Wetter Sommer 2020 - Wetterprognose und Wettervorhersage

12.03.2020 - Kühler statt warmer Start in den Frühling: Steht ein Final-Warming des Polarwirbels bevor?

Frühlingshaft milde Temperaturwerte setzen sich im Verlauf der neuen Woche durch. Doch ganz so nachhaltig scheint die Wetterentwicklung nicht zu sein. Kaltluftausbrüche aus nördlichen Richtungen bleiben ein Thema und der Polarwirbel könnte vor dem vollständigen Zusammenbruch stehen.

Schnee ist im März nichts ungewöhnliches
Schnee ist im März nichts ungewöhnliches

Kräftige Winde ziehen in den kommenden Stunden über Deutschland hinweg und führen über dem Süden zunächst noch frühlingshaft milde, nachfolgend aber maritim kühle Luftmassen nach Deutschland. Entsprechend stürmisch fallen die Winde über dem Norden und der Mitte aus, die über den exponierten Lagen der Küstenregionen auch zu orkanartigen Winden führen können. Mehr Details zum Sturm. Mit der rückseitig einfließenden kühleren Luft sind kurze Gewitter und Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab nicht auszuschließen.

Ab dem Wochenende beruhigt sich der Wettercharakter. Die sonnigen Momente nehmen zu und die Niederschlagsneigung lässt ebenso nach, wie der Wind. Mit der zunehmenden Sonnenscheindauer steigen die Temperaturen wieder in den frühlingshaft milden Bereich an. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Erst stürmisch, dann Graupelschauer und Gewitter und nachfolgend Frühlingswetter
Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Erst stürmisch, dann Graupelschauer und Gewitter und nachfolgend Frühlingswetter
© www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Das Hoch als Unsicherheitsfaktor

Beide Vorhersage-Modelle berechneten in den letzten Tagen unterschiedliche Varianten, wie sich das Wetter nach dem 15. März wird entwickeln können. Die Europäer simulierten eine flach strukturierte Hochdruckwetterlage über Mitteleuropa, die für frühlingshaft milde Werte sprach, während die Amerikaner das Hoch haben in Richtung Skandinavien aufsteigen lassen und in einer entsprechenden Position die Zufuhr kühlerer Luftmassen ermöglichten. Das Spektrum schwankte zwischen Frühling und spätwinterlichen Wetterverhältnissen.

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Skandinavienhoch

Die Europäer hatten in ihrer Wetterprognose die Variante mit dem nach Norden aufstrebenden Hoch eigentlich schon zu den Akten gelegt, doch seit heute Nacht tut sich etwas in der Entwicklung.

Der vorübergehende Abschied vom Frühling

Das Hochdruckgebiet wird zum 19. März durch eine hohe Tiefdruckaktivität über Skandinavien zunächst einmal weit nach Süden zurückgedrängt, da es aber in der Aufwärtsbewegung war, weicht das Hoch nach Westen aus und keilt zum 20. März (kalendarischer Frühlingsanfang) zwischen England und Skandinavien nach Norden auf.

Bedingt durch die neue Position liegen Deutschland, Österreich und der Schweiz am östlichen Gradienten des Hochdrucksystems. Anstatt Frühlingsluft aus Südwest gelangen ab dem 20. März maritim erwärmte Kaltluftmassen nach Deutschland. Wie kalt kann es werden? Liegen die Werte am 18. März noch zwischen +14 bis +18 Grad und örtlich bis +20 Grad im frühlingshaft milden Bereich. So sinken die Werte bis zum 20. März auf die gewohnten +4 bis +8 Grad ab und Graupelschauer sind wieder bis auf tiefere Lagen herab zu erwarten.

Die Position des Hochs entscheidet zwischen frühlingshaft milden, oder einem spätwinterlich kühlen Wettercharakter
Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Die Position des Hochs entscheidet zwischen frühlingshaft milden, oder einem spätwinterlich kühlen Wettercharakter © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Die Abkehr vom Skandinavienhoch?

Aber auch die Wetterprognose der Amerikaner ist sehr interessant, haben sich in den letzten 24 Stunden auch hier Veränderungen in der Prognose ergeben. Ursprünglich wurde das Hoch über Skandinavien berechnet, was an seiner Südflanke kalte Luftmassen nach Mitteleuropa hat führen können. Auch ein sog. Kaltlufttropfen stand zur Diskussion. Doch diese Variante wurde von den Kontrollläufen nicht gestützt und war somit deutlich weniger wahrscheinlich.

Kühler Start in den kalendarischen Frühling

Der kalendarische Frühling beginnt am Freitag, 20. März um 4:50 MESZ und für diesen Zeitraum berechnen die Amerikaner - ähnlich wie die Europäer - das aufkeilende Hochdrucksystem westlicher. Anders formuliert gelangen auch nach der Prognose des amerikanischen Wettermodell zum kalendarischen Frühlingsbeginn kühlere Luftmassen nach Deutschland. Liegen die Werte am 18. März noch zwischen +14 bis +18 Grad, so werden daraus am 20. März +4 bis +8 Grad und örtlich bis +10 Grad. Graupelschauer sind also bis auf tiefere Lagen herab nicht auszuschließen.

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Der Frühling muss warten

Vom 20. bis 27. März verharrt das Hoch über England und lässt an seiner Ostflanke immer wieder Tiefdruckgebiete nach Süden abtropfen. Der Frühling hat - allein schon durch die Hochdruckposition - in der letzten März-Dekade keine Chance sich über Mitteleuropa nachhaltig durchzusetzen - zumindest wenn es nach der Wetterprognose der Amerikaner geht.

Kein Frühlingshaft mildes Wetter
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Kein Frühlingshaft mildes Wetter © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Wie wahrscheinlich ist ein Kaltlufteinbruch zum Frühlingsbeginn?

Geht es rein nach der Statistik, so ist der Zeitraum vom 20. März bis 5. April geradezu prädestiniert für Kaltluftausbrüche aus nördlichen Richtungen und fällt Ostern in diesen Zeitraum, so können die Ostereier häufiger im Schnee gesucht werden.

Die Stabilität des Polarwirbels

Ob ein Kaltluftausbruch aber möglich ist, hängt auch mit der Stabilität des Polarwirbels zusammen und der war in den letzten Wochen und Monaten außerordentlich gut strukturiert und zeigte noch nicht einmal im Ansatz Schwächen.

Das Major-Warming mit anschließendem Final-Warming

Auch das ist ein für die Jahreszeit normaler Vorgang. In Stratosphärenhöhe beginnt der Polarwirbel zu straucheln und sich mit einem beginnenden Minor-Warming und zum 20. März fortschreitenden Major-Warming allmählich aufzulösen. Und das ist zugleich der Knackpunkt für die kommende Entwicklung.

Warum? Mit einem Major-Warming beginnt die Grundströmung in den oberen Luftschichten sich von einer West-Ost auf eine Ost-West-Drehung zu verändern. Dieser Prozess geschieht in einer relativ kurzen Zeit und 3 bis maximal 7 Tage später setzt sich dieser Prozess auch in den unteren Luftschichten durch. Ist dieser Prozess entsprechend heftig, bricht der Polarwirbel zusammen und erholt sich nicht mehr - es kommt zu einem Final-Warming. Ende März und Anfang April ist das nichts außergewöhnliches.

April-Wetter

Nichtsdestotrotz führt der Prozess des Major-Warmings zu starken Turbulenzen in der Entwicklung, was die Berechnungen der Vorhersage-Modelle von Lauf zu Lauf schnell zur Makulatur werden lassen können, ganz so wie es in den letzten Tagen auch vorgeführt wurde. Für Mitteleuropa entscheidend ist die Hochdruckposition und die wird im Bereich von Island, England, Skandinavien und Mitteleuropa sich hin und her bewegen können und somit zu einem abwechslungsreichen und einem April-typischen Auf und Ab der Temperaturen sorgen können.

Der Polarwirbel strebt seinem winterlichen Finale entgegen (li.) und nachfolgend verändert sich das Zirkulationsmuster nachhaltig (re.)
Der Polarwirbel strebt seinem winterlichen Finale entgegen (li.) und nachfolgend verändert sich das Zirkulationsmuster nachhaltig (re.) © www.meteociel.fr

Wetterprognose der Kontrollläufe: Ein klarer Frühlingstrend?

Die Überschrift stammt von gestern und wurde heute durch das Fragezeichen ergänzt. Zu einhellig stimmen die Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle überein, als dass ein frühlingshaft milder Wettertrend noch vorbehaltlos unterstützt werden kann. Das Spektrum der Temperaturentwicklung ist weiterhin stark gestreut, doch sieht man in der oben gezeigten Wetterkarte vom Mittelwert aller Kontrollläufe, dass sich das Hoch mit einer hohen Wahrscheinlichkeit westlich von Mitteleuropa positionieren wird und das wiederum bedeutet für Mitteleuropa gemäßigte und für den März normale Temperaturwerte. Doch der Trend selbst geht vom Frühling mehr in Richtung Spätwinter.

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur-Spektrum Temperatur-Mittelwert
18. März +8 bis
+16 Grad
+10 bis
+12 Grad
22. März +2 bis
+12 Grad
+5 bis
+7 Grad
27. März +0 bis
+17 Grad
+8 bis
+10 Grad
Diagramm Temperaturen März 2020
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2020 von zu kalt, normal, zu warm

Keine gesicherte Wetterprognose möglich

Gleich drei Faktoren sorgen für eine Herausforderung für die Prognose der kommenden Großwetterlage. Was sich sagen lässt: Die Großwetterlage wird sich - nachhaltig - verändern und die stürmische Westwetterlage wird ab dem 15. März beendet sein. Was sich aber nicht sagen lässt, ob es nach dem 18. März warm bleiben oder kalt werden wird. Warum? Der Polarwirbel beginnt zu wanken, was zu dieser Jahreszeit nichts außergewöhnliches ist.

Doch das angeregte Hoch findet seine Position (noch) nicht. Die Position über England ist im eigentlichen Sinne ungewöhnlich. Häufiger geschieht das entweder über Island, Skandinavien oder eben Mitteleuropa. Hier gibt es also noch einen Spielraum. Der zweite Umstand ist das Major-Warming in Stratosphärenhöhe, was voraussichtlich zum 20. März herum eintreten und zum 23. bis 30. März den Polarwirbel in den unteren Luftschichten beeinflussen wird. Das führt dazu, dass die Turbulenzen entlang der Polarfront weiter zunehmen können. Der dritte Faktor aber ist die Windgeschwindigkeit in Stratosphärenhöhe entlang des 65. Breitengrades. Die sackt von +216 km/h auf 72 km/h ab, bleibt aber im positiven Bereich. Anders formuliert findet nach dieser Prognose ein Major-Warming in Stratosphärenhöhe nicht statt. Zumindest nicht nach den Definitionen eines Major-Warmings.

Viele Faktoren beeinflussen die Wetterentwicklung ab dem 15. März und vieles spricht dafür, dass der Frühling sich kurzzeitig im Zeitraum vom 16. bis 19. März wird durchsetzen können. Nachfolgend aber ist die Zufuhr kühlerer Luftmassen deutlich wahrscheinlicher geworden. Aufgrund der Unsicherheiten erfolgt heute Abend gegen 20:30 Uhr eine Aktualisierung in der Wetterprognose zum April 2020.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,37 +2,4 +1,56 510 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Sommer

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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