Zunächst sind am heutigen Samstag und auch am Sonntag noch verbreitet Schneefälle teils bis in tiefere Lagen zu erwarten, welche von Montag bis einschließlich Mittwoch weiter an Intensität verlieren und am Donnerstag ganz aufhören können. Der Wind dreht von West auf Nord und später auf Nordost bis Ost und führt kältere Luftmassen nach Deutschland, so dass die Tageshöchstwerte verbreitet im Dauerfrostbereich liegen und in den Nächten - je nach aufklaren - auf -18/-8 Grad, bzw. -9/-1 Grad zurückgehen können (Details s. Wettervorhersage Januar 2017).

Der Hochwinter kehrt nach kurzer Pause zurück. Verantwortlich hierfür ist ein Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum, welches auf seinen südlichen Gradienten kalte Kontinentalluftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führen kann. Beide Wettermodelle berechnen die Hochdruckdominanz mit einer geringen Niederschlagsneigung bis zum 20. Januar, wobei sich das Hochdrucksystem in der Höhe ab 1.000 Meter langsam mit wärmeren Luftmassen auffüllen kann. Nach den gängigsten Simulationen setzt sich aber die warme Luft aufgrund der fehlenden Durchmischung nicht bis in die mittleren und tieferen Lagen durch, so dass der Dauerfrost dort bis zum 24./25. Januar anhaltend sein kann.

Die Kontrollläufe bestätigen diesen Temperaturtrend mehrheitlich und berechnen für den 20. Januar ein Temperaturspektrum von -10/+2 Grad (Mittelwert: -3 Grad über dem Norden, -4 Grad über dem Westen und -6/-5 Grad über dem Osten und Süden) und am 25. Januar von -7/+3 Grad (Mittelwert: -1/+0 Grad über dem Norden und Westen, -1 Grad über dem Süden und -3 Grad über dem Osten). Eine langsam voranschreitende Milderung ist im Zeitraum vom 20./25. Januar zu erwarten und sollte sich das Hochdrucksystem etwas weiter nach Süden bewegen können (ca. 500-1.000 Kilometer) , so könnten auch schon ab dem 20. Januar über dem Norden und Westen tagsüber leichte Plusgrade erreicht werden. Nichtsdestotrotz ist der Wettercharakter zum aktuellen Stand auch mit dieser Milderung von der Höhe herab bis zum 23./24. Januar als winterlich zu bezeichnen.

Spannend und nach allen Richtungen offen bleibt der Wettertrend für den Winter im Zeitraum nach dem 23. Januar. Das amerikanische Wettermodell berechnet eine westliche Verlagerung des Hochdrucksystem in Richtung Island und stellt sich dort in einer von Süd nach Nord verlaufenden Hochdruckachse auf. Das blockiert zunächst die Tiefdrucksysteme auf dem Atlantik und führt an seinen östlichen Gradienten bis zum 26. Januar gemäßigt kalte Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Deutschland, was zu einer ansteigenden Niederschlagsneigung führen kann. Da die Temperaturen weiterhin im Frostbereich berechnet werden, sind die Niederschläge meist in Form von Schnee zu erwarten.

Anders die Berechnungen des europäischen Wettermodells, welche das Hochdrucksystem nicht in blockierender Position auf dem Atlantik berechnet, sondern dieses sich rasch nach Osten zurückzieht und somit der atlantischen Frontalzone mehr Einfluss auf das Wetter über Deutschland Österreich und der Schweiz gewähren kann. In Folge dessen wäre vom 23./25. Januar mit einer raschen Milderung und einer zunehmenden Niederschlagsneigung zu rechnen.

Den Takt über das Wetter im letzten Januar-Drittel wird aber wohl der Polarwirbel vorgeben. Das europäische Wettermodell berechnet zum 22. Januar ein Hochdrucksystem über Kanada, welches sich bis nach Grönland erstreckt und auf seinem östlichen Gradienten südlich von Grönland kalte Luft auf den Atlantik führt und dort die Tiefdruckproduktion erhöht. Somit sind die Berechnungen des europäischen Wettermodells hinsichtlich einer höheren Einflussnahme der atlantischen Frontalzone durchaus plausibel. Allerdings - und das ist das Interessante - kann sich zum 24. Januar ein Hochdrucksystem über Island ausbilden und somit die Frontalzone weiter nach Süden drücken. Neben mild gäbe es also noch die Optionen der sog. Grenzwetterlagen.

Die eigentliche Unsicherheit für die Wetterentwicklung im letzten Januar-Drittel kommt aber aus einer ganz anderen Richtung und findet in der sog. 10-hPa Fläche - der Stratosphäre - statt. Beide Wettermodelle berechnen mittlerweile - zwar in unterschiedlichen Zeiträumen - ein sog. Major Warming (22./27. Januar), was die Temperaturen binnen 48 Stunden von -68 Grad auf bis +10 Grad ansteigen lassen kann. In einigen Varianten zeigt sich auch das sog. Final-Warming, welches den Polarwirbel in den unteren Luftschichten nachhaltig beeinflussen kann. Das hat zumeist starke Schwankungen entlang der Polarfront bis hin zu Polarwirbelsplits zu Folge, was über Mitteleuropa häufiger zu winterlichen Trogwetterlagen führen kann, aber eben nicht zwangsläufig muss. Auf jeden Fall wird dieses Phänomen die Wetterprognosen in den kommenden Tagen zunehmend beeinflussen und auch unsicherer machen.

Wie dieser komplexe Vorgang ablaufen kann, zeigt das 3D-Modell ganz gut:
Weitere Beispiele finden Sie bei uns auf der Seite des Major-Warming.

Der Winter kann also in die eine oder andere Richtung verlaufen - maßgeblichen Einfluss darauf wird aber mit höherer Wahrscheinlichkeit der Polarwirbel und dessen Entwicklung haben. Wie die Entwicklung im Detail aussehen wird, ist zum heutigen Stand nicht zu bestimmen, doch mit höherer Wahrscheinlichkeit ist in diesem Winter wohl nicht mehr mit einem kräftigen und intakten Polarwirbel zu rechnen. Wie kräftig das Major-Warming berechnet wird und dessen Auswirkungen sein können, zeigt die deutlich negativ verlaufende Tendenz der zonalen Winde in der 10 hPa Fläche - im Ansatz ist auch die Umkehr auf Ost-West zu erkennen. Was das für Folgen haben könnte, darauf gehen wir u.a. heute Abend gegen 20:45 Uhr in unserer nächsten Aktualisierung zum Wettertrend Winter ein.

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