Das Wetter verhält sich in dieser Januar-Woche ruhig und so ist ein Wechselspiel aus Sonne, Wolken und teils neblig-trüben Wetter zu erwarten, bei dem auch der eine oder andere Regenspritzer niedergehen kann - viel an Niederschlag ist aber bis einschließlich Sonntag nicht zu erwarten. Dafür sorgt eine ausgedehnte Hochdruckzone. Da aber überall um Deutschland herum die Kaltluftmassen nicht vorhanden sind, kann die überwiegend östliche Grundströmung auch keine Kälte herbeiführen. So bleiben die Temperaturen über dem Norden mit +1 bis +5 Grad und über dem Süden mit +5 bis +10 Grad weit entfernt von einem hoch winterlichen Temperaturcharakter.

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Wetterwechsel zur Monatsmitte

Die Temperaturbilanz des bisherigen Verlauf des Winters ist verheerend. So war der Dezember 2017 gegenüber dem langjährigen Mittelwert um +1,8 Grad zu warm und die ersten Januar-Tage sind mit einer aktuellen Abweichung von rund +5,4 Grad viel zu warm für einen Winter. Sollte das Langfristmodell also mit seinen Berechnungen eines viel zu warmen Winters recht behalten? Sieht fast danach aus, auch wenn der Dezember viel mehr Schnee in allen Höhenlagen als in den Jahren zuvor brachte. Ändern tut sich an der Gesamttemperaturbilanz bis zur Winterhalbzeit wohl wenig.

Um den Winter noch in die normale Richtung zu bringen, müsste die zweite Hälfte etwa um -3 Grad zu kalt ausfallen. Mit einer ordentlichen Winterwetterlage wäre das in der Theorie durchaus machbar, aber nach so einer Vorgeschichte auch wahrscheinlich? Was ist notwendig, damit so etwas gelingen kann? Ganz klar, für außergewöhnliche Kälte, welche den Winter 2017/18 noch halbwegs normalisieren kann, kommt man nicht um die Kontinentalluft mit einer strammen Ostströmung drumherum. Aber auch eine Nordlage kann kalte Temperaturen nach Deutschland führen nun wird aber die Kaltluft über die warme Nordsee geführt, was die ganz tiefen Temperaturen - zumindest über dem Norden - verhindert.

Was berechnen die Wettermodelle?

Soweit die Theorie, aber wie sieht die Realität aus? Das amerikanische Wettermodell berechnet nach der Winterhalbzeit ein Tiefdruckzentrum, welches langsam Mitteleuropa näher rückt. Anstatt es sich aber weiter nach Osten verlagert, stoppt dies zum 19. Januar über England, was eine kältere Rückseitenströmung wenig und eine milder Vorderseitenanströmung mehr wahrscheinlicher macht. Ein Hochdrucksystem über Skandinavien oder dem europäischen Nordmeer ist aktuell nicht zu erkennen. Und auch das Azorenhoch bleibt relativ flach auf dem Atlantik und macht keine Anstalten sich nach Norden in Form eines Blockadehochs aufzustellen. Anders formuliert ist eine hochwinterliche Wetterlage - zum aktuellen Stand - nicht zu erkennen.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem amerikanischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Das europäische Wettermodell berechnet einen anderen Ansatz, bei dem sich das Hochdrucksystem über Skandinavien und dem westlichen Russland entschiedener gegen die deutlich stärkere atlantische Frontalzone entgegenstellt. Am Ende aber setzt sich auch hier mit einer südlicher verlaufenden Tiefdruckrinne die nasskalte Variante durch. Interessant ist aber zum Ende des Vorhersagezeitraums bis zum 17. Januar die Konstellation der Wettersysteme, aus der spannende Wetterentwicklungen entstehen können - ja, unter bestimmten Voraussetzungen auch winterliche Varianten. Das Azorenhoch erstreckt sich bis nach Neufundland, gleichzeitig entsteht über Grönland ein kräftiges Tiefdrucksystem und sorgt dort in der Höhe für einen kräftigen Warmluftschub. Das Kontinentalhoch bleibt in Reichweite von skandinavischen Raum und so könnte hieraus ein meridionales Strömungsmuster entstehen. Winter ja, aber nicht knackig kalt.

Polarwirbelberechnung Januar

Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem europäischen Wettermodell © www.meteociel.fr

Kontrollläufe verhalten, kühlere Varianten nehmen zu

Seit Tagen berechnen die Kontrollläufe eine langsame Normalisierungstendenz der Temperaturen im Verlauf der zweiten Januar-Dekade, welche aber unter dem Strich unwinterlich bleibt. Erst ab dem 15./16. Januar zeigen sich vermehrt Varianten, welche den Winter wieder bis auf mittlere Lagen herab bringen können, wenngleich die Wahrscheinlichkeit für nasskalte Wetterlagen in tieferen Lagen deutlich höher einzustufen ist. Sehr warme oder gar hochwinterliche Wetterphasen sind aber zum heutigen Stand nicht auszumachen.

Diagramm Temperaturen im Januar 2018 vom 08.01.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Man wird sehen, wohin das letzten Endes führen wird. Ob die Randfaktoren etwas aufzeigen, was in Richtung hochwinterliche Wetterverhältnisse hinweisen kann, darauf gehen wir heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle in einem kurzen Update etwas näher ein.

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Update der Wetterprognose Winter von 20:02 Uhr
Das amerikanische Wettermodell berechnete sowohl heute Nachmittag, wie auch heute Abend eine rege Tiefdruckaktivität auf dem Atlantik, welche nach dem 15. Januar auch zunehmend das Wetter über Deutschland, Österreich und der Schweiz beeinflussen kann. Das Strömungsmuster ist dabei überwiegend nordwestlich geprägt, was die Winteroptionen ab den mittleren Lagen aufrecht erhält und vom 15. bis 20. Januar auch Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer bis auf tiefere Lagen herab ermöglichen kann. Von einem richtig nachhaltigen Wintereinbruch ist man aber noch weit entfernt und der Wettercharakter ist bei Tageswerten von -1 bis +5 Grad vielmehr als nasskalt zu bewerten.

Die Sache mit dem Polarwirbelsplit
Schaut man sich die Berechnungen des europäischen Wettermodells an, so ist ein Polarwirbelsplit - der theoretischen Art - nicht auszuschließen. Schaut man sich aber die mögliche Achse des Splits an, so liegt Deutschland, Österreich und die Schweiz erneut zwischen den Fronten. Pattsituation mit einer südlichen Anströmung der Luftmassen.

Polarwirbelberechnung Januar
Berechnung Polarwirbel im Januar nach dem europäischen Wettermodell © www.meteociel.fr


Kontrollläufe stützen den Temperaturrückgang
Nach den Kontrollläufen sinkt das Temperaturniveau im Verlauf des zweiten Januar-Drittels ganz langsam von deutlich zu mild bis leicht zu kühl ab. Aber auch hier zeigt sich bspw. am 19. Januar mit einem Temperaturspektrum von -2 bis +6 Grad bei einem Mittelwert von +1 bis +3 Grad ein eher nasskalter Wettercharakter. Die richtig kalten, wie auch warmen Ausreißer fehlen.

Randfaktoren:
Der AO-Index wird bis in das letzte Januar-Drittel hinein leicht negativ bewerten und auch der NAO-Index zeigt einen absteigenden Entwicklungstrend von leicht positiv zu neutral. Beide Faktoren sind Fürsprecher für eine kühlere, bzw. nasskalte Nordwestwetterlage. Ein Minor-, oder gar Major-Warming spielt weiterhin keine Rolle. Die Berechnungen von gestern wurden heute im Tagesverlauf zurückgenommen, was aber nicht ausschließt, als dass die in den kommenden Tagen wieder auftauchen. Die zonalen Winde entlang des 65. Breitengrades in 10 hPa Höhe haben ebenfalls eine negative Entwicklungstendenz, sind aber noch weit davon entfernt um eine gewichtige Rolle zu spielen. Zusammenfassend deutet aktuell nur wenig auf eine hochwinterliche Wetterentwicklung hin. Nasskalt mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen lautet die Devise.

Langfristmodell: Winter zu warm
Die aktuelle Wettervorhersage Winter nach dem Langfristmodell zeigt für den Januar und dem Februar gegenüber dem langjährigen Mittelwert eine Temperaturabweichung von +1 bis +3 Grad. In der Niederschlagsbewertung fällt der Januar deutlich zu nass und der Februar weitgehend normal gegenüber den Sollwerten aus.

Diagramm der Temperaturentwicklung Winter 2018 vom 08.01.2018


Die nächste Aktualisierung der Wetterprognose Winter erfolgt an dieser Stelle am 9. Januar gegen 13:00 Uhr.

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