Diverse Medien berichteten in den letzten Wochen und Tage über einen verhaltenen Sommer - manche berichten gar über einen "Grusel-Sommer" in Deutschland. Was ist da dran? Der Hintergrund für den scheinbaren "schlechten" Sommer 2015 liegt im Langfristmodell begründet, welches die Sommermonate Juni, Juli und August gegenüber dem langjährigen Temperaturmittelwert zeitweise als leicht zu kühl ausgewiesen hat. Im groben Muster tendiert das Langfristmodell jedoch zu einem normalen Temperaturverhalten im Sommer 2015 bei einer leicht erhöhten Niederschlagserwartung. Was bedeutet normal? Die Sommer sind in Deutschland nur mäßig warm und die Tageswerte liegen häufig zwischen +22/+27 Grad und seltener über der +30 Grad Marke. Die "Normalität" verändert sich jedoch in den letzten Jahren stetig und bei genauerer Betrachtungsweise der Zeitreihe der Lufttemperaturen im Sommer lässt sich ein stets wärmer werdender Verlauf der Sommermonate feststellen. Insofern steigt die Wahrscheinlichkeit für zu warme Sommermonate in Zeiten des Klimawandels grundsätzlich an. Außer das zu Grunde liegende Zirkulationsmuster stellt sich nachhaltig um und sorgt mit einem gegenteiligen Muster für ein Ausgleichsverhalten. Was bedeutet das? Vereinfacht ausgedrückt strebt das Zirkulationsverhalten nach ausgeglichenen Verhältnissen, so dass nach einer längeren milden eine kühle Phase nachfolgen kann - und umgekehrt. Dieser theoretische Ansatz gilt auch in 2015, so dass nach dem zu warmen Temperaturverlauf im Winter 2014/2015 eine kühlere Phase im Frühjahr, bzw. im Sommer nachfolgen kann. Wie steht es um die Randfaktoren zum Sommer 2015? Das sog. El Niño Phänomen kann eine entscheidende Rolle spielen, welches - vereinfacht ausgedrückt - mit höherer Wahrscheinlichkeit über der nördlichen Hemisphäre Troglagen hervorrufen kann. Nun bedeutet aber eine Trogwetterlage über Europa, bzw. dem nördlichen Europa nicht zwangsläufig auch kühle Temperaturen über Deutschland - auch hier ist die Lage der möglichen Kaltluftadvektion (Trog) entscheidend für einen warmen, bzw. zu kalten Temperaturverlauf. Wie sind die aktuellen El Niño Bedingungen? Hierzu die Zusammenfassung des sog. ENSO- Berichts:
There is an approximately 50-60% chance that El Niño conditions will continue through Northern Hemisphere summer 2015.
. Auf der folgenden Seite sind die möglichen Auswirkungen auf das Temperaturverhalten des El Niño Phänomens in einer übersichtlichen Grafik zusammengestellt. Ein weiterer Randfaktor können die Sonnenflecken sein. Die Sonnenflecken geben Aufschluss darüber, welche Aktivität die Sonne derzeitig hat. Aktuell nimmt die Aktivität der Sonne leicht ab. Welchen Einfluss haben Sonnenflecken? Vereinfacht ausgedrückt: ist die Sonne wenig aktiv, so steigt die Wahrscheinlichkeit für kühlere Sommer, ist sie hingegen aktiv, so steigt die Wahrscheinlichkeit für einen wärmeren Sommer. Die Randfaktoren können allenfalls als Indiz gewertet werden und sprechen - in theoretischer Betrachtungsweise - eher für einen normalen Temperaturverlauf im Sommer. Betrachtet man die aktuelle Entwicklung der Großwetterlage und die der letzten Wochen, so konnte häufiger ein nach Norden verschobene Position des Azorenhoch festgestellt werden. Nicht selten ergeben sich daraus lang anhaltende Zirkulationsmuster und im Zusammenspiel mit dem abnehmenden Sonnenfleckenzyklus ergibt sich rückblickend eine höhere Wahrscheinlichkeit für Hochdruckausläufer in Richtung Mitteleuropa, welche im weiteren Verlauf eine höhere Initalisierungsrate für Hochdrucksysteme über dem skandinavischen Raum haben (nach Norden verschobener Hochdruckgürtel). Ein ähnliches Verhalten gab es übrigens im letzten Jahr mit ausgeprägten Hochdruckphasen im April, Mai und Juni über dem skandinavischen Raum. Was passiert, wenn dieses Phänomen eintritt? Auch in diesem Fall ergibt sich für eine höhere Wahrscheinlichkeit für ein normales Temperaturverhalten, jedoch ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit geringer ausgeprägt. Verläuft der Hochdruckrücken indes direkt über Mitteleuropa, so könnte der Temperaturverlauf mit einer Südwestströmung auch deutlich zu warm ausfallen. Zusammenfassend deutet zum heutigen Stand vieles auf einen durchschnittlichen Verlauf des Sommers in Deutschland hin. In Regelmäßigen Abständen werden diese Witterungstrends für das Wetter im Sommer 2015 erneuert, bzw. ergänzt - zunächst unregelmäßig, im Frühjahr regelmäßig und ab dem 20. Mai und über den Sommer hinweg erfolgt eine tägliche Aktualisierung.

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