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Winterprognose 2022/23 nach den Langfristmodellen: Ein Kaltwinter oder ein Supermildwinter?

| M. Hoffmann
In der Energiekrise: Ein warmer oder kalter Winter? © Martin Bloch

Was ist vom Wetter im Winter zu erwarten, was für Folgen hat ein zu nasser September für den Herbst und welche Rolle spielt eine meridionale oder zonale Wetterlage und was berechnen die unterschiedlichen Langfristmodelle für den Herbst und Winter 2022/2023?

Kaltwinter inmitten einer Energiekrise?

Wir erhalten derzeit viele Anfragen, ob denn ein kalter Winter zu erwarten ist, was vermutlich im Zusammenhang mit den steigenden Energiekosten zusammenhängen mag. Doch ist in Zeiten der Klimaerhitzung überhaupt noch ein zu kalter Winter möglich?

Die Statistik ist da eindeutig. In den letzten 20 Jahren waren 65 Prozent der Winter gegenüber dem vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 zu warm. Das ist eine klare Ansage. Durchschnittlich sind die Winter in den letzten 30 Jahren um +1,2 Grad wärmer geworden. Hört sich nicht nach viel an, sorgt aber dafür, dass in den meisten Wintern der sog. Flachlandwinter so gut wie gar nicht mehr in Erscheinung tritt und selbst über den mittleren Lagen zunehmend seltener wird. Statistisch gesehen gingen die Schneetage in den letzten 30 Jahren um 10 Tage zurück. Wenn man so will, schwinden mit jedem Grad Erwärmung die Schneetage um 8,5 Tage.

In den letzten 11 Jahren gab es im Übrigen keinen Winter mehr, der zu kalt ausgefallen ist.

Die Winter werden immer wärmer
Die Winter werden immer wärmer
© Michael Theusner www.mtwetter.de

Die Herbst- & Winterprognose 2022/23 der Langfristmodelle

Folgen die Langfristmodelle einem Wintertrend, der zu warm ausfallen wird? Wie immer an dieser Stelle der Hinweis, dass Langfristprognosen einen Trend der Temperaturen und Niederschläge abbilden und keineswegs als Detailprognosen zu verstehen sind.

Langfristwetter nach dem Deutschen Wetterdienst

Das Jahreszeitenmodell des Deutschen Wetterdienstes (DWD) berechnet den Herbst (September bis November) mit einer Abweichung gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +1,0 bis +2,0 Grad und im Trend um bis zu +3,0 Grad zu warm.

Für die ersten beiden Wintermonate Dezember und Januar wird eine Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad in Aussicht gestellt. Im Vergleich zum - wärmeren Mittelwert - von 1991 und 2020 liegt die Abweichung zwischen -0,2 bis +0,8 Grad. Die Niederschlagsprognose fällt im Dezember und Januar leicht zu trocken aus.

Wettertrend nach dem Langfristmodell der NASA

Das Langfristmodell der NASA berechnet die Monate Oktober und November mit einer Abweichung von +1,5 bis +2,5 Grad zu warm.

Im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1991 und 2020 soll der Herbst mit einer Differenz von +1,0 bis +1,5 Grad weitgehend etwas zu warm ausfallen können. In der Niederschlagssimulation werden sowohl der Oktober, als auch der November etwas zu nass simuliert.

Für den ersten Wintermonat Dezember 2022 wird eine Abweichung der Temperatur gegenüber dem vieljährigen Mittelwert (61/90) von +1,0 bis +2,0 im zu warmen Bereich simuliert. Der Januar und der Februar 2023 wird mit einer Differenz von +0,5 bis +2,0 Grad mäßig mild bis zu warm berechnet.

In Summe ergibt sich daraus ein gegenüber 1961 und 1990 um +1,0 bis +2,0 Grad zu warmer Winter. Im Vergleich zum wärmeren Mittelwert von 1991 und 2020 liegt die Differenz bei -0,2 bis +0,8 Grad im weitgehend normalen Bereich. Die Niederschlagsprognose ist im Dezember leicht zu nass, im Januar unauffällig und im Februar als leicht zu trocken zu bewerten.

Wetterprognose Herbst und Winter nach dem CFSv2 Modell

Der Herbst fällt nach dieser Wetterprognose mit einer Differenz zum langjährigen Mittelwert von +1,0 bis +2,0 Grad deutlich zu warm aus (91/20: +0,5 bis +1,5 Grad). Die Niederschlagsbilanz ist gegenüber dem Sollwert als zu nass zu bewerten - vor allem der September leistete hier großartige Vorarbeit.

Der Winter 2022/23 wird mit einer Abweichung von +2,0 bis +3,0 Grad erheblich zu warm simuliert (91/20: +0,8 bis +1,8 Grad). Keiner der Wintermonate weicht davon sonderlich ab.

Die Niederschlagsleistung ist von Dezember bis einschließlich Februar als unauffällig und im Trend als etwas zu nass zu bewerten. Ein Indiz für eine Westwetterlage?

Herbst und Winter nach dem europäischen Langfristmodell

Der Oktober und der November werden bei einer unauffälligen Niederschlagsbilanz mit einer Abweichung von +1,0 bis +2,0 Grad zu warm simuliert. In Summe ein um +0,5 bis +1,3 Grad zu warmer Herbst (91/20: +0,0 bis +0,8 Grad), der im Trend etwas zu nass ausfallen kann.

Der Winter wird sowohl im Dezember, als auch im Januar und Februar mit einer Abweichung von +0,5 bis +1,5 Grad etwas zu warm berechnet (91/20: -0,7 bis +0,3 Grad). Die Niederschlagsbilanz ist im Dezember 2022 und Februar 2023 tendenziell leicht zu trocken und im Januar 2023 etwas zu nass zu bewerten.

Abweichungen der Temperaturen im Herbst und Winter gegenüber dem langjährigen Mittelwert von 1961 und 1990. In Klammer der Mittelwert von 1991 und 2020
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
September 2022 +0,1
(-0,4 Grad)
Deutlich zu nass
Oktober 2022 +1,0 bis +2,0 Grad
(+0,6 bis +1,4 Grad)
Trend: normal bis leicht zu nass
November 2022 +2,0 bis +3,0 Grad
(+1,2 bis +2,2 Grad)
Trend: etwas zu nass
Dezember 2022 +1,0 bis +3,0 Grad
(+0,0 bis +2,0 Grad)
Trend: normal bis etwas zu nass
Januar 2023 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,4 bis +1,6 Grad)
Trend: normal bis etwas zu nass
Februar 2023 +1,0 bis +3,0 Grad
(-0,1 bis +1,9 Grad)
Trend: normal bis leicht zu nass
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2022/2023 vom 2.10.2022
Diagramm der Temperaturentwicklung Herbst/Winter 2022/2023 vom 02.10.2022

Auf den Punkt gebracht

Keines der Vorhersage-Modelle simuliert einen halbwegs normalen Winter, geschweige denn einen Kaltwinter. Ein Vorhersage-Modell berechnet sogar einen erheblich zu warmen Winter, was in Zeiten der Klimaerhitzung auch nicht weiter verwunderlich wäre.

Doch Vorsicht und Skepsis sind bei Langfristprognosen angebracht und sollte sich das meridionale Strömungsmuster im Winter behaupten können, so sind andere Überraschungen möglich. Mehr dazu: Kaltwinter über Deutschland - welche Auswirkungen hat die Eruption des Hunga Tonga Unterwasservulkans?

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

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