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Sommerprognose: Ein markanter Wetterwechsel im Siebenschläferzeitraum?

| M. Hoffmann
Wetterwechsel im Siebenschläferzeitraum?

Die Unwetterfront zieht heute nach Osten ab- und nachfolgend setzt sich über das Wochenende mit einer Hochdruckblase der Sommer über Deutschland durch. Doch dieses Konstrukt ist alles andere als stabil und von Westen nähern sich bereits neue Tiefdruckausläufer. Kippt die Großwetterlage im Siebenschläferzeitraum und was bedeutet das für den Sommer?

Teils noch gewittriger Regen zieht heute langsam nach Osten ab und verlässt Deutschland zum späten Nachmittag. So können heute nördlich einer Linie von Essen und Dresden Regensummen von 4 bis 15 l/m² und örtlich bis 25 l/m² zusammenkommen. Wird der Regen schauerartig verstärkt, so können lokal bis 40 l/m² möglich sein. Weiter nach Süden trocknet es ab und zum Nachmittag nimmt die Sonnenscheindauer zu.

Sommer mit Rückschlägen

Am Wochenende baut sich eine Hochdruckzone über Deutschland auf. Die Niederschläge klingen ab und mit einer zunehmenden Sonnenscheindauer erreichen die Temperaturen +22 bis +28 Grad und am Sonntag sind über den westlichen Landesteilen bis +32 Grad möglich. Zum Start in die neue Woche erreicht eine weitere Störung Deutschland und sorgt bis einschließlich Mittwoch für weiteren Regen, welcher im Schwerpunkt nördlich einer Linie von Köln und der Zugspitze niedergehen kann. Der Wind dreht auf nordwestliche bis westliche Richtungen und führt mit +20 bis +25 Grad und bei Regen mit bis +17 Grad frischere Luftmassen nach Deutschland. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Juni.

Links die Prognose des deutschen Wettermodells, rechts die Niederschlagsprognose bis einschließlich dem 29. Juni
Links die Wetterprognose des deutschen Wettermodells, rechts die Niederschlagsprognose bis einschließlich dem 29. Juni © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wettervorhersage des europäischen Wettermodells: Absolut gestörte Zirkulation

Das Hoch weicht nach der Wetterprognose der Europäer nach Westen aus und zentralisiert sich bis zum 1. Juli auf dem Atlantik. Ein Ableger des Hochdrucksystems positioniert sich über Grönland und beide Systeme zusammen blockieren die atlantische Frontalzone - im eigentlichen Sinne - nahezu vollständig.

Tiefdruckcluster zwischen England und Skandinavien

Das Hoch aber liegt zu weit westlich, als dass es einen Einfluss auf das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz geltend machen könnte. Stattdessen ergibt sich der Spielraum für ein Tief, sich von Island aus weiter nach Süden in Richtung England und Skandinavien zu entwickeln.

Kein Sommerwetter

Schrittweise wird das Wetter über Deutschland vom Tiefdrucksystemen dominiert werden können. Mit zeitweiligem Niederschlag kann im Zeitraum vom 26. Juni bis 2. Juli insbesondere über der Nordhälfte von Deutschland gerechnet werden. Der Wind dreht auf westliche Richtungen und lässt das Temperaturspektrum auf +17 bis +23 Grad einpendeln. Kommt die Sonne zum Vorschein, können bis +25 Grad möglich sein. Bei Regen orientieren sich die Werte mehr an der +15 Grad-Marke. Die erste Hälfte des Siebenschläfer fällt bei einem normalen bis leicht zu kühlen Temperaturniveau durchwachsen aus.

Schaut man genauer hin, so spiegelt die Wettervorhersage der Europäer exakt den Wettertrend der letzten Tage wider, welche stets eine südwestliche Anströmung der Luftmassen über Deutschland simulierte. Der Unterschied heute aber ist, dass die Tiefdruckdynamik sich ein Stück weiter nach Osten verlagert hat und die Wetteraktivität über Deutschland zunehmen kann.

Die durchwachsene und nur mäßig warme Südwestwetterlage
Die Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Die durchwachsene und nur mäßig warme Südwestwetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Der Sommer auf Abwegen

Die Amerikaner waren in ihren Prognosen der letzten Tage ziemlich forsch, was einen grundlegenden Wetterwechsel Anfang Juli - und damit im Siebenschläferzeitraum - anbelangte. Im Vergleich zu den Kontrollläufen aber bildeten die Amerikaner stets eine der kältesten Varianten ab. Heute wird noch einmal eins draufgelegt, was den Sommer zu einer längeren Pause zwingen könnte.

Tief Mitteleuropa

Während sich nach der Wetterprognose der Europäer das Tief im Bereich von England und Skandinavien eindreht, verlagert sich das Tief nach dem Wettertrend der Amerikaner weiter in Richtung der Nord- und Ostsee und dreht sich über der Nordhälfte von Deutschland ein. So ist im Zeitraum vom 26. Juni bis 3. Juli mit wiederkehrendem Niederschlag zu rechnen.

Durchwachsene Südwestwetterlage

Im Zeitraum vom 3. bis 7. Juli kippt das Tief über der Nord- und Ostsee mit seiner Achse nach Südwesten ab und zentralisiert sich im Bereich vom europäischen Nordmeer, England und Frankreich. Deutschland, die Schweiz und auch Österreich gelangen zwar auf eine südwestlich gelagerte Vorderseitenanströmung der Luftmassen, doch die Niederschlagstätigkeit bleibt bis zum 8. Juli auf einem erhöhten Niveau.

Für die Jahreszeit zu kühl

Die Temperaturen erreichen am 1. Juli +16 bis +22 Grad und können mit Regen unter die +15 Grad-Marke absinken. Das ist gemessen am vieljährigen Mittelwert etwas zu kalt. Bis zum 8. Juli steigen die Werte mit +20 bis +25 Grad in den Bereich ein, der für Anfang Juli typisch ist. Regnet es, bleibt es mit bis +17 Grad frischer.

Die durchwachsene und nur mäßig warme Südwestwetterlage
Links die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die durchwachsene und nur mäßig warme Südwestwetterlage © www.meteociel.fr || wxcharts.com

Auf den Punkt gebracht: Gemäßigtes Sommerwetter?

Die Prognose-Modelle zeigen auch heute wieder, wie der Zeitraum des Siebenschläfers bei gemäßigten Temperaturen durchwachsen ausfallen kann. Und ja, die Singularität des Siebenschläfers ist auch in Zeiten der Klimaerhitzung eine Singularität. Sollten also die Prognosen exakt so eintreffen, wie berechnet, wäre mit einer meridional getriggerten Großwetterlage zu rechnen (Nord-Süd-Süd-Nord), welche neben einer kühlen, auch zu einer warmen bis heißen Wetterlage führen kann. Für die heiße Variante bedarf es nicht viel - das Tief müsste nur etwas weiter nach Westen abrücken und Deutschland liegt voll im Einflussbereich einer Süd-Nord-Strömung.

Die wahrscheinliche Wetterlage

Beide Vorhersage-Modelle bilden im Vergleich zum Mittelwert aller Kontrollläufe die kühleren Varianten ab. Die Amerikaner gehören sogar zu den kältesten Entwicklungen. Da ergibt sich noch viel Spielraum für Veränderungen und ja, warme bis heiße und gemäßigte bis kalte Entwicklungen halten sich in den Kontrollläufen in etwa die Waage.

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe ist im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert vom 28. Juni bis zum 8. Juli über dem Süden um +1 bis +2 Grad, über dem Osten um +2 bis +3 Grad und phasenweise um bis +4 Grad zu warm. Über dem mehr maritim beeinflussten Westen schwankt die Abweichung mit +0,5 bis +1,5 Grad im etwas zu warmen Bereich, während sich über dem Norden mit einer Differenz von -1 bis +1 Grad eine Normalisierung abzeichnet.

Kommt Regen?

Über dem Süden und Westen zeichnet sich bis zum 30. Juni eine weitgehend trockene Wetterentwicklung ab. Über dem Norden und Osten können die Störimpulse der kommenden Woche bereits für eine leicht erhöhte Niederschlagsentwicklung sorgen. Mit Beginn des Juli steigen auch über dem Süden und Westen die Niederschlagssignale an, sodass sich bis zu 8. Juli eine leicht bis mäßig erhöhte Niederschlagneigung einstellen kann. Betrachtet man die Temperatur- und Niederschlagsentwicklung, so deutet heute erneut vieles auf eine Südwestwetterlage hin, welche auch im nachfolgenden Mittelwert aller Kontrollläufe bestätigt wird. Schaun mer mal.

Eine hochdruckdominierte Südwestwetterlage mit einer erhöhten Schauer- und Gewitterneigung bleibt eine wahrscheinliche Wetterentwicklung bis Juli
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Eine hochdruckdominierte Südwestwetterlage mit einer erhöhten Schauer- und Gewitterneigung bleibt eine wahrscheinliche Wetterentwicklung bis Juli
© www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Wettermodelle
Tag Temperaturspektrum Temperaturmittelwert
29. Juni +17 bis
+32 Grad
+23 bis
+25 Grad
3. Juli +14 bis
+32 Grad
+22 bis
+24 Grad
8. Juli +16 bis
+33 Grad
+22 bis
+24 Grad
Diagramm Temperaturen Juli 2023
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juli 2023 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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