Nein, der Winter hat es auch in diesem Jahr nicht leicht und der Wetterausblick der aktuellen Wettervorhersage bis in die neue Woche zeigt ein vielfach zu warm verlaufendes erstes Dezember-Drittel. Wie warm? Die Abweichung der Temperaturen beträgt gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa +3/+8 Grad. Das bedeutet - wie bereits im November - dass die darauf folgenden Tage einiges an Wetterkapriolen zeigen müssten, wenn sich das Temperaturniveau noch normalisieren sollte.

Schaut man auf die aktuelle Winterprognose des Langfristmodells, so liegt die Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert im Dezember zwischen +1/+2 Grad, im Januar 2016 bei +1/+3 Grad und im Februar 2016 bei +1/+2 Grad. Im Mittelwert wäre der Winter 2015/16 um +1/+2 Grad zu warm. Insofern kann man schon nachvollziehen, warum das erste Dezember-Drittel zu warm ausfallen wird.

Was ist die Ursache hierfür? Wie bereits in den letzten beiden Wintern ist der Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland ungebrochen. Erreicht die Kaltluft den Atlantik, setzt sich eine ganze Reihe an Tiefdruckausläufern in Richtung Europa in Gang, so dass die Tiefdruckrinne selbst zumeist zwischen Neufundland, Island und Skandinavien verlaufen kann. Das Hoch über dem Süden spielt dabei eine passive Rolle und erstreckt sich zwischen den Azoren, der Mittelmeerregion und dem östlichen Europa. Zwischen beiden Wettersystemen kommt es nachfolgend zu dieser milden Südwestströmung.

Was muss passieren, damit sich das ändert? Die Wettermodelle simulierten in den letzten Tagen immer wieder Varianten, welche durchaus das "Zeug" dazu haben könnten das Zirkulationsmuster im zweiten Dezember-Drittel langsam aber stetig zu ändern. Diese Varianten sehen dabei immer gleich aus und haben sich gegenüber heute kaum verändert.

So kann sich entlang der Tiefdruckrinne zum 6./7. Dezember ein Tiefdrucksystem über Skandinavien "abspalten" und sich in Richtung Barentssee/Karasee verlagern. Das hat eine Kaltluftzufuhr östlich von Grönland über das europäische Nordmeer zur Folge. Im Zeitraum zwischen dem 9./11. Dezember zieht über das nordöstliche Kanada in Richtung Baffin-Bay ein Tiefdrucksystem auf und verhindert zunächst einmal die Kaltluftzufuhr in Richtung Neufundland. Dieses Setup gilt zwischenzeitlich als wahrscheinlich und drei wesentliche Varianten könnten sich daraus im zweiten Dezember-Drittel entwickeln.

In der ersten Variante verlagert sich die Tiefdruckentwicklung nach Island in einen zentral steuernden Tiefdruckkomplex. Auf seiner Rückseite könnte das Azorenhoch nach Norden in Richtung Grönland aufstreben. Allerdings sorgt die weit westliche Tiefdruckposition über Mitteleuropa eher für nasskaltes "Schmuddelwetter". In einer weiteren Variante verlagert sich das Zentraltief über den skandinavischen Raum, so dass das Azorenhoch in einer nachhaltigen Position nach Norden aufstreben kann. Deutschland würde dann in den Einflussbereich von maritim erwärmter Kaltluft arktischen Ursprungs kommen, was in tieferen Lagen der Gebiete etwa nördlich der Mittelgebirge für nasskaltes und über den südlichen Regionen für Schnee ab den mittleren Lagen sorgen könnte. Verlagert sich das Tief noch weiter nach Osten, gelangt Deutschland auf die direkte Rückseite des Tiefdrucksystems, was einen ernstzunehmenden Wintereinbruch zur Folge haben könnte.

Und was ist am wahrscheinlichsten? Am Wahrscheinlichsten ist nach den sog. Kontrollläufen eine langsame Normalisierung der Temperaturwerte im Verlauf des zweiten Dezember-Drittels. Und was bedeutet Normalisierung im Dezember? Typisch für Mitte Dezember wären nasskalte Werte welche - je nach Höhenlage - zwischen -1/+5 Grad liegen können.

Was macht der Polarwirbel? Der bleibt weitgehend intakt und verschiebt seinen Kältepol im Zeitraum zwischen dem 8./11. Dezember von Grönland/Kanada in Richtung Sibirien, was ebenfalls als Indiz zu einer möglich bevorstehenden Umstellung der Großwetterlage im zweiten Dezember-Drittel bewertet werden kann. Stärkere Wellenbewegungen entlang der Polarfront sind im Zeitraum vom 11./16. Dezember zu beobachten, wobei der Kältepol über dem sibirischen Raum verbleiben kann. Der sog. AO-Index - welcher vereinfacht ausgedrückt den Zustand des Polarwirbels beschreibt - bleibt bis auf weiteres positiv (intakter Polarwirbel). Der NAO-Index, welcher vereinfacht ausgedrückt das Verhältnis zwischen Islandtief und Azorenhoch beschreibt, bleibt ebenfalls bis auf weiteres positiv (tief Island, Hoch Azoren). Wie ist das zu interpretieren? Eine mögliche Wetterumstellung wird ihre Zeit brauchen und nicht von heute auf morgen gelingen - als wahrscheinlicher Zeitraum kommt der 15./18. Dezember in Frage. Gegen 20:45 Uhr erfolgt an dieser Stelle eine Aktualisierung dieser Winterprognose.
Aktualisierung:
Die Südwestwetterlage wird bis zum 9./10. Dezember das Wetter über Deutschland, der Schweiz und Österreich dominieren. Darüber hinaus differenzieren sich die Wettermodelle in ihren Simulationen, wenngleich auch beide Wettermodelle eine Umstellung der Großwetterlage im zweiten Dezember-Drittel im Programm haben. Geht es nach dem amerikanischen Wettermodell, so positioniert sich zum 9./10. Dezember ein kräftiger Tiefdruckwirbel über dem Bereich Barentssee/Karasee und "zieht" die kalten Luftmassen weit nach Osten, was die Tiefdruckaktivität in den Bereich zwischen Grönland , Island, Skandinavien verlagert. Demnach würde die Südwestwetterlage langsam bis zum 15. Dezember in eine Westwetterlage umgewandelt werden können. Im Zeitraum bis zum 18. Dezember verlagert sich der hohe Luftdruck in Richtung Azoren und stellt sich dabei steil nach Norden in Richtung Island, Grönland auf, so dass auf dessen Rückseite die Tiefdrucksysteme nach Süden abtropfen können. Nasskaltes Wetter wäre demnach im Zeitraum 14./17. Dezember wahrscheinlich, wobei nachfolgende winterliche Optionen nicht auszuschließen wären. Die Simulation des europäischen Wettermodells "überrascht" zum 9./10. Dezember in der Form, als dass das kräftige Tiefdrucksystem nicht direkt über der Barentssee/Karasee liegt, sondern etwas südlicher was dazu führen kann, dass die Kaltluft auch weiter nach Süden geführt werden kann und der Druck auf das Hochdrucksystem zunimmt. So weicht das Hoch zum 11. Dezember nach Westen aus und stellt sich in einer von Süd nach Nord verlaufenden Hochdruckachse zwischen den Azoren und Island auf - hierbei können die kalten Luftmassen arktischen Ursprunges nach Deutschland geführt werden und für Schneefall ab den mittleren Lagen sorgen - ob es bis in tiefere Lagen reichen kann, bleibt in den kommenden Tagen abzuwarten. Es kristallisiert sich so langsam ein Stichtag heraus, welcher im Zeitraum 9./10. Dezember liegen kann und im Detail wird es darauf ankommen, wie sich das Tiefdrucksystem über dem Nordosten von Europa positionieren und wie sich die atlantische Frontalzone dazu verhalten wird. Jedenfalls ist einiges an Spannung geboten. Auch die Kontrollläufe weisen ab dem 10,. Dezember - gegenüber den letzten Tagen - vermehrt kältere Varianten aus - das soll aber noch nicht darüber hinweg täuschen, dass der Mittelwert der Kontrollläufe sich dem für die Jahreszeit-typischen Wert erst annähert. So liegt das Temperaturspektrum am 14. Dezember zwischen -3/+12 Grad (Mittelwert: +4/+5 Grad über dem Süden und Osten und +6/+7 Grad über dem Norden und Westen). Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<-1) / normal (+0/+5) / zu warm (>+6) liegen am 14. Dezember bei 20/25/55 und am 18. Dezember bei 20/40/40.

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