Wetter Winter 2020/2021 Wetterprognose vom 06.02.2021 - Grenzwetterlage oder Vollwinter?

| M. Hoffmann
Hält - oder verstärkt - sich der Arctic Outbreak?

Ausnahmezustand - So eine Wetterlage gibt es nicht alle Tage und die Folgen daraus werden örtlich zu katastrophalen und chaotischen Wetterverhältnissen führen können. Über die Wetterentwicklung darüber hinaus gibt es noch keinen Konsens und das Spektrum reicht von Vollwinter bis Frühlingswetter.

Extremes Unwetter ist in den kommenden Stunden über der Nordhälfte von Deutschland zu erwarten. Schneefall, Schnee- und Eisregen, dazu stürmische Winde mit erheblichen Schneeverfrachtungen und eisigen Temperaturbedingungen werden zu chaotischen Wetterverhältnissen führen. Mehr dazu: Mehr dazu: Sturm, Schnee und Eisregen - Extremes Unwetter über Deutschland.

Luftmassengrenze kommt weiter nach Süden voran

Die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs kommen im Verlauf des Wochenendes weiter nach Süden voran. Die Vorhersagemodelle differenzieren sich hier noch. Nach der Wetterprognose der Amerikaner ist bei einer Linie von Mannheim und Regensburg der Vorstoß beendet. Nach der Wettervorhersage der Europäer flutet die kalte Luft ganz Deutschland, was die Tageswerte bis zum Mittwoch auf -10 bis -2 absinken lässt. Dazu gibt es immer wieder - meist leichten - Schneefall. Nach den Amerikanern bleibt es trocken. Mehr dazu: Wetter Februar 2021.

Wie weit kommt die kalte Luft nach Süden voran - die Vorhersage-Modelle berechnen unterschiedliche Varianten
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodell: Wie weit kommt die kalte Luft nach Süden voran - die Vorhersage-Modelle berechnen unterschiedliche Varianten
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Auf das Hoch wird es ankommen

Wie in den letzten Tagen häufiger beschrieben, kommt es im Verlauf der kommenden Woche stark darauf an, wie sich das Hochdrucksystem wird verhalten können. Klar wird das wohl erst werden, wenn der Arctic Outbreak Deutschland erreicht, wie viel Schnee niedergeht und wie weit die Temperaturen absacken und die kalte Luft nach Süden vorankommt. Das sind die Faktoren, die in den kommenden Stunden die Wettervorhersage noch in die eine oder andere Richtung umschwenken lassen können. Wie stark die Vorhersage-Modelle mit der Hochdruckposition differieren, zeigt sich schon in der oben stehenden Wetterkarte.

Vollwinter über Deutschland?

Eine Wetterlage, die ein Vollwinter über Deutschland zur Folge hat, berechnet die Wettervorhersage des europäischen Wettermodells. Das Hoch liegt weiter westlich und strebt ab dem 12. Februar nach Norden - in den Polarwirbel - hinein auf und hält den Polarwirbelsplit aufrecht.

An der Ostflanke des Hochdrucksystems werden weiterhin arktische Kaltluftmassen nach Süden geführt. Bedingt durch die Hochdruckposition wird die atlantische Frontalzone auf dem Atlantik vollständig entkoppelt und hat ab dem 12. Februar keinen Einfluss mehr auf das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Wie kalt kann es werden?

Das europäische Wettermodell berechnet vom 8. bis 15. Februar Tageshöchstwerte von -9 bis -2 Grad. In den Nächten sinken die Werte auf -12 bis -4 Grad ab und bei Aufklaren und über Schnee können bis -18 Grad erreicht werden. Hochwinterliche Temperaturverhältnisse.

Kommt Schnee?

Immer wieder etwas, doch ist bei eisigen Werten nicht von großartigen Niederschlagsmengen auszugehen. Es sollte aber ausreichen, um über Deutschland verbreitet für eine geschlossene Schneedecke sorgen zu können.

Der Vollwinter über ganz Deutschland?
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: der Vollwinter über ganz Deutschland?
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Was, wenn das Hoch östlicher liegt?

Wenn sich das Hoch nur etwas weiter nach Osten verlagert, was passiert dann? Entweder es kommt zur Ausbildung eines Skandinavienhoch was, was ebenfalls zu einer winterlichen Ostwetterlage führen kann oder aber der Hochdruckkern verlagert sich über Mitteleuropa. Letzteres berechnet heute das amerikanische Wettermodell.

Betonhoch über Deutschland

Der Hochdruckkern verlagert sich bereits zum 12. Februar über Deutschland und festigt zum 13. Februar seine Position. Sämtliche Wetteraktivität wird um Deutschland herum geleitet und der Vorstoß arktischer Kaltluftassen über dem Osten nach Süden abgeleitet.

Frühlingshaft mild

Bei einem ruhigen, trockenen und sonnigen Wettercharakter können nach der Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells vom 13. bis 18. Februar auf frühlingshaft milde +10 bis +15 Grad und örtlich bis +17 Grad ansteigen.

Diese Hochdruckposition führt über Deutschland zu frühlinghaft mildem Wetter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Diese Hochdruckposition führt über Deutschland zu frühlingshaft mildem Wetter
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Auf den Punkt gebracht: Der Winter hat (noch) nicht fertig

Auch heute lassen wir dieses Fazit so stehen. Hop oder Top - besser lässt es sich einfach nicht umschreiben. Schaut man sich die Wetterprognose der Kontrollläufe an, so sind diese in den letzten 24 Stunden etwas kälter geworden und die milde bis frühlingshaft warme Variante des amerikanischen Wettermodells bildet mit Abstand die wärmste Berechnung in den Kontrollläufen ab, die bereits heute Nachmittag schon gar keinen Bestand mehr hat.

Grenzwetterlage

Aber auch die vollwinterliche Variante der Europäer wird von den Kontrollläufen nicht gestützt. Über dem Süden und Westen liegt der Mittelwert der Kontrollläufe im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 bis 1990 im Zeitraum vom 7. bis 20. Februar im leicht zu warmen Bereich. Anders über dem Norden und Osten, wo sich der Winter mit einer zu kalten Temperaturentwicklung bis zum 17. Februar wird durchsetzen können. Nachfolgend setzt sich auch dort mit einer höheren Wahrscheinlichkeit die Milderung durch. Anders formuliert favorisieren die Kontrollläufe die Grenzwetterlage.

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur-Spektrum Temperatur-Mittelwert
12. Februar -8 bis
+10 Grad
-4 Grad bis
+2 Grad
16. Februar -9 bis
+12 Grad
+0 bis
+3 Grad
21. Februar -8 bis
+13 Grad
+2 bis
+4 Grad
Diagramm Temperaturen Februar 2021
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2021 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Die Unsicherheiten sind hoch, doch im Grunde muss die kalte Luft erst einmal in Deutschland ankommen und für Fakten sorgen. Nachfolgend wird man sehen, wie und ob das Hoch darauf reagieren wird. Dass ein Hoch aber die kommende Wetterlage wird entscheiden können, gilt als weitgehend gesichert - fraglich nur die Position. Was sich im Tagesverlauf verändert hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:15 Uhr an dieser Stelle mit einer Aktualisierung der Winterprognose.

Update der Wetterprognose von 20:20 Uhr

Die Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells konnte bereits heute Nachmittag die milde Variante nicht aufrechterhalten und kippte in eine Variante, die aus einem Skandinavienhoch bestand, an dessen südöstlichem Gradienten kalte Luftmassen nach Deutschland geführt wurden.

Es wird kälter

Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle wird in den kommenden Stunden noch in die eine oder andere Richtung umschwenken können, doch was sich zunehmend klarere herauskristallisiert, ist das Hoch im Bereich zwischen Island, dem europäischen Nordmeer und Skandinavien. Eine nachhaltige Milderung aus westlichen Richtungen wird somit wenig wahrscheinlich und wenn es milder wird, dann durch die Position des Hochdrucksystems. Was sich zudem abzeichnet, ist in den Kontrollläufen ein langsamer, aber stetig kühlerer Wettertrend.

Welche Position wird das Hoch einnehmen?

Darauf wird es ankommen. Deutlicher zeigt sich das im Mittelwert aller Kontrollläufe zum 16. Februar. Das Hoch zeigt sich in einer erstaunlichen Konstitution zwischen Skandinavien und Deutschland mit einem mittleren Kerndruck von 1040 hPa. Wie vor ein paar Tagen in einer These näher erläutert, sollte man kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nicht unterschätzen und nicht selten entsteht daraus - gerade im Februar - ein Hoch über Skandinavien. Aus einer These scheint nun eine konkrete Wetterlage zu werden.

Das Problem für den Winter mit einem Skandinavienhoch

Auch wenn das Hoch zunehmend konkreter wird, so ist es doch noch theoretischer Natur. Das Problem für den Winter aber ist, dass das Hoch über Skandinavien die kalten Luftmassen arktischen Ursprungs blockiert und an seinem östlichen Gradienten nach Süden ableitet. Wenn die Kälte nach Deutschland, Österreich und der Schweiz gelangt, dann über Umwege aus östlichen Richtungen.

Nun kann man sich auch gut vorstellen, warum die Kaltluftmassen nach Osten abgeleitet werden, wenn das Hoch eine Achse nach Süden ausbildet oder sich mit seinem Kern über Mitteleuropa verlagert. Statt Hochwinter wäre mit einer frühlingsnahen Wetterlage zu rechnen. Insofern war die Wetterprognose der Amerikaner von heute Morgen eine plausible Möglichkeit, die man in den kommenden Tagen immer wieder im Hinterkopf behalten sollte.

Das Hochdrucksystem kommt, doch entscheidend wird seine Position sein
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Das Hochdrucksystem kommt, doch entscheidend wird seine Position sein
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Skandinavienhoch

Deutlicher zeigt sich der Wettertrend in den Druckanomalien, die sich in den letzten 24 Stunden bis zum 15. Februar klar in Richtung Hochdrucksystem über Skandinavien entwickelt haben. Wir haben die Variante von gestern mit der heutigen einmal gegenübergestellt. Was man erkennen kann, ist die deutlich stärkere Ausprägung des Hochdrucksystems mit einer nahezu vollständigen Entkopplung des Atlantikwetters. Anders formuliert bekommt der Winter seine Chance - auch über dem Süden.

Das Hoch über Skandinavien wird zunehmend wahrscheinlicher
Der Vergleich von gestern (li.) zu heute (re.): Das Hoch über Skandinavien wird zunehmend wahrscheinlicher
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Wie stehen die Chancen für den Winter?

Die Wahrscheinlichkeit für eine winterlich kalte Hochdruckwetterlage liegt heute Abend bei 49 Prozent. Für eine ruhige und milde Hochdruckwetterlage sprechen sich 40 Prozent der Kontrollläufe aus. Der Rest entfällt mit 11 Prozent auf eine mehr oder minder westlich ausgerichtete Grundströmung. Das Unterstreicht zum einen die Hop oder Top Entscheidung und zum anderen, dass sich mit einem QBO-Ost so schnell die Zonalisierung sich nicht durchsetzen kann.

Die Wetterprognose der Vorhersage-Modelle von heute Abend

Die Amerikaner berechnen eine erneut unklare Wetterentwicklung, bei der warme und kalte Luftmassen - gleichberechtigt - um die Vorherrschaft kämpfen. Für den Moment aber setzen sich die kalten Luftmassen durch und sorgen ab Mittwoch kommender Woche über ganz Deutschland für Dauerfrost. Die Niederschlagsneigung ist als schwach und über dem Osten als mäßig zu bewerten.

Einen Tick kälter ist die Wetterprognose des europäischen Wettermodells. Die Konstellation ist ähnlich und die kalten Luftmassen gelangen aus nordöstlichen Richtungen nach Deutschland, die bereits zum Montag bis zu einer Linie nördlich von Stuttgart und München vorankommen und zum Dienstag den Alpenrand erreichen können. Die Werte pendeln sich auf frostige -8 bis -2 Grad ein und die nächtlichen Werte sinken auf -15 bis -6 Grad ab. Über Schnee und bei Aufklaren sind Werte von bis -20 Grad möglich. Die Schneeprognose ist deutlich positiver als nach den Amerikanern zu bewerten.

Das Hochdrucksystem kommt, doch entscheidend wird seine Position sein
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodell: Das Hochdrucksystem kommt, doch entscheidend wird seine Position sein
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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2022 +6,4 +2,4 +1,6 49,6 l/m² - zu trocken
Dezember 2022 +1,8 +0,98 -0,02 64,8 l/m² - etwas zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,56 +2,3 +1,23 672 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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