Wettertrend: Was ist nach einem stürmischen Februar zu erwarten?

| M. Hoffmann
Ein rascher Durchbruch des Frühlings?

Eine frühlingshaft milde, oder spätwinterliche Wetterentwicklung - was folgt dem stürmischen Februar nach?

Der Wind pfeift zum Beginn der Woche über Deutschland recht kräftig und kann über den Küstenregionen und den exponierten Lagen zu teils orkanartigen Winden führen. Der Höhepunkt der Windaktivität wird mit dem Durchgang einer Kaltfront in der Nacht auf Montag zu erwarten sein. Auch über tieferen Lagen sind in Schauer- und Gewitternähe schwere Sturmböen und kurzzeitig orkanartige Winde nicht auszuschließen. Es ist weiterhin sinnvoll, die entsprechenden Warnungen zu lesen und zu beachten: Warnlagenbericht | Windprognose | Unwetterwarnungen | Animation Sturmereignis. Der Wind führt kühlere Luftmassen nach Deutschland, was in der Nacht auf Montag und im Tagesverlauf den Spielraum für kurze Graupelgewitter eröffnet.

Im weiteren Wochenverlauf beruhigt sich der Wettercharakter. Der Wind kommt zwar weiterhin ruppig aus überwiegend westlichen Richtungen, doch spielt er nicht mehr die Hauptrolle. Die Temperaturen können zur Wochenmitte mit bis +14 Grad in den frühlingshaft milden Bereich ansteigen, sinken aber zum kommenden Wochenende bereits wieder ab. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter Februar 2022.

Frühling oder Spätwinter?

Diese Frage wird für den Zeitraum vom 27. Februar bis zum 1. März von den Vorhersage-Modellen einheitlich berechnet und da hat sich seit der Wetterprognose von heute Nachmittag wenig verändert.

Ein Keil des Azorenhochs dehnt sich über Spanien in Richtung Deutschland aus und lässt die atlantische Frontalzone auflaufen. Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen so in eine milde bis warme Südwestströmung. Der Wind lässt weiter nach und mit einer zunehmenden Anzahl an Sonnenstunden ist zu rechnen. Die Temperaturen erreichen +5 bis +10 Grad und mit einer längeren Sonnenscheindauer sind bis +12 Grad möglich.

In den klaren Nächten sinken die Werte auf -3 bis +3 Grad ab, sodass wieder mit Nachtfrost gerechnet werden kann.

Ruhiges Hochdruckwetter Anfang März
Wetterprognose europäischen und amerikanischen Wettermodells: Ruhiges Hochdruckwetter Anfang März © www.meteociel.fr

Was macht der Polarwirbel?

In der Wetterprognose für den März hatten wir schon etwas ausführlicher darüber berichtet, dass der Polarwirbel eine Veränderung erfährt. Wir wollen heute Abend einmal ergründen, in welche Richtung das Kippen kann. Interessant wird es hinsichtlich der Frage, ob die Zonalisierung auch das Wetter im ersten Frühlingsmonat März noch dominieren kann, oder ob sich eine meridionale Großwetterlage durchsetzen kann.

Der Zustand des Polarwirbels

Beginnen möchten wir ganz weit oben, mit der Stratosphärenhöhe und dem dortigen Wirbel. Dieser war den ganzen Winter über in einem stabilen Zustand und zeigte kaum Schwächen. Das ändert sich nun mit steigendem Sonnenstand und sog. Minor-Warmings werden nun häufiger zu sehen sein. Irgendwann kippt das in ein Major-Warming und im April oder Mai folgt dann das Final-Warming und spätestens dann ist der winterliche Polarwirbel Geschichte. Je früher dieses Ereignis stattfindet, desto interessanter die Wetterentwicklung.

Zum aktuellen Stand wird für den 28. Februar ein kräftiges Minor-Warming berechnet, das Anfang März in ein Major-Warming übergehen kann. Kommt es zu einem Major-Warming, beginnt die Strömung in Stratosphärenhöhe von West-Ost auf Ost-West zu wechseln. Diese Windumkehr hat unmittelbare Auswirkungen auf die unteren Luftschichten und damit auf den Polarwirbel, der auf diese Art und Weise eine negative Beschleunigung erfährt. Erfahrungsgemäß lassen sich 4 bis 8 Tage nach einem Major-Warming die Auswirkungen auf den Polarwirbel erkennen. Das wäre in diesem Fall im Zeitraum vom 7. bis 11. März, immer vorausgesetzt es kommt so.

Ein Minor-Warming mit Ansatz zu einem Major-Warming
Wetterprognose des Stratosphärenwirbels: ein Minor-Warming mit Ansatz zu einem Major-Warming © www.meteociel.fr

Major-Warming möglich?

Ein Major-Warming wird neben anderen Faktoren hauptsächlich an der Windumkehr entlang des 65. Breitengrades ausgemacht. Und zum aktuellen Stand ist es so, dass sich die Windgeschwindigkeit bis zum 2. März mit bis zu +250 km/h auf einem ungewöhnlich hohen Niveau befindet. Normalerweise sind Anfang März Windgeschwindigkeiten von rund +65 km/h üblich. Da ist also einiges los da oben. Blickt man etwas weiter in die Zukunft, so nimmt die Windgeschwindigkeit zum 5. März schlagartig ab und pendelt sich bei +55 km/h ein. Da bremst ordentlich was, doch reicht es nicht zu einer Umkehr in die negative Richtung, was letztlich eine Windumkehr auf Ost-West zur Folge hätte. Ein Major-Warming ist zwar nicht auszuschließen, doch zum aktuellen Stand wenig wahrscheinlich. Dennoch gilt es, diese Wetterentwicklung in den kommenden Tagen näher zu beobachten.

Die Randfaktoren

Ein - wesentlicher - Indikator für den Erhalt einer westlich dominierten Grundströmung ist der NAO-Index. Ist dieser positiv besetzt, liegt über Island ein Tief und über den Azoren ein Hoch, was im weitesten Sinn einer Westwetterlage entspricht. Liegt über Island ein Hoch, so dreht sich das Verhältnis in die negative Richtung und anstatt einer Westwetterlage liegt ein meridionales Strömungsmuster vor (Nord-Süd; Süd-Nord). Zum aktuellen Stand wird der NAO-Index - bis auf Weiteres - positiv simuliert. Zwar gibt es ein paar Varianten, die in Richtung neutralem Zustand streben, doch sind diese für den Moment von geringer Relevanz. Keiner der Berechnungen simuliert eine negative Variante, was die westliche Grundströmung mit einem südwestlichen Anteil in der ersten März-Dekade erhalten kann.

Ein weiterer Indikator ist der AO-Index, der vereinfacht ausgedrückt, den Zustand des Polarwirbels beschreibt. Zum aktuellen Stand wird der AO-Index positiv bewertet, was jetzt nicht gerade auf eine großartige Störung des Polarwirbels hindeutet. Doch werden die Störungen des Polarwirbels im März mit dem steigenden Sonnenstand zwangsläufig zunehmen. Vorerst aber ist nicht so schnell mit einem instabilen Polarwirbel zu rechnen. Deutlicher zeigt sich das im Mittelwert aller Kontrollläufe im Vergleich zu den Druckanomalien.

Links der Mittelwert aller Kontrollläufe, rechts die Druckanomalien: Der Trend zu einem zonal verlaufenden Strömungsmuster bleibt erhalten
Links der Mittelwert aller Kontrollläufe, rechts die Druckanomalien: Der Trend zu einem zonal verlaufenden Strömungsmuster bleibt erhalten © www.meteociel.fr | climatereanalyzer.org

Auf den Punkt gebracht: Vorerst kein Spätwinter

Wie man es dreht und wendet, so kommt keine Variante dabei heraus, die das Wetter auch nur annähernd in die spätwinterliche Richtung kippen lassen könnte. Der Mittelwert aller Kontrollläufe berechnet in der ersten März-Dekade Temperaturen, die im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert um +1 bis +2 Grad zu warm sind. Der Zeitraum vom 27. Februar bis zum 4. März kann sogar um +2 bis +4 Grad zu warm ausfallen.

Langfristprognose für den Frühling und Sommer 2022

Langfristprognosen der Vorhersage-Modelle sind mit einem hohen Maß Skepsis zu genießen und geben lediglich einen groben Anhaltspunkt auf die - errechnete - Wahrscheinlichkeit von zu warm oder zu kühl oder zu nass und zu trocken. Ändert sich das Schema, ändert sich auch die Berechnungen der Langfristmodelle - da ist für den Moment nichts in Stein gemeißelt und sollte immer Gesamtkontext betrachtet werden.

Der März soll erheblich zu warm und der April und Mai zu warm ausfallen. Am Ende wird der Frühling 2022 mit einer Differenz von +1,5 bis +3,5 Grad deutlich zu warm simuliert (91/20: +0,2 bis +2,2 Grad). In der Niederschlagsprognose wird der März weiterhin erheblich zu trocken, der April und Mai aber normal berechnet. Am Ende dann ein etwas zu trockener Frühling. Auffällig ist und bleibt der März und möchte man das interpretieren, so handelt es sich hierbei um eine gewaltige Hochdruckblase, die sich vom Atlantik bis weit über das östliche Mittelmeer erstrecken kann und die atlantische Frontalzone weit nach Norden - über Skandinavien - ablenkt. Schaun mer mal, was am Ende tatsächlich eintritt. Die Vorhersage-Modelle haben eine solche Variante immer wieder einmal berücksichtigt.

Für den Sommer zeichnet sich mit einem zu warmen Juni, Juli und August ein einheitliches Schema ab. Am Ende springt ein Temperaturüberschuss von +1 bis +2 Grad und im Wettertrend von bis +3,0 Grad heraus (91/20: -0,3 bis +1,7 Grad). Die Niederschlagsentwicklung ist aber keineswegs als deutlich zu trocken, sondern vielmehr als durchwachsen zu bewerten.

Abweichungen der Temperaturen im Frühling und Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert 1961 und 1990
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
März 2022 +2,0 bis +4,0 Grad Trend: über dem Süden und der Mitte erheblich zu trocken
April 2022 +1,0 bis +2,5 Grad Trend: normal bis etwas zu trocken
Mai 2022 +1,0 bis +2,5 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
Juni 2022 +1,0 bis +3,0 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
Juli 2022 +1 bis +2 Grad Trend: normal bis leicht zu nass
August 2022 +1,0 bis +2,0 Grad Trend: normal bis leicht zu trocken
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2022
Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2022

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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