Wann kommt der Winter und wann kommt Schnee? Der aktuelle Wettertrend lässt Rückschlüsse darauf zu und ein Ende des milden Westdrift ist absehbar.

Der Dezember sorgt in den kommenden Tagen für einen abwechslungsreichen Wettercharakter. Von starkem Wind bis hin zu stürmischen Böen, kräftigen Schauern mit örtlichen Gewittern und für die Jahreszeit zu milden Temperaturen ist alles mit dabei. Auch das Potential für Unwetter kann zeitweilig ansteigen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter Dezember.

Kalte Luft über Kanada gibt die Wetterentwicklung vor

Der Grund für die kräftigen Windböen und Niederschläge ist die Zufuhr arktischer Kaltluftmassen über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland. Dort prallen die kalten Luftmassen auf den warmen Atlantik und schaffen somit äußerst günstige Voraussetzungen für die Entstehung der Tiefdrucksysteme. In raschen Abständen rauschen diese nach Skandinavien und etablieren eine Tiefdruckrinne von Neufundland bis nach Skandinavien reichend. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen am südlichen Gradienten der Tiefdruckrinne, was zu diesen turbulenten und abwechslungsreichen Wettercharakter führen kann. Übertreibt es die atlantische Frontalzone aber und wagt sich zu weit nach Osten vor, so besteht die Möglichkeit, dass die Tiefdruckrinne unterbrochen werden kann und daraus neue Wetterentwicklungen entstehen können.

Turbulente Wettertage stehen bevor
Turbulente Wettertage stehen bevor

Wettertrend 14 Tage

Amerikanischen Vorhersage-Modell: Winterliche Temperaturentwicklung

Eine solche Variante simuliert das amerikanische Vorhersage-Modell heute erneut. Die atlantische Frontalzone wagt sich zu weit nach Osten vor, der Nachschub an Tiefdrucksystemen kommt nicht hinterher und die somit entstehende Schwachstelle nutzt das Azorenhoch aus, um am 8. Dezember sich nach Norden in Richtung Island auszudehnen.

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Es wird spürbar kälter

Das Hochdrucksystem setzt somit einen Impuls für die Meridionalisierung des Strömungsmusters (Nord-Süd, Süd-Nord). In Folge daraus gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz im Zeitraum vom 9. bis 13. Dezember in eine nördliche Grundströmung, was die Temperaturen am 10. Dezember um die 0 Grad Marke und bis zum 12. Dezember in den Dauerfrostbereich absinken lassen kann. In der labilen Luftschichtung sind immer wieder Schauer möglich, welche bis in tiefere Lagen in Schnee übergehen können.

Wintereinbruch?

Ja und Nein. Es ist jetzt nicht das, was sich viele unter einem chaotischen und plötzlichen Wintereinbruch vorstellt. Das was das amerikanische Vorhersage-Modell in seiner heutigen Wetterprognose berechnet ist die Zufuhr gemäßigt kalter Luftmassen bei einer nachlassenden Niederschlagsneigung. Ein Wechselspiel aus Sonne und Wolken mit gelegentlichen Schneeschauern ist da schon treffender. Ein Wintereinbruch in tieferen Lagen eher nein, ab den mittleren Lagen ist aber die Ausbildung einer Schneedecke möglich. In den Nächten wäre mit leichten bis mäßigen Frost zu rechnen.

Ob der Winter aber nachhaltiger in Erscheinung treten kann, hängt davon ab, wie das Hochdrucksystem sich konfigurieren wird. Bleibt es an Ort und Stelle oder verlagert sich in Richtung Skandinavien, so wäre eine winterliche zweite Dezember-Dekade in Betracht zu ziehen. Zieht sich das Hoch aber zurück, oder schwächt sich ab, so kommt der Westdrift wieder ins Spiel.

Nach der aktuellen Wettervorhersage des amerikanischen Prognose-Modells schwächt sich das Hoch zum 13. Dezember ab, während der Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada weiter bestehen bleibt. In Folge könnte sich im Zeitraum vom 13. bis 19. Dezember der Westdrift wieder mit Wind, Regen und milden Temperaturen durchsetzen.

Mit einem solch kräftigen Kaltluftvorstoß bei Kanada wäre ein nachhaltiger Wintereinbruch über Mitteleuropa unwahrscheinlich
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Mit einem solch kräftigen Kaltluftvorstoß bei Kanada wäre ein nachhaltiger Wintereinbruch über Mitteleuropa unwahrscheinlich © www.meteociel.fr

Europäisches Prognose-Modell: Ein winterlicher Wettertrend

Der Ablauf der Wetterprognose des europäischen Vorhersage-Modells ist zunächst ganz ähnlich. Der Höhepunkt der Zonalisierung ist am 8. Dezember erreicht und nachfolgend strebt das Hoch in Richtung Island nach Norden auf.

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Ein Skandinavienhoch entsteht

Bis zum 11. Dezember kann sich das Hoch in einem Bereich von Spanien über England bis weit über das europäische Nordmeer als Störimpuls aufstellen und die Tiefdrucksysteme auf dem Atlantik nachhaltig und effizient blockieren. Gleichzeitig wird das Tief bei Skandinavien nach Süden befördert und so wird auch hier eine nördliche Grundströmung in Richtung Deutschland, Österreich und der Schweiz eingeleitet werden können. Bis zum 13. Dezember verlagert das Hoch seinen Schwerpunkt über Skandinavien und dem westlichen Russland, was über Mitteleuropa zu einer östlichen Grundströmung führt. Verbreitet wäre mit Dauerfrost und leichten Schneefällen zu rechnen.

Grenzwetterlagen

Irgendwo müssen aber die Energien der Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik hin und mit der Ausbildung eines Skandinavienhochs versuchen die Tiefdrucksysteme das Hoch am südlichen Gradienten zu unterwandern, was über Deutschland, Österreich und der Schweiz nicht selten zu sog. Grenzwetterlagen führt. Dieser Wettertrend kommt einem Wintereinbruch deutlich näher als die Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells.

Der Ansatz einer gestörten Zirkulation mit winterlichen Wetterverhältnissen über Mitteleuropa
Berechnung der Großwetterlage nach europäischen Prognose-Modell: Die Tiefdruckrinne ist beachtlich, aber auch die Hochdruckzone ist nicht zu unterschätzen © www.meteociel.fr

Wettertrend der Kontrollläufe: Ein winterlicher Temperaturabschnitt wird wahrscheinlicher

Die Kontrollläufe bestätigen in ihrem Wettertrend einen signifikanten Temperaturrückgang ab dem 8./9. Dezember in einem für die Jahreszeit zu kalten Bereich. Da es aber hinsichtlich des Setups noch einige Fragezeichen gibt, sprechen wir auch von einem winterlichen Temperaturabschnitt.

Wann kommt Schnee?

Ob aus einem winterlichen Temperaturabschnitt auch ein winterlicher Wettercharakter mit der Ausbildung einer Schneedecke wird, hängt davon ab, unter welchem Einfluss die kalten Luftmassen sich über Deutschland ausdehnen können. Nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell wären ein paar Schneeschauer zu erwarten. Nach dem europäischen Prognose-Modell wären Schneefälle bis in tiefere Lagen mit der Ausbildung einer Schneedecke möglich. Details bleiben also abzuwarten. Doch der Zeitraum vom 8. bis 13. Dezember erscheint für Schnee sehr günstig zu sein. Mehr dazu in der aktuellen Schneeprognose.

Die Ausbildung einer Schneedecke ist möglich, Details bleiben aber abzuwarten
Die Ausbildung einer Schneedecke ist möglich, Details bleiben abzuwarten. Mehr dazu in der aktuellen Schneeprognose

Normalisierung der Dezembertemperaturen

Im Zeitraum vom 13. bis 19. Dezember berechnen die Kontrollläufe wieder die Zunahme von milderen Varianten. So kann sich das Temperaturniveau langsam normalisieren. Das Temperaturspektrum liegt am 13. Dezember zwischen -4 bis +9 Grad (Mittelwert: +1 bis +2 Grad über dem Westen und Norden und +0 Grad über dem Süden und Osten) und am 18. Dezember zwischen -7 bis +7 Grad (Mittelwert: +2 bis +4 Grad über dem Westen und Norden und +0 bis +1 Grad über dem Osten und Süden).

Die Niederschlagsprognose ist in der ersten Dezember-Dekade deutlich erhöht, sinkt aber ab dem 11. Dezember in den schwachen Bereich ab.

Diagramm Temperaturen Dezember 2018 vom 3.12.2018
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Dezember 2018 von zu kalt, normal, zu warm

Langfristprognose

Wettertrend Winter 2018/19: Warme Winteraussichten

  • Der Dezember 2018 soll nach der aktuellen Wetterprognose des Langfristmodells mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm ausfallen. Der Niederschlagstrend geht mehr und mehr in die positive Richtung über (zu nass).
  • Für den Januar 2019 erfolgte eine leichte Korrektur, welcher mit einer Abweichung von +1 bis +3 Grad deutlich zu warm ausfallen könnte. Auch hier zeigt sich das Niederschlagsverhalten deutlich positiv.
  • Der Februar 2019 soll mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad ebenfalls gegenüber dem langjährigen Mittelwert zu warm und im Niederschlagstrend etwas zu nass ausfallen.
Abweichungen der Temperaturen im Winter 2018/19 gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Dezember 2018 +1 bis +2 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
Januar 2019 +1 bis +2 Grad Trend: deutlich zu nass
Februar 2019 +1 bis +2 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018/2019 vom 3.12.2018
Diagramm der Temperaturprognose Winter 2018/19

Das Langfristmodell setzt in seiner Wettervorhersage weiterhin auf ein Ausgleichsverhalten, welches im Winter 2018/19 für reichlich Wolken und Niederschlag sorgen kann. Eine zonale Prägung des Winters erscheint nach diesem Langfristtrend möglich zu sein, was letztlich den Winter auch zu warm ausfallen lassen könnte. Es hängt zudem auch vieles davon ab, ob sich in der ersten Dezember-Hälfte die Zonalisierung nachhaltig durchsetzen, oder ob sich die Erhaltungsneigung mit einem gestörten Zirkulationsmuster behaupten kann. Man wird sehen.

Wie sich zum aktuellen Stand das Wetter in der Vorweihnachtszeit entwickeln kann, klären wir gegen 17:00 Uhr in einer Aktualisierung der Wettervorhersage zum Wetter Weihnachten 2018. Heute Abend erfolgt an dieser Stelle gegen 20:00 Uhr ein Update der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose von 19:56 Uhr
Die Unsicherheiten blieben im Tagesverlauf erhalten und trotzdem bleibt alles wie gehabt. Entscheidend ist das Hochdrucksystem, welches zum 7./8. Dezember nach Norden in Richtung Island aufstrebt.

Die winterliche Variante
Gelingt es dem Hoch die atlantische Frontalzone zu blockieren, so hat ein meridionales Strömungsmuster die Möglichkeit sich mit winterlichen Wetterverhältnissen durchzusetzen. Ob nachhaltig oder nicht, spielt aktuell eine weniger gewichtige Rolle. Im Fokus steht vielmehr, wie der Impuls vonstattengeht.

Die milde Variante Denn kippt das Hoch einfach nach Osten weg, so hat sich das mit dem Winterwetter. Und solche eine Simulation hat das amerikanische Vorhersage-Modell heute Abend im Programm. Zu stark ist die Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik und zu schwach der Hochdruckkeil. Zudem kann sich das Hoch nicht über Skandinavien etablieren und kippt zum 13. Dezember nach Osten - über das westliche Russland - weg. Kurz kälter, aber nicht winterlich und schon gar kein Wintereinbruch

Statt Winter: gemäßigt mildes Atlantikwetter
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Statt Winter: gemäßigt mildes Atlantikwetter © www.meteociel.fr


Wie ist das zu bewerten?
Wie in den letzten Tagen mehrfach betont und hervorgehoben ist ein winterlicher Tempertaturtrend zwischen dem 9. und 13. Dezember sehr wahrscheinlich. Daran hat sich auch heute Abend nichts verändert. Denn auch nach der Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells entsteht der Hochdruckkeil und sorgt für einen Rückgang der Temperaturen. Im Vergleich zu den Kontrollläufen ist der Hauptlauf bis zum 11. Dezember ganz gut eingebettet. Darüber hinaus zählt er zu dem wärmsten Varianten. Die Mehrheit der Kontrollläufe berechnet eine für die Jahreszeit typische Temperaturentwicklung (+0 bis +4 Grad) mit Optionen auf Dauerfrost ab etwa 500 Meter.

Europäisches Vorhersage-Modell: Winterliche Wetteraussichten
Keine Veränderung. Das Hoch strebt zum 9. Dezember nach Norden auf und festigt seine Position zum 11. Dezember in Form eines autarken Hochdrucksystems über Skandinavien.

In Folge daraus können kalte Luftmassen nach Deutschland, Österreich und die Schweiz geführt werden. Die atlantische Frontalzone wird durch dieses Hoch weitgehend blockiert. Nichtsdestotrotz werden die Tiefdrucksysteme versuchen, das Hoch am südlichen Gradienten zu unterwandern, was über Mitteleuropa zu Grenzwetterlagen führen kann. Eine spannende Wetterentwicklung.

Winterliche Wetteraussichten
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Weiterhin winterliche Wetteraussichten © www.meteociel.fr


NAO- und AO-Index zunehmend positiv
Im Grunde spricht das nur für einen kurzen Temperaturrückgang und gegen eine Fortsetzung der gestörten Zirkulation. Denn beide Werte werden zunehmend im positiven Bereich berechnet, was darauf hindeutet, dass der Polarwirbel sich weite stabilisiert. Ein meridionales Strömungsmuster ist dabei nicht auszuschließen und auch ein Hoch über Skandinavien kann dadurch entstehen, doch wahrscheinlicher ist die Dominanz einer Westwindzone.

Fazit
Bis zum 8. Dezember tobt sich die atlantische Frontalzone mit einer strammen Westwindwetter über Mitteleuropa aus. Darüber hinaus mehren sich die Anzeichen für einen winterlichen Temperaturabschnitt mit Dauerfrost ab den mittleren Lagen und nasskalten Werten in den Niederungen. Schneeschauer sind bis in tiefere Lagen möglich. Ob sich nach dem 13. Dezember das Ausgleichsverhalten oder die Erhaltungsneigung durchsetzen wird hängt davon ab, wie sich das Hochdrucksystem konfigurieren und positionieren wird. Näheres haben wir heute Nachmittag in der Wetterprognose zum Wetter Weihnachten 2018 erläutert.

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