Nach einer turbulenten Wetterphase folgt oftmals eine ruhigere Wetterphase nach, welche nicht selten unter Hochdruck, oder aber auch einem meridionalen Einfluss gelangen kann. So ist es auch nicht verwunderlich, dass die Wettermodelle für Anfang März seit Tagen unterschiedliche Wetterentwicklungen berechnen, welche mal von vorfrühlingshaft mild bis zu winterlich kalt reichen können. Seit gestern Nachmittag berechnet das amerikanische Wettermodell vermehrt kühlere bis kalte Varianten, so dass ein zu kalter Start in den März grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden kann. Allerdings zeigt sich in den Kontrollläufen aber auch, dass der sog. Hauptlauf des amerikanischen Wettermodells ein "kalter Ausreiser" ist und die Mehrheit der Kontrollläufe eine höhere Wahrscheinlichkeit für normale bis leicht zu milde Varianten für Anfang März berechnet. Nichtsdestotrotz ist das Thema "März-Winter" nicht so ohne weiteres vom Tisch zu wischen.

Warum? Die Begründung hierfür liegt in der Entwicklung des Polarwirbels. Auch hier zeigt sich in den Simulationen der letzten Tage häufiger ein Hochdruckeinschub in Richtung Polarregion. Sowohl das amerikanische auch das europäische Wettermodell berechnen den Hochdruckvorschub einerseits von den Aleuten und andrerseits von der Region Island/Grönland/Skandinavien aus. Das hat stärke Auswirkungen auf den Polarwirbel selbst, welcher somit zum Ende des meteorologischen Winters in eine instabile Phase übergehen und somit stärkere Wellenbewegungen entlang der Polarfront zulässt kann. Die Folge daraus wäre ein meridional ausgeprägtes Zirkulationsmuster. So abwegig sind also die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells nicht.

Was könnten daraus für Wetterlagen entstehen? Vorausgesetzt es kommt zum Hochdruckeinschub über der Polarregion, so kommt es ganz darauf an, wo das Hochdrucksystem über dem Atlantik nach Norden aufkeilen kann. Geschieht das zwischen Grönland und Island, so ist ein Trog Mitteleuropa mit kalten Temperaturen durchaus möglich. Strebt das Hochdrucksystem stattdessen bei Skandinavien nach Norden, so kann Deutschland auch im Einflussbereich des Hochdrucksystems liegen und unter Umständen auch auf die wärmere "Rückseite" des Hochdrucksystems gelangen.

In einer Abwandlung der Hochdruckvariante über Skandinavien wäre die Blockade des direkten Kaltluftzustroms in Richtung Mitteleuropa aus nördlichen Richtungen und würde über das westliche Russland, bzw. östliche Europa nach Süden abgelenkt werden können. Allerdings könnte die kalte Luft - bedingt durch das Strömungsmuster des Hochdrucksystems - über Umwege aus dem östlichen Europa nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden.

Wie wahrscheinlich ist eine kältere Temperaturphase im ersten März-Drittel? Für ein Hochdrucksystem zwischen Grönland und Island müsste der sog. NAO-Index negativ berechnet werden. Dieser wird aktuell leicht positiv mit einer neutralen Tendenz im ersten März-Drittel bewertet. Mit anderen Worten bleiben kälter Varianten im März weniger wahrscheinlich, wenngleich diese nicht ausgeschlossen werden können. Noch etwas deutlicher zeigt sich die mögliche Temperaturentwicklung im März in den Verhältnissen der Kontrollläufe von zu kalt (< +1) / normal (+2/+7) / zu warm (>+8), welche am 2. März bei 20/25/55 und am 7. März bei 20/30/50 liegen und damit einen normalen bis zu warmen Temperaturtrend (noch) mehrheitlich stützen. Es bleibt also spannend, ob der Hauptlauf sich in den kommenden Stunden anpassen, oder sich auch durchsetzen kann.

Das Langfristmodell berechnet in seiner heutigen Wetterprognose für den März eine Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +1/+2 Grad im zu warmen Bereich. Für die weiteren Frühlingsmonate April und Mai zeigt sich mit einer Abweichung von -0,5/+0,5 Grad eine normale Temperaturentwicklung. Für den Sommer werden im Juli und August eine Abweichung von -0,5/+0,5 Grad berechnet, lediglich der Juli könnte demnach mit +0,5/+1 Grad auch zu warm ausfallen.

Wie ist das zu bewerten? Ob das Wetter im Frühling und Sommer normal, zu kalt oder zu warm ausfallen kann, wird maßgeblich davon abhängen, ob, wie und in welcher Form sich das Ausgleichsverhalten durchsetzen kann. Denn eine im Frühling weiterhin anhaltende trockene Witterung ist zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich. Was ist das Ausgleichsverhalten? Bevor es zum Ausgleichsverhalten kommen kann, geht die Erhaltungsneigung voraus, welche nun seit Dezember über Mitteleuropa für trockenes Wetter sorgt. Kommt es zum Ausgleichsverhalten, so ist mit vermehrten Niederschlägen zu rechnen, wobei das Ausgleichverhalten selbst wieder in eine Erhaltungsneigung übergehen kann. Mit anderen Worten könnte von März bis Juni es durchaus häufiger zu Niederschlägen kommen, welche mit Hilfe der starken Bewölkung die Temperaturen im mäßig warmen Bereich belassen könnten.

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