Das Wetter in den kommenden Tagen ist relativ einfach und kurz zu beschreiben. Ab Montag wird es von Norden her unbeständiger und mit einer südwestlichen Grundströmung bis Mittwoch auch spürbar milder, so dass selbst in den Nächten kaum mehr Frost zu erwarten ist (Details s. Wettervorhersage November). Am Montag steht dafür noch ein ganz anderes Phänomen im Vordergrund: Vollmond - an sich nichts ungewöhnlich um kommt alle 29 Tage, 12 Stunden und 43 Minuten vor. Was diesmal aber anders ist, ist die Nähe des Mondes zu Erde, welche um 11:52 Uhr ca. 356.509 Kilometer betragen wird - zuletzt war das im Jahre 1912 der Fall. Insofern ein schönes Schauspiel, sofern der Mond auch zu sehen sein wird. Voraussichtlich kann am Montag nördlich der Linie Köln - Berlin dichte Bewölkung aufziehen, während es südlich davon nahezu wolkenlos bleiben kann. Interessant ist dann die Sonnenuntergangphase zwischen 16:00-17:00 Uhr - da lohnt es sich, den Mond am Himmel zu suchen.

Der Wind aus südwestlichen Richtungen kündigt den bevorstehenden Wetterwechsel an: es wird milder und auch unbeständiger. Der Grund hierfür ist ein Tiefdrucksystem zwischen Grönland, Island und Skandinavien, welches auf seiner Vorderseite für die Zufuhr der milden Luftmassen nach Deutschland, Österreich und der Schweiz ermöglichen kann. Dass es milder werden wird, darüber besteht seit Tagen kaum mehr Zweifel, die Frage ist nur, wie mild wird es tatsächlich und wie nachhaltig ist die Milderung? Im Detail wird entscheidend sein, wie sich das Tiefdrucksystem gegen ein Hochdrucksystem über dem westlichen Russland durchsetzen kann, oder eben auch nicht.

Nach den Berechnungen der Wettermodelle kommt das Tiefdrucksystem nicht sonderlich weit nach Osten voran und verlagert sein Kerngebiet vom 17. November über Island bis zum 19. November unter weiterer Abschwächung nach England. Am 19. November folgt bereits von Neufundland her kommend ein weiteres Tiefdrucksystem nach und wird bereits vor England vom hohen Luftdruck über dem westlichen Russland bis nach Skandinavien reichend blockiert. In Folge dessen gerät Deutschland, Österreich und die Schweiz weiterhin in ein südlich orientiertes Zirkulationsmuster, so dass die Niederschlagsneigung ab dem 20. November abnehmen, die Temperaturwerte in einem für die Jahreszeit zu warmen/milden Niveau verbleiben können (nach der Berechnung des europäischen Wettermodells ist auch ein normales Niveau möglich).

Die Großwetterlage ist nach beiden Wettermodellen wenig strukturiert und weist im letzten November-Drittel einen hohen Entwicklungsspielraum auf. Insbesondere das Hochdrucksystem über dem westlichen Russland und das nach Süden hin abtropfende Tiefdrucksystem in Richtung Azoren können für die eine oder andere Überraschung in der Wetterentwicklung sorgen. Warum? Der tiefe Luftdruck könnte sich bspw. über den Azoren positionieren - gleichzeitig weicht das Azorenhoch nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells nach Norden aus und legt sich zunächst quer über den Atlantik bis nach England und Deutschland reichend. Nachfolgende Tiefdrucksysteme bleibt somit der Weg nach Süden versperrt und weichen auf eine nördlichere Zugbahn aus. In Folge dessen wird das Hochdrucksystem von zwei Tiefdrucksystemen umgeben - das eine über den Azoren und das andere zwischen Grönland und Skandinavien. Das Hoch verhält sich in dem Fall wie eine Luftblase im Wasserglas - es entweicht - nur wohin wird nicht klar sein - so ergeben sich zum heutigen Stand drei mögliche Entwicklungsszenarien im Zeitraum vom 22./27. November (1. Advent).

Weicht das Hoch nach Norden in Richtung Grönland aus, so könnte es über Deutschland, Österreich und der Schweiz mit Hilfe des Tiefdrucksystems über Skandinavien eine neuerliche nasskalte Nordwest- bis Nordanströmung der Luftmassen im letzten November-Drittel erfolgen. Festigt sich das Tief über Skandinavien, so könnte auch eine Verbindung zum Tief über den Azoren aufgebaut werden - eine Nordwestwetterlage wäre in diesem Fall nur von kurzer Dauer, da die Tiefdruckachse von Nord nach Süd auf Südwest bis Nordost kippt und in Folge daraus wieder mildere Luftmassen nach Deutschland führen kann.

In der zweiten Variante setzt sich das Tiefdrucksystem ebenfalls über Skandinavien durch - jedoch mit dem Unterschied, als dass sich das Azorenhoch ebenfalls seinen angestammten Platz über den Azoren sichern kann. Das wäre die Option für eine Westwetterlage, welche sowohl in eine milde Südwest-, als auch nasskalte Nordwestwetterlage übergehen kann.

In der dritten Variante verlagert sich das Hochdrucksystem über Mitteleuropa, was relativ ruhiges, teils neblig-trübes und trockenes Wetter zur Folge haben könnte - je nach Nebelauflösung wäre dann mit mäßig milden bis kalten Temperaturen zu rechnen.

Welche der Varianten ist am wahrscheinlichsten? Die Kontrollläufe stützen im Zeitraum vom 15./20. November eine erhöhte Niederschlagsneigung (Übergangsphase), welche sich darüber hinaus bis zum 27. November abschwächt und allenfalls noch als leicht zu bezeichnen ist - es vielfach aber auch trocken bleiben kann. Damit einhergehend zeigt sich im Zeitraum vom 22./27. November ein gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwas zu hohes Temperaturniveau. So liegt der Mittelwert des Temperaturspektrums am 22. November zwischen +7/+9 Grad und am 27. November zwischen +4/+6 Grad. Der Temperaturtrend ist zunächst zu hoch, zeigt aber im Verlauf bis zum 1. Advent eine zurückgehende Tendenz auf, welche auch in den Verhältnissen der Kontrollläufe von zu kalt (<+4) / normal (+5/+10) / zu warm (>+11), am 22. November mit 10/50/40 und am 28. November mit 35/60/5 bestätigt wird. Insofern lässt sich die Frage nach "Wann kommt der Winter?" heute wie folgt beantworten: mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht im Zeitraum vom 13./25. November - darüber hinaus muss man abwarten, wie die Konstellation der Wettersysteme erfolgen wird. Gegen 17:00 Uhr erfolgt unter Betrachtung der Randfaktoren, bzw. Setups unser letzter Teil der dreiteiligen Reihe "Wie wird der Winter?".

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen