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Verifikation Zeynep: Schwerer Sturm mit extremen Orkanböen über Deutschland

| M. Hoffmann
Heftige Sturmböen und über dem Norden sind extreme Orkanböen möglich

Die atlantische Frontalzone tobt und führt heute im Tagesverlauf einen Schnellläufer über Deutschland hinweg, dessen Zugbahn sich in den letzten 24 Stunden verändert hat.

Zur Verifikation

Schwerer Sturm und Orkan. Der erste Orkan ist nach Osten abgezogen und von Westen nähert sich schon das nächste Frontensystem. Die Bewölkung nimmt zu und noch am Vormittag wird über dem Westen kräftiger Niederschlag einsetzen, der sich zum Nachmittag nördlich einer Linie vom Saarland und Nürnberg ausdehnen kann.

Der Niederschlagsschwerpunkt aber, der liegt über dem Norden von Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, wo bereits zum Nachmittag Niederschlagssummen von 5 bis 15 l/m² möglich sind. Über Baden-Württemberg, dem Saarland und weite Teile von Bayern bleibt es noch weitgehend trocken. Dann kommt der Wind.

Wettervorwarnung: Schnellläufer mit orkanartigen Winden

Der Wind intensiviert sich zum Nachmittag und ein weiteres Niederschlagsband erreicht gegen 14:00 Uhr den Westen. Unter weiterer Intensivierung des Windes verlagert sich das Schauerband bis 18:00 Uhr entlang einer Linie von Stuttgart und Rostock und bricht zum Abend über Baden-Württemberg und Bayern nach Süden in Richtung der Alpen ab. Ein weiters Niederschlagsfeld sorgt über den Küsten für lang anhaltenden Niederschlag, der bis in die Abendstunden zu Regensummen von 10 bis 25 l/m² und örtlich bis 30 l/m² sorgen kann. Über dem Landesinneren sind die Niederschlagsmengen abseits der Stauregionen mit 0 bis 8 l/m² weniger bemerkenswert - trotzdem kann die Schauerfront kurzzeitig für kräftige Schauer sorgen, die regional mit Gewitter (Gewitterradar) einhergehen können.

Können am Tage Temperaturen von +6 bis +12 Grad und über dem Südwesten bis +18 Grad erreicht werden, so sinkt in der Nacht auf Samstag die Schneefallgrenze auf 600 bis 800 Meter ab und über den Alpen und dem Allgäu sind bis Samstagmorgen Neuschneemengen von 1 bis 10 cm möglich.

Extremes Unwetter

Im Vergleich zu den letzten 24 Stunden zieht der Schnellläufer nördlicher und wird hauptsächlich die Regionen nördlich einer Linie von Köln und Dresden betreffen. Bis auf tiefere Lagen herab sind ab den späten Nachmittagsstunden schwere Sturmböen zu erwarten und je weiter es nach Norden geht, sind auch orkanartige Winde möglich. Über exponierten Lagen und den Küsten peitscht der Wind in voller Orkanstärke über Deutschland hinweg. Über den Küsten gilt die höchste Unwetterwarnstufe. Extreme Orkanböen werden dort angegeben. Das ist selbst für die sturmerprobten Küstenregionen eine Herausforderung, zumal eine Sturmflut zu erwarten ist. Der Höhepunkt des Sturms wird in der Zeit von Freitagabend 22:00 Uhr bis Samstagmorgen gegen 05:00 Uhr zu erwarten sein.

Ab dem Nachmittag beginnend, von West nach Ost ausgreifend nächste schwere Sturmlage. Andauern bis Samstagmorgen. Dabei Schwerpunkt in der Nordhälfte mit orkanartigen Böen und Orkanböen Bft 11 bis 12 (100 bis 140 km/h) bis ins Flachland, anfangs aus Südwest, später aus West. An der Nordsee sowie in einigen Hochlagen in der Nacht zum Samstag wahrscheinlich Orkanböen über 140 km/h (EXTREMES UNWETTER). Auszug Warnlagenbericht

Der Wind über dem Süden

Der Wind wird über dem Süden nicht mehr so stark berechnet, erreicht in Böen aber 50 bis 75 km/h und kann in der Nacht Spitzenböen von 75 bis 100 km/h erreichen. Das ist volle Sturmstärke. Über den höheren Lagen sind mit bis 130 km/h Winde in voller Orkanstärke möglich.

Drei Windprognosen im Vergleich

Wie unterschiedlich die Zugbahn noch immer berechnet wird, zeigt sich in der Windprognose des amerikanischen, europäischen und deutschen Vorhersage-Modells.

Die Windprognose der Maximalböen Samstag, 19. Februar 01:00 Uhr. Links die Europäer, in der Mitte die Amerikaner und rechts die des deutschen Vorhersage-Modells
Die Windprognose der Maximalböen Samstag, 19. Februar 01:00 Uhr. Links die Europäer, in der Mitte die Amerikaner und rechts die des deutschen Vorhersage-Modells
© windy.com

Aufsummierung und Animation der Starkwindereignisse

Unter dem Link haben wir eine Animation erstellt. Anhand der Farbskala kann man erkennen, wo bis Samstagvormittag mit den kräftigsten Windböen zu rechnen ist. Animation der Windereignisse.

Hinweise, deren Beachtung zu empfehlen sind

Verifikation

Ungewöhnlich war das Wetterereignis der letzten Stunden und es gab neue Rekorde in Sachen Windgeschwindigkeiten zu vermelden.

Der Orkan, der eigentlich ein Schnellläufersystem war, wurde von den Vorhersage-Modellen bereits vor 8 Tagen erfasst, was für einen Schnellläufer schon ungewöhnlich ist. Bereits am 6. Februar konnte man mit dem Kaltluftvorstoß über dem östlichen Kanada erahnen, dass Deutschland windige Zeiten bevorstehen können.

Ungewöhnlicher Temperaturanstieg

Der Schnellläufer führte auf seiner Vorderseite sehr warme Luftmassen nach Deutschland, was die Temperaturen am 18. Februar über Metzingen gegen 12:50 Uhr auf +17,3 Grad hat ansteigen lassen. Den höchsten Tagesniederschlag aber, den hat mit 32,1 l/m² Balderschwang (Bayern) vorzuweisen.

Kräftiger Niederschlag

Während sich über dem Süden frühlingshaft milde Luftmassen ausbreiteten, begann der Schnellläufer über dem Norden zu wüten. Eine Niederschlagsfront traf am Nachmittag Niedersachsen und sorgte mit 23,3 l/m² über Eimen-Vorwohle gegen 16:30 Uhr für kräftigen Niederschlag, gefolgt von Dornum gegen 13:30 Uhr.

Wind, Sturm und Orkan

Über dem Süden und Westen machte sich der Schnellläufer schon am Nachmittag bemerkbar und erreichte mit einer durchziehenden Schauerfront zum Abend seinen Höhepunkt. Über dem Norden und Osten war das erst im Zeitraum von 21:00 bis 20:00 Uhr der Fall.

An zahlreichen Wetterstationen wurden neue Rekorde aufgestellt. Bemerkenswert ist dabei Büsum (Schleswig-Holstein), die Sturmerprobt sind. Doch eine Windböe sorgte dort für Geschwindigkeiten von 143,3 km/h (19:00 Uhr). Spitzenreiter aber war mit 145,8 km/h (20:00 Uhr) der Brocken (Sachsen-Anhalt). Abseits der Berg- und Küstenregionen war eine Windböe mit 124,2 km/h über Lautertal-Hörgenau (Hessen) herausragend, was für die Wetterstation ein neuer Allzeit-Rekord bedeutet

Die mittlere Maximalwindgeschwindigkeit betrug 96 km/h. Das Tagesmittel der Winde lag bei 26,9 km/h, was ein Merkmal von Schnellläufern ist. Kurz und knackig.

Nachfolgend die Top 10 der stärksten Windböen
Windgeschwindigkeit Uhrzeit Ort
145,8 km/h 20:00 Uhr Brocken
143,3 km/h 19:00 Uhr Büsum
139,7 km/h 20:10 Uhr Leuchtturm Kiel
139,3 km/h 17:00 Uhr Weinbiet
137,5 km/h 17:20 Uhr Feldberg/Schwarzwald
135,0 km/h 22:00 Uhr Spiekeroog
130,7 km/h 22:30 Uhr Borkum
130,7 km/h 20:50 Uhr Großer Arber
128,2 km/h 23:20 Uhr Elpersbüttel
127,4 km/h 23:00 Uhr Greifswalder Oie
Spitzenwindgeschwindigkeiten Sturm Zeynep 18. Februar 2022
Spitzenwindgeschwindigkeiten Sturm Zeynep 18. Februar 2022 © mtwetter.de

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

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