Ein Meereszyklus beeinflusst ein Strömungssystem vor Alaska, welches nachhaltige Auswirkungen auf das Wetter über Mitteleuropa haben kann.

Etwa alle fünf bis sieben Jahre verändert sich ein Strömungssystem bei Alaska, welches auch als der Beaufort-Wirbel bekannt ist. Im normalen Zustand liegt in den oberen Schichten des Strömungssystems kaltes und salzarmes Wasser und darunter bildet sich eine warme und salzreiche Wasserschicht. Das System selbst ist als instabil zu bewerten und so wundert es auch nicht, dass dieser Wirbel seit Jahren im starken Interesse von Fachleuten steht.

Der Beaufort-Wirbel

Mit Hilfe der kalten - oben liegenden - Wasserlinse, kann sich darüber eine dicke Eisschicht ausbilden, was in dieser Region das Eis dicker und stabiler ausbilden lässt, als anderswo. Durch die Blockierung der Warmwasserlinse ist es über der Arktis trocken und kalt. Der Beaufort-Wirbel selbst dreht sich im Uhrzeigersinn.

Anders sieht es über dem Nordatlantik aus. Dort sorgt der Golfstrom an den oberen Schichten für die Zufuhr warmer Wassermassen, welche nach Norden kälter und salzreicher werden und somit absinken, was den Golfstrom - stark vereinfacht ausgedrückt - in Gang setzt.

Beaufort-See
Beaufort-See bei Alaska Quelle: Wikipedia

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Was passiert, wenn das System kippt?

Die warmen Wassermassen drücken nach oben und die kalten Wasserschichten driften durch die Drehrichtung des Systems in den Nordatlantik ab. Die kalten Wassermassen würden sich also mit den warmen Schichten des Nordatlantikstroms vermischen können und unter bestimmten Voraussetzungen den Golfstrom verlangsamen, bzw. abschwächen. Wird der Golfstrom abgeschwächt, hat das eine höhere Wahrscheinlichkeit für kalte Wetterlagen über Europa. Gleichzeitig aber füllt sich der Beaufort-Wirbel von unten mit der Warmwasserschicht auf, was die Arktis - stark vereinfacht - wärmer und niederschlagsreicher werden lassen kann. Soweit die Theorie.

In der Praxis aber stellten Forscher nun fest, dass sich dieser Wirbel seit rund 15 Jahren anders verhält. Bedingt durch den Klimawandel gelangen ungeheure Mengen an Süßwasser (schmelzendes Meereis und arktische Zuflüsse) in diesen Wirbel und sorgt für eine schnellere Drehung und für eine immer größer werdende Ansammlung von salzarmen Wasser.
Wie sich in einem aktuellen Bericht des Advances Sciencemag entnehmen lässt, hat sich der Wärmegehalt in den letzten Jahrzehnten in den unteren Schichten nahezu verdoppelt.

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Sollte diese enormen Warmwassermassen nach oben gelangen können, so würde es nach den Aussagen der Forscher zu gravierenden Veränderungen in der Arktis kommen. Diese wäre dann für die meiste Zeit des Jahres Eisfrei.

Das kalte Wasser driftet in den Nordatlantik

Wo aber das warme Wasser nach oben schwappt, so muss das kalte weichen. Sollte sich das Strömungsmuster - wie alle 5 bis 7 Jahre üblich - Verändern können, so würden die leichten und kalten Wassermassen in den Nordatlantik gespült - und nach Aussagen der Wissenschaftler mit verheerenden Auswirkungen auf den Golfstrom.

Auswirkungen auf Europa?

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass dieses Ereignis verheerende Auswirkungen auf das Wetter über Mitteleuropa haben kann. Vermischt sich das leichte kalte Wasser mit dem warmen und zunehmend salzreichen Wasser des Golfstroms, so wird die Absinkgeschwindigkeit gebremst. Über Jahre hinweg wären kältere Wetterlagen über Mitteleuropa möglich.

Gab es das schon einmal?

Einen ähnlichen Vorgang gab es in den 1970 er Jahren als der Süßwassergehalt im Golfstrom dramatisch zunahm. Vergleicht man die Winter in Deutschland in diesem Zeitraum, so lassen sich keine sonderlichen Auffälligkeiten ausmachen.
Man mag sich aber noch an das Lied Wann wird ´s mal wieder richtig Sommer von Rudi Carrell aus dem Jahre 1975 erinnern. Tatsächlich waren die Sommer in den 70er Jahren durchschnittlich zu kühl. Damals betrug die Dekaden Abweichung -0,1 Grad. Im Vergleich zur aktuellen Dekade liegt die Abweichung der Sommermonate bei +1,5 Grad!

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Auswirkungen nicht abschätzbar

Die Wissenschaftler sind sich sicher: Die Blase wird früher oder später platzen und die warmen Wassermassen an die Oberfläche befördern. Welche Auswirkungen das aber im Detail haben kann, darüber lässt sich nur spekulieren. Die Wissenschaftler selbst weißen auf die Tatsache hin, dass sie selbst die Auswirkungen nicht abschätzen können. So bleibt nur die theoretische Annahme der Abschwächung des Golfstromes mit einer Veränderung der Großwetterlagen.

Kältere Winter und wärmere Sommer?

Was aber wäre wenn? Folgt man der These, so würde sich der warme Atlantik abkühlen, was eine unmittelbare Auswirkung auf die Tiefdruckbildung bei Neufundland und somit auf die gesamte Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik haben kann. Eine schwächere Tiefdruckdynamik lässt über Europa mehr Spielraum für Hochdruckwetterlagen, was im Winter kältere Wetterlagen zur Folge haben kann. Hochdrucksysteme über Mittel- oder dem nördlichen Europa aber haben im Sommer - wie bspw. dieses Jahr - sehr warme Temperaturen zur Folge. Gleichzeitig hätte das aber auch mehr Trockenperioden zur Folge.

Letzen Endes wird man aber abwarten müssen, was tatsächlich passiert. Wir beobachten weiter.

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