Anfang Mai unternimmt die atlantische Frontalzone einen zaghaften Versuch, sich bis Mitteleuropa durchzusetzen und führt auf ihrer Vorderseite zunehmend feuchtere, aber auch mildere Luftmassen nach Deutschland, was das Wetter zum kommenden Wochenende rund um dem 1. Mai herum wechselhaft, aber die Temperaturen mit +15/+20 Grad spürbar wärmer ausfallen lassen kann (bei Regen sind über dem Süden +10/+15 Grad möglich). Im Zeitraum vom 2./3. Mai kann sich im Bereich zwischen Island, Skandinavien und England ein kräftiges Hochdrucksystem ausbilden und den Versuch der Frontalzone sich über Mitteleuropa zu festigen, unterbinden. Statt einer westlich orientierten Grundströmung dreht der Wind auf östliche Richtungen und führt wieder kühlere Luftmassen, mehr Wolken und teils kräftige Niederschläge über den Süden nach Deutschland. Je nach Sonnenscheindauer sind +8/+13 Grad, bzw. +13/+17 Grad zu erwarten.

Hochdrucksystem dominiert die weitere Wetterentwicklung, NAO-Index negativ

Strömungsfilm Polarwirbel Mai

Das Hochdrucksystem zwischen Island, Skandinavien und England verlagert sich nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells im Verlauf des ersten Mai Drittels weiter nach Westen in Richtung Grönland und Island. Die Struktur des Hochdruckgebietes ist mit einem Kerndruck von 1035 bis 1045 hPa als kräftig zu bezeichnen und drückt die atlantische Frontalzone weiter nach Süden. Man nennt dies eine "gestörte Zirkulation" mit einem negativen NAO-Index. Was für Folgen hat das auf die Wetterentwicklung? Ein Hochdrucksystem im Winter über Island ist der Traum von fast jedem Winterfan. Die Strömungsverhältnisse stellen sich um und stören die "normale" West-Ost Zirkulationsstruktur nachhaltig. Durch die südliche Verlagerung der Tiefdruckgebiete über den Azoren kippt das gesamte Verhältnis (normal ist Tief Island, Hoch Azoren) und der NAO-Index wird negativ, welcher - vereinfacht ausgedrückt - das Verhältnis zwischen Azorenhoch und Islandtief beschreibt.
Da sich Hochdrucksysteme im und Tiefdrucksysteme gegen den Uhrzeigersinn drehen, erhöht sich das Potential mit einer westlichen Verlagerung des Hochdrucksystems für Kaltlufteinbrüche aus nördlichen Richtungen. Je nach Positionierung der Wettersysteme zueinander ist aber auch eine Variante möglich, bei der sich die Tiefdrucksysteme auf der südlichen Zugbahn bis nach Mitteleuropa durchsetzen und auf ihrer Vorderseite wärmere Luftmassen nach Deutschland führen können. Mit anderen Worten ist zum heutigen Stand noch nicht abzuschätzen, ob es zur Wettersingularität der Eisheiligen zum Beginn des zweiten Mai Drittels kommt, oder ob sich der Frühling durchsetzen wird.
Das europäische Wettermodell stützt im Übrigen eine fast identische Wetterentwicklung, wie es das amerikanische Wettermodell berechnet. Die Kaltluft kommt demnach bis zum 7. Mai über das südliche Skandinavien voran, erreicht aber letzten Endes Deutschland nicht mehr. Denn anders wie im Winter geht den Kaltluftmassen zur fortgeschrittenen Jahreszeit schneller die "Puste" aus. Nichtsdestotrotz, schaut man sich die Simulation (klick auf Wetterkarte) des Polarwirbels an, so erkennt man das wahre Ausmaß der "gestörten Zirkulation". Ein kräftiges Hochdrucksystem erstreckt sich von Alaska über Grönland bis nach Island. Auf der östlichen Seite des Hochdrucksystems liegt noch der aktive Teil des Polarwirbels, welcher im Verbund mit dem Hoch die Kaltluftmassen nach Süden führt, aber letztlich Deutschland nicht erreicht.

Kaltlufteinbruch zu den Eisheiligen bleibt ein Thema

Die Kontrollläufe berechnen im ersten Mai Drittel eine verhaltene Temperaturentwicklung, welche knapp unter dem Jahreszeit-typischen Wert liegt. So erstreckt sich das Temperaturspektrum am 3. Mai zwischen +7/+19 Grad, am 6. Mai zwischen +9/+22 Grad und am 12. Mai zwischen +8/+25 Grad. Setzt man die Mitteltemperaturen der Kontrollläufe in das Verhältnis von zu kalt / normal / zu warm, so ergibt sich im nachfolgenden Diagramm ein klares Bild vom Temperaturtrend:
Diagramm Temperaturen Mai 2017 vom 27. April 2017

Der Temperaturtrend bleibt nach den Kontrollläufen positiv zu bewerten, zeigt aber neben einem weitgehend normalen Temperaturspektrum auch noch eine nicht zu ignorierende Anzahl von zu kalten Varianten, welche einen neuerlichen Kaltlufteinbruch an den Eisheiligen nicht ausschließt.

Wettertrend für den Sommer unverändert

Das Langfristmodell berechnet den Juni mit einer Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,5/+1 Grad im leicht zu warmen bis zu warmen Bereich, den Juli mit +0,5/+2 Grad mit einer noch etwas wärmeren Tendenz, während der August mit einer Abweichung von -0,5/+0,5 Grad normal ausfällt.
Im Niederschlagsverhalten gibt es kaum Auffälligkeiten gegenüber den Sollwerten, lediglich der August könnte leicht zu nass ausfallen. Ein weiteres Langfristmodell der NASA berechnet eine ganz ähnliche Temperaturentwicklung über die Sommermonate, bei dem das Wetter im August ebenfalls normal mit dem Trend leicht zu kalt ausfallen könnte.

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2017 vom 27. April 2017

Anzeige

Ihnen gefällt die Wetterprognose? Teilen Sie es anderen mit!