Es ist für Anfang November aktuell mit Temperaturen zwischen +13/+19 Grad außergewöhnlich warm - doch damit nicht genug, voraussichtlich wird sich daran bis zur Monatsmitte nur wenig verändern. So liegt der aktuelle Temperaturmittelwert gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert etwa um +4,25 Grad im zu warmen Bereich. Betrachtet man die Entwicklung der Großwetterlage der kommenden Tage, so ist bis einschließlich Donnerstag kommender Woche mit einer Westwetterlage zu rechnen, welche über den nördlichen Regionen mit unbeständigem und windigen Wetter einen größeren Einfluss als über dem südlichen Gebieten ausüben kann. Spannend bleibt die Frage: wann ändert sich das? Und nicht umsonst bekommen wir aktuell wieder viele E-Mails mit der Frage: wann kommt Schnee?

Vorwergnehmend: bis zur Monatsmitte ist Schneefall weniger wahrscheinlich, da die aktiv-dynamische Wetterentwicklung der kommenden Tage sich erst einmal wieder beruhigen muss und das braucht eben seine Zeit. Das amerikanische Wettermodell stützt die Westwindzirkulation über Deutschland bis zum 15. November weitgehend, wobei die atlantische Frontalzone sich bis über das westliche Russland durchsetzen kann. In Folge daraus kann die Tiefdruckrinne zwischen Neufundland, Island/England, Skandinavien und dem westlichen Russland verlaufen, während sich südlich davon das Azorenhoch bis über das östliche Mittelmeer erstrecken kann. In Folge daraus kommt es zu dieser warmen Südwest- bis Westanströmung der Luftmassen über Deutschland, wobei der Hochdruckeinfluss über dem südlichen Deutschland, der Schweiz und Österreich höher als über dem Norden von Deutschland ist. Die Tiefdruckrinne drückt dabei gegen das Hoch, so dass eine zeitweilige Komprimierung der Gradienten zwischen Hoch und Tief zustande kommt. Das Ergebnis daraus sind insbesondere über den exponierten Lagen und entlang der Küstenregionen der Nord- und Ostsee Windereignisse, welche unter bestimmten Voraussetzungen auch zu Starkwindereignissen führen können. Insgesamt ist die Windsituation vom amerikanischen Wettermodell gegenüber den letzten Tagen etwas schwächer berechnet worden, wenngleich Randtiefentwicklungen weiterhin nicht ausgeschlossen werden können. Im Zeitraum zwischen dem 13./15. November kann sich über dem grönländischen Raum ein Hochdrucksystem etablieren und sich weiter entwickeln. In Folge daraus zeigt sich auf dem Atlantik eine weiterhin hohe Tiefdruckaktivität, welche mit ihre Gradienten zunehmend großflächiger werden und somit zu einer größeren Wellenbewegung entlang der Polarfront führen können. Anders ausgedrückt hat diese Wetterentwicklung mit dem Hoch über Grönland das "Zeug" dazu, im Zeitraum vom 15./21. November einen langsamen Temperaturrückgang einzuleiten, welcher bis zum 20. November in einem für die Jahreszeit üblichen nasskalten Szenario enden kann. Ob dann Schnee zu erwarten ist, bleibt abzuwarten - ist jedoch nach der aktuellen Simulation bis in mittlere Lagen hinab nicht auszuschließen.

Das europäische Wettermodell simuliert mit einen etwas nach Norden verschobenen Hochdrucksystem eine ganz ähnliche Ausgangslage wie nach dem amerikanischen Wettermodell. Allerdings zeigt sich bereits zum 14. November ein größeres Entwicklungsspektrum des Hochdrucksystems, bzw. der Systeme. Zum einen wird ein Hochdrucksystem von Neufundland, über das östliche Kanada bis über Grönland an der Stelle simuliert, wo sich eigentlich die "Geburtsstätte" der Tiefdrucksysteme für Mitteleuropa befindet. In Folge daraus kann sich die Tiefdruckproduktion weiter nach Osten verlagern und zeigt sich mit einem kräftigen Tiefdruckwirbel zum 15./16. November zwischen Island/England und Skandinavien, so dass Deutschland zunächst noch im südwestlich milden bis warmen Anströmungsmuster verbleiben kann. Erst im Zeitraum zwischen dem 16./18. November verlagern sich die Systeme weiter nach Osten, was zu einer Konstellation führen kann, bei der sich auf dem Atlantik ein blockierendes Hochdrucksystem und über Skandinavien ein kräftiger Tiefdruckwirbel positionieren kann. Auch hierbei ist ein sich meridionalisierendes Grundmuster (Süd-Nord, Nord-Süd) über Mitteleuropa nicht unwahrscheinlich, was wie nach dem amerikanischen Wettermodell eine nasskalte Wetterlage mit Schneeoptionen ab den mittleren Lagen zur Folge haben kann.

So bleiben auch heute die Gemeinsamkeiten der Wettermodelle in einem langsamen aber stetigen Temperaturumschwung hin zu sich normalisierende Temperaturen erhalten und bestätigen somit den Trend zu einer nasskalten Witterung erneut. Die Kontrollläufe stützen dieses Szenario mehrheitlich. So liegt das Temperaturspektrum am 13. November noch bei +8/+15 Grad (Mittelwert: +11/+12 Grad) und am 20. November zwischen -2/+13 Grad (Mittelwert: +5/+6 Grad). Im Niederschlagsverhalten zeigt sich über dem Süden, Osten und Westen bis zum 13./14. November noch eine schwache Tendenz zu Niederschlägen, welche darüber hinaus einen ansteigenden Trend aufweist, während über dem Norden eine gleichbleibend mäßige Niederschlagserwartung simuliert wird. Betrachtet man die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+5) / normal (+6/+11) / zu warm (>+12), so liegen diese am 15. November bei 5/55/40 und am 22. November bei 40/50/10. Zu kühle Varianten, welche auch Schneefall ab den mittleren Lagen ermöglichen könnten, liegen am 21. November bei einer Wahrscheinlichkeit von 25 Prozent und die Wahrscheinlichkeit für Nachtfrost liegt bei rund 40 Prozent. Wie wird der Winter - ist eine Winterprognose schon möglich? Am Sonntag gehen wir gegen 17:00 Uhr an dieser Stelle im zweiten Teil unserer dreiteiligen Reihe (Statistik, Verhaltensmuster & Setup der Randfaktoren) näher darauf ein.

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