Als Ergänzung zu unserem heutigen Wettertrend Winter 2016/17 wollen wir der uns in letzter Zeit wieder häufiger gestellten Frage nachgehen, wie sich die sog. Randfaktoren entwickeln und welche Rückschlüsse sich auf den Winter 2016/17 ziehen lassen können. Es sei aber angemerkt, dass die Randfaktoren - je nach Kriterium - keinesfalls heute schon einen Rückschluss auf den Verlauf des Winter 2016/17 geben können, vielmehr sind es statistische Wahrscheinlichkeiten.

Die Sonnenaktivität ist und bleibt schwach. Was bedeutet das? Eine schwache Sonnenaktivität zeigt sich in Form von einer niedrigen Anzahl an Sonnenflecken , während eine "aktive Sonne" vergleichsweise viel Sonnenflecken aufweist. Die Sonnenaktivität ist in einem 11-Jares Rhythmus mal stärker und mal schwächer ausgeprägt. Aktuell befinden wir uns in einer Phase, wo die Sonnenaktivität schwächer wird, wobei der aktuell 24. Sonnenzyklus generell schwach ausgeprägt ist. Etwas gravierender zeigten sich die Jahre zwischen 1645 und 1715 (Maunderminimum). In dieser Zeit wurden so gut wie keine Sonnenflecken beobachtet und diese Zeit fällt in den Bereich der Kleinen Eiszeit. Allerdings gilt auch zu hinterfragen, ob die Kleine Eiszeit nicht auch durch andere klimatologische Gegebenheiten beeinflusst wurde und es hier zum Zusammenspiel vieler begünstigender Faktoren kam. Welche Auswirkungen hat eine aktive oder weniger aktive Sonne auf das Wetter? Statistische Werte zeigen, dass es bei einer geringen Sonnenaktivität zu einer Häufung von sog. Trogwetterlagen kommen kann, wie man es bspw. in diesem Jahr hat häufiger beobachten können. Nun führen Trogwetterlagen über Mitteleuropa häufiger zu kaltem Wetter, ist aber nicht gleichbedeutend mit einem kalten Winter, sondern es kommt im Detail darauf an, auf welcher Seite Deutschland,  Österreich und die Schweiz eines möglichen Troges liegen können. Grundsätzlich spricht aber eine schwache Sonnenaktivität für eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen normalen bis zu kalten Temperaturverlauf im Winter.

La Niña tritt meist nach einem El Niño Phänomen auf, doch das scheint in diesem Jahr nicht der Fall zu sein. Ein La Niña Ereignis hatte Rückblickend auf die letzten El Niño Ereignisse häufiger einen zu warmen Winter zur Folge, während die darauf folgenden Winter eher normal bis leicht zu kalt ausfielen. Welchen Einfluss die möglicherweise ausbleibende, bzw. schwache La Niña nach dem doch sehr starken El Niño Ereignis haben wird, ist nicht ganz klar, jedenfalls kann die Abkühlung der Wassertemperaturen nicht in dem Maße erfolgen als ursprünglich einmal angenommen. Geht es nach dem aktuellen ENSO-Bericht:
ENSO-neutral conditions are slightly favored (between 55-60%) during the upcoming Northern Hemisphere fall and winter 2016-17.
Frei übersetzt: Neutrale ENSO Bedingungen sind über der nördlichem Hemisphäre während Herbst und Winter weiterhin wahrscheinlich (55-60%) - wenn, dann ist allenfalls eine schwache La Niña zu erwarten.

QBO: die QBO (Quasi-zweijährige Schwingung - quasi-biennial oscillation)) ist stark vereinfacht ausgedrückt ein Ergebnis der schwachen Sonnenaktivität, welches die Zirkulation der zonalen Winde über Wochen und Monate hinweg von West nach Ost in Ost nach West umkehren kann. Die Quasi-Biennial-Oszillation beschreibt eine West-Ost Umkehr der tropischen Stratosphäre. Je nach Zustand - welcher sich im Schnitt alle 2,2 Jahre verändert - gehen damit Abkühlungs- oder Erwärmungsphasen einher. Ebenfalls vereinfacht ausgedrückt "verstärkt" ein positiver QBO den Polarwirbel, während ein negativer QBO den Polarwirbel "schwächt" - eine negative QBO-Phase ist zum November 2016 / Januar 2017 nicht auszuschließen und könnte somit in diesem Winter zutreffend sein. Häufig macht sich so eine Umkehr mit einem Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum bemerkbar, was im Winter die trockene und kalte Festlandsluft nach Deutschland führen kann. Nicht selten geht so etwas auch mit einer gestörten Zirkulation einhergehen (Trogwetterlagen, Hochdruckwetterlage Island/Skandinavien). Eine von Ost nach West verlaufende QBO hat ebenfalls eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen normalen bis zu kalten Verlauf des Winters.

Die Schneebedeckung über Sibirien, welche Ende September noch nicht weit fortgeschritten war, konnte über dem östlichen Sibirien nun weiter anwachsen und sich weiter nach Süden ausbilden. Allerdings sind das noch keine sonderlichen Auffälligkeiten gegenüber den Vorjahren und eine westliche Ausdehnung der Schneedecke hat noch nicht stattgefunden (Okt 2016 | Okt 2015 | Okt 2014 |Okt 2013 | Okt 2012 | Okt 2011). Was bewirkt eine frühe und gut ausgebildete Schneedecke über Sibirien? Das sibirische Hochdrucksystem (Kontinentalhoch) kann mit Hilfe einer Schneedecke (und deren Abstrahlung) entsprechend stabilisiert werden und sich weiter nach Westen in Richtung nördliches Europa ausdehnen, was dann nicht selten hohen Luftdruck im Bereich zwischen Skandinavien und dem westlichen Russland zur Folge haben kann. Früher und vor allem nachhaltiger Schnee über Sibirien, welcher sich rasch nach Westen ausweiten kann, hat somit eine höhere Wahrscheinlichkeit für einen normalen bis zu kalten Winter, welcher sich bis nach Mitteleuropa ausweiten kann.

Neben den Randfaktoren gibt es noch die Langfristmodelle. Das sog. CFS2 Langfristmodell berechnet für den Winter - wie seit Wochen - eine Temperaturabweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +1/+2 Grad durchweg im zu warmen Bereich. Das IRI Modell zeigt eine leicht erhöhte Wahrscheinlichkeit für einen normalen bis leicht zu warmen Temperaturverlauf über die Wintermonate. Geht es nach dem Langfristmodell des METOffice, so liegt die Wahrscheinlichkeit für einen zu warmen Winter zwischen 40-60 Prozent, für einen normalen Verlauf zwischen 0-20 (teils 40) Prozent und für einen zu kalten Verlauf des Winters bei 20-40 Prozent.

Zusammenfassend zeigt sich nach den Randfaktoren ein normaler und im Trend leicht zu kühler Verlauf der Temperaturwerte im Winter. Die experimentellen Langfristmodelle berechnen hingegen einen zu warmen Verlauf des Winters mit der Tendenz normal auszufallen. Für einen zu warmen Verlauf des Winters spricht aber noch ein ganz anderer Faktor, welcher zunehmend eine größere Rolle spielt: der Klimawandel, bei dem kältere Episoden zunehmend seltener und kürzer auftreten (interessante Darstellung in einem Comic-Stripe).

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