Wetterlagen wechselten sich "früher" etwa alle 7 bis 14 Tage ab und im Sommer und Winter gab es auch häufiger Wetterlagen, welche über 21 Tage bestand haben konnten. Blickt man auf die jüngste Vergangenheit, so stellt man fest, dass die Großwetterlagen beständiger werden - dabei spielt es keine Rolle, ob tiefer oder hoher Luftdruck vorherrschend ist. Auch auffällig ist, dass früher Westwetterlagen dominierten, während es heute eher Südwestwetterlagen sind, aber auch Tiefdruck über Mitteleuropa (TM) kommt nun häufiger als früher vor. Gleichzeitig steigt die Wetteraktivität im Bereich zwischen dem östlichen Kanada, Neufundland und Grönland /Island an, was das Azorenhoch weiter über die Mittelmeerregion verlagert. In Folge dessen kommt es anstatt zu einer Westströmung zu einem südwestlich orientierten Zirkulationsmuster. Und kommt die Luft aus Südwesten, so ist diese in der Regel auch wärmer, als wenn sie aus westlichen Richtungen kommen würde.

Wetterlagen neigen zu Wiederholungen

Mit anderen Worten gibt es auch bei der Wetterentwicklung gewisse Abläufe nach bestimmten Mustern, meist folgen diese den zunehmenden, bzw. abnehmenden Sonnenstand entlang der Jahreszeiten und den daraus folgenden thermodynamischen Gesetzen. Festigt sich jedoch ein Strömungsmuster über ein paar Tage bis Wochen hinweg, so könnte man von einem "eingeschwungenen System" sprechen, welches sich selbst erhält, bzw. sich gerne wiederholt (Erhaltungs-, bzw. Wiederholungsneigung). Dann dauert es eine gewisse Zeit lang, bis sich wieder ein anderes Strömungsmsuter daraus ergeben kann.

Die Erhaltungsneigung

Beim Wetter unterscheidet man zwischen einer Erhaltungsneigung und einem Ausgleichsverhalten, wobei das Ausgleichsverhalten bei entsprechender Dauer selbst wiederum in eine Erhaltungsneigung übergeht. Was aber ist darunter genauer zu verstehen? Einige von Ihnen kennen sicherlich den Begriff der Langzeitkorrelation, bei der mit einer positiven Korrelation mit höherer Wahrscheinlichkeit eine erneut positive als eine negative Korrelationsphase und umgekehrt sich entwickeln kann. Stark vereinfacht ausgedrückt folgt mit höherer Wahrscheinlichkeit bei einer warmen und wechselhaften Erhaltungsneigung eine weitere Phase von warmen und wechselhaften Wetter nach, als eine zu kühle und trockene Wetterphase. Dabei kann die Erhaltungsneigung durchaus unterbrochen werden, sie prägt sich jedoch durch eine rasche Wiederherstellung des zuvor bestehenden Zirkulationsmusters. Nun kann es aber nicht immer so weiter gehen - das Wetter, bzw. die Zirkulation strebt zu einem ausgeglichenen Verhältnis. Vereinfacht ausgedrückt folgt der Erhaltungsneigung irgendwann das Ausgleichsverhalten nach.

Das Ausgleichsverhalten

Der Gegenpart der Erhaltungsneigung ist also das Ausgleichsverhalten. Die Übergänge sind dabei fließend und oftmals nicht eindeutig und ist nicht selten erst rückblickend zu erkennen. Bspw. wie in diesem Jahr, als einer lang anhaltenden Hochdruckphase mit zu warmen Temperaturen allmählich eine kühlere, aber immer noch Hochdruck dominierte Wetterphase im Oktober nachfolgte, bei der die Temperatur-, bzw. auch Strömungsumkehr nachhaltig gelang (Oktober war der erste zu kalte Monat im Jahr 2016). Aus der Erhaltungsneigung mit zu warmen und trockenen Wetter wurde ein Ausgleichsverhalten mit leicht zu kühlen Temperaturen und normalen Niederschlagsverhältnissen, welches nun im November im Begriff sein könnte, sich wiederum zu einer Erhaltungsneigung zu verfestigen (stark vereinfacht: zu warm wird zu kalt, zu trocken wird zu nass). Dabei ist es keineswegs üblich, dass einer zu warmen und trockenen Periode eine kalte und zu nasse nachfolgt - sie unterscheidet sich vielmehr jeweils in einem Teilbereich, manchmal auch in beiden Teilen. Anders ausgedrückt: aus zu kalt kann zu warm und aus zu trocken kann zu nass werden. Seltener: aus zu warm und zu nass wird zu kalt und zu trocken.

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