Der Sommer zeigte sich 2017 bisweilen durchwachsen und mit einem steten Auf und Ab der Temperaturen wenig stabil. Und auch in diesem Jahr haben wir uns dazu entschieden, unsere Wetterberichte für den Winter bereits im September zu starten und den Herbst und den Winter 2017/18 zusammenzufassen.

Wie wird das Wetter im Winter?

Rückblickend waren die Winter der letzten Jahre allesamt zu warm und die durchschnittliche Abweichung der Wintertemperaturen der letzten 20 Jahre lag in etwa um 1 Grad über dem langjährigen Mittelwert. Das erklärt, warum die Flachlandwinter immer seltener werden und auch die mittleren Lagen zwischen 300-600 Meter bekamen immer seltener den Schnee im Winter zu sehen. Den einen freut es, den anderen nicht. Winterwetter polarisiert - keine Frage. Allein schon vor diesem statistischen Hintergrund könnte man mit einer Aussage, dass das Winterwetter 2017/2018 zu warm ausfallen wird richtig liegen - aber so einfach ist das nicht und das Wetter hält sich nicht an Statistiken.

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Gemäß der Statistik zeigen sich im Winter sog. Zyklen, bei der einem warmen Winter ein weiterer warmer Winter nachfolgt, was häufig dann zwei bis drei zu warme Winterzyklen zur Folge haben kann. Dann müsste es nach dem vierten zu warmen Winter seit 2013 höchste Zeit sein, dass wieder normales oder gar zu kaltes Winterwetter bevorsteht? Diese These wollen wir in den nächsten Wochen näher untersuchen und fangen heute mit den Daten, welche uns derzeit schon vorliegen, an.

Was spricht für einen normales bis zu kaltes Winterwetter 2017/18?

Schon der Winter 2016/17 zeigte eine Veränderung in seinem Entwicklungsmuster. Zwar startete der Dezember viel zu warm und teilweise war bis in Höhenlagen um 2.500 Meter bis Ende Dezember noch kein Schnee in Sicht, dafür drehte sich im Januar und Februar dann die Verhältnisse in Richtung Winterwetter um. Mit Hilfe eines stabilen Hochdrucksystems konnte zumindest der sehr hohe Temperaturüberschuss vom Dezember abgebaut werden. Zwar hatte das kaum Schneefall zur Folge, aber die Temperaturen passten - fast - zu einem normalen Winterwetter. Auch die Strömungsverhältnisse zwischen dem östlichen Kanada, Neufundland und Mitteleuropa zeigten gegenüber den letzten Jahren eine Veränderung. Was das mit dem Winter 2017/18 zu tun hat? Noch nichts - aber in der Theorie kann davon ausgegangen werden, als dass sich das warme und südwestlich orientierte Zirkulationsmuster wohl so nicht noch einmal durchsetzen kann (phasenweise sicherlich).
Ansätze für ein verändertes Strömungsmuster zeigten sich auch im Frühjahr und im Sommer. Das Frühjahr war geprägt durch Hochdruckwetterlagen, der Sommer bisweilen durch eine auffällige Positionierung des Hochdrucksystems über den Azoren, was zu dem bisherig wechselhaften Sommerwetter über Deutschland führte. Das Resultat waren häufiger Ost- teils West- bis Nordwestwetterlagen und nicht immer nur das ständige "Südwestgebläse".

Winterfans lieben Schnee, Eis und Frost im Winter
Winterfans lieben Schnee, Eis und Frost im Winter, andere mögen es hingegen nicht - der Winter polarisiert

Die Sonnenaktivität

Die Sonnenflecken - welche eine Interpretation über die Aktivität der Sonne zulässt - haben einen festen 11 Jahres Zyklus und wie man in der Grafik gut sehen kann, befindet sich die Sonnenaktivität derzeit in einem abnehmenden Stadium hin zu einem Minimum, welches 2020 erreicht sein sollte. Je mehr Sonnenflecken es gibt, desto aktiver ist die Sonne, ein Minimum ist ein Indiz eine "schwächelnde Sonne". Und die Folge daraus? Die Annahme besagt stark vereinfacht:

Wenn Sonnenflecken im Minima sind, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung. Weniger Strahlung bedeutet geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, die eine Änderung in der Zirkulation der beiden niedrigsten Atmosphäre hervorruft, der Troposphäre und Stratosphäre…

Schaut man sich die Statistik an, so fällt auf, dass in den Jahren um das Minimum herum die Winter eine Häufung von zu kalt, bzw. normal aufzeigten (Ausnahme der Zyklus Mitte der 70 er Jahre).

Temperaturabweichungen Winter zum Sonnenfleckminimum
Winter Tem­peratur Ab­weichung
94/95 +2 Grad +1,8 Grad
95/96 +2,8 Grad +2,6 Grad
96/97 -2,3 Grad -2,1 Grad
98/99 -0,3 Grad -0,5 Grad
07/08 +4,38 Grad +4,2 Grad
08/09 +3 Grad +2,8 Grad
09/10 -0,2 Grad -0,4 Grad
10/11 -1,3 Grad -1,1 Grad

Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2017
Sonnenfleckzyklus © NASA

QBO - Quasi zweijährige Schwingung

Nicht unwesentlich ist die Bedeutung der QBO. Sie beschreibt einen Vorgang, welcher sich etwa alle 2,2 Jahre wiederholt und die zonalen Winde in ca. 20 bis 25 km Höhe von West-Ost nach Ost-West umkehren lässt. Stark vereinfacht ausgedrückt ist bei normalen Zustand häufiger eine warme West- bis Südwestwetterlage über Deutschland, Österreich und der Schweiz und bei einer Umkehr auf Ost-West eine Nordwest- bis Ostwetterlage zu beobachten. Die letzte Umkehr hätte im Winter 2016/17 stattfinden sollen und zu Anfang sah es auch ganz gut aus, doch die Entwicklung zur zonalen Umkehr brach im November abrupt ab und wurde letztlich nicht vollzogen. Das hat es so noch nicht gegeben! Nichtsdestotrotz zeigte sich in der Umkehrphase im Oktober (zu kalt) und November 2016 (leicht zu kalt) häufiger auch Wetterlagen, welche vermehrt im Winter auftreten. Eine zonale Windumkehr ist also überfällig und man darf gespannt sein, wie sich das in der Wintersaison 2017/18 entwickeln mag. (mehr zum Thema QBO).

Was spricht für eine zu warme Winterperiode 2017/18?

Der Klimawandel! Lag die durchschnittliche Temperatur der letzten 20 Winterjahre um +1 Grad über dem Mittelwert, bedeutet das, dass der Winter um ein Grad zu kalt ausfallen muss um einen Normalwert zu erreichen. Und das ist mit einer westlichen Grundströmung - wie sie über Deutschland, Österreich und der Schweiz meist vorherrschend ist - nicht so einfach zu bewerkstelligen. Der Klimawandel bringt aber auch andere Faktoren, wie bspw. die Meereisausdehnung der Arktis aus dem Tritt. Die Folgen hieraus sind noch nicht abzusehen und können in der Theorie sowohl zu kühleren Winter (geschwächter Polarwirbel) oder zu wärmeren Winter führen (eingefahrenes Strömungsmuster über östliches Kanada/Neufundland, was über Europa zu Südwestwetterlagen zur Folge haben kann).

Meereisausdehnung Arktis
Meereisausdehnung Arktis © Alfred-Wegener-Institut

Schaut man sich zudem diese Grafik der Wintertemperaturen über Deutschland von 1760 bis 2010 an, so zeigen sich etwa seit 1950 immer wärmer werdende Wintermonate.

Die Herbst- & Winterprognose 2017/18 der Langfristmodelle

  • Das Jahreszeitenmodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) berechnet den Herbst (September bis November) mit einer Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,5 bis +2 Grad über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu warm
  • Das Langfristmodell der NASA berechnet die Monate September, Oktober und November mit einer Abweichung von +0,25 bis +2 Grad normal bis zu warm und den Dezember mit bis +3 Grad deutlich zu warm
  • Das Langfristmodell der NOAA berechnet im Herbst 2017 eine Abweichung der Temperaturen von -0,5 bis +1 Grad im normalen bis leicht zu warmen Bereich, während der Dezember 2017 mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad ebenfalls deutlich zu warm berechnet wird
  • Das Modell des IRI-Institutes simuliert mit 40 bis 50 Prozent eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine normale bis leicht zu warme Temperaturentwicklung im Herbst und Dezember
  • Das METOffice berechnet für den Herbst eine Wahrscheinlichkeit von 40 bis 80 Prozent zu warm, 0-40 Prozent normal und 0 bis 20 Prozent zu kalt auszufallen

Die Langfristmodelle werden in den kommenden Wochen in ihren Wetterprognosen für den Herbst und Winter sicherlich noch einige male hin und her springen, zeigen aber dennoch eine - nicht überraschende - warme Tendenz. Da gibt es also in den kommenden Wochen einiges zu berichten, sodass wir die Wetterprognosen für den Herbst und Winter 2017/2018 zunächst nach Bedarf erneuern und ab Mitte August regelmäßiger und ab September täglich aktualisieren.

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