Die Wettermodelle berechnen eine selbst für den April außergewöhnliche Entwicklung der Großwetterlage. Kann das Hochdrucksystem über Skandinavien einer immer stärker werdenden Tiefdruckdynamik auf dem Atlantik etwas entgegensetzen?

Die Wettermodelle zeigen für die kommenden Tage eine Wetterentwicklung, welche für den April durchaus typisch und in einer Sache sehr ungewöhnlich ist. Die viel zu warmen Temperaturen. Geht es nach der aktuellen Wettervorhersage April 2018, so können am Wochenende verbreitet +20 bis +25 Grad und zum Start in die neue Woche auch +23 bis +28 Grad erreicht werden. So nähert man sich einem sommerlichen Wettercharakter an, denn begleitet wird dieser von starken Schauern und Gewittern, welche am Freitag und Montag erneut Unwetterpotential erreichen können. Der April, der denkt, er wäre der Mai.

Anzeige

Es kommt etwas Bewegung in die Großwetterlage

Aktuell halten sich ein Tiefdrucksystem über Frankreich und ein Hochdruckgebiet über Skandinavien noch gegenseitig in Schach, doch zum Wochenende verstärkt sich die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik und das Hochdrucksystem weicht nach Osten aus. Dazwischen entsteht die für den April außergewöhnlich warme Südanströmung der Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Geht es nach den Berechnungen des amerikanischen Wettermodells, so hält das Hoch aber dagegen. In Folge daraus liegt am 16. April ein beeindruckendes Tiefdrucksystem auf dem Atlantik und erstreckt sich von Neufundland, Grönland, England bis über die Azoren, während das Hochdruckgebiet fast das gesamte Wettergeschehen über Europa beeinflussen kann. Da sich Hochdrucksysteme im und Tiefdrucksysteme gegen den Uhrzeigersinn drehen, ist im darauffolgenden Zeitraum vom 16. bis 22. April kaum eine Veränderung der sehr warmen Großwetterlage zu erwarten.

Im Gegenteil. Nach den aktuellen Berechnungen kann sich über Skandinavien und Deutschland ein neuerlicher Hochdruckkern ausbilden. Sollte das der Fall sein, so ist mit einem trockenen Wettercharakter und Temperaturen im Bereich von +18 bis +24 Grad zu rechnen. Erst ab dem 23. April kommt weiterer Schwung in die Wetterentwicklung, was dann zum Mai 2018 für eine andere Wetterentwicklung führen kann

Polarwirbelberechnung April

Berechnung Polarwirbel nach dem amerikanischen Wettermodell: Hochdrucksystem über Skandinavien mit Ansatz zu einer Omegawetterlage © www.meteociel.fr

Warmes Frühlingswetter

Die Überschrift von gestern hat auch heute noch Bestand. Das europäische Wettermodell berechnet eine ganz ähnliche Wetterentwicklung. Kräftiges Tiefdrucksystem über dem Atlantik mit entsprechender Gegenreaktion des Hochdrucksystems über Mitteleuropa. Letzten Endes kann sich aber das Hochdrucksystem auch nach dieser Simulation über Mitteleuropa behaupten.

Polarwirbelberechnung April

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Wettermodell: Ein kräftiges Tief löst über Mitteleuropa mit dem Hoch eine entsprechende Gegenreaktion aus © www.meteociel.fr

Erhaltungsneigung

Was fällt auf? In den letzten Tagen hatten die Wettermodelle immer wieder Berechnungen berücksichtigt, welche im letzten April Drittel auch die Zufuhr kühlerer Luftmassen hätten ermöglichen können. Diese Varianten wurden weitgehend verworfen. Stattdessen zeigt sich eine Beständigkeit des hohen Luftdrucks über dem skandinavischen Raum, was nach dem zu kalten Februar und März eines ausgeprägten Ausgleichverhaltens entspricht, welches nun im Begriff ist, in eine ebenso ausgeprägte Erhaltungsneigung überzugehen.

Rekordwärme im zweiten Frühlingsmonat?

Mit anderen Worten: bis zum 20. April kann das Wetter so warm sein, dass das gesamte Temperaturdefizit aus dem März schon abgebaut sein kann. Vergleicht man die Werte mit den Jahreszeit typischen Temperaturen, so sind bis zum 20. April etwa um 8 bis 11 Grad zu warme Temperaturen zu erwarten. Das ist Rekordverdächtig. Der aktuelle Temperaturüberschuss beträgt +2,55 Grad und kumuliert man die Werte des zweiten April Drittels hinzu, so kommt eine mögliche Abweichung von rund +5 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert heraus. Wenn also das letzte April Drittel keine Abkühlung mehr bringt, dann ist der April 2018 auf einem guten Weg den Rekord vom April 2009 mit einer Abweichung von +4,4 Grad einzustellen.

Sommerliche Temperaturen jenseits der +25 Grad kommen im April schon mal vor, sind aber eher die Ausnahme. Vielmehr bewegt sich der Durchschnitt zwischen +11 bis +16 Grad. Die Kontrollläufe aber stützen die enorme Zufuhr warmer Luftmassen nahezu uneingeschränkt bis zum 22. April. Erst im darüber hinaus wird mehrheitlich eine Abkühlung des Mittelwertes auf ein Jahreszeit typisches Niveau berechnet. Kalte Varianten bleiben dabei erhalten, sind jedoch mit Tiefstwerten von +2 Grad in den Nächten noch in einem für die Vegetation unkritischen Bereich. Das Temperaturspektrum liegt am 20. April zwischen +15 bis +28 Grad (Mittelwert: +20 bis +22 Grad) und am 26. April zwischen +7 bis +24 Grad (Mittelwert: +14 bis +16 Grad).

Diagramm Temperaturen April 2018 vom 11.04.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe April 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wetter Frühling und Sommer 2018: Aktuelle Wetterprognose des Langfristmodells

Und täglich grüßt das Murmeltier. Der April ist auf guten Wege eines der wärmsten Wettermonate seit Beginn der Wetteraufzeichnungen zu werden. Unterstützt wird das von der aktuellen Wetterprognose des Langfristmodells, welches den April nahezu Flächendeckend um +2 bis +3 Grad über Deutschland, Österreich und der Schweiz zu warm und gleichzeitig deutlich zu trocken berechnet. Die weiteren Monate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Frühling und Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
April 2018 +0,5 bis +3 Grad Trend: deutlich zu trocken
Mai 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: leicht zu trocken
Juni 2018 +0,5 bis +1 Grad Trend: zu trocken
Juli 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: leicht zu nass
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: leicht zu nass

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2018 vom 11.04.2018

Anzeige

 

Erzählen Sie es Ihren Freunden, wenn Ihnen unsere Wetterprognosen gefallen