Sommerprognose: Ein Sommer der Extreme - Ein Rekordsommer?

Geht der Hochsommer über Deutschland in die Verlängerung?

Der Sommer 2022 ist über Deutschland rekordverdächtig heiß und trocken und toppt im Moment die Sommer aus dem Jahre 2003 und 2018. Doch ob neuer Rekord oder nicht entscheidet sich in der letzten August-Dekade und für diesen Zeitraum zeichnen sich größere Unsicherheiten ab.

Heiß her geht es aus Sicht der Temperaturen über Deutschland. Mit viel Sonnenschein, ein paar Wolken und einem zunächst noch strammen Ostwind, erreichen die Temperaturen verbreitet +27 bis +32 Grad und örtlich bis +34 Grad. Unter bestimmten Voraussetzungen kann über Ballungsgebieten die +35 Grad-Marke überschritten werden.

Ein Höhentief sorgt für instabile Luftmassen

Am Wochenende und zum Start in die neue Woche dehnt sich ein Höhentief nach Deutschland, Österreich und die Schweiz aus und schwächt das Hoch etwas ab. Was folgt, ist eine gradientenschwache Wetterlage. Die Bewölkung nimmt in Form von Quellwolken zu und sorgen am Samstagabend und Sonntag über dem äußerten Osten für ein paar Schauer und Gewitter, die sich im Schwerpunkt am Montag über dem Südwesten und Nordosten für kräftigere Schauer und Gewitter sorgen können (Gewitterprognose). Sonst bleibt es trocken. Die Temperaturen bleiben mit +26 bis +31 Grad und örtlich bis +35 Grad auf einem hochsommerlichen Niveau und sinken in Gewitternähe auf bis +20 Grad ab. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter August 2022.

Eine zunehmend gradientenschwache Wetterlage
Die Wetterprognose des europäischen, amerikanischen und deutschen Vorhersage-Modell: Eine zunehmend gradientenschwache Wetterlage © www.meteociel.fr

Die Regenprognose

Ob sich aus dem Höhentief tatsächlich ein paar Regentropfen lösen können, bleibt abzuwarten. Prinzipiell möglich, doch treten die Schauer und Gewitter allenfalls regional auf und verbreitet wird es bis Montag trocken bleiben können.

Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Bis zum 15. August kaum Niederschlag
Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Bis zum 15. August kein Niederschlag © windy.com

Wetterumschwung mit Trogwetterlage oder die Fortsetzung der Hitze?

Die obenstehenden Wetterkarten zeigen die Hauptaktivität des Höhentiefs direkt über Deutschland, der Schweiz und Österreich und bietet damit die Gelegenheit, das eingefahrene Muster der letzten Monate zu durchbrechen und für eine andere Wetterlage zu sorgen.

Die Trogwetterlage

Zugleich aber sorgt das Höhentief für eine gradientenschwache und wenig dynamische Wetterlage. Ein kleiner Impuls reicht schon aus, um die Großwetterlage in eine völlig andere Richtung kippen zu lassen. Das mach die Wetterlage so besonders - und unsicher.

Eine der möglichen Entwicklungen bleibt ein Trog über Mitteleuropa. Das Höhentief dreht sich über Mitteleuropa ein und wir an seinem östlichen und westlichen Gradienten von Hochdrucksystem gestützt. Das Tief weicht nicht von der Stelle und dreht sich ein, was dazu führt, dass aus einem Höhentief ein autarkes und eigenständiges Tiefdrucksystem werden kann. Da der tiefe Luftdruck eine Lücke in die Hochdruckzone reißt, können nachfolgend weitere Tiefdrucksysteme vom europäischen Nordmeer nach Süden austrogen.

Diese Konstellation würde über Deutschland für kräftigen und phasenweise auch länger andauernden Niederschlag sorgen können. Zudem sinken die Temperaturen mit +27 bis +34 Grad vom 15. August bis zum 20. August auf +18 bis +22 Grad und örtlich unter die +15 Grad-Marke ab. Der Sommer würde sich auf diese Art und Weise allmählich aus Deutschland verabschieden können.

Das Höhentief reißt eine Lücke in die Hochdruckzone und weiter Tiefdruckgebiete stoßen vom europäischen Nordmeer kommend hinzu, was letztlich zu einer Trogwetterlage führt
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: Das Höhentief reißt eine Lücke in die Hochdruckzone und weiter Tiefdruckgebiete stoßen vom europäischen Nordmeer kommend hinzu, was letztlich zu einer Trogwetterlage führt © www.meteociel.fr

Kippmuster in Richtung Verlängerung des Hochsommer

Das Besondere an der kommenden Wetterlage ist jedoch, dass schon der kleinste Impuls reicht, um einen Trog zunichtezumachen und die Wetterentwicklung um 180-Grad drehen lässt. Ein Trog Mitteleuropa ist mit einer meridionalen Nord-Süd-Strömung definiert. Die anderen Variante ist die meridionale Süd-Nord-Strömung. Und wie diese zustande kommen kann, zeigt die Wetterprognose der beiden Prognose-Modelle

Heiße Luft aus dem Süden

Der Schwachpunkt des Troges ist - und das erkennt man bei den kühleren Trogvarianten auf den obenstehenden Wetterkarten - das Hoch über dem östlichen Europa. Dehnt es sich nur einen Tick weiter nach Westen aus, so geht der Trog westlich von Mitteleuropa nieder und führt in Kombination mit dem Hoch warme bis heiße Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Zur Hitze gesellen sich schwüle Luftmassen

Die Wettervorhersage beider Vorhersage-Modelle lassen das Höhentief nahezu wirkungslos verpuffen und die Temperaturen erreichen - durchgängig - bis zum 17. August Werte von +27 bis +32 Grad und örtlich bis +35 Grad. Die Luftmassen werden instabiler und feuchter, was das regionale Schauer- und Gewitterrisiko ansteigen lassen kann. Bis zum 20. August intensiviert sich die Hitze, was die Temperaturen in Richtung der +38 Grad treiben kann, doch lässt zugleich eine zunehmende Anzahl an Schauern und Gewittern das Potential unwetterartiger Wetterereignisse ansteigen.

Die zunehmende Schaueraktivität dämpft das hohe Temperaturniveau etwas und lässt die Werte vom 20. bis 25. August auf +24 bis +28 Grad und örtlich bis +22 Grad zurückgehen. Wie man es aber dreht und wendet - es bleibt bei dieser Variante für die Jahreszeit erheblich zu warm.

Geht der Trog über dem westlichen Europa nieder, gelangt Deutschland in eine warme bis heiße Südströmung
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Geht der Trog über dem westlichen Europa nieder, gelangt Deutschland in eine warme bis heiße Südströmung © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Die Erhaltungsneigung

Beide Vorhersage-Modelle zeigen heute eindrücklich, wie die gestern näher erläuterte Erhaltungsneigung das Wetter in der letzten August-Dekade und möglicherweise auch im September noch beeinflussen kann.

Unsichere Wetterentwicklung

Doch so einheitlich das für den Moment auch erscheinen mag, ist ein Trogeinschlag noch nicht vom Tisch und weiterhin möglich. Plausibler aber ist nach der Erfahrung ein westlicher oder auch östlicher Niedergang des Troges. Seltener geht ein Trog direkt über Deutschland nieder.

Für die Jahreszeit zu warm

Die Kontrollläufe haben in den letzten 24 Stunden die zu kalten Trogvarianten in einen gemäßigten Temperaturrückgang umgewandelt. Die warmen Varianten haben in der Zwischenzeit zugenommen und so erreicht der Mittelwert der Kontrollläufe mit einer Differenz von +4 bis +8 Grad und örtlich bis +10 Grad im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert zum 16. August seinen vorläufigen Höhepunkt und sinkt nachfolgend auf ein +1 bis +4 Grad zu warmes Temperaturniveau ab. Das spricht für die Südwest- und gegen die Trogwetterlage.

Die Regenprognose

Im Zeitraum der potentiellen Wetterumstellung vom 16. bis 18. August zeigt sich eine erhöhte Niederschlagsaktivität. Nachfolgend gehen die Niederschlagssignale in einen leicht erhöhten Bereich zurück, während der Norden und Nordwesten bis zum 22. August in einem maritimen Einfluss verweilen kann, was typisch für eine Südwestwetterlage ist. Und da die Kontrollläufe schon seit mehr als einer Woche die Südwestwetterlage favorisieren, ist das für den Moment die wahrscheinlichste Wetterentwicklung. Zunehmend schwül-warm bis heiß, mit einer ansteigenden Schauer- und Gewitterneigung.

Der Trog geht weiter westlich nieder, was eine Südwestwetterlage sehr wahrscheinlich macht
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Der Trog geht weiter westlich nieder, was eine Südwestwetterlage sehr wahrscheinlich macht © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
16. August +18 bis
+35 Grad
+25 bis
+29 Grad
20. August +18 bis
+32 Grad
+23 bis
+25 Grad
25. August +18 bis
+33 Grad
+24 bis
+26 Grad
Diagramm Temperaturen August 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Das Wetter im August bislang extrem warm und trocken

Die erste August-Dekade ist vorüber und sorge über Deutschland für einen Temperaturüberschuss von +3,9 Grad im Vergleich zum vieljährigen Klimamittelwert von 1961 und 1990 (91/20: +2,5 Grad). Das Niederschlagssoll konnte erst zu rund 9 Prozent erfüllt werden. Der Sommer (Juni, Juli und August) war bislang um +2,7 Grad zu warm (91/20: +1,4 Grad) und das Niederschlagssoll konnte zu 42 Prozent erfüllt werden. Zum Vergleich - der Dürre-Sommer aus 2018 hatte sein Niederschlagssoll zu 53 Prozent erfüllen können und war am Ende um rund +3,0 Grad zu warm. Der Rekordsommer aus dem Jahre 2003 war um +3,4 Grad zu warm und konnte sein Niederschlagssoll zu 64 Prozent erfüllen. Das unterstreicht, in welcher Liga der Sommer 2022 momentan spielt und unter bestimmten Voraussetzungen alles bisher Dagewesene toppen kann.

Wetterprognose August des Langfristmodells

Das Wetter im August soll mit einer Abweichung gegenüber 1961 und 1990 um +2,0 bis +3,5 Grad erheblich zu warm ausfallen (91/20: +0,6 bis +2,1 Grad). Die Niederschlagsprognose wird von England bis über das östliche Europa erheblich zu trocken berechnet. Über Italien und dem südlichen Frankreich etwas zu nass, über Schweden und dem südlichen Finnland deutlich zu trocken, über Norwegen deutlich zu nass (am Gebirgskamm entlang) und über dem nördlichen Finnland weitgehend normal simuliert. Über Deutschland wird das Ende, das Spektrum der maximal möglichen Trockenheit simuliert.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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