In den kommenden Tagen zeigt sich das Wetter unbeständig und mit Wind aus südwestlichen Richtungen können mildere Luftmassen nach Deutschland geführt werden, so dass die Luftmassengrenze, bzw. der Dauerfrost über dem Nordosten wohl kaum mehr eine Rolle spielen sollte. Fraglich ist zum heutigen Stand, ob zum Start in die neue Woche ein Orkantief Deutschland überqueren kann - hierbei sind sich die Simulationen der Wettermodelle noch nicht einig und Veränderungen der Simulationen in den kommenden Stunden durchaus zu erwarten. (Details s. aktuelle Wettervorhersage Januar.

Darüber hinaus simulieren auch heute die Wettermodelle die Umstellung der Großwetterlage der letzten Tage, allerdings mit einem kleinen, aber wichtigen Unterschied. Das Mittelmeertief kann sich nach den heutigen Berechnungen nicht ausbilden. Das hat Konsequenzen auf die weitere Wetterentwicklung.

Das amerikanische Wettermodell lässt das Tiefdrucksystem im Zeitraum vom 10./13. Januar von England über die Nord- und Ostsee nach Skandinavien abziehen. Gleichzeitig positioniert sich ein Blockadehoch auf dem Atlantik zwischen Grönland und den Azoren. Somit kann im Verbund beider Wettersysteme zunächst kühlere Luftmassen, später kalte Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden. So sinken die Temperaturen im Wochenverlauf zunächst auf nasskalte -1/+4 Grad und können zum 15. Januar vielerorts in den Dauerfrostbereich übergehen. Die Niederschläge gehen dabei zunächst im mittleren Lagen zwischen 300-600 Meter und zum Wochenende teils bis in tiefere Lagen in Schnee über. Da die Initialisierung des Mittelmeertief fehlt, kommt der "Kaltluftmotor" nicht in Schwung. Zwar bleibt es bis zum 18. Januar weitgehend bei winterlichen bis nasskalten Temperaturwerten, allerdings kann von Südwesten zum 19. Januar ein Tiefdrucksystem auf Deutschland übergreifen und in der Höhe mildere Luftmassen mit sich führen und somit zu den unterschiedlichsten Niederschlagsformen führen. Der Begriff "Vollwinter" kann hierbei nicht verwendet werden. Zwar gelingt es mit dem abziehenden Tiefdrucksystem nachfolgend wieder kältere Luftmassen zu advehieren, jedoch endet das im Zeitraum 19./23. Januar eher in einer für tiefere Lagen nasskalte und ab den mittleren Lagen durchaus winterlichen Nordwestwetterlage (gestern noch Nord/Nordost).

Das europäische Wettermodell simuliert einen ganz ähnlichen Ansatz, jedoch verzögert sich die Zufuhr kühlere Luftmassen auf den Zeitraum nach dem 16. Januar. Zuvor wird es zwischen dem 12./15. Januar bei einer vielfach nasskalten Witterung bleiben.

Wie bereits in den letzten Wetterprognosen angekündigt werden sich die Wettermodelle in ihren Simulationen im Detail noch mehrmals anpassen und weisen aktuell noch ein breites Entwicklungsspektrum für das zweite Januar-Drittel aus. Blickt man jedoch auf die Kontrollläufe, so wird schnell klar wohin die Reise der Temperaturen im zweiten Januar-Drittel gehen kann. So liegt das Temperaturspektrum der Kontrollläufe am 13. Januar zwischen -5/+7 Grad (Mittelwert: +0/+2 Grad über dem Norden und Osten und +3/+4 Grad über dem Süden und Westen) und am 18. Januar zwischen -10/+9 Grad (Mittelwert: +0/+1 Grad über dem Norden und Westen und -2/-3 Grad über dem Süden und Osten). Die Niederschlagsneigung ist im gesamten Zeitraum als mäßig zu bezeichnen, so dass bei entsprechend tiefen Temperaturen die Ausbildung einer Schneedecke in tieferen Lagen möglich und ab mittleren Lagen wahrscheinlich ist.

Warum ist das Mittelmeertief für einen nachhaltigen Winter so wichtig? Es dient als "Motor" für die kalten Luftmassen, um diese auf seiner westlichen Seite aus nordöstlichen Richtungen anzusaugen. Gelingt das, so sorgen die nachströmenden kalten Luftmassen für eine stetige Regenerierung des Blockadehochs und des Italientiefs. Fehlt das Tief hingegen, so ist kann das Blockadehoch auf dem Atlantik rasch nach Osten weg kippen und nachfolgend gibt es wieder mehr Spielraum für mildere Varianten. Zum Vergleich: die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), liegen am 13. Januar bei 20/75/5 (gestern: 30/60/10) und am 21. Januar bei 55/40/5 (gestern: 75/15/10). Milde bis warme Varianten haben weiterhin deutlich schlechtere Chancen sich im Zeitraum 13./21. Januar durchzusetzen als nasskalte bis kalte Varianten.

Betrachtet man den Polarwirbel, so wird nach der Berechnung der Wettermodelle im Zeitraum 13./20. Januar ein kräftiges Hochdrucksystem zwischen der Polregion und Grönland simuliert, welches eine Hochdruckverbindung zu den Azoren bis nach Sibirien, teils auch bis nach Alaska und der Westküste der USA aufbauen und damit einen Teilwirbel "abspalten" kann, welcher sich im Zeitraum mit seinem aktiven Teil über der Barentssee positionieren kann. Das sind für winterliche Verhältnisse über Mitteleuropa grundsätzlich günstige Voraussetzungen, da die Wetteraktivität zwischen dem östlichen Kanada und Neufundland für Deutschland, Österreich und die Schweiz zunächst keine Rolle mehr spielt. Auf die zahlreichen Anfragen der letzten Tage nach "Wann kommt Schnee, bzw. wann kommt der Winter?" gibt es heute folgende Antwort: mit hoher Wahrscheinlichkeit nach dem 13. Januar. Aufgrund der spannenden Entwicklungsmöglichkeiten erfolgt an dieser Stelle heute Abend gegen 21:00 Uhr eine Aktualisierung dieser Winterprognose.
Aktualisierung:
Kaum Veränderungen. Zwar simulierte das amerikanische Wettermodell heute Nachmittag wieder eine "Voll"winterliche Variante, welche heute Abend bereits wieder etwas zurückgenommen wurde. Stattdessen kommt es nach der aktuellen Simulation zwischen dem 13./20. Januar zu einer "Pattsituation", bei der ein kräftiger Tiefdruckwirbel auf dem Atlantik versucht eine Südwestwetterlage einzuläuten, während über Mitteleuropa kalte Luftmassen nach Süden geführt werden können. Deutschland liegt demnach zwischen den Fronten und zumeist im nasskalten Bereich, wobei der Zeitraum 13./17. Januar vor allem ab den mittleren Lagen (300-600 Meter) winterlich ausfallen kann. Das europäische Wettermodell simuliert eine Mäandrierung der Gradienten (verschlungen), so dass über Deutschland im gradientenschwachen Umfeld es weitgehend für Dauerfrost im Zeitraum 13./18. Januar mit etwas Schneefall bis in tiefere Lagen reichen könnte. Das Hin und Her in den Simulationen geht also weiter. Die Rahmenbedingungen sprechen mit dem Hochdrucksystem Azoren/Grönland/Nordpol für die winterlichen Aussichten im zweiten Januar-Drittel. Das stärkere Minor-Warming, welches zum letzten Januar-Drittel Potential für ein Major-Warming hatte, wurde heute in den Simulationen nicht mehr berücksichtigt - und dennoch befindet sich der Polarwirbel über den gesamten Zeitraum in einem äußerst labilen Zustand und sowohl der NAO- als auch AO-Index werden negativ berechnet. Man darf gespannt sein, was die Simulationen in den kommenden Stunden noch so alles berechnen werden. Zum Vergleich noch schnell die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6), welche am 13. Januar bei 15/80/5 (heute Mittag: 20/75/5) und am 21. Januar bei 50/30/20 (heute Mittag: 55/40/5). Das Langfristmodell simuliert zwischenzeitlich für den Januar 2016 eine Temperaturabweichung von -0,5/+1 Grad gegenüber dem langjährigen Temperaturmittel über dem Nordosten, sonst liegt die Abweichung des Temperaturmittels zwischen 0,5/+2 Grad - zum Vergleich: vor einigen Tagen lag die Abweichung noch im Bereich zwischen +2/+4 Grad.

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