Alle Jahre kommt das Unwort des Winters zum Zuge: das Major-Warming in Stratosphärenhöhe. Warum Unwort? Weil die meisten Wetterexperten das Phänomen falsch interpretieren und schon ein Minor-Warming als einen totalen Zusammenbruch des Polarwirbels interpretieren.

Nein, ein Major-Warming ist etwas Markantes und tritt etwa alle 1 bis 3 Jahre auf und beginnt immer mit einem Minor-Warming. Minor-Warmings kommen aber häufiger im Winter vor und haben nur selten einen Einfluss auf den Polarwirbel und dessen Struktur. Deshalb ist die Unterscheidung und die Erkennung zwischen Minor- und Major-Warming so wichtig. Da viele von Ihnen sich eine ausführlichere Definition des Minor- und Major-Warmings gewünscht haben, gehen wir an dieser Stelle kurz näher darauf ein.

Zu Beginn kommt es immer zu einem Minor-Warming, dies spielt sich in der Stratosphäre zwischen dem Nordpol und dem 60. Breitengrad ab. Wenn in diesem Sektor in mindesten vier aufeinander folgenden Tagen die Temperaturen am Nordpol wärmer als am 60 Breitengrad sind, so sind die Bedingungen für ein Minor-Warming erfüllt. Um die Bedingungen für ein Major-Warming zu erfüllen, muss der Temperatursprung während der Minor-Phase mindestens 50 Grad betragen, sowie ein Vorzeichenwechsel der Temperaturdifferenz 90./60. Breitengrad und des gemittelten Windes entlang des 60. Breitengrades (Zonalwind, normal West-Ostausrichtung) in der Stratosphäre eintreten. Tritt das Major-Warming ein, so stellt die Zonalwindumkehr eine in der Stratosphäre gestörte Zirkulation dar. An Stelle des stratosphärischen Polarwirbels positioniert sich (zumindest vorübergehend) ein Stratosphärenhoch. Interessant hierbei ist der Ablauf: die Erwärmung triggert hierbei abwärtsgerichtet innerhalb der Stratosphäre, so dass die Erwärmung (temperature wave) von oben nach unten wirkt.

Die Auswirkungen eines Major-Warming

Das Minor-Warming kommt relativ häufig vor, während das Major-Warming in etwa alle 1-3 Jahre zu beobachten ist - letztmalig in seiner ausgeprägten finalen Form im Winter 2012/2013 (28. Dez bis 27. Januar). Was sind die Folgen daraus? Etwa 3 bis 7 Tage später wirkt sich das Warming auch auf die unteren Luftschichten aus. In der Regel führt ein Major Warming zur Störung oder gar zum Zusammenbruch des troposphärischen Polarwirbels (500 hPa), der für unser Wetter auf der Nordhalbkugel im Winter interessant ist.

Polarwirbelberechnung Januar

Intakter stratosphärischer Polarwirbel mit beginnendem Minor-Warming © www.meteociel.fr

Polarwirbelberechnung Februar

Major-Warming in Stratosphärenhöhe mit vorläufigem Höhepunkt am 17. Februar 2018 © www.meteociel.fr

Nicht selten positioniert sich im Bereich zwischen Grönland, Island und Skandinavien ein Hochdruckgebiet und sorgt mit einer von Ost nach West verlaufenden Grundströmung auch in tiefer gelegenen Luftschichten für eine gestörte Zirkulation. Hält dieses Phänomen längere Zeit an, so wird es mit fortschreitender Zeit für den Polarwirbel immer schwerer, sich zu stabilisieren. Gelingt dies nicht, spricht man von einem frühzeitigen Final-Warming, was auch noch weite Teile des Frühjahrs beeinflussen kann. Je nach Struktur können sich auch über Frühlingsmonate von März bis Mai häufiger Hochdrucksysteme über dem skandinavischen Raum zeigen und somit die Zirkulationsstruktur nachhaltig stören.
Anders formuliert: Im Winter führt ein Major-Warming häufiger zu kalten Wetter, im Frühjahr allerdings sorgt der steigende Sonnenstand mit Hilfe des Hochdrucksystems nicht selten für trockenes und auch warmes Wetter.

3D Modellierung des Major-Warming mit anschließendem Final-Warming

Kaltes Wetter durch ein Major-Warming?

Nein, keinesfalls lassen sich so pauschal Rückschlüsse daraus ziehen. Ein Major-Warming aber erhöht die Chancen auf eine gestörte Zirkulation in Form von meridionalen Nord-Süd/Süd-Nord und Ostwetterlagen, bei der sich das sibirische Hochdrucksystem weit nach Westen ausdehnen kann.

Beispiele:

"Intakte" Stratosphäre
Beginnendes Minor-Warming
Kräftiges Minor-Warming mit Übergang Major-Waming
Major-Waming

Weiterführende Informationen

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