Ein Tiefdrucksystem setzt sich in den kommenden Stunden zwischen Genua und der Adria fest und verhindert somit die Ausbildung einer Hochdruckbrücke vom Azorenhoch in Richtung westliches Russland. So kommt es über Deutschland zu einer wechselhaften Großwetterlage, bei der am Wochenende - insbesondere am Sonntag - mit zeitweilig kräftigen Niederschlägen zu rechnen ist. Darüber hinaus gelangt der Westen und Nordwesten zeitweilig unter Hochdruckeinfluss, während es über dem Süden und Südosten mit etwas Regen meist stark bewölkt bleiben kann. Die Grenze zwischen Sonnenschein und trüben Wetter verläuft voraussichtlich zwischen Stuttgart und Berlin.

"Kampf" der Wettersysteme: mild oder kalt?

Kommt der erste Schnee im November, oder folgt das Novemberwetter dem viel zu warmen Oktober? Die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik ist mit einem Kaltluftzustrom zwischen dem östlichen Kanada und Neufundland als hoch zu bewerten. Nun stört aber das Italientief die Hochdrucksysteme zwischen den Azoren und dem westlichen Russland, was durchaus dazu führen kann, dass Deutschland, Österreich und die Schweiz mit Hilfe der Tiefdruckaktivität in den Zustrom kühler Luftmassen gelangen können. Schneefall bis auf mittlere Lagen hinab wäre in diesem Fall nicht auszuschließen.

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Doch wie wahrscheinlich ist eine nasskalte Witterung im zweiten Novemberdrittel? Entscheidend wird sein, wie sich das Tiefdrucksystem über Italien verhalten wird. Bleibt es stabil, so ist über weite Teile von Italien binnen 7 Tagen mit Niederschlagssummen von 50 bis 100 l/m² und mancherorts auch bis 180 l/m² zu rechnen. Gleichzeitig hält es die "Lücke" für weitere Tiefdrucksysteme - welche aus nordwestlichen Richtungen nach Deutschland gelangen können - offen.

Löst es sich stattdessen auf, so wird eine Hochdruckbrücke zwischen dem Azoren- und Kontinentalhoch quer über Mitteleuropa wahrscheinlicher. Das amerikanische Wettermodell berechnet heute eine Zwischenvariante, bei der ein Hochdruckkeil des Azorenhochs das Wetter über Deutschland mit der Zufuhr gemäßigt milder Luftmassen beeinflussen könnte. So wäre bis zum 12. November bei Temperaturen von +7 bis +12 Grad ein leicht wechselhafter Wettercharakter zu erwarten. Die Berechnungen des europäischen Wettermodells sind ganz ähnlich. Bis zum 12. November wenig aufgeregtes und leicht unbeständiges Wetter bei durchaus Jahreszeit typischen Temperaturen.

Wetterwechsel im zweiten Novemberdrittel?

Bis zum 11. November berechnen die Wettermodelle wenig Dynamik, doch das mag sich zum 12. November verändern können. Ob daraus ein nachhaltiger Wetterwechsel in Richtung Winter stattfinden kann, bleibt noch zu klären. So berechnet das europäische Wettermodell ein aufkeilendes Azorenhoch in Richtung Island und Grönland und an dessen östlichen Hochdruckgradienten können kalte Luftmassen nach Süden geführt werden. Das wäre eine ernsthafte Option für die ersten - richtigen - Schneefälle bis auf mittlere und teils bis in tiefere Lagen hinab.

Diese Variante berechnet das amerikanische Wettermodell um den 14. bis 16. November mit einem Trogansatz zwar auch, doch der Trog wird von einem nacheilenden Hochdruckkeil in Richtung westliches Russland kurzerhand abgeschnitten. Nachfolgend würde Deutschland, Österreich und die Schweiz im Einflussbereich der Hochdruckbrücke liegen, was zu einem neblig-trüben und teils auch kalten Wettercharakter führen kann.

Jahreszeitenbedingt wird es kühler

Der Sonnenstand sinkt, die Sonne verliert an Einfluss und so werden die Tage nicht nur kürzer, sondern auch kühler. Die Frage ist, ob die Wetterentwicklung einem maßgebenden Beitrag für die eine oder andere Temperaturrichtung leisten kann? Die Kontrollläufe zeigen mit einer Differenz der Temperaturen in ca. 1.500 Meter Höhe von bis zu 15 Grad, wie unsicher die kommende Wetterentwicklung noch ist. Der Mittelwert hält sich aber strikt an den vieljährigen Mittelwert. So liegt das Temperaturspektrum am 9. November zwischen +4 bis +11 Grad (Mittelwert: +7 bis +8 Grad) und am 16. November zwischen +1 bis +11 Grad (Mittelwert: +5 bis +7 Grad). Es geht also rasch in Richtung nasskalte Witterungsverhältnisse, wobei ein frühzeitiger und nachhaltiger Wintereinbruch - zum heutigen Stand - nicht zu erkennen ist.

Diagramm Temperaturen im November 2017 vom 03.11.2017

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe im November 2017 von zu kalt, normal, zu warm.

Die Wahrscheinlichkeit für Temperaturen unter der 5 Grad Marke liegen am 18. November bei rund 35 Prozent, was noch einmal den nasskalten Wettertrend unterstreicht.

Wetterprognose Winter 2017/18: Langfristmodell mit leichten Korrekturen

Das der November ein hohes Potential als normaler Monat in die Wettergeschichte einzugehen hat, wird heute auch nochmals vom Langfristmodell mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert bestätigt.

Für den Dezember liegt die Abweichung nach dem aktuellen Wettertrend des Langfristmodells - wie im Februar 2018 - mit +1 bis +2 Grad im zu warmen Bereich. Nur der Januar 2018 könnte mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad noch wärmer ausfallen. Das ist und bleibt für alle Winterfans ernüchternd, auch wenn das Langfristmodell nur einen Wettertrend wiedergibt, welcher keinesfalls so eintreten muss.
Zieht man aber die Fakten rund um den Klimawandel zusammen, so sind die Berechnungen des Langfristmodells durchaus plausibel und nachvollziehbar. Die Winter der letzten 20 Jahre waren im Schnitt etwa um 1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm, was die Schneefallgrenze um 100 bis 130 Meter weiter bis in die höheren mittleren Lagen verschob. Und dennoch gab es in diesem Zeitraum Winter, welche eine langanhaltende Frostperiode und reichlich Schnee brachten.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 03.11.2017

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