Man hört und liest derzeit viel, dass die Sonne aktuell besonders schwach sei und deshalb das Wetter im Sommer 2018 auch zu kalt und zu nass ausfallen könnte. Was ist an dem Phänomen der wenig aktiven Sonne dran und gibt es Hinweise auf einen zu warmen oder zu kalten Sommer aus der - statistischen - Vergangenheit?

Wie wird das Wetter im Sommer 2018? Eine derzeit häufig gestellte Frage und eigentlich gab es im April und Mai schon genügend sommerlich warme Tage - hat der Sommer damit sein Pulver schon verschossen, oder sind das die Vorboten eines extrem warmen Sommerwetters?

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In der letzten Wetterprognose wurden die möglichen statistischen Auswirkungen der Frühlingsmonate auf das Wetter im Sommer 2018 untersucht. Heute möchten wir uns dem Sonnenfleckzyklus widmen.

Die Sonnenaktivität und deren Auswirkung auf das Wetter im Sommer

Die Sonnenflecken - welche eine Interpretation über die Aktivität der Sonne zulässt - haben einen festen 11 Jahres Zyklus und wie man in der nachfolgenden Grafik gut sehen kann, befindet sich die Sonnenaktivität derzeit in einem abnehmenden Stadium hin zu einem Minimum, welches voraussichtlich 2020 erreicht sein sollte.

Aktueller Zustand der Sonnenaktivität

Sonnenaktivität und Sonnenzyklus 2018
Sonnenfleckzyklus © Spaceweatherlive.com

Je mehr Sonnenflecken es gibt, desto aktiver ist die Sonne, ein Minimum ist in der umgekehrten Annahme ein Indiz eine schwächelnde Sonne.
Und die Folge daraus?
Die Annahme besagt stark vereinfacht:

Wenn Sonnenflecken im Minima sind, strahlt die Sonne weniger UV-Strahlung. Weniger Strahlung bedeutet geringere Erwärmung der Erdatmosphäre, die eine Änderung in der Zirkulation der beiden niedrigsten Atmosphäre hervorruft, der Troposphäre und Stratosphäre…

Wie aber sind die Auswirkungen kurz vor dem Minima auf das Sommerwetter?

Anmerkung: Das Minimum ist noch nicht erreicht. Wie waren also die Sommer in den Jahren vor dem Minimum der Sonnenaktivität?

Temperaturabweichungen Sommer vor Erreichen des Sonnenfleckminimum
Sommer Tem­peratur Ab­weichung
2006 + 18,1 Grad + 1,8 Grad
1994 + 18,4 Grad + 2,1 Grad
1984 + 15,5 Grad - 0,8 Grad
1974 + 15,5 Grad - 0,8 Grad
1962 + 15,0 Grad - 1,3 Grad
1952 + 17,1 Grad + 0,8 Grad
1942 + 16,0 Grad - 0,3 Grad

Das Ergebnis: 3 Sommer waren zu kalt, 3 Sommer waren zu warm und einer normal. Es gibt scheinbar keine klaren Zusammenhänge, außer, dass in den letzten zwei Zyklen die Sommer deutlich wärmer waren. Das hängt aber u.a. auch damit zusammen, dass die letzten 21 Sommer durchweg zu warm ausgefallen sind und der Durchschnitt der letzten 20 Jahre etwa um +1,1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm war. Eine Überlagerung der Effekte Klimaerwärmung und schwache Sonnenaktivität?

Wie aber sieht es aus, wenn das Minimum erreicht ist, gibt es hier signifikante Auffälligkeiten für das Wetter im Sommer?

Temperaturabweichungen Sommer beim Erreichen des Sonnenfleckminimums
Sommer Tem­peratur Ab­weichung
2008 + 17,4 Grad + 1,1 Grad
1996 + 16,2 Grad - 0,1 Grad
1986 + 16,4 Grad + 0,1 Grad
1976 + 17,6 Grad + 1,3 Grad
1964 + 17,0 Grad + 0,7 Grad
1954 + 15,4 Grad - 0,9 Grad
1944 + 17,1 Grad + 0,8 Grad

Auch hier - kein direkter Zusammenhang erkennbar, allenfalls eine Tendenz: Vier Sommer waren zu warm, zwei normal und einer zu kalt. Ist also die Annahme, dass die Sommer bei einem Sonnenfleckminimum zu kalt sind falsch?

Zusammenfassung:

Die Sonne hat ohne Frage einen sehr großen Einfluss auf das Wetter auf der Erde und sicherlich mögen auch die Sonnenflecken dabei eine Rolle spielen. Im Einzelnen kommt es darauf an, wie lange das Minimum anhielt und welches Maximum überhaupt erreicht wurde. Erst wenn die Sonne deutlich und über mehrere Zyklen hinweg kein ordentliches Maximum mehr aufbaut, kann man davon ausgehen, dass die Temperaturen sich signifikant und spürbar verändern können. Zudem ist die Sonnenaktivität nur ein Faktor von vielen, so dass ein eindeutiger Rückschluss auf das Wetter im Sommer 2018 nicht möglich ist.

Mehr zu den Sonnenflecken und den Auswirkungen auf das Wetter:

Uni Mainz: Internationales Forscherteam bestätigt Einfluss des 11-Jahres-Rhythmus der Sonne auf das Klima bestimmter Regionen

Wetter Sommer 2018: Aktuelle Wetterprognose des Langfristmodells

Geht es nach den aktuellen Vorhersagen des Langfristmodells, so werden die Sommermonate Juni und Juli gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm berechnet, während der August eine Tendenz hat, normal auszufallen. Die Werte im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Frühling und Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
Juli 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
August 2018 -0,5 bis +0,5 Grad Trend: normal, im Trend leicht zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2018 vom 07.05.2018

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