Der Sommer war bislang außergewöhnlich - doch wie sieht die weitere Wetterentwicklung aus und wie stehen die Chancen auf eine Veränderung der Großwetterlage?

Die Hitzebelastung nimmt in den kommenden Tagen zu und am Wochenende zeigt sich noch ein erhöhtes Potential für kräftige Schauer und Gewitter, welche mancherorts auch unwetterartig ausfallen können. Zum Start in die neue Woche zeigt sich nach einer kurzen Wetterberuhigung wieder ein Anstieg der Schauer- und Gewitterneigung.

Die Temperaturen bleiben nach der Wetterprognose Juli für die Jahreszeit im viel zu warmen Bereich und so kann der Juli 2018 wärmer als der Juni ausfallen. Kumuliert man die Werte, so ist der Sommer 2018 bislang um etwa +2,8 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm ausgefallen.

In manchen Regionen zeigt sich der Sommer äußerst trocken
In manchen Regionen zeigt sich der Sommer äußerst trocken

Zum Vergleich: der Sommer 2017 war um +1,7 Grad zu warm. Der letzte normale Sommer war mit einer Abweichung von +0,5 Grad im Jahre 2011 und der letzte zu normal/zu kühle Sommer (Abweichung -0,3 Grad) war 1996 aufgezeichnet worden (letzter zu kalte Sommer 1992 mit Abweichung von -0,7 Grad). Anders formuliert ist das nun der 22. zu warme Sommer in Folge - darunter auch der Rekordsommer von 2003 mit einer Abweichung von 3,17 Grad.

Das sollte auch die Antwort auf die zahlreichen Anfragen der letzten Tage sein, ob das die Auswirkungen auf den Klimawandel sind? Ein Sommer macht noch keinen Klimawandel, 22 aufeinander folgende aber schon und das obwohl wir uns derzeit in einer schwachen Phase der Sonnenaktivität befinden (oder eben gerade deshalb - Stichwort: Skandinavienhoch). /p>

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Hitze mit Schauer und Gewitter - das volle Programm

Die Entwicklung der Großwetterlage im August zeigt in den aktuellen Prognosekarten der Wettermodelle zwei Entwicklungsrichtungen.

Hitze

Die erste Variante zeigt sich in Form einer ausgeprägten Hochdruckzone, welche von den Azoren, über die Mittelmeerregion bis über Skandinavien und dem westlichen Russland verlaufen kann. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen inmitten dieser Hochdruckzone im gradientenschwachen Wetterumfeld, was phasenweise - und besonders zum Monatswechsel - die Neigung zu Schauern und Gewittern ansteigen lassen kann.

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Darüber hinaus regeneriert sich die Hochdruckzone und sorgt im Verbund mit der erhöhten Tiefdruckaktivität zwischen Neufundland und Island für den Zustrom sehr warmer Luftmassen, was die Tageswerte in den Bereich von +30 bis +35 Grad und örtlich bis +37 Grad ansteigen lassen kann. Die Hitzewelle könnte sich durch diese Wetterlage noch verschärfen.

Polarwirbelberechnung August

Berechnung Polarwirbel nach Kontrolllauf: Die Hochdruckzone über Deutschland, Österreich und der Schweiz bleibt intakt © www.meteociel.fr

Abkühlung

Ob die zweite Variante sich durchsetzen kann, wird sich schon in den kommenden Stunden entscheiden können, denn der hierfür kritische Zeitpunkt liegt zwischen dem 30. Juli und dem 1. August. Die atlantische Frontalzone nimmt voll an Fahrt auf und versucht mit aller Gewalt weiter nach Osten in Richtung Skandinavien vorzudringen. Das gelingt nach den derzeitigen Wetterprognosen nicht, aber das Tief greift am Flaschenhals der Hochdruckzone über Mitteleuropa an. Gelingt der Durchbruch, so wird das Hoch über Skandinavien unterwandert und im nachfolgenden Zeitraum abgebaut. Mit einer erhöhten Niederschlagsneigung können die Temperaturen auf den normalen - Jahreszeit-typischen - Bereich absinken.

Polarwirbelberechnung August

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Prognosemodell: Tiefdrucksysteme können bis nach Mitteleuropa vordringen © www.meteociel.fr

Wie wahrscheinlich ist ein Wetterwechsel, bzw. ein Fortbestand der Hitzewelle?

Die Hitzewelle ist ein Ergebnis einer wochenlangen Vorbereitung. Das Problem dabei ist, dass das Zirkulationsmuster dermaßen eingefahren ist, dass es schon erhebliche Temperaturdifferenzen geben muss, um ein anderes Zirkulationsmuster herbeizuführen. Aus dieser These heraus wird ein nachhaltiger und plötzlicher Wetterumschwung es in der Umsetzung schwer haben. Vielmehr wahrscheinlicher ist ein Fortbestand der für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen, wenngleich das nicht mit einem Fortbestand der Hitzewelle gleichzusetzen ist.

Diesen Trend stützen auch die Kontrollläufe der letzten Tage, bei der der Mittelwert des Temperaturspektrums im Verlauf des August auf +26 bis +27 Grad zurückgeht, was einem leicht zu warmen Wert entspricht.

Wann kommt Niederschlag?

Nicht ganz unwichtig ist die Frage, wann der Niederschlag kommt - am besten noch mit zweitägigem Dauerregen. Sicherlich ist das für alle, welche die Sommerferien in Deutschland, der Schweiz oder Österreich verbringen, eine blöde Frage - wer hat schon gern Regenwetter im Urlaub? Aber die Natur und sicherlich auch einige Menschen und Tiere brauchen dringend eine Erholungsphase.

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Zum Monatswechsel gibt es einige Schauer und Gewitter. Darüber hinaus aber berechnen die Kontrollläufe eine eher zurückgehende Niederschlagsleistung. Das lässt den Rückschuss auf eine längere und auch warme Hochdruckwetterphase zu - zumindest zum aktuellen Stand. Die Situation könnte sich also noch weiter verschärfen. Deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Diagramm:

Diagramm Temperaturen August 2018 vom 26.07.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettervorhersage Sommer 2018 nach dem Langfristmodell

Das Langfristmodell bleibt seiner Linie der letzten Tage treu und berechnet den letzten Sommermonat August mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm. Kumuliert man zum Juni und Juli den August mit einer Abweichung von 1,5 Grad hinzu, so könnte der Sommer 2018 am Ende um +2,3 Grad zu warm ausfallen.

Sollte sich aber die hochsommerliche Wetterphase - wie oben angedeutet - noch weiter fortsetzen, oder gar noch intensivieren können, so wäre die Abweichung Makulatur und der Sommer 2018 hätte das Zeug dazu, den Rekord von Jahre 2003 einzustellen (Abweichung +3,17 Grad). Um es überspitzt zu formulieren wäre das der zweite Jahrhundertsommer binnen 15 Jahren. Die Sommermonate in Deutschland im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +2,4 Grad Deutlich zu trocken
Juli 2018 +2 bis +3 Grad Trend: Deutlich zu trocken
August 2018 +1 bis +2 Grad Trend: Normal bis etwas zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Sommer 2018 vom 26.07.2018

Fazit

Die Situation zeigt sich in den aktuellen Wettervorhersagen der Wettermodelle eingefahren und die Hitze könnte das erste August-Drittel weitgehend dominieren. Ob das so kommen mag, hängt auch maßgeblich davon ab, wie ich ein Tiefdrucksystem zum Monatswechsel zwischen Island und England entwickeln kann.

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