Aktueller Wettertrend Winter 2021/22: Überraschungen sind möglich

  • M. Hoffmann
Winterwetter bis auf tiefere Lagen herab?
Winterwetter bis auf tiefere Lagen herab?

Das Wetter im Herbst ist bislang deutlich zu warm und zu trocken. Zeit das sich das ändert und auf dem Atlantik mehren sich die Anzeichen, dass das gelingen kann. Reagieren die Langfristprognosen darauf und welche Auswirkungen kann das auf dem Winter haben?

Warmer Herbst, warmer Winter

Letzte Woche hatten wir die Fragen beantwortet, was nach der Statistik für ein Winter zu erwarten ist, wenn der Herbst zu warm bis deutlich ausfiel. Das Ergebnis war eindeutig: Warmer Herbst, kalter Winter?.

Der Herbst ist im Vergleich zu 1961 und 1990 aktuell um +1,6 Grad zu warm (91/20: +1,1 Grad) und hat sein Niederschlagssoll erst zu 33 Prozent erfüllen können. Anders formuliert zu warm und zu trocken.

Letztlich aber wird entscheidend sein, ob sich die meridionale Grundströmung wird erhalten können. Gelingt das, hat der Winter gute Chancen auf winterliche bis tiefwinterliche Abschnitte, wenngleich das Ergebnis am Ende im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert zu warm ausfallen kann.

Setzt sich jedoch mit einer Zonalisierung die Westwetterlage bereits im November durch, so bekommt - zumindest der Frühwinter - einen Dämpfer verpasst. Warum? Die Landmassen bleiben warm/mild. Der Frost zögert sich hinaus und so muss die Kälte im Dezember erst einmal die milden Luftmassen verdrängen und die Landmassen abkühlen. Das kostet Zeit und benötigt einiges an Energie. Freunde des Winterwetters sollten daher nicht auf die Zonalisierung setzen. Wer jedoch Freude am turbulenten, abwechslungsreichen und phasenweise stürmischen Wetter hat, dem wird die Westwetterlage begeistern.

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Turbulente Wetterphase

Die aktuellen Wetterprognosen berechnen eine erhöhte Wetteraktivität auf dem Atlantik und lässt den Rückschluss auf eine Zonalisierung zu. Doch ist es zum einen noch nicht so weit und zum anderen hatte die Zonalisierung in den letzten 19 Monaten ähnliche Ansätze und ist immer wieder - teils kläglich - gescheitert.

Aber abseits der aktuellen Wetterprognosen, was verraten die unterschiedlichen Langfristprognosen - lässt sich da etwas zwischen einer Zonalisierung und dem Erhalt der meridionalen Grundströmung ableiten?

Die Herbst- & Winterprognose 2021/22 der Langfristmodelle

Wie immer an dieser Stelle der Hinweis, dass Langfristprognosen einen Trend der Temperaturen und Niederschläge abbilden und keineswegs als Detailprognosen zu verstehen sind.

Langfristwetter nach dem Deutschen Wetterdienst

Der Wettertrend des Deutschen Wetterdienstes berechnet die Zeit von Dezember 2021 bis Februar 2022 mit einer Abweichung vom vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +1 bis +2 Grad zu warm. Über den östlichen Regionen kann die Abweichung im Trend bis +3 Grad betragen.

Die Niederschlagsprognose ist gegenüber dem vieljährigen Sollwert als unauffällig zu bewerten. Kein klares Indiz für die Westwetterlage. Vielmehr spricht die zu hohe Temperaturentwicklung für eine wechselhafte Südwestwetterlage, die durch einen nicht enden wollenden Zustrom kalter Luftmassen über dem östlichen Kanada in Gang gesetzt wird.

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Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Der Dezember 2021 kann nach der Wetterprognose der NASA zum winterlichen Volltreffer werden. Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 61/90 soll der erste Wintermonat mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad normal und im Trend leicht zu mild ausfallen. Die Niederschlagsprognose ist im leicht zu trocken zu bewerten. Schneeschauer und die ersten winterlichen Abschnitte werden demnach möglich sein.

Doch wird die Euphorie der Winterfreunde mit einem etwas zu nassen und um +1 bis +3 Grad deutlich zu warmen Wetter im Januar 2022 gedämpft. Der Februar wird ebenfalls etwas zu nass simuliert und die Temperaturen sind mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad nicht mehr so hoch. Trotz normalen Dezembers wird der Winter 2021/22 nach diesem Wettertrend um +1 bis +2 Grad zu warm ausfallen können.

Wetterprognose Winter nach dem CFSv2 Modell

Die Wetteraussichten des CFSv2 Modells berechnen einen gemäßigten Dezember, der winterliche Wetterphasen beinhalten kann. Am Ende soll der Dezember mit einer Abweichung von +0,5 bis +2 Grad zu warm ausfallen können. Die Niederschlagsprognose ist als deutlich zu nass zu bewerten.

Der Januar und der Februar 2022 sollen mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad und im Trend von bis +4 Grad deutlich zu warm ausfallen können. Die Niederschlagsprognose ist im Januar deutlich positiv und im Februar neutral bis leicht negativ besetzt. Anders formuliert lässt sich nach diesem Wettertrend eine zonal geprägte Wetterlage ableiten (möglicherweise beginnend mit dem Weihnachtstauwetter).

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Der Winter nach dem europäischen Langfristmodell

Die Wettervorhersage des europäischen Langfristmodells überrascht heute mit einer Kehrtwende. Bislang wurden die Wintermonate mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm simuliert.

Im aktuellen Langfristtrend wird der Dezember 2021 mit einer Abweichung von -0,5 bis +1,5 Grad tendenziell etwas zu warm simuliert und winterliche Abschnitte sind möglich, wenngleich diese wohl eher von Frost und Nebel geprägt sein können. Entsprechend zu trocken fällt die Niederschlagsprognose aus.

Der Januar 2022 wird mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und der Februar mit bis +3 Grad zu warm simuliert. Beide Wintermonate werden im Trend leicht zu nass simuliert. Am Ende wird auch nach den Europäern ein zu warmer Winter berechnet und auch in dieser Prognose lässt sich eine zunehmende Dominanz einer Zonalisierung ableiten.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990. In Klammer der Mittelwert von 1991 und 2020
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2021 +1,8 Grad (+1,3 Grad) Trend: erheblich zu trocken
Oktober 2021 +0,5 bis +1,5 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: normal
November 2021 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,1 bis +1,1 Grad)
Trend: zu nass
Dezember 2021 +0,5 bis +2,0 Grad
(-0,5 bis +1,0 Grad)
Trend: zu nass
Januar 2022 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,4 bis +1,6 Grad)
Trend: zu nass
Februar 2022 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,1 bis +1,9 Grad)
Trend: normal bis etwas zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022  vom 17.10.2021
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2021/2022 vom 17.10.2021

Auf den Punkt gebracht

Einen Kalt- oder Eiswinter lässt sich bei keinem der Langfristmodelle ableiten. Was möglich ist, sind winterliche Wetterphasen, bei der sich auch bis über tieferen Lagen eine Schneedecke ausbilden kann. Doch am Ende wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein zu warmer Winter herausspringen.

Doch Vorsicht und Skepsis sind bei Langfristprognosen immer angebracht und sollte sich das meridional Strömungsmuster im Winter behaupten können, so sind andere Überraschungen möglich.

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Das Wetter-Jahr 2021 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2021 +0,6 +1,1 -0,3 78 l/m² - zu nass
Februar 2021 +1,8 +1,4 +0,3 48 l/m² - leicht zu trocken
März 2021 +4,8 +1,3 +0,2 46 l/m² - zu trocken
April 2021 +6,1 -1,3 -2,9 33 l/m² - zu trocken
Mai 2021 +10,4 -1,4 -2,4 96 l/m² - zu nass
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2020 +6,0 +2,0 +1,1 18,7 l/m² - zu trocken
Dezember 2020 +3,0 +2,2 +1,2 57 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2021 +10,31 +0,84 -0,24 694 l/m² - etwas zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

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