Frühwinter oder eine Fortsetzung der warmen Wetterlage? Das Entwicklungsspektrum bis November ist groß, doch der Wettertrend ist eindeutig!

Zaghaft nähern sich in dieser Woche Tiefdruckausläufer Deutschland und können über der Mitte und dem Norden für etwas Niederschlag sorgen. Größtenteils verbleibt Deutschland aber in einem gradientenschwachen und damit trockenem Wetterumfeld. Die Temperaturen können zum Wochenende mit einer zunehmend nördlichen Grundströmung etwas zurückgehen, bleiben aber bis dahin auf einem für die Jahreszeit zu hohem Niveau. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Oktober 2018.

Von Schneefall und warmen Temperaturen

Es kommt so langsam Bewegung ins Spiel, entscheidend aber für das Wetter im November wird sein, wie sich die Großwetterlage in der letzten Oktober-Dekade wird einstellen können. Und da differenzieren sich die aktuellen Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle noch gewaltig. Von Schneefall mit dem ersten Wintereinbruch in höheren Lagen bis hin zu einem Fortbestand der für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen ist noch alles möglich. Ein Wettertrend zeichnet sich aber ab.

Startet der November herbstlich frisch, oder bleibt es warm?
Startet der November herbstlich frisch, oder bleibt es warm?

Amerikanisches Prognose-Modell: Frühwinter

Die Wettervorhersage des amerikanischen Vorhersage-Modells geht seit ein paar Tagen in immer die gleiche Richtung, was Anfang November eine kalte Trogwetterlage zur Folge haben könnte.

Die Hochdruckdominanz hält sich nach dieser Prognose noch bis zum 21. Oktober. Der Umbauprozess der Großwetterlage beginnt bereits zum 18. Oktober. Das Hochdrucksystem über dem Osten schwächt sich ab, dass Azorenhoch gewinnt an Stärke und dehnt sich mit einer Hochdruckachse nach Mitteleuropa aus. So wird der Weg über Skandinavien für die Tiefdruckausläufer frei und positionieren sich zum 22. Oktober in Form eines zentral steuernden Tiefdrucksystems über Skandinavien.

Kalte Luftmassen polaren Ursprungs

Bedingt durch das Strömungsmuster zieht sich das Azorenhoch über Mitteleuropa zurück und dehnt sich auf dem Atlantik nach Norden aus. Dadurch entsteht eine meridionale Grundströmung (Nord-Süd, Süd-Nord), was kühlere Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führen kann.

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Nachtfrost, Schnee und Graupelschauer

Ende Oktober und Anfang November etabliert sich nach dieser Vorhersage das Hochdruckgebiet auf dem Atlantik zwischen den Azoren und Island/Grönland mit einem Kerndruck von bis zu 1050 hPa. Das ist außergewöhnlich und letztlich handelt es sich hierbei um ein Blockadehoch, welches im Verbund mit dem Tiefdruckzentrum über Skandinavien im Zeitraum vom 26. Oktober bis 1. November sehr kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland führen kann. Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer wären nach dieser Simulation bis in tiefere Lagen nicht auszuschließen.

Wie kalt kann es werden?
Simuliert werden Tageshöchstwerte von +5 bis +10 Grad über dem Norden und -1 bis +5 Grad über dem Süden. Ein frühwinterlicher Start in den November 2018. Andere würden es nasskaltes Erkältungswetter nennen.

Meridionale Großwetterlage mit Trog Mitteleuropa: Frühwinter Anfang November?

Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Meridionale Großwetterlage mit Trog Mitteleuropa: Frühwinter Anfang November? © www.meteociel.fr

Europäisches Vorhersage-Modell: Trogstruktur ist grundsätzlich möglich

Hinsichtlich eines nasskalten Herbstwetters konnte man nach den Vorhersagen des europäischen Prognose-Modells in den letzten Tagen noch skeptisch sein. Doch das ändert sich heute - zumindest zum Teil.

Die Hochdruckdominanz, mit für die Jahreszeit zu warmen Temperaturen, bleibt nach diesen Berechnungen noch bis zum 22. Oktober erhalten. Auch hier setzt sich bis zu diesem Zeitpunkt ein zentral steuerndes Tiefdrucksystem über dem skandinavischen Raum durch.

Das Azorenhoch wölbt sich zum 24. Oktober nach Norden auf und erreicht einen Kerndruck von bis zu 1040 hPa. So hat auch nach dieser Wetterprognose ein Blockadehoch auf dem Atlantik gute Chancen sich durchzusetzen. Im Verbund mit dem Tief Skandinavien können kalte Luftmassen polaren Ursprungs nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden. Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer werden zunehmend wahrscheinlicher. Und das zum Beginn der Herbstferien in Baden-Württemberg und Bayern.

Meridional strukturierte Großwetterlage - ein Trog Mitteleuropa ist nicht unwahrscheinlich

Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Meridional strukturierte Großwetterlage - ein Trog Mitteleuropa ist nicht unwahrscheinlich © www.meteociel.fr

Wettertrend der Kontrollläufe: Wie wahrscheinlich ist ein früher Wintereinbruch?

Kurz und knapp: die Wahrscheinlichkeit, dass das Wetter Anfang November normal bis zu kühl ausfallen kann, ist auch nach den Berechnungen der Kontrollläufe als hoch einzustufen. Höher jedenfalls als zu warme Varianten.

Der Mittelwert liegt bis zum 22. Oktober noch in einem für die Jahreszeit etwa 4 bis 7 Grad zu warmen Bereich, sinkt darüber hinaus aber kontinuierlich ab und liegt Anfang November um 0 bis 3 Grad unter dem vieljährigen Mittelwert im etwas zu kühlen Bereich.

So liegt das Temperaturspektrum am 22. Oktober zwischen +9 bis +18 Grad (Mittelwert: +13 Grad über dem Norden und +16 Grad über dem Süden), und Anfang November zwischen +1 bis +13 Grad (Mittelwert: +8 Grad). Zum Vergleich: aktuell liegt der Mittelwert bei +23 Grad. Das entspricht einem durchschnittlichen Temperaturrückgang von bis zu 15 Grad.

Niederschlagswahrscheinlichkeit erhöht

Bis zum 22./23. Oktober ist die Niederschlagswahrscheinlichkeit nach den Kontrollläufen als schwach zu bewerten. Darüber hinaus steigt diese bis in den November hinein in den mäßig hohen Bereich an. Das ist und bleibt ein deutlicher Hinweis, dass sich in Sachen Umstrukturierung der Großwetterlage etwas tut. Noch deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Diagramm.

Diagramm Temperaturen November 2018 vom 15.10.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe November 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Langfristmodelle: Wettertrend für den November 2018

Freunde der warmen Temperaturen sollten die kommenden Tage noch genießen, denn vieles deutet auf einen Wetterumschwung hin, welcher bis in den November hinein wirken kann. Ob der November aber zu kalt oder zu warm ausfallen kann, darin sind sich die Langfristmodelle noch nicht einig.

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  • Das CFSv2 Modell berechnet in seiner Langfristprognose für den November eine Abweichung der Werte gegenüber dem langjährigen Mittelwert von +0,5 bis +2 Grad im zu warmen Bereich. In der Niederschlagserwartung zeigen sich keine Auffälligkeiten gegenüber dem Sollwert. Blickt man auf Europa, so soll der Westen und Norden zu nass, der Süden und Osten zu trocken ausfallen. Ein klassisches Anrennen von Tiefdrucksystemen gegen ein osteuropäisches Hoch, was der aktuellen Großwetterlage sehr ähnlich ist.
  • Gegensätzlich ist die Vorhersage des Langfristmodells der NASA, welche den November 2018 mit einer Abweichung von +0,5 bis -1 Grad normal bis leicht zu kalt simuliert. Die Niederschlagswahrscheinlichkeit ist als normal einzustufen. Blickt man auf Europa, so wird der skandinavische Raum zu trocken und der Mittelmeerraum deutlich zu nass berechnet. Das deutet auf ein Skandinavienhoch hin, welches mit Hilfe der gestörten Zirkulation aus östlichen Richtungen kalte Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz führen kann.
  • Die Prognose des europäischen Langfristmodells geht mit einer Abweichung von -0,5 bis +0,5 Grad und in Teilen bis +1 Grad in die normale bis leicht zu milde Richtung. Im Niederschlagsverhalten zeigt sich kaum Abweichungen gegenüber dem Sollwert.

Zusammenfassung:

Das von vielen unserer Lesern so lang herbeigesehnte nasse, kühle und auch windige Herbstwetter hat aktuell eine höhere Eintreffwahrscheinlichkeit, als andere Varianten. Ob sich eine kalte - frühwinterliche - Trogwetterlage - bis in den November hinein durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Die Langfristprognosen sind sich im Wettertrend für den November noch nicht einig. Normale und zu kühle Varianten bleiben aber als Option bestehen. Das Wetter wird wieder spannender.

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