutlich, Sommer extrem zu warm
Februar 2018 Polarwirbel­split Frühling und Sommer erheblich zu warm
Januar 2013 Polarwirbel­split Frühling zu kalt, Sommer zu warm
Januar 2012 Verschiebung Frühling deutlich, Sommer etwas zu warm
Januar 2010 Verschiebung Frühling normal und Sommer zu warm
Januar 2009 Polarwirbel­split Frühling erheblich zu warm, Sommer etwas zu warm
Februar 2008 Verschiebung Frühling und Sommer zu warm
Februar 2007 Verschiebung Frühling erheblich zu warm, Sommer etwas zu warm
Januar 2006 Verschiebung Frühling normal, Sommer zu warm
Januar 2004 Verschiebung Frühling etwas zu warm, Sommer leicht zu warm
Januar 2003 Verschiebung Frühling deutlich zu warm, Sommer extrem zu warm
Februar 2002 Verschiebung Frühling und Sommer zu warm
Februar 2001 Verschiebung Frühling und Sommer zu warm
Februar 1999 Polarwirbel­split Frühling und Sommer zu warm
Januar 1991 Polarwirbel­split Frühling und Sommer normal
Februar 1989 Polarwirbel­split Frühling normal, Sommer zu warm
März 1988 Polarwirbel­split Frühling normal, Sommer zu warm

Kein Zusammenhang

Vor dem Hintergrund, dass keiner der letzten 29 Sommer zu kalt ausgefallen ist, zeigt sich eine höhere Abhängigkeit gegenüber der Klimaerhitzung, die sich seit 2018 mit zunehmend ausgeprägten Hitze- und Dürreperioden zeigt. Da spielt ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe keine oder eine völlig untergeordnete Rolle. Die Wucht der Klimaerhitzung ist einfach zu groß. Wie groß, zeigt sich in der nachfolgenden Grafik der Temperaturentwicklung seit Beginn der Wetteraufzeichnungen von 1881.

Der Frühling und der Sommer werden mit der Klimaerhitzung zunehmend wärmer
Der Frühling und der Sommer werden mit der Klimaerhitzung zunehmend wärmer © mtwetter.de

Die Wetterprognose Frühling und Sommer nach den Langfristmodellen

Langfristprognosen der Vorhersage-Modelle sind mit einem hohen Maß Skepsis zu genießen und geben lediglich einen groben Anhaltspunkt auf die - errechnete - Wahrscheinlichkeit von zu warm oder zu kühl oder zu nass und zu trocken. Ändert sich das Schema, ändert sich auch die Berechnungen der Langfristmodelle - da ist für den Moment nichts in Stein gemeißelt und sollte immer Gesamtkontext betrachtet werden.

Der Frühling nach dem Deutschen Wetterdienst

Das Langzeitmodell des Deutschen Wetterdienstes berechnet das das Wetter im Frühling 2024 mit einer Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 um +1,0 bis +2,0 Grad zu warm und in der Niederschlagswahrscheinlichkeit nördlich einer Linie von Nordrhein-Westfalen und Sachsen etwas zu nass und nach Süden etwas zu trocken. Im Vergleich zum wärmeren Mittelwert von 1991 und 2020 soll der Frühling um -0,2 bis +0,8 Grad zu warm ausfallen.

Wettertrend der NASA zum Frühling und Sommer

Der Frühling soll nach der Langfristprognose der NASA im Vergleich zum Mittelwert von 61/90 um +1,0 bis +2,0 Grad zu warm ausfallen können. Nach dem neuen - wärmeren - Mittelwert liegt die Abweichung zwischen -0,2 und +0,8 Grad. Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem Sollwert als zu nass zu bewerten.

Für das Wetter im Sommer 2024 berechnet die NASA eine Abweichung der Temperaturen im Vergleich zu 61 und 90 von -0,5 bis +1,5 Grad im normalen bis etwas zu warmen Bereich. Im Vergleich zu 91 und 20 liegt die Abweichung zwischen -1,8 bis +0,2 Grad im tendenziell etwas zu kühlen Spektrum. Die Niederschlagsprognose zeigt sich durchwachsen und am Ende zu nass.

Wetterprognose Frühling und Sommer des europäischen Vorhersage-Modells

Auch nach dieser Langfristprognose zeichnet sich ein mit +1,0 bis +2,0 Grad zu milder bis zu warmer Verlauf des Frühlings ab. Die Niederschlagsprognose ist durchwachsen und am Ende gegenüber dem vieljährigen Sollwert als normal zu bewerten. Im Vergleich zu 91 und 20 liegt die Abweichung mit -0,2 bis +0,8 Grad im normalen Bereich.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich für das Wetter im Sommer ab. Im Vergleich zu 1961 bis 1990 um +1,5 bis +2,5 Grad zu warm und im Vergleich zu 91 und 20 mit einer Differenz von +0,2 bis +1,2 Grad tendenziell normal. Insgesamt wird der Sommer nur tendenziell zu trocken berechnet.

Wettervorhersage nach dem CFSv2 Modell

Der Frühling soll nach diesen Berechnungen im Vergleich zu 1961 und 1990 um +1,0 bis +2,0 Grad zu warm ausfallen können. Im Vergleich zur wärmeren Periode von 1991 bis 2020 soll die Abweichung -0,2 bis +0,8 Grad betragen. Die Niederschlagsentwicklung ist als durchwachsen und gegenüber dem Sollwert als unauffällig zu bewerten.

Das Sommerwetter wird mit einer Abweichung von +2,0 bis +3,0 im Vergleich zu 61 und 90 zu warm simuliert. Im Vergleich zu 1991 bis 2020 können die Werte mit einer Differenz von +0,7 bis +1,7 Grad zu warm ausfallen. In der Niederschlagsbetrachtung ist ein über dem Westen und Norden tendenziell leicht zu trockener Sommer zu erwarten.

Abweichungen der Temperaturen im Frühling und Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert 1961 und 1990
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
März 2024 +0,5 bis +1,5 Grad Trend: etwas zu trocken
April 2024 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: etwas zu trocken
Mai 2024 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis etwas zu nass
Juni 2024 +2,0 bis +3,0 Grad Trend: Normal bis etwas zu trocken
Juli 2024 +2,0 bis +3,0 Grad Trend: etwas zu nass
August 2024 +1,5 bis +3,0 Grad Trend: etwas zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2024
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2024

Auf den Punkt gebracht: ein zu warmer Frühling und Sommer

Zwar kann das Major-Warming einen größeren Einfluss auf das Wetter im März haben, doch ist im Vergleich zu vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 mit einer höheren Wahrscheinlichkeit von einem tendenziell zu trocken und zu warmen Wetter auszugehen. Schaun mer mal.

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