Eine im letzten November-Drittel spannende Wetterentwicklung steht bevor, welche sich bis in den Dezember hinein auswirken kann. Die Gradienten der Wettersysteme mäandrieren zunehmend - oder anders ausgedrückt kommt es im letzten November-Drittel mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit zu einer "gestörten Zirkulation". Hört sich zunächst einmal dramatisch an und ist es im Endeffekt - zumindest für Meteorologen. Warum? Bei einem gewohnten Entwicklungsmuster weiß man, wo man dran ist: etwas West, ein wenig Südwest, zwischendurch auch mal Nordwest - eine Nordlage ist dann schon eher die Ausnahme. Bei einer "gestörten Zirkulationsmuster" liegt aber über dem nördlichen Bereich ein Hochdrucksystem, wo normalerweise Tiefdrucksysteme vorzufinden sind und umgekehrt finden sich Tiefdrucksysteme dort wieder, wo normalerweise hoher Luftdruck vorzufinden ist.

Betrachtet man die aktuelle Simulation des amerikanischen Wettermodells, so lässt sich das ganz gut erkennen. Ein relativ kräftiges und auch weiträumiges Hochdrucksystem kann sich nach dessen Berechnungen im Zeitraum zwischen dem 24./30. November im Bereich zwischen Grönland, Island, Skandinavien und dem westlichen Russland ausbilden. Und was hat das für Folgen? Ein Hochdrucksystem dreht sich im Uhrzeigersinn und da dies sehr weit nördlich passiert, geschehen auch spannende Dinge mit dem Polarwirbel. Bspw. wird dessen gesamte Achse nach dieser Simulation verschoben - der Kältepol wandert in den asiatisch/sibirischen Bereich, während dort, wo unsere eigentliche Wetterküche entsteht, eine "Wärmeperiode" zu erwarten ist. Bedingt durch diesen Prozess "schläft" der Westdrift ein, der Jetstream schwächt sich bis zur Bedeutungslosigkeit ab und das Muster mäandriert - wird also zunehmend chaotischer (Jetstream verläuft normalerweise im Bereich zwischen Grönland, Island und Skandinavien, wird aber Ende November im Bereich zwischen Azoren und Mittelmeerregion berechnet).

Häufig erlebt man diese Situationen im Februar, also zum Ende des Winters - dass es diesmal gleich zu Beginn passieren könnte ist hinsichtlich der letzten drei zu warmen Winter dann doch erstaunlich. Was ist da so besonders dran? Durch die schwachen Gradienten der Wettersysteme können die unterschiedlichsten Wetterkonstellationen entstehen. Anders ausgedrückt werden die Wettermodelle in den nächsten Tagen wohl sprunghafter werden können. Gut sichtbar ist das anhand der Kontrollläufe, welche den Hauptlauf als warm und den sog. Oper-Run als kalt berechnen.

Was bedeutet das für das Wetter Dezember? Bedingt durch die Drehung im Uhrzeigersinn des Hochdrucksystems können kalte Luftmassen von Grönland weiter nach Osten transferiert werden und können sodann im Bereich zwischen dem europäischen Nordmeer und der Karasee liegen. Nicht selten kippt die Hochdruckachse im Bereich Grönland/Island, so dass die Kaltluftmassen nach Süden geführt werden können. Eine nasskalte bis winterliche Wetterentwicklung Anfang Dezember wäre also gar nicht einmal so unwahrscheinlich in Deutschland.

Betrachtet man die Entwicklungstendenz des Temperaturspektrums, so liegen die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+2) / normal (+3/+8) / zu warm (>+9), am 26. November bei 30/60/10 und am 1. Dezember bei 55/40/5, so bestätigt sich ein Temperaturtrend, welcher durchaus auch im zu kalten Bereich liegen kann. Varianten, welche am 1. Dezember Dauerfrost simulieren, haben demnach eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent.

Der AO- und auch NAO-Index werden zwischenzeitlich beide negativ berechnet, was die oben beschriebenen Simulationen der Wettermodelle stützt und wie bereits im gestrigen Abendupdate beschrieben, ist eine Umkehr der zonalen Winde bis Ende November nicht auszuschließen, was ebenfalls das oben beschriebene als Resultat zur Folge hätte.

Wie Nachhaltig diese Störung des Polarwirbels sein könnte, zeigt das Langfristmodell. Die Wintermonate von Dezember bis Februar waren in den letzten Monaten mit einer Temperaturabweichung von +1/+3 Grad deutlich zu warm berechnet worden. Zwischenzeitlich wird der Dezember mit -0,5/+0,5 Grad normal, der Januar mit -0,5/+1 Grad normal bis leicht zu mild und der Februar mit -0,5/+2 Grad (von Nord nach Süd ansteigend) als normal bis zu warm berechnet. Bildet man den Durchschnitt aller Wintermonate, so liegt die Abweichung mit -0,5/+1 Grad im normalen bis leicht zu warmen Bereich. Mit anderen Worten wird ein deutlich zu warmer Winter 2016/17 wie in den letzten drei Jahren zunehmend weniger wahrscheinlich - und das nicht nur wegen der Berechnungen des Langfristmodells, denn auch die Randfaktoren, bzw. Setups deuten schon längere Zeit darauf hin.

Aber genug philosophiert - Winterfans sollten sich noch nicht zu früh freuen! Warum? Wenn eine möglich nach Süden verlagerte Tiefdruckrinne ungünstig verläuft, verbleibt Deutschland, Österreich und die Schweiz in einer warmen Südostanströmung der Luftmassen, während sich über dem Norden von Europa der Winter weiter ausbreiten kann. Nichtsdestotrotz steht eine spannende Wetterzeit bevor. Aus diesem Grund erfolgt heute Abend gegen 20:45 Uhr an dieser Stelle eine kurze Aktualisierung zum Wetter Dezember.
Update Wetter Dezember 2016:
Der Zeitraum vom 21./26. November wird von den gängigsten Wettermodellen weiterhin warm Simuliert - insofern hat sich kaum etwas verändert. Der Mittelwerte liegt in diesem Zeitraum etwa um 4/8 Grad über dem langjährigen Mittelwert, was Tageswerte zwischen +7/+13 Grad, örtlich auch bis +15 Grad ermöglichen könnte. Darüber hinaus hat der Temperaturtrend eine negative Entwicklungstendenz und pendelt sich Anfang Dezember mit einem Temperaturspektrum von -4/+10 Grad und einem Mittelwert von +3/+5 Grad eher im nasskalten Bereich ein - Schneeoptionen bleiben also erhalten, wenngleich ab den mittleren Lagen (>400 Meter) wahrscheinlicher.

Dass die Simulationen der Wettermodelle noch weiter verändern, bzw. "Sprunghaft" werden können, darauf sind wir bereits heute Nachmittag eingegangen. Heute Abend wollen wir den Kaltlufttransport nach Sibirien etwas genauer betrachten. Normalerweise liegt ein Kältepol des Polarwirbels auch im Bereich zwischen Grönland und Kanada. Bedingt durch das Hochdrucksystem, welches sich aller Voraussicht nach über den Bereich zwischen Grönland, Island und Skandinavien und zum Ende November, Anfang Dezember über Kanada positionieren kann, wird der "Kaltluftkörper" nach Osten über Sibirien transportiert. Dort sinken die Temperaturen in der Höhe auf -28 Grad ab und können mit entsprechendem Abstrahlungseffekt am Boden Tiefstwerte zwischen -45/-30 Grad erreichen - das ist für November - selbst für sibirische Verhältnisse - schon eine Hausnummer. Was das mit dem Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu tun hat? Es geht um den Randfaktor der Schneebedeckung über Sibirien, welches im Winter, bzw. Hochwinter ab Mitte Januar ein Kontinentalhoch bis nach Europa reichend wahrscheinlicher macht, je früher und nachhaltiger sich über dem sibirischen Raum der Winter einnisten kann. Insofern vielleicht ein frühes, aber zu beobachtendes Signal. Und noch etwas: für die letzten drei deutlich zu warmen Winter war der Kältepol zwischen Kanada und Grönland Hauptverantwortlich. Den gibt es derzeit nicht. Umso wahrscheinlicher macht das wiederum ein komplett anderes Setup als in den letzten Jahren. Mit anderen Worten - der Winter 2016/17 wird mit einer höheren Wahrscheinlichkeit wohl nicht mehr so warm wie in den letzten Jahren ausfallen können und eröffnet auch die Möglichkeit normal oder gar zu kalt auszufallen.

Der AO- und auch NAO-Index folgen dem Trend der letzten Tage und werden weiterhin deutlich negativ im Verlauf des letzten November-Drittels und Anfang Dezember berechnet. Das erhöht die Chancen auf Trogwetterlagen Ende November, Anfang Dezember.

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