Wettertrend: Zwischen Hochsommer und Frühherbst

Markanter Wetterwechsel oder eine Verlängerung des Hochsommers © Martin Bloch

Ein Hochdrucksystem dehnt sich nach Skandinavien aus und sorgt in der kommenden Woche für eine erneut hochsommerliche Witterung über Deutschland. Die Position des Hochdrucksystems aber wird entscheidend für den weiteren Verlauf des Sommers sein.

Gewitter und Schauer ziehen heute über Deutschland hinweg und sorgen von Nordwest nach Südost für etwas Niederschlag, der regional unwetterartig und im Schwerpunkt über den Alpen ergiebiger ausfallen kann (Gewitterradar).

Ein sommerlicher Wettercharakter mit hochsommerlichen Ambitionen

Die Störung in Form von Schauern und Gewittern ist nur vorübergehender Natur. Sind die Schauer durch, lockert die Bewölkung auf und bei einem trockenen Wettercharakter kann mit einer zunehmenden Sonnenscheindauer gerechnet werden. Die Temperaturen erreichen +20 bis +25 Grad und können über dem Süden bis +28 Grad erreichen. Zum Start in die neue Woche dehnt sich über Deutschland hoher Luftdruck aus und lässt die Anzahl der Sonnenstunden weiter ansteigen. Die Temperaturen steigen bis Mitte der Woche auf sommerliche +25 bis +30 Grad an und können über dem Westen und Südwesten hochsommerliche +33 Grad erreichen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter August 2022.

Eine erneut hochsommerliche Wetterlage
Die Wetterprognose des europäischen und amerikanischen Vorhersage-Modell: Eine erneut hochsommerliche Wetterlage © www.meteociel.fr

Die Regenprognose

Die Schauer und Gewitter agieren in den kommenden Stunden regional unterschiedlich und werden ihre höchste Aktivität südlich der Linie von Baden-Württemberg und Mecklenburg-Vorpommern erreichen können. In Summe lassen sich nennenswerte Niederschläge lediglich über den Regionen südlich der Donau ausmachen - verbreitet bleibt es trocken.

Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Nennenswerter Niederschlag über den Regionen südlich der Donau
Links die Regenprognose der Europäer, in der Mitte die der Amerikaner und rechts daneben die Deutsche: Nennenswerter Niederschlag über den Regionen südlich der Donau © windy.com

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Hochsommer mit Schwachstellen

Die Überschrift können wir auch am dritten Tag noch so stehen lassen. Ein Hochdrucksystem dehnt sich zum Beginn der zweiten August-Dekade nach Deutschland aus und führt zu einer erneut hochsommerlichen Wetterentwicklung.

Weitere Hitze-Tage

Das Hoch positioniert sich mit seinem Kern zum 11. August im Bereich zwischen England, Skandinavien und Deutschland. Mit einer fast ungehemmten Sonneneinstrahlung steigen die Temperaturen auf +27 bis +33 Grad und können örtlich die +35 Grad-Marke knacken, was neben Hitze- auch Wüstentage optional macht.

Stabilitätsprobleme

Das Hoch teilt sich ab dem 12. August in zwei Cluster auf. Der eine Teil zieht in Richtung Barentssee und Karasee nach Osten ab und der Zweite zentralisiert sich auf dem Atlantik zwischen Island, England und den Azoren. Dazwischen entsteht eine Hochdruckbrücke mit Schwachstellen und sich dem Einfluss von Tiefdrucksysteme nur bedingt erwehren kann. Die Betonung liegt auf kann, denn nach der aktuellen Wetterprognose ist der Vorstoß der Tiefdrucksysteme als zu schwach zu bewerten.

Gradientenschwaches Wetter

Aus dieser Konstellation heraus wird sich eine Wetterlage herausbilden, die vom 12. bis 15. August als gradientenschwach bewertet werden kann. Schauer und Gewitter ziehen vorüber und sorgen für etwas Abwechslung. Die Temperaturen gehen auf +24 bis +28 Grad zurück und nur noch örtlich können hochsommerliche Werte von bis +30 Grad möglich gemacht werden. In Gewitternähe kann es auf +20 Grad abkühlen.

Erst ein Skandinavienhoch, dann atlantische Störeinflüsse
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Erst ein Skandinavienhoch, dann atlantische Störeinflüsse © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Zwischen Hochsommer und Frühherbst

Hop oder Top, so könnte man die Wetterprognosen der Amerikaner in den letzten Tagen bewerten. Ein Hoch baut sich über Deutschland auf und festigt seine Position bis zum 10. August von den Azoren, über England bis nach Skandinavien reichend. Der Hochdruckkeil dehnt sich jedoch zu rasch nach Norden aus und so bleibt keine Zeit, um für stabile Wetterverhältnisse zu sorgen.

Hitzewelle

Der Vorstoß des Hochdruckkeils reicht zunächst aus, um über Deutschland bis zum 13. August für einen hochsommerlichen Wettercharakter zu sorgen. Die Temperaturen erreichen mit viel Sonnenschein +26 bis +32 Grad und örtlich bis +34 Grad. Regional können mit dem Überschreiten der +35 Grad-Marke noch einmal Wüstentage ermöglicht werden.

Der Tiefdruckeinschlag

Das Sommerhoch wird jedoch von einem Tiefdrucksystem bedrängt, das sich von Island aus bis zum 13. August nach Skandinavien verlagert. Dort angekommen, beginnt das Tief nach Süden auszutrogen.

Markanter Wetterwechsel in den Frühherbst

Nach der aktuellen Wettervorhersage soll dieser Trogvorstoß bis zum 15. August gelingen. Die Niederschlagstätigkeit nimmt zu, der Wind frischt mäßig stark aus nördlichen Richtungen kommend auf und die Temperaturen gehen bis zum 16. August auf +15 bis +20 Grad zurück und mit einer entsprechenden Sonnenscheindauer können bis +22 Grad möglich sein. Geht ein Schauer nieder, so sind Temperaturen unterhalb der +15 Grad-Marke nicht auszuschließen. In den Nächten können die Werte auf bis +7 Grad absinken!

Schwül-warme bis heiße Südwestwetterlage

Im Zeitraum vom 15. bis 17. August wird der Trog nach Osten abgelenkt und ein weiteres Tief über Island drückt einen Keil des Azorenhochs in Richtung Mitteleuropa, was im Verbund der beiden Wettersysteme zu einer südwestlich ausgeprägten Grundströmung führen kann. Über Deutschland, Österreich und der Schweiz hat das vom 17. bis 21. August eine schwül-warme Witterung zur Folge, die immer wieder für Schauer und Gewitter gut sein kann. Die Temperaturen pendeln sich mit +25 bis +30 Grad in einen sommerlichen Bereich ein und örtlich können hochsommerliche +33 Grad erreicht werden.

Vollständig gestörte Zirkulation - ein Hoch über Skandinavien wird an seinen südlichen Gradienten durch ein Höhentief unterwandert
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Vollständig gestörte Zirkulation - ein Hoch über Skandinavien wird an seinen südlichen Gradienten durch ein Höhentief unterwandert © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Der Versuch eines Wetterwechsels

Resümiert man die Modellberechnungen der letzten 10 Tage, so wurden immer wieder Wandlungen der Großwetterlage ins Spiel gebracht. Die aktuellen Schauer und Gewitter sollten bspw. ursprünglich einen Trog über Mitteleuropa initialisieren, der dem Hochsommer ein Ende bereiten sollte. Das funktioniert in der Praxis jedoch nicht so einfach. Zu mächtig ist das Hoch und außer ein paar Schauern und sich kurzzeitig normalisierende Temperaturen ist nicht viel von einem Trog übrig geblieben. In der neuen Woche kehrt der Hochsommer samt Hitze nach Deutschland zurück und aufgrund des fehlenden Niederschlages, wird sich die Dürre weiter verschärfen können.

Doch die wiederholten Simulationen eines möglichen Wetterwechsels lassen aufhorchen. Dem Hochdrucksystem gelingt es nicht, sich in der Art zu festigen und die Tiefdruckdynamik nimmt im Laufe des Spätsommers zu. Nördlich des Polarkreises beginnt ab Mitte August der Herbst. Aus dieser Sichtweise heraus ist ein Trog, wie es bspw. die Amerikaner berechnen, durchaus plausibel. Schaut man sich aber die Wetterprognose der Amerikaner im Vergleich zu den Kontrollläufen an, so handelt es sich mit einer Differenz von bis 10 Grad zum Mittelwert um einen mit Abstand zu kalten Ausreißer. Möglich ja, wahrscheinlich nein.

Wahrscheinlicher ist eine Mischform, die der aktuellen Wetterlage ähnlich ist. Ein Tief setzt sich über Skandinavien durch, kann sich aber nicht nach Süden ausdehnen. Was folgt, ist ein im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert vom 10. bis 20. August über Deutschland um +1 bis +3 Grad und über dem Süden und Osten um bis +5 Grad zu warmer Temperaturcharakter. Auf andere Art formuliert soll die zweite August-Dekade nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe deutlich zu warm ausfallen können, wobei der Norden von Deutschland mit einer Abweichung von +0 bis +2 Grad nur moderat zu warm ausfallen kann, was wiederum den Rückschluss auf ein Tief über Skandinavien zulässt (erhöht maritimer Einfluss).

Die Regenprognose

Eine trockene Periode zeichnet sich in der Niederschlagsprognose im Zeitraum vom 7. bis 16. August ab. Der Hochdruckkeil, respektive Skandinavienhoch, wird eine für die zweite August-Dekade gewichtige Rolle spielen können. Ferner mehren sich zwar die Niederschlagssignale, sind jedoch nur über dem Norden von Deutschland in einer nennenswerten Anzahl vertreten, sodass man von einer leicht erhöhten Niederschlagswahrscheinlichkeit vom 16. bis 21. August ausgehen kann. Nach Süden gehen die Niederschlagssignale zurück, sodass die Trockenheit bis in die letzte August-Dekade hinein anhalten kann.

Zunächst geht der Hochsommer in die Verlängerung, doch ein Wetterwechsel bleibt zum Beginn der letzten August-Dekade möglich
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Zunächst geht der Hochsommer in die Verlängerung, doch ein Wetterwechsel bleibt zum Beginn der letzten August-Dekade möglich © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
11. August +20 bis
+35 Grad
+27 bis
+29 Grad
15. August +15 bis
+39 Grad
+25 bis
+27 Grad
20. August +15 bis
+35 Grad
+23 bis
+26 Grad
Diagramm Temperaturen August 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe August 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Wetterprognose August des Langfristmodells

Das Wetter im August soll mit einer Abweichung gegenüber 1961 und 1990 um +2,0 bis +3,5 Grad deutlich zu warm ausfallen (91/20: +0,6 bis +2,1 Grad). In der Niederschlagsprognose wird ein erheblich zu trockener August simuliert.

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +10,3 +2,4 +1,2 355 l/m² - extrem zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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