Noch ist zum heutigen Stand nicht klar abzusehen, wo der Kaltluftvorstoß Ende November niedergehen wird. Sollten sich die Simulationen des europäischen Wettermodells bewahrheiten, so wäre das durchaus über Deutschland, Österreich und der Schweiz möglich, geht es nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodell, so kann der Kaltluftzustrom über das östliche Europa abgelenkt werden und Deutschland würde im Einflussbereich milder Luftmassen verbleiben können. Daran hat sich auch heute Nachmittag nichts verändert. Allerdings zählt die Simulation des amerikanischen Wettermodells im Vergleich zu den Kontrollläufen weiterhin zu den wärmeren Varianten - gut möglich also, dass sich hier noch Veränderungen ergeben können (Details s. Wetterprognose Winter 2016/17).

Entscheidend wird sein, wie sich ein Hochdrucksystem im Bereich zwischen England und Island positionieren wird und ist zugleich auch entscheidend, wie sich das Wetter in den ersten Dezember-Tagen gestalten kann. Unterscheiden kann man zum heutigen Stand drei Entwicklungsvarianten.

In der ersten Variante verbleibt das Hochdrucksystem über England und kann sich Anfang Dezember nach Osten in Richtung Skandinavien etwas ausdehnen. Das lenkt den Kaltluftzustrom aus nördlichen Richtungen nach Osten ab und Deutschland liegt im Einflussbereich des Hochdrucksystem bei einem zu Nebel neigenden aber trockenen Wettercharakter und Tageswerten, welche je nach Nebelauflösung zwischen -1/+5 Grad, bzw. +4/+8 Grad liegen können.

In der zweiten Variante strebt das Hochdrucksystem zwischen Island/England nach Norden auf und ermöglicht somit ein breiteren Entwicklungsspielraum für ein Tiefdrucksystem im Bereich zwischen Skandinavien und der Barentssee. Im Verbund mit der "günstig" verlaufenden Hochdruckachse können die Kaltluftmassen auf direktem Wege bis nach Deutschland, der Schweiz und Österreich geführt werden. Das könnte nasskaltes Wetter in tieferen Lagen und durchaus winterliche Optionen ab den mittleren Lagen zur Folge haben (400-800 Meter).

In der dritten Variante weicht das Hochdrucksystem weiter nach Westen in Richtung Island Grönland aus und ermöglicht im Zusammenspiel mit tiefem Luftdruck über Skandinavien den Zustrom kalter Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden bis über die Mittelmeerregion. Im Unterschied zur zweiten Variante spielt hierbei ein Tiefdrucksystem über der Mittelmeerregion noch eine Rolle, welches - Aufgrund der Temperaturgegensätze - an Dynamik gewinnen und wie ein "Ansaugmotor" die kalte Luft nach Süden zieht. Sollte sich solch eine Variante bewahrheiten können, so wäre auch in tieferen Lagen mit Schneefall und den ersten winterlichen Straßenverhältnissen zu rechnen.

Wie stehen die Chancen auf Winter Anfang Dezember? Kurz und knapp: mäßig. Die Kontrollläufe berechnen Anfang Dezember einen eher durchschnittlichen Temperaturverlauf, welcher mit Tageswerten um die +5 Grad Marke herum einen eher nasskalten Temperaturcharakter in Aussicht stellt. Bestätigt wird das von den Verhältnissen der Kontrollläufe von zu kalt (<+2) / normal (+3/+8) / zu warm (>+9), welche am 29. November bei 50/40/10 und am 4. Dezember bei 40/45/15 liegen. Varianten mit Dauerfrost haben zum 4. Dezember aktuell eine Wahrscheinlichkeit von rund 20 Prozent. Mit anderen Worten sind Anfang Dezember nasskalte bis zu kalte Temperaturen wahrscheinlicher, als deutlich zu warme.

Dass die Simulationen der Wettermodelle für Anfang Dezember in den kommenden Stunden und Tagen noch des Öfteren hin und her pendeln können, mag auch an der potentiellen Entwicklung des Polarwirbels liegen. Besonders interessant sind dabei die Berechnungen des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag in der Form, als dass sich von den Azoren über Grönland, den nördlichen Kanada bis nach Alaska ein Hochdruckgürtel erstrecken kann. Gleichzeitig liegt der aktiv dynamische Teil des Polarwirbels über Sibirien. im Ergebnis gilt der Polarwirbel als gestört und instabil. Gerade die Wellenbewegungen entlang der Polarfront können entscheidend dafür sein, ob der Winter in Deutschland Einzug halten kann.

Die zonalen Winde liegen weiterhin deutlich unter dem für die Jahreszeit typische Entwicklung und weisen entlang des bedeutsamen 65 Breitengrades Ende November, Anfang Dezember eine negative Tendenz aus, also eine Ost-West Umkehrung aus - ob nachhaltig oder nicht, wird sich zeigen müssen, die Berechnungen zeigen im ersten Dezember-Drittel wieder in eine positive Richtung, bleiben aber dennoch unter dem durchschnittlichen Wert.

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