Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik ist in den kommenden Tagen als hoch zu bewerten. Gleichzeitig aber erstreckt sich von den Azoren über England bis nach Deutschland ein Hochdruckkeil. So kommt es im Verbund beider Wettersysteme zu einem Wechselspiel aus Sonne, Wolken und gelegentlichem Niederschlag. Mit einer zunehmend südwestlichen Grundströmung können mildere Luftmassen nach Deutschland geführt werden, sodass die Temperaturen sich bis zum 19. Februar auf milde +4 bis +8 Grad einpendeln können. In den Nächten ist weiterhin mit Frost zu rechnen. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage Februar 2018.

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Der K(r)ampf zwischen winterlich kalt und frühlingshaft mild

Das amerikanische Wettermodell berechnet die Ausdehnung des Hochdrucksystems bis zum 20. Februar in autarker Form bis nach England und Skandinavien. Gleichzeitig entsteht über dem östlichen Skandinavien ein Tiefdrucksystem, sodass im Verbund beider Wettersysteme der Zustrom kalter Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden beginnt. Bis zum 22. Februar verlagert sich das Hochdrucksystem weiter über das europäische Nordmeer und liegt zwischen Grönland, Island und Skandinavien. Über dem östlichen Europa positioniert sich das Tiefdrucksystem und so bleibt der Zustrom der kalten Luftmassen bis nach Deutschland erhalten. Die atlantische Frontalzone aber muss weit nach Süden ausweichen, was die Tiefdruckrinne auf eine ungewöhnlich weit nach Süden verlaufende Bahn zwingt und sich von Neufundland, über die Azoren bis über dem Mittelmeerregion erstreckt. Das riecht sehr stark nach einer Grenzwetterlage über Deutschland, Österreich und der Schweiz und wäre nach diesen Berechnungen im Zeitraum vom 24. bis 26. Februar nicht unwahrscheinlich. Die Grenzwetterlage trennt dabei milde Luftmassen über dem Süden von kalten über dem Norden. Entlang der Luftmassengrenze kann es zu kräftigen Niederschlägen kommen.
Im weiteren Verlauf berechnet das amerikanische Wettermodell eine Verlagerung des Hochdrucksystems über Grönland bis über das nördliche Kanada. Über Skandinavien und dem westlichen Russland positioniert sich hingegen ein Tiefdruckgebiet.

Polarwirbelberechnung Februar

Der Kaltluftwirbel über Kanada wird nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells nahezu vollständig abgebaut - vollständig gestörtes Zirkulationsmuster © www.meteociel.fr

Die für das Wetter über Mitteleuropa verantwortliche Wetterküche über Kanada Grönland und Neufundland wird mit dem Hochdruckgebiet über dem nördlichen Kanada für das Wetter über Mitteleuropa unwirksam. Somit ist das normale Zirkulationsmuster vollständig gestört. Das Major-Warming in Stratosphärenhöhe hätte in diesem Fall ganze Arbeit geleistet.

Die Berechnungen des europäischen Wettermodells sind bis zum 21. Februar der des amerikanischen Wettermodell sehr ähnlich. So ist bis zum Beginn des letzten Februar-Drittels nicht mit winterlichen Wetterverhältnissen zu rechnen. Im weiteren Verlauf aber sind die Berechnung des europäischen Wettermodells gänzlich anders. Statt sich das Hochdrucksystem über das europäische Nordmeer ausdehnt, weicht es nach diesen Berechnungen nach Osten aus und positioniert sich zum 23. Februar über Skandinavien und dem westlichen Russland. Über der östlichen Mittelmeerregion entsteht ein Tiefdrucksystem, was im Verbund dieser beiden Wettersysteme kühle Luftmassen aus nordöstlichen Richtungen nach Deutschland führen kann. Eine Grenzwetterlage ist nach diesen Berechnungen weniger wahrscheinlich. Bis zum 24. Februar positioniert sich das Hochdrucksystem dann mit seinem Kerngebiet über der Ostsee. Über Deutschland, Österreich und der Schweiz hätte das bei Tageswerten von knapp über 0 Grad einen für die Jahreszeit fast schon normalen Temperaturcharakter zur Folge. In diesen Simulationen ist nur bedingt eine gestörte Zirkulation zu erkennen.

Polarwirbelberechnung Februar

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Wettermodell: Wirbelstruktur bleibt über Kanada erhalten © www.meteociel.fr

Update: Major-Warming

Die Berechnungen der Wettermodelle sollten in den kommenden Stunden noch mehrfach in die eine oder andere Richtung bewegen können. Zu stark sind die Auswirkungen des Major-Warming in Stratosphärenhöhe, dessen Höhepunkt weiterhin für den 17. Februar berechnet wird. Die Auswirkungen auf die unteren Luftschichten werden aber erst später berücksichtigt werden können, was zu diesen kräftigen Verwerfungen der jeweiligen Modellsimulationen führen kann. Die Winde entlang des 65. Breitengrades in 30 km Höhe liegen aktuell bei -90 km/h und erreichen den vorläufigen Tiefpunkt mit -126 km/h voraussichtlich am 15. Februar. Darüber hinaus zeigt sich eine leichte Erholung, doch bleibt mit einem negativen Wert von -54 km/h die Winddrehung von West-Ost auf Ost-West erhalten. Ein sog. Final Warming ist weiterhin möglich.

Die Auswirkungen des Major-Warmings: Kommt der Vollwinter?

Beim Wetter ist grundsätzlich alles möglich, doch liegt Deutschland mit der Wetterküche auf dem Atlantik meist in einem Bereich, welcher nur gemäßigt kalte Winter über Deutschland zulässt. Richtig knackig kalte Winter sind eher selten. Wird nun aber das normale Zirkulationsmuster gestört und die Wetterküche auf dem Atlantik außer Kraft gesetzt, können sich völlig neue Konstellationen ergeben. Häufiger sind das kalte Ost- bis Nordwetterlagen. Diese sind aber keineswegs gesichert, denn mit einer Verlagerung der Tiefdruckaktivität über die Mittelmeerregion können aus südlichen Richtungen auch milde Luftmassen nach Norden geführt werden.

Anders formuliert sind die Wahrscheinlichkeiten für einen winterlich kalten Ausklang des Winters bis Ende Februar nicht unwahrscheinlich und sollte das Major-Warming tatsächlich ganze Arbeit leisten, so wäre ein sog. März-Winter zu diskutieren. So weit ist es aber noch nicht. Die Kontrollläufe berechnen ein weiterhin hohes Entwicklungsspektrum der Temperaturen. Der Mittelwert aber wird von Tag zu Tag etwas kälter berechnet. So liegen das Spektrum der Höhentemperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe am 25. Februar zwischen -17 bis +5 Grad und weist eine Differenz von 21 Grad aus. Da ist also noch vieles möglich. Doch entscheidend ist der Trend. So liegt der Mittelwert in dieser Höhe am 25. Februar zwischen -5 bis -8 Grad und sollte für Dauerfrost über Deutschland reichen. Interessant ist zudem, dass der Norden kälter als der Süden berechnet wird. Die Entwicklung einer sog. Grenzwetterlage bleibt also erhalten. In tieferen Lagen ergibt sich daraus ein Temperaturspektrum von -8 bis +9 Grad bei einem Mittelwert von 0 Grad.

Diagramm Temperaturen im Februar 2018 vom 14.02.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Februar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Zusammenfassung

Die plötzliche Stratosphärenerwärmung wird die Berechnung der Wettermodelle in den kommenden Stunden noch häufiger durcheinander wirbeln können. Das Entwicklungsspektrum bleibt hoch, doch sind die Wahrscheinlichkeiten für kälteres Wetter im Verlauf des letzten Februar-Drittels deutlich höher zu bewerten, als zu warme Varianten. Die nächste Aktualisierung erfolgt gegen 17:00 Uhr in einem ersten Wetterausblick auf das Wetter März 2018 und gegen 20:00 Uhr erfolgt an dieser Stelle ein Update der Wetterprognose Winter.

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Update der Wetterprognose Winter von 20:04 Uhr
Die Schwankungen in den Berechnungen der Wettermodelle hält auch heute Abend noch an. So simuliert das amerikanische Wettermodell bis zum 23. Februar das Hochdrucksystem im Bereich zwischen Grönland und Skandinavien, jedoch drückt die atlantische Frontalzone mit aller Macht dagegen und holt weit nach Süden aus. So reicht der tiefe Luftdruck vom östlichen Kanada über Neufundland bis zu den Azoren hinunter. Das hat zur Folge, dass die Kaltluftmassen weit auf den Atlantik geführt werden und die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik weiter an Dynamik gewinnt. Über Europa beginnt der Zustrom kalter Luftmassen zum 20. Februar, wird jedoch durch das Tiefdruckgebiet kurz vor Deutschland gestoppt. Auch das wäre eine Grenzwetterlage, jedoch mit einem deutlich weiter nördlicheren Verlauf.

Polarwirbelberechnung Februar
Berechnung Polarwirbel im Februar nach dem amerikanischen Wettermodell - Vollständig gestörtes Zirkulationsmuster, jedoch mit nördlichem Verlauf © www.meteociel.fr


Europäisches Wettermodell: Hoch über Skandinavien
Fast unverändert bleiben die Berechnungen des europäischen Wettermodells. So positioniert sich zum 23. Februar ein Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum, während zur gleichen Zeit ein recht kräftiger Tiefdruckwirbel über dem östlichen Europa im Verbund mit dem Hoch kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führt. Auch hier ist die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik als hoch zu bewerten, jedoch werden die Tiefdruckgebiete durch das Hoch frühzeitig auf dem Atlantik blockiert.

Polarwirbelberechnung Februar
Berechnung Polarwirbel im Februar nach dem europäischen Wettermodell - teilweise gestörtes Zirkulationsmuster - Hoch über Skandinavien © www.meteociel.fr


Die wesentlichen Unterschiede beider Wettermodelle liegt aber im Kern über Kanada. Schaut man sich das amerikanische Wettermodell genauer an, so wird der für Deutschland wetterwirksame Wirbel über Kanada fast vollständig abgebaut und hat im weiteren Verlauf wohl keinen Einfluss mehr auf das Wetter über Mitteleuropa. Beim europäischen Wettermodell bleibt dieser Wirbel aber nahezu vollständig erhalten und wird über kurz oder lang wieder seinen Einfluss auf das Wetter über Deutschland, der Schweiz und Österreich ausweiten können.

Kontrollläufe: Hop oder Top
Recht deutlich zeigen es die Kontrollläufe, wohin sich das Winterwetter entwickeln kann. Deutlich zu kalt, oder deutlich zu warm. Dazwischen gibt es kaum Spielraum. Das amerikanische Wettermodell stellt heute Abend die wärmere Variante dar, der Mittelwert ist indes noch etwas kälter geworden. So liegt der Mittelwert des Temperaturspektrums bspw. am 27. Februar bei +1 Grad über dem Westen, sonst zwischen -2 bis -1 Grad.

Randfaktoren unterstützen eine winterliche Großwetterlage
Der AO-Index wird ab dem 16. Februar und der NAO-Index ab dem 20. Februar negativ berechnet. Beides sind Indikatoren für ein Hochdrucksystem im Bereich zwischen Grönland, Island und Skandinavien mit Tiefdruckverlagerung in Richtung der Azoren.

Die nächste Aktualisierung der Wetterprognose Winter erfolgt an dieser Stelle am 15. Februar gegen 13:00 Uhr.

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