Was ist der AO-Index Wert und welche Auswirkungen hat das auf das Wetter über Deutschland?
In unseren Wettervorhersagen liest man - gerade in den Wintermonaten - häufiger etwas über den AO-Index Wert. So ist die Frage berechtigt: Was ist der AO-Index? AO steht für die Abkürzung der Arktischen Oszillation und beschreibt als Proxy/Indikator die großräumige Zirkulation, häufig korreliert mit der Stärke/Kompaktheit des Polarwirbels. Der AO-Index ist dabei kein direkter Polarwirbel-Index
, sondern ein Maß für das großräumige Druck- bzw. Höhenanomalie-Muster der Nordhemisphäre; mit dem Polarwirbel ist er häufig gekoppelt, aber nicht gleichzusetzen. Der AO-Index kann dabei negative, neutrale oder auch positive Werte annehmen. Positive AO-Werte gehen häufig mit einer stärkeren, zonaleren Westwindzirkulation in den mittleren Breiten einher; das korreliert oft (aber nicht immer) mit einem robusteren stratosphärischen Polarwirbel.
Die arktische Oszillation ist ein annulares Muster: Vereinfacht stehen Druck-/Höhenanomalien über der Arktis denen in den mittleren Breiten gegenüber (vereinfacht: Tiefdrucksignal über der Arktis vs. Hochdrucksignal in den mittleren Breiten). Ist der AO-Index positiv, ist der Druck über der Arktis tendenziell niedriger und in den mittleren Breiten höher. Bei negativem AO ist es umgekehrt.
Die Auswirkungen des AO-Index auf das Wetter über Deutschland
Der Zustand des Polarwirbels lässt sich also stark vereinfacht mit dem AO-Index bemessen.
Die Folgen eines positiven AO-Index auf das Wetter über Deutschland erhöht die Wahrscheinlichkeit für West- bis Südwestlagen; Deutschland liegt dann häufiger in milder, feuchter und windiger Atlantikluft (wenn die Frontalzone über Mitteleuropa verläuft). Die Schneefallgrenze beschränkt sich auf die höheren Lagen. Die Frontalzone regiert
.
Ist der AO-Index neutral, so ist die Druckverteilung ausgeglichen, der Polarwirbel weder besonders stark noch besonders schwach und das Zirkulationsmuster ist oft variabel. Die Auswirkungen auf das Wetter über Europa: Wechsel zwischen zonalen und meridionalen Phasen, Übergangslagen, häufige Musterwechsel. Keine klare Tendenz zu Extremen.
Ist der AO-Index negativ, ist die Westwindzirkulation in den mittleren Breiten abgeschwächt und ein Blocking ist wahrscheinlicher; der stratosphärische Polarwirbel ist dabei oft, aber nicht zwingend, ebenfalls geschwächt. Der Jetstream wird mäandrierend, was Blockings über Grönland, Skandinavien oder Eurasien sowie negative NAO-Phasen mit Schneefalltendenz über Mitteleuropa (abhängig von Feuchtequellen) möglich macht. Ob daraus über Deutschland Schnee wird, entscheidet die konkrete Tiefdruckbahn/Feuchte – AO- erhöht vor allem die Wahrscheinlichkeit für meridionale Lagen, nicht den Schneefall an sich.
Wichtig dabei zu verstehen ist, dass der AO-Index nur das großräumige Muster, nicht aber das lokale Wetter beschreibt.
Außerdem wichtig ist die Höhe: Die Troposphäre treibt die Stratosphäre (Wellenaktivität stört den Wirbel). Umgekehrt kann eine stark gestörte Stratosphäre (z. B. nach Major Warming) die Troposphäre über Tage bis Wochen in Richtung negativer AO/NAO anschieben
- die Kopplung ist aber nicht garantiert. Deshalb ist der AO-Index auch nur ein Randfaktor, der von Meteorologen im Gesamtkontext analysiert und verifiziert werden muss.
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