Die Wärme vom Winter, welche sich noch bis in den März und in das erste April-Drittel hinein zog, wird im April und möglicherweise in Teilen noch im Mai von zu kalten Temperaturen abgelöst, was dem Ausgleichsverhalten zu zuschreiben ist. Ob der Juni letztlich davon profitieren kann, bleibt abzuwarten, aber die Rahmenbedingungen sind durchaus günstig.

Anzeige

Die Sommer sind nicht mehr normal

Der erste Randfaktor, welcher für einen zu warmen Temperaturverlauf im Juni spricht, ist die Klimaerwärmung. Es ist mittlerweile 20 Jahre her, als dass ein Sommer normal, bzw. leicht zu kalt ausfallen konnte. Das macht eine Fortführung der zu warmen Temperaturen wahrscheinlicher, wovon auch der Juni betroffen sein könnte. Dagegen spricht die schwache Sonnenaktivität, welche sich derzeit in einem schwachen und abnehmenden Maximum-Zyklus befindet. In der Vergangenheit hat sich gezeigt, dass eine schwächelnde Sonne gerade in den Sommermonaten zu einer höheren Tiefdruckaktivität führen kann und tiefer Luftdruck bedeutet mehr Wolken, weniger Sonnenschein, mehr Niederschlag und letztlich auch kühlere Temperaturen.

Ein weiterer Randfaktor ist die Auffälligkeit zur Ausbildung von Hochdrucksystemen über dem skandinavischen Raum, welche seit Oktober letzten Jahres häufiger zu beobachten sind. Je nach Position der Hochdruckachse kann das im Sommer - und damit auch im Juni - zu einem trockenen und mäßig warmen bis warmen Wettercharakter führen.

Welche Indizien gibt es noch? Bereits seit Wochen sind eindeutige Signale zu vernehmen, als dass das Wetter im Juni 2017 zu warm ausfallen könnte. Allen voran das Langfristmodell, welches den Juni mit einer Abweichung von +1/+2 Grad im zu warmen bis deutlich zu warmen Bereich berechnet und das bereits seit Wochen. Auch Auffällig ist nach diesen Berechnungen die negative Niederschlagsbilanz von Skandinavien über Deutschland bis über das östliche Europa, was in diesen Regionen für eine Hochdruckdominanz spricht. Ganz anders die Situation über dem westlichen Europa. Hier wird der Juni mit einer Abweichung von -1/+0,5 Grad auch leicht zu kalt und mit einer positiven Niederschlagsneigung auch zu nass berechnet.

Fazit

Noch ist nichts entscheiden, aber es gibt einige Faktoren, welche für einen zu warmen Temperaturverlauf bei einem zu trockenen Wettercharakter im Juni sprechen. Deutlicher zeigt sich das im nachfolgenden Diagramm. Hinweis: Ab Mitte Mai erfolgen an dieser Stelle regelmäßige Aktualisierungen zur Wetterentwicklung im Juni
Diagramm Temperaturen und Niederschlag im Juni 2017

Unterstützen Sie uns, teilen Sie uns!

Anzeige

Es sind zwar noch ein paar Tage bis Juni und ein Wettertrend ist zum heutigen Stand auch noch nicht möglich, aber es gibt schon Hinweise auf eine mögliche Temperaturtendenz und der Niederschlagsentwicklung, welche sich aus den Simulationen der Langfristmodelle entnehmen lässt. Zudem lässt ein zu warmer März und wahrscheinlich auch ein zu warmer April weitere Rückschlüsse auf das Wetter im ersten Sommermonat zu.

Sowohl das sog. CFSv2 Langfristmodell, als auch das der NASA berechnen den Juni 2017 mit einer Abweichung von -0,2/+1 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert normal bis leicht zu warm. Blickt man auf Europa, so werden bis auf Portugal und Spanien und das südwestliche Frankreich zu warm berechnet. Bezieht man die Niederschlagsentwicklung mit ein, so zeigt sich für Deutschland zum heutigen Stand kaum eine Auffälligkeit gegenüber dem Sollwert - in der Tendenz aber etwas zu nass. Auch hier wieder zeigt der Blick auf Europa, dass es vor allem rund um die Mittelmeerregion ein positives Niederschlagsergebnis geben könnte, während der Norden von Europa normal und in der Tendenz leicht negativ ausfallen kann (zu trocken). Das lässt - zumindest für den heutigen Stand - Rückschlüsse auf vermehrte Vb-Wetterlagen (Mittelmeertief) zu.

Diagramm für Temperatur- und Niederschlagsentwicklung Juni vom 29. März 2017

Schaut man sich die letzten zu warmen Winter an, so folgten häufiger ein zu warmer März und auch April nach, bevor der Mai und auch noch die erste Hälfte vom Juni zu nass und Phasenweise auch zu kalt ausfallen konnten. Vor allem um die Wettersingularitäten wie bspw. die Eisheiligen im Mai und die Schafskälte im Juni. Dieses Entwicklungsschema passt auch ganz gut in das von 2017 mit Auffälligkeiten zur Hochdruckausbildung über dem Skandinavischen Raum in den Frühlingsmonaten März und April, gefolgt von West- bis Nordwestwetterlagen im Mai und Juni.

Statistik spricht gegen einen zu kalten Juni

Wenn man heute schon eine Wetterprognose zum Wetter im Juni wagen möchte, so kann man sich die Statistik zur Hilfe nehmen. Es ist mittlerweile schon 8 Jahre her, als ein Juni zu kalt ausfiel (2009 mit 14,8: eine Abweichung von -0,6 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert) und in den letzten 20 Jahren gab es ganze 3 zu kalte, 4 normale und 13 zu warme Junimonate. Das entspricht einem Verhältnis von 15 Prozent, 20 Prozent und 65 Prozent. Mit anderen Worten: die Wahrscheinlichkeiten sprechen für einen zu warmen Juni 2017.
Ab Mitte Mai erfolgen an dieser Stelle regelmäßige Aktualisierungen.

Klimadiagramm Juni in Deutschland der letzten 20 Jahre

Mit dem Juni beginnt auch der meteorologische Sommer und der Wettercharakter wird durch den meist noch turbulenten Frühling zunehmend stabiler. Das liegt vor allem an den sich nun angleichenden Temperaturverhältnissen zwischen den Land- und Wasserflächen, was im Juni hochdruckdominiertes - und damit sommerliche Wetterlagen wahrscheinlicher macht.

Der Blick auf die Statistik

Der Juni gehört mit einer durchschnittlichen Niederschlagsmenge von 85 l/m² zu den niederschlagsreichsten Monaten im gesamten Jahr. Mit einer durchschnittlichen Temperatur von +15,4 Grad ist er zudem der dritt wärmste Monat im Jahr (Juli und August sind wärmer). Mit verantwortlich für das gemäßigte Temperaturmittel ist eine sehr häufig auftretende Wettersingularität der sog. Schafskälte, welche zumeist um den Zeitraum um den 11. Juni herum auftreten und für eine spürbare Abkühlung sorgen kann - Temperaturen um die +6/+13 Grad sind in dieser Zeit nicht unwahrscheinlich. Dabei ist der Beginn vom Juni bei früh sommerlichen bis sommerlichen Temperaturwerten meist noch hochdruckdominiert, bevor die Schafskälte eintritt. Im weiteren Verlauf festigt sich dann zunehmend der hohe Luftdruck, so dass in dieser Zeit häufiger stabile und sommerliche Wetterlagen möglich sind.

Trockener Winter könnte für einen nassen Start in den Juni sprechen

Auffällig war in den letzten Jahren nach einen zu trockenen Winter ein zu nasser Mai und ein ebenfalls zu nasser Start in den Juni, nicht selten auch mit entsprechend kühlen Temperaturen (zumindest Phasenweise). Und auch in diesem Jahr spricht wieder vieles für das sog. Ausgleichsverhalten, was zumindest den Start in den Juni unbeständiger gestalten könnte.

Aktuelle Wetterprognose des Langfristmodells

Schaut man auf die aktuelle Wetterprognose des Langfristmodells, so liegt die Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert mit +0,5/+1 Grad im leicht zu warmen Bereich. In der Niederschlagsentwicklung zeigen sich indes keine sonderlichen Auffälligkeiten gegenüber dem Sollwert - allenfalls ist ein leicht negativer Niederschlagstrend zu erkennen (leicht zu trocken). Interessant ist aber die Betrachtung der Entwicklung über Europa. So wird der Juni über Skandinavien zu trocken und über der Mittelmeerregion zu nass berechnet. Möchte man das interpretieren, so könnte eine altbekannte Wetterlage aus dem Winter wieder aktiv werden, bei der sich über Skandinavien ein Hochdrucksystem und über der Mittelmeerregion Tiefdrucksysteme ausbilden können. Sollte sich tatsächlich so eine Wetterlage im Juni einstellen können, so wäre auch mit einem erhöhten Potential für sog. Vb-Wetterlagen (Mittelmeertief: Spanien, Frankreich, Italien, sowie östliche Mittelmeerregion) zu rechnen (Tendenz zu Regenwetter über den Alpen / Süddeutschland). Ab Mitte Mai erfolgen an dieser Stelle regelmäßige Aktualisierungen zum Wetter Juni 2017.