Der sommerliche Wettercharakter wandelt sich so langsam über Deutschland und wird zunehmend unbeständiger - wie stehen die Chancen auf einen nachhaltigen Wetterwechsel?

Nach Deutschland werden in den kommenden Tagen mehr und mehr feucht-warme Luftmassen geführt, was im Schwerpunkt über dem Süden und Westen zum Nachmittag häufiger für Schauer und Gewitter sorgen kann. Weiter nach Osten macht sich mit starker Bewölkung und gelegentlich etwas Niederschlag ein Tiefdrucksystem über dem östlichen Europa bemerkbar, während es über dem Norden weitgehend trocken bleiben kann.

Die Temperaturen bleiben mit Werten von +22 bis +27 Grad größtenteils sommerlich warm, können aber in Schauernähe auf +19 bis +24 Grad zurückgehen.

Nach der aktuellen Wetterprognose für den Juli 2018 nähert sich zum Wochenende von Westen ein weiteres - schwaches - Tiefdrucksystem und kann über Deutschland für vermehrten Niederschlag sorgen, welcher am Samstag über dem Süden auch länger andauernd ausfallen kann. Mit entsprechender Niederschlagsdauer gehen die Temperaturen auf +16 bis +21 Grad zurück, während es über dem Norden weiterhin sommerlich warm bleiben kann.

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Nachhaltige Umstrukturierung der Großwetterlage?

Der Sommer 2018 hat seine Halbzeit erreicht und war bislang um rund +2 Grad zu warm und deutlich zu trocken. Zeit also für eine andere Großwetterlage? Ganz auszuschließen ist eine nachhaltige Umstrukturierung des Zirkulationsmusters nicht. Bislang war das Muster häufiger von nördlichen bis östlichen Grundströmungen geprägt. Schlägt das Muster nun auf West um, so wird es kühler und auch unbeständiger, kippt es hingegen auf Süd, so steht zum Start die Sommerferien in Baden-Württemberg und Bayern eine hochsommerliche Wetterphase bevor - was ist wahrscheinlicher?

Schaut man sich die aktuelle Großwetterlage an, so liegt über dem skandinavischen Raum ein Hochdrucksystem, welches mit einem Keil immer wieder Verbindung zum Azorenhoch aufbauen kann. Links und rechts von dem Hoch sind Tiefdrucksysteme zu finden. Im Grunde eine Omegastruktur, wenn auch auf labilen Fundamenten aufgebaut. Die Tiefdrucksysteme haben nun das Ziel den Hochdruckkeil aufzulösen und sich im weiteren Verlauf über Skandinavien zu positionieren. Das Hochdrucksystem aber möchte nur ungern weichen. Wie sich die Wettersysteme zueinander verhalten werden ist gleichzeitig die Schlüsselszene für den weiteren Verlauf des Sommers 2018.

Amerikanisches Prognosemodell: Durchwachsenes Sommerwetter geht in einen durchwachsenen Hochsommer über

Nein, eindeutig sind die Wetterprognosen des amerikanischen Wettermodells für den Zeitraum vom 21. bis 31. Juli nicht - zumindest nicht hinsichtlich einer stabilen Großwetterlage.

Den Tiefdrucksystemen gelingt im Zeitraum vom 20. bis 22. Juli den hohen Luftdruck über Deutschland, Österreich und der Schweiz abzubauen und für etwas mehr Regen und zurückgehende Temperaturen zu sorgen. Was den Tiefdrucksystemen aber nicht gelingt, ist der Abbau, bzw. die nachhaltige Schwächung der Hochdrucksysteme. In Folge daraus kann im Zeitraum vom 23. bis 25. Juli eine erneute Hochdruckzone über Mitteleuropa entstehen und die atlantischen Tiefdrucksysteme blockieren.

Den Tiefdruckgebieten bleibt nichts anderes übrig, als vor Mitteleuropa nach Süden abzutropfen und im Verbund mit dem Hoch sehr warme Luftmassen über die Alpen nach Deutschland zu führen. Da die Luftmassen aber feucht und energiegeladen sind, ist mit einer erhöhten Schauer- und Gewitterneigung zu rechnen.

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Wie kühl und wie warm kann es werden?

Im Zeitraum um den 22. Juli können die Werte auf +16 bis +22 Grad zurückgehen, werden aber bis Ende Juli und Anfang August im Bereich von +22 bis +27 Grad und phasenweise bis +34 Grad im sommerlich warmen bis hochsommerlich heißen Bereich simuliert.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Wettermodell: Eine Omega ähnliche Hochdruckstruktur über Europa © www.meteociel.fr

Europäisches Vorhersagemodell: Durchwachsenes und warmes Sommerwetter

Ganz ähnlich sind die Wettervorhersagen des europäischen Wettermodells. Die Tiefdrucksysteme dringen am kommenden Wochenende mehr und mehr in Richtung Mitteleuropa vor, können sich aber nicht entscheidend durchsetzen. Nach einer kurzen unbeständigen und auch etwas kühleren Wetterphase kann sich zum 23. Juli ein Tiefdrucksystem im Bereich der Azoren bilden, auf dessen Vorderseite mit Hilfe des Hochdrucksystems bis zum 26. Juli sehr warme Luftmassen nach Deutschland, die Schweiz und auch Österreich geführt werden können.

Wie kühl und wie warm?

Die niedrigsten Werte werden mit +16 bis +22 Grad über Süddeutschland am kommenden Samstag berechnet. Größtenteils bleiben die Werte mit +22 bis +27 Grad aber im sommerlich warmen Bereich. Teils sind Werte von über +30 Grad möglich.

Polarwirbelberechnung Juli

Berechnung Polarwirbel nach Berechnung des europäischen Vorhersagemodells: Keine Omegastruktur, dafür aber ein gradientenschwaches Wetterumfeld © www.meteociel.fr

Veränderung der Großwetterlage?

Die Gemeinsamkeiten der Wettermodelle sind in zwei Punkten auszumachen. Der Versuch der atlantischen Frontalzone ein grundsätzlich anderes Strömungsmuster herbeizuführen scheitert mit einer hohen Wahrscheinlichkeit. Und dennoch - die Hochdruckzone verlagert sich etwas weiter nach Osten, was das Strömungsmuster von Nord/Ost auf Süd/Ost verändern kann. Am sommerlichen Grundcharakter aber ändert sich nichts.

Die Kontrollläufe bestätigen einen Temperaturrückgang im Zeitraum vom 19. bis 23. Juli auf ein für den Norden typisches und für den Süden etwas zu kühles Niveau. Gegenüber dem langjährigen Mittelwert liegt im Zeitraum darüber hinaus der Durchschnittswert über dem Norden um 3 bis 5 Grad und über dem Süden um 1 bis 3 Grad im zu warmen Bereich. Die Kontrollläufe stützen die Wetterprognosen der Wettermodelle weitgehend.

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Das Temperaturspektrum liegt am 22. Juli zwischen +16 bis +27 Grad (Mittelwert: +21 Grad über dem Süden und +23 Grad über dem Norden), am 26. Juli zwischen +20 bis +31 Grad (Mittelwert: +25 Grad über dem Süden und +27 Grad über dem Norden) und am 31. Juli zwischen +20 bis +32 Grad (Mittelwert: +25 Grad über dem Süden und +27 Grad über dem Norden). Eine richtige Hitzewelle ist aber zum aktuellen Stand nicht auszumachen.

Diagramm Temperaturen Juli 2018 vom 16.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Prognose Sommer 2018 nach dem Langfristmodell

Dass ein immer weiter so des Sommers in Frage gestellt werden kann, zeigen die aktuellen Prognosen des Langfristmodells, in dem der August 2018 eine kleine Korrektur erfahren hat. So soll demnach die Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit -0,5 bis +0,5 Grad im normalen und im Trend mit einer Abweichung von bis +1 Grad im zu warmen Bereich liegen. In den letzten Tagen betrug die Abweichung noch +0,5 bis +1 Grad.

Schaut man auf die Niederschlagsprognose des Langfristmodells, so wird klar warum. Aus deutlich zu trocken wurde die Prognose nun auf normal und im Trend etwas zu trocken korrigiert. Mehr Niederschlag bedeutet eine geringere Wahrscheinlichkeit für extrem warme Temperaturen.

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +0,5 bis +2 Grad Trend: Deutlich zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: Normal bis etwas zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 13.06.2018

Die nächste Aktualisierung erfolgt am 17. Juli gegen 13:00 Uhr in einer neuen Wetterprognose August 2018.

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