Die Wettermodelle berechnen für die letzten Juli-Tage eine weitgehend labile Hochdruckbrücke im Bereich zwischen der Mittelmeerregion und Skandinavien, welche sich auch über Deutschland, Österreich und der Schweiz erstrecken kann. So können die Temperaturen bis zum 28. Juli nach diesen Berechnungen weitgehend im Jahreszeit-typischen Bereich verblieben (s. Wetterprognose Sommer 2016).

Darüber hinaus gibt es für die ersten August-Tage mehrere Entwicklungsszenarien. In der ersten Variante schwächt sich die Hochdruckbrücke ab und fällt Anfang August in sich zusammen. Daraus entsteht ein eigenständiges Hochdrucksystem über dem nördlichen Skandinavien und das Azorenhoch, welches sein Hochdruckkeil von den Azoren bis über die Mittelmeerregion erstrecken kann. Zwischen beiden Hochdrucksystemen entsteht somit eine Lücke, in welche die Tiefdrucksysteme von Westen her kommend bis nach Deutschland, Österreich und die Schweiz vordringen können. Würde sich diese Variante durchsetzen, so wäre Ende Juli/Anfang August mit einem wechselhaften, unbeständigen und mäßig warmen Wettercharakter zu rechnen (über dem Norden und Westen etwas unbeständiger als über dem Osten und Süden).

In der zweiten Variante stabilisiert sich das Hochdrucksystem über Mitteleuropa/Skandinavien und kann sich zu einem kräftigeren Hochdrucksystem entwickeln. Gleichzeitig sorgen Tiefdrucksysteme westlich und östlich des Hochdrucksystems für eine weitere Stabilisierung, so dass dies einer sog. Omegawetterlage nahe kommt. In Folge solch einer Entwicklung wären stabile und sommerliche Wetterverhältnisse Anfang August 2016 zu erwarten, welche auch darüber hinaus noch wetterbestimmend sein können.

In der dritten Variante spielt das Azorenhoch eine Hauptrolle. Dieses könnte sich Ende Juli vor Mitteleuropa steil nach Norden aufstellen und im Bereich zwischen den Azoren, Island und Grönland liegen. Das wäre somit auch das "Worst-Case" Szenario für alle diejenigen unter Ihnen, welche sich stabile und warme Wetterverhältnisse wünschen. Warum? Das Zirkulationsmuster meridionalisiert über Mitteleuropa zunehmend und Deutschland, Österreich und die Schweiz gelangen in eine nördliche Anströmung der Luftmassen, so dass neben einem unbeständigen Wettercharakter die Temperaturen "empfindlich" kühl ausfallen könnten.

Welche der Varianten ist wahrscheinlicher? Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+19) / normal (+20/+25) / zu warm (>+25) liegen am 1. August bei 35/45/20 und bestätigen das breite Entwicklungsspektrum mehrheitlich, wenngleich der Trend von Jahreszeit-typischen Temperaturen höher ausgeprägt ist, mit der Tendenz auch leicht zu kühl auszufallen. Mit anderen Worten: eine Omegawetterlage ist zum heutigen Stand Anfang August weniger wahrscheinlich als ein Fortbestand der Abwechslungsreichen Wetterlage der letzten Tage und Wochen mit einem Auf und Ab der Temperaturen.

Das Langfristmodell berechnet ja schon seit mehreren Wochen einen weitgehend "normalen" Temperaturverlauf im August 2016. Dieser wurde jedoch heute etwas korrigiert. So fällt der Süden (etwa südlich der Mittelgebirge) nach diesen Wettertrend gegenüber dem langjährigen Sollwert zu trocken und der Norden normal aus. Das schlägt sich auch in der Abweichung der Temperaturen gegenüber dem langjährigen Mittelwert nieder. So wird der Süden mit einer Abweichung von +0,5/+1 Grad als leicht zu warm und der Norden mit -0,5/+0,5 Grad als "normal" berechnet.

Möchte man die Simulationen interpretieren, so würde Anfang August eine Südwestwetterlage mit vermehrten Hochdruckeinfluss über dem Süden und leicht wechselhaften Wetter über dem Norden nicht überraschend sein (leichte Abwandlung von Variante 1, bei der der Hochdruckkeil des Azorenhochs weiter nördlich verlaufen und somit die Schweiz, Österreich und das südliche Deutschland noch mit beeinflussen kann).

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