Wetteraussichten: Kippmuster zwischen Vollherbst und goldenem Oktober

Vollherbst oder goldener Oktober?

Die kalten Luftmassen gelangen in den kommenden Tagen unter Hochdruckeinfluss, doch lässt die Stabilität des Hochdrucksystems zu wünschen übrig und in Form einer Schlüsselszene kann die Wetterlage bis Ende September entweder in Richtung Vollherbst, oder Altweibersommer kippen.

Hochdruckaufbau. Das für die Kaltluftzufuhr verantwortliche Tief zieht über Skandinavien nach Nordosten ab und trogt nicht weiter nach Süden aus. Gleichzeitig dehnt sich in den kommenden Tagen ein Hochdrucksystem von Westen in Richtung Mitteleuropa aus und beginnt mit einer zunehmenden Sonnenscheindauer das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu beeinflussen.

Ein zunehmend spätsommerlicher Wettercharakter

Eine zunehmende Sonnenscheindauer bedeutet aber auch wenig Wolken und fehlen diese in der Nacht, sinken die Werte auf +3 bis +8 Grad ab und können mancherorts für Boden- und Luftfrost sorgen. Das wiederum fördert die Entstehung frühmorgendlicher Nebelfelder, die sich bis zum Nachmittag jedoch weitgehend auflösen. Und so ziehen die letzten Schauer heute über den Osten ab- und nachfolgend sorgt der Sonnenschein für einen Anstieg der Temperaturen auf +14 bis +18 Grad. Zum Ende der Woche dreht die Grundströmung auf südliche Richtungen und führt mit +15 bis +20 Grad und örtlich bis +23 Grad spätsommerlich warme Luftmassen nach Deutschland. Am Samstag können vorüberziehende Wolken für ein paar Schauer sorgen, sonst bleibt es trocken. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter September 2022.

Eine schwachgradientige, aber hochdruckdominierte Wetterlage
Die Wetterprognose des europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodells: Eine schwachgradientige, aber hochdruckdominierte Wetterlage © www.meteociel.fr

Die Regenprognose

Die letzten Schauer ziehen heute nach Osten ab. Nachfolgend ist bis zum Wochenende nicht mehr mit Niederschlag zu rechnen, bevor zum Samstag über dem Norden und Süden ein paar Schauer für etwas Abwechslung sorgen können. Verbreitet aber bleibt es trocken.

Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Verbreitet trockenes Herbstwetter
Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Verbreitet trockenes Herbstwetter © windy.com

Das Kippmuster in den Herbst oder Spätsommer?

Die These vom Herbstdurchbruch bis in den Oktober hinein hatten wir in den letzten Tagen näher erläutert und die Vorhersage-Modelle simulierten immer wieder eine Entwicklung der Großwetterlage, die mit einem weiteren Trogvorstoß den Vollherbst nach Deutschland führen können. Doch handelt es sich hierbei um ein Kippmuster, dass unter bestimmten Voraussetzungen den Vollherbst in eine spätsommerliche Großwetterlage kippen lassen kann.

Vollherbst mit kühlem Wind und Regen

Bleiben wir kurz beim Vollherbst, denn dieser wird ansatzweise in der Wetterprognose der Amerikaner und von den Europäern berechnet.

Der hohe Luftdruck zieht sich aus Mitteleuropa zurück und positioniert sich auf dem Atlantik in kugelrunder Formation. Die atlantische Frontalzone wird blockiert und gelangt über einen nördlichen Umweg in Richtung Europa. Da nun aber die Hochdruckstütze über Mitteleuropa fehlt, können die Tiefdrucksysteme vom europäischen Nordmeer aus nach Süden austrogen. In Kombination mit dem Hoch westlich von Europa gelangen mit einem auflebenden Wind aus nördlichen Richtungen erneut kühle Luftmassen nach Deutschland.

Erreichen die Temperaturen am 26. September noch +15 bis +20 Grad, so gehen die Werte bis zum 28. September auf +10 bis +15 Grad zurück. Dreht sich dann der Trog noch über Mitteleuropa ein - wie es die Europäer berechnen - so kann sich bis in den Oktober ein herbstlich anmutender Wettercharakter behaupten.

Der Ansatz eines herbstlich anmutenden Troges
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodell: Der Ansatz eines herbstlich anmutenden Troges © www.meteociel.fr

Das Kippmuster und die Schlüsselszene

Beide Vorhersage-Modelle zeigen vom 27. bis 28. September eine sich aufbauende Schlüsselszene, die eine auf Vollherbst getrimmte Wetterentwicklung noch in eine andere Richtung kippen lassen kann.

Die Schlüsselszene zwischen Vollherbst und Spätsommer
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und amerikanischen (re.) Wettermodell: Die Schlüsselszene zwischen Vollherbst und Spätsommer © www.meteociel.fr

Spätsommer

Entscheidend wird sein, wie sich das Hoch auf dem Atlantik verhalten wird. Dehnt es sich weiter nach Osten aus, so hat der Trog ein leichtes Spiel und könnte allenfalls noch über das östliche Europa - an Deutschland vorbei - abgeleitet werden. Zieht sich das Hoch aber nur etwas nach Westen zurück, so wird der Trogvorstoß westlich von Europa niedergehen können.

Da sich Tiefdrucksysteme gegen den Uhrzeigersinn drehen, werden auf der Vorderseite des Tiefdrucksystems warme Luftmassen von Süd nach Nord geführt, was über Deutschland, Österreich und der Schweiz einen spätsommerlich warmen Wettercharakter zur Folge haben kann.

Goldener Oktober

Da es sich um ein meridional verlaufendes Strömungsmuster handelt, wird sich über dem östlichen Europa ein sog. Hochdruckrücken aufbauen und das Tief westlich von Europa blockieren können. Sollte das gelingen, so würde sich der hohe Luftdruck weiter nach Westen ausdehnen und so für eine hochdruckdominierte Wetterlage sorgen können, die dem des goldenen Oktober entspricht. Mit viel Sonnenschein können die Temperaturen auf +17 bis +21 Grad und örtlich bis +24 Grad ansteigen.

Vom Frühherbst in den Spätsommer
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Vom Frühherbst in den Spätsommer © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Herbst oder Spätsommer?

Die Unsicherheiten bleiben bestehen und lassen sich in einer Schlüsselszene um den 27. September ausmachen.

Unsicherheiten

In der Wetterprognose der Kontrollläufe spiegeln sich die Unsicherheiten wider. Im Zeitraum vom 23. bis 26. September kann sich bei einer weitgehend trockenen Witterung mit +20 Grad und mehr mancherorts ein spätsommerlicher Temperaturcharakter entwickeln. Vom 27. bis 29. September erfolgt ein Temperaturrückgang, den die Mehrheit der Kontrollläufe stützt, jedoch bilden die Vorhersage-Modelle weiterhin die kältesten Varianten in den Kontrollläufen ab.

Im Zeitraum vom 1. bis 6. Oktober bestätigt sich ein positiver Temperaturtrend, der im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 über dem Süden und Osten um +0 bis +2 Grad zu warm (91/20: -0,4 bis +1,6 Grad) und über dem Norden und Westen mit -1 bis +1 Grad normal ausfallen kann (91/20: -1,4 bis +0,6 Grad). Weder der Vollherbst noch der Spätsommer (Altweibersommer), werden von den Kontrollläufen zum aktuellen Stand gestützt. Vielmehr handelt es sich um eine schwachgradientige Wetterentwicklung, bei der vom 25. bis 30. September mit einem Trogansatz die Schauertätigkeit ansteigen und im Oktober wieder nachlassen kann.

Der Ansatz des Troges ist deutlich erkennbar, doch ob nachhaltig oder nicht, bleibt vorerst noch abzuwarten
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Keine stabile Wetterentwicklung - Der Ansatz des Troges ist deutlich erkennbar, doch ob nachhaltig oder nicht, bleibt vorerst noch abzuwarten © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
26. September +12 bis
+24 Grad
+15 bis
+17 Grad
30. September +12 bis
+20 Grad
+14 bis
+18 Grad
5. Oktober +8 bis
+25 Grad
+15 bis
+17 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Der Herbst- und Wintertrend des Langfristmodells

Der September hat im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 eine momentane Abweichung von rund +2,0 Grad (91/20: +1,5 Grad). Kumuliert man die Wetterprognose der Kontrollläufe, so kann der Temperaturüberschuss bis zum Ende des Septembers auf +0,6 bis +0,9 Grad abgebaut werden (91/20: +0,1 bis +0,4 Grad).

Der Oktober, November, Dezember und der Januar werden im Vergleich zum Klimamittelwert von 1961 und 1990 mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad und im Trend von bis +3 Grad in einem erheblich zu warmen Bereich simuliert, während der Februar einer Differenz von +0,0 bis +1,0 Grad der kälteste der Wintermonate werden kann.

Am Ende soll der Herbst um +1 bis +2 Grad (91/20: +0,5 bis +1,5 Grad) und im Trend um bis +2,5 Grad zu warm ausfallen. Der Winter weist mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad (91/20: -0,2 bis +0,8 Grad) einen mäßig milden Trend aus.

Zu nass soll der September, Dezember und Februar ausfallen. Tendenziell leicht zu nass wird der Oktober und Januar simuliert, während der November tendenziell etwas zu trocken ausfallen soll.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,1 497,2 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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