Wie wird das Wetter im Winter 2017/18, wie viel Schnee wird es in der Wintersaison geben, oder wird der Winter wieder ein "Reinfall" wie in den letzten Jahren? Diese und noch viel mehr Fragen erreichen uns in den letzten Tagen und Wochen vermehrt und wir möchten heute einen kurzen Überblick darüber geben, wie der Winter 2017/2018 verlaufen könnte.

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Langfristmodelle: Winter deutlich zu warm

Zunächst einmal die Betrachtung von dem, was rechnerisch an Wettervorhersagen für den Winter von den Wettermodellen möglich ist.

  • Das CFSv2 Modell berechnet den Dezember mit einer Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von -0,5 bis +2 Grad als "kältesten" Wintermonat. Der Januar und Februar 2018 haben eine Differenz von +1 bis +3 Grad im deutlich zu warmen Bereich vorzuweisen. Im Ergebnis ein deutlich zu warmer Winter.
  • Die NASA berechnet den Dezember 2017 mit einer Abweichung von +0,25 bis +1 Grad leicht zu warm und den Januar und Februar 2018 mit +0,5 bis +3 Grad deutlich zu warm. In Summe ein deutlich zu warmer Winter.
  • Das IRI-Modell zeigt mit einer Wahrscheinlichkeit von 40 bis 45 Prozent einen normalen bis leicht zu warmen Temperaturverlauf im Winter.
  • Das METOffice berechnet eine Wahrscheinlichkeit von 40 bis 80 Prozent für einen zu warmen, 0 bis 40 Prozent normalen und 0 bis 20 Prozent zu kalten Winterverlauf.

Wetterlagen sind anders

Fasst man die Langfristmodelle zusammen, so sind diese durchweg auf einen zu warmen Winter eingestellt, wobei das IRI Modell noch Aussichten auf einen normalen Winter aufrecht erhält. Aber wie sind die Langfristmodelle zu bewerten - wird der Winter 2017/18 der fünfte Winter in Folge, welcher deutlich zu warm ausfällt? Es ist nicht verwunderlich, dass die Langfristmodelle den Winter mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zu warm einstufen, so lag die durchschnittliche Temperatur der letzten 20 Winter mit rund +1,0 Grad über dem langjährigen Mittelwert im zu warmen Bereich. Aber im Zeitraum von 2009 bis 2012 gab es eine Reihe von Wintern, welche zu kalt, bzw. normal ausgefallen sind - so einfach ist das also nicht, die Winter als immer zu warm einzustufen.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2017/2018 vom 16.09.2017

Betrachtet man die Winter der letzten Jahre, so gab es sehr häufig einen Zyklus, welcher sich etwa alle drei Jahre wiederholt. Einem warmen Winter folgen zwei weitere warme Winter nach, wobei der zweite häufiger der wärmste war. Anschließend werden die Winter wieder kälter. Die letzten vier Winter waren allesamt zu warm, aber der letzte Winter zeigt nach einem deutlich zu warmen Dezember im Januar und Februar einen Umschwung in Richtung Normalität, was uns damals schon zum Fazit brachte, dass der Winter 2017/18 anders ausfallen wird und die Wetterprognosen der Langfristmodelle mit Skepsis zu bewerten sind.

Auffällig war zudem, dass trotz des deutlich zu warmen Frühlings- und auch Sommerwetter 2017 sich die Großwetterlagen nicht typisch ihren Jahreszeiten gegenüber verhielten. Zu trocken war der Frühling und zu unbeständig war der Sommer und vor allem der September ist aktuell geprägt von einer wechselhaften Großwetterlage und relativ kühlen Temperaturen. "Normal" wäre ein durchwachsener Frühling, ein wechselhafter Sommer mit zeitweilig länger anhaltend stabilen Wetterphasen, gefolgt von einem Herbst, welcher häufig mit stabilen Wetterlagen beginnt.

Gibt es denn eine statistische Auffälligkeit zwischen Frühling und Sommer und den daraus folgenden Wintertemperaturen? Nein, gibt es nicht. Egal ob der Frühling zu warm, der Sommer zu kalt, andersherum oder beide normal waren, so zeigen die drauf folgenden Winter keine eindeutige Entwicklungstendenz, welche signifikant für eine Wettervorhersage wäre. Wie das bei den einzelnen Monaten aussieht, da sieht die Sache schon etwas anders aus, aber darauf gehen wir in den kommenden Wochen mit einer detaillierten statistischen Betrachtung etwas näher darauf ein.

Was ist mit El Niño und dessen Auswirkungen?

Von 2015 bis zum Frühjahr 2016 gab es einen sehr starken El Niño, gefolgt von einer kurzen kälteren La Niña Phase, bevor zum Frühjahr sich ein wenig signifikanter El Niño zurückmeldete, die aktuellen Konditionen sind aber nach dem ENSO-Bericht für die kommende Wintersaison als normal zu bewerten.

ENSO-Neutral is favored (~85% chance during Jul-Sep, decreasing to ~55% during Dec-Feb) through the Northern Hemisphere winter 2017-18.

Welche Auswirkungen haben "normale" Zustände? Keine, bzw. anders formuliert werden wohl weder El Niño noch La Niña in diesem Winter Auswirkungen auf das Wetter haben können. Was aber noch nicht mit einem normalen oder gar zu kalten Winter gleichzusetzen ist - es hat nur keine Auswirkungen.

Schneedeckenausbildung über Sibirien

Auch die Ausbildung einer Schneedecke über dem Sibirischen Raum kann ein Faktor sein, wie sich der Winter entwickeln mag. Liegt früh viel Schnee, fördert das die Ausbildung des Kontinentalhochs. Weitet sich die Schneedecke rasch nach Westen aus, so sind Hochdruckwetterlagen meist im Januar über Mitteleuropa begünstigt (Hochwinter). Aktuell ist es aber noch zu früh um Rückschlüsse daraus zu ziehen - auch hier werden wir in den kommenden Wochen einen näheren Blick darauf haben. Auffälligkeiten über eine hohe Abweichung der Schneedecke über Sibirien gab es in den zurückliegenden Septembertagen noch nicht.

QBO- Die Quasi zweijährige Schwingung

Wie der Name schon sagt handelt es sich um eine periodische Schwingung der zonalen Winde, welche in etwa alle 2,2 Jahre auftreten. Der Normalzustand ist von West nach Ost und findet in Höhenlagen von 16-40 km Höhe statt. Alle 2,2 Jahre kehrt sich der Zustand aber auf West-Ost um.
Ist der QBO "normal", so stärkt der West-ost Drift den Polarwirbel. Ein starker Polarwirbel bringt aber selten ein kalten Winter über Mitteleuropa, vielmehr begünstigt er nasskalte West- bzw. milde Südwestwetterlagen.
Kehrt sich der QBO aber auf Ost-West um, so ist mit einem schwächeren Polarwirbel zu rechnen, was die Wahrscheinlichkeiten für Trogwetterlagen über Mitteleuropa erhöht. Ob Deutschland aber auf der warmen oder der kalten Seite des Troges liegt, lässt sich daraus nicht ableiten. Ein negativer QBO erhöht nur die Wahrscheinlichkeiten für grundsätzlich andere Wetterverhältnisse im Winter, welche auch zu kalt ausfallen können.

Der letzte QBO Wechsel hätte letztes Jahr stattfinden müssen, tat er aber überaschenderweise nicht und was seit den 1950er Jahren das erste Mal vorkam. Er ist also überfällig. Die aktuellen QBO Konditionen sind normal und lassen zum heutigen Stand keine Umkehrung im Winter erwarten.

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Sonnenaktivität

Die Sonnenaktivität hat einen sog. 11-Jahreszyklus. Mal ist also die Sonne aktiver, mal weniger aktiv. Aktuell befindet sich die Sonne am Ende eines Maximums, deren Minimum für 2020 erwartet wird. Das Maximum an sich ist aber nicht besonders kräftig und so spekuliert man schon heute, welche möglichen Auswirkungen die schwache Sonnenaktivität auf das Wetter im Winter haben wird. Fakt aber ist:

Wenn Sonnenflecken im Minima sind, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung. Weniger Strahlung bedeutet geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, die eine Änderung in der Zirkulation der beiden niedrigsten Atmosphäre hervorruft, der Troposphäre und Stratosphäre…

Bei der Troposphäre handelt es sich um die Luftschicht vom Boden bis zur Stratosphäre und die Stratosphäre erstreckt sich in einer Höhe von 15 km bis 50 km. So kann eine starke, bzw. schwächere Sonne durchaus Auswirkungen auf das Wetter haben. Vergleicht man die Jahre mit einem Minimum mit den Wintern, so kommt man zu folgendem Ergebnis:

Temperaturabweichungen Winter zum Sonnenfleckminimum
Winter Tem­peratur Ab­weichung
94/95 +2 Grad +1,8 Grad
95/96 +2,8 Grad +2,6 Grad
96/97 -2,3 Grad -2,1 Grad
98/99 -0,3 Grad -0,5 Grad
07/08 +4,38 Grad +4,2 Grad
08/09 +3 Grad +2,8 Grad
09/10 -0,2 Grad -0,4 Grad
10/11 -1,3 Grad -1,1 Grad

Was fällt auf? Wenn die Sonne ihr Minimum erreicht, bzw. überschritten hat, waren die Winter zu kalt. Davor und danach waren sie eher zu warm. Das nächste Minimum wird 2020 erreicht. Anders formuliert: die Sonne schwächelt, aber ob der Einfluss auf das Wetter im Winter 2017/18 gegeben ist, wird sich erst noch zeigen müssen.

Meereisausdehnung der Arktis und die Folgen für den Winter

Bedingt durch den Klimawandel ist die Meereisausdehnung über der Arktis in den letzten Jahre zurückgegangen und befindet sich aktuell im unteren Bereich der Schwankungsbreite der Jahre 1981-2010, wobei 2012 die schwächste Ausdehnung registriert wurde. Die Folgen sind noch nicht ganz abzusehen, aber in der Theorie könnte die geringere Meereisausdehnung sowohl zu kühleren Winter (geschwächter Polarwirbel) oder zu wärmeren Winter führen (eingefahrenes Strömungsmuster über östliches Kanada/Neufundland, was über Europa zu Südwestwetterlagen zur Folge haben kann). Warum? Weniger Eis, desto mehr Wärmeenergie kann das Wasser aufnehmen, was die Wahrscheinlichkeiten für einen schwächeren Polarwirbel stärkt und die Neigung zu Polarwirbelsplits und meridional "gestörten" Zirkulationsmustern grundsätzlich erhöht. Es kommt aber auch darauf an, wie das Strömungsmuster im Polarwirbel selbst ist. Ein Split mit Kältepol über dem östlichen Kanada und Grönland hat z.B. häufiger einen sehr warmen Winter über Mitteleuropa zur Folge.

Meereisausdehnung Arktis
Meereisausdehnung Arktis © Alfred-Wegener-Institut

Der Jahrhundertwinter und die Medien

Alle Jahre wieder geistert der Jahrhundertwinter, oder der Bibberwinter mit Kälteschock durch die Medienwelt. Auch wir werden die letzten Tage des Öfteren darauf angesprochen, dass nun ein Jahrhundertwinter bevorstehen soll und wie wir dazu stehen. Meist handelt es sich um britische "Klimaexperten", welche referenziert werden. Doch es sei gewarnt vor "Klimaexperten" oder "Wetterexperten" - das sind keine geschützten Begriffe und sagt auch nichts über deren Qualität aus. Jeder kann sich so nennen - selbst ein "Königskerzenleser" nennt sich Wetterexperte. Meist haben solche Meldungen nur einen Zweck: Clickbaiting. Übrigens sagten die britischen Klimaexperten für 2014 und 2015 einen Jahrhundertwinter vorher. 2014 und 2015 waren sehr warme Winter :-)

Zusammenfassung

Auch der Winter 2017/18 hat im Zuge des Klimawandels grundsätzlich ein hohes Potential zu warm auszufallen. Nichtsdestotrotz wird diese Wintersaison wohl anders verlaufen als die vergangenen zu warmen Winter und sich wieder mehr in Richtung der Normalität orientieren können. Chancen auf längere Kältephasen und vielleicht auch ein "anständiger" Hochwinter sind zum heutigen Stand durchaus gegeben.

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