Zwar sind in den kommenden Tagen nach Weihnachten bis in tiefere Lagen herab Schneeschauer möglich, doch so richtig winterlich wird sich das nicht anfühlen. Erst oberhalb etwas 400 bis 700 Meter kann der Schnee auch liegen bleiben und in höheren Lagen ist mit weiteren Neuschneezuwachs bis Ende Dezember zu rechnen. Für Anfang Januar 2018 gehen die Berechnungen der Wettermodelle noch auseinander, sind sich aber weitgehend einig darüber, dass nasskalte bis milde Varianten eine höhere Eintreffwahrscheinlichkeit als winterliche Wetterentwicklungen haben können.

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Die Chancen auf Winterwetter

Der Grund für die geringen Wahrscheinlichkeiten von winterlichen Wetterentwicklungen liegen in der atlantischen Frontalzone, bzw. der nachfolgenden Tiefdruckrinne begründet, welche unentwegt Nachschub an Tiefdrucksystemen vom Kaltluftvorstoß über dem östlichen Kanada und Grönland in Richtung Neufundland erhalten. So lange sich daran nichts verändert, ist Winterwetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz wenig wahrscheinlich.

Die Betrachtung der Wettermodelle

Damit sich was verändern kann, müssen sich die Parameter verändern. Und ja, es gibt Hinweise darauf, dass Ende Dezember, Anfang Januar eine Veränderung bevorstehen könnte, wenngleich diese zum heutigen Stand noch auf sehr wackeligen Beinen steht. Schaut man sich die aktuellen Berechnungen des amerikanischen Wettermodells vom Polarwirbels von heute Nachmittag an, so ist alles klar. Der Polarwirbel ist stabil und der Westdrift bis weit in den Januar hinein intakt. Deutschland, Österreich und die Schweiz kommen so nicht aus der milden Vorderseitenanströmung heraus.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung des Polarwirbels nach dem amerikanischen Wettermodell Anfang Januar © www.meteociel.fr

Ansätze der Veränderung aber zeigt bspw. das europäische Wettermodell. In Nuancen anders berechnet - vor allem der gewaltige Hochdruckkomplex über dem sibirischen Raum. Man erkennt aber deutlich die Wellenbewegungen entlang der Polarfront, welches Deutschland, Österreich und der Schweiz Anfang Januar auch nasskaltes Wetter mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen bringen könnte.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung des Polarwirbels nach dem europäischen Wettermodell Anfang Januar © www.meteociel.fr

Vertieft man sich nun in die Simulationen, so kommt noch eine dritte Variante mit ins Spiel, von dem bislang nur wenig die Rede war, in den Simulationen der Wettermodelle hin und wieder mal auftaucht. Ein Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum, welches von sibirischen Hochdrucksystem gestützt wird. Etwas komplexer, hätte aber durchaus winterliche Verhältnisse über Deutschland zur Folge.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung des Polarwirbels nach dem amerikanischen Wettermodell Anfang Januar von heute Nacht © www.meteociel.fr

Betrachtung der Randfaktoren

  • AO- und NAO-Index: Beide Werte werden überwiegend neutral berechnet und lassen die Möglichkeiten Anfang Januar nach allen Seiten offen.
  • Zonale Winde: erreichen Anfang Januar ihren Höhepunkt und haben darüber hinaus eine normalisierende Tendenz - Spricht für ein intakten QBO-West, was eine nachhaltige Schwächung des Polarwirbels weniger wahrscheinlicher macht.
  • Plötzliche Stratosphärenerwärmung: Bis weit in den Januar hinein ist noch nicht einmal Ansatzweise ein anständiges Minor-Warming - geschweige denn ein Major-Warming zu erkennen - welches den Polarwirbel nachhaltig beeinflussen könnte.

Kontrollläufe: mildes Wetter

Das Entwicklungsspektrum ist nach den Kontrollläufen Anfang Januar noch breit gestreut und erstreckt sich in Höhentemperaturen von -8 bis +9 Grad. Ab Höhentemperaturen von -4 Grad können winterliche Wetterszenarien in mittleren Lagen und ab -6 Grad auch in tieferen Lagen in Betracht gezogen werden. Der Mittelwert des Höhentemperaturspektrums liegt Anfang Januar zwischen -3 bis +0 Grad. Das unterstreicht zum heutigen Stand die wenig winterlichen und allenfalls nasskalten Wetteraussichten in den ersten Januartagen.

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 25.12.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wettervorhersage Winter des Langfristmodells

Waren die Winterprognosen des Langfristmodells in den vergangenen Wochen und Monaten von einem deutlich zu warmen Winterverlauf geprägt, so wird in der heutigen Wettervorhersage nochmals eine Schippe obendrauf gelegt. So liegen die Abweichungen gegenüber dem langjährigen Mittelwert im Januar 2018 bei +3 bis +4 Grad und im Februar zwischen +2 bis +3 Grad. Zusammen mit dem wahrscheinlich um +1,5 Grad zu warmen Dezemberwetter würde der Winter 2017/18 sehr deutlich zu warm ausfallen können.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 25.12.2017

Ob sich heute Abend an dem Wettertrend Winter etwas verändert hat, klären wir gegen 20:00 Uhr in einem kurzen Update der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose Winter 2017/18 von 20:00 Uhr
Viel Spielraum für andere Varianten - als eine für die Jahreszeit deutlich zu milde - hat das amerikanische Wettermodell heute nicht zugelassen. Zu stark ist der Westdrift.

Und doch: zwischendurch ein paar Schneeschauer
Vom 27. bis 29. Dezember wird weiterhin die Zufuhr kühlerer Luftmassen nach Deutschland berechnet, was die Schneefallgrenze kurzzeitig mal bis auf tiefere Lagen absinken lassen und die Ausbildung einer Schneedecke ab den mittleren Lagen ermöglichen kann. Anschließend gehen die Temperaturen bis Ende Dezember wieder nach oben und erreichen bei einem windigen (nicht stürmischen) Jahreswechsel milde +8 bis +12 Grad.

Wechselhaft der Januar
Bis zum 3. Januar ändert sich nur wenig. Immer wieder sind Windereignisse und Niederschläge bei relativ milden Temperaturen zu erwarten. Darüber hinaus gibt es Anzeichen für eine Veränderung der Großwetterlage, welche zum heutigen Stand aber noch zu zaghaft sind, als dass man sie ernsthaft diskutieren kann.

Kontrollläufe werden kälter
Das aber etwas im Busch sein könnte, zeigen die Berechnungen der Kontrollläufe, welche heute Abend gegen über den letzten Tagen etwas kühler geworden sind. Der Mittelwert des Temperaturspektrum nähert sich fast dem Bereich, welcher für die Jahreszeit normal wäre und hätte im Mittelwert etwa +3 Grad bei einem Spektrum von -3 bis +11 Grad zur Folge. Man sieht aber recht schnell, dass richtiges Winterwetter - also so etwas wie Hochwinter - derzeit nur sehr geringe Eintreffwahrscheinlichkeiten hat.

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