Wetter April 2020 - Wetterprognose und Wettervorhersage

Wetter April 2020 aktuelle Wettervorhersage vom 12.03.2020: Der Polarwirbel vor dem Zusammenbruch?

  • M. Hoffmann

Frühlingshaft mild, oder spätwinterlich kaltes Wetter zum Start in den April? Die Großwetterlage ist aktuell im Begriff sich nachhaltig umzustellen, doch in welche Richtung das gehen wird, hängt auch stark damit zusammen, ob es zu einem totalen Zusammenbruchs des Polarwirbels kommen wird.

Spätwinterliche Wettererscheinungen sind im April nichts außergewöhnliches
Spätwinterliche Wettererscheinungen sind im April nichts außergewöhnliches

Noch ist es eine ganze Weile hin bis zum April doch zeichnen sich jetzt schon Veränderungen ab, was die Entwicklung der Großwetterlage bis weit in den April hinein verändern kann. Es geht also um die nachhaltige Veränderung der Großwetterlage, was - die seit Dezember anhaltende - Westwindzirkulation beenden kann.

Bis es aber soweit ist, wird es über Deutschland, Österreich und der Schweiz bis zum Ende der zweiten März-Dekade zu einem Auf und Ab der Temperaturen kommen, bei der auch Graupelschauer und kurze Gewitter ebenso wenig auszuschließen sind, wie das örtliche Erreichen der +20 Grad Marke. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März 2020.

Ein Auf und Ab der Temperaturen
Wetterprognose des europäischen Wettermodells: Ein Auf und Ab der Temperaturen
© www.meteociel.fr

Wie wird das Wetter im April 2020?

Anhand der Vielzahl an E-Mails, die wir mit der gleichen Fragestellung zu Wie wird das Wetter im April bekommen, zeigt das Interesse am Wetter, was wohl auch daran liegen mag, dass am 12. und 13. April Ostern stattfindet und die Osterferien um diese Tage herum liegen (Je nach Bundesland unterschiedlich). Wie sich das Wetter an Ostern wird entwickeln können, klären wir in Kürze in unserer Rubrik: Wetter Ostern 2020.

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Der typische April

Zurück aber zum April. Der ist ja bekannt dafür, dass er gerade in seiner ersten Hälfte zu turbulenten Wetterlagen neigt. Von Schneefall bis über eine frühsommerliche Hitze kann da alles dabei sein und der Wetterwechsel erfolgt meist binnen kürzester Zeit.

Der Polarwirbel gibt den Takt vor

Verantwortlich für das wechselhafte und launische Aprilwetter ist der Polarwirbel, der ab der letzten März-Dekade damit beginnt, sich zur Ruhe zu legen und an Dynamik verliert. Man kann sich das gut mit einem Kreisel vorstellen. Dreht man den Kreisel, so läuft er eine Zeit lang stabil und selbst ein Stuber mit dem Finger kann den Kreisel nicht aus der Ruhe bringen. Am Ende aber wird der Kreisel zunehmend instabiler und fängt an rum zu eiern und chaotische Laufbahnen einzuschlagen.

Major-Warming - Final-Warming in Stratosphärenhöhe

In der Meteorologie gilt es auch die oberen Luftschichten zu beobachten, was im Falle des Polarwirbels die Luftschichten in Stratosphärenhöhe sind. Denn dort ergeben sich die ersten Anzeichen eines instabiler werdenden Polarwirbel in Form von sog. Minor-Warmings (welche im Winter häufiger vorkommen), dem Major-Warming (etwa als 1 bis 3 Jahre, bzw. zum Ende des Winters) und dem Final-Warming (manchmal mitten im Winter, spätestens jedoch im April/Mai)

An einem Minor-Warming ist nicht besonderes. Selbst im kräftigsten Zustand gelingt es diesem Phänomen nicht, die unteren Luftschichten zu beeinflussen. Damit dies gelingt, muss das Minor-Warming in ein Major-Warming übergehen. Per Definition ist dafür ein Temperatursprung von mindestens 60 Grad zwischen dem 90. und 60. Breitengrad an vier aufeinander folgenden Tagen notwendig, sowie die Windumkehr entlang des 65. Breitengrades von West-Ost auf Ost-West.

Der totale Zusammenbruch des Polarwirbels

Und jetzt versteht man auch, warum ein Major-Warming im April so nachhaltige Auswirkungen auf das Wetter haben kann und letztlich zu einem launischen Aprilwetter führt. Dreht sich die obere Luftschicht in die entgegengesetzte Richtung wie die untere, so bremst das System sich aus. Im Beispiel vom Kreisel bekommt dieser einem mächtigen Dämpfer, der ihn komplett aus der Bahn werfen kann. Beim Polarwirbel wäre das der totale Zusammenbruch und da sich der Polarwirbel nachfolgend nicht mehr erholen kann, spricht man von einem Final-Warming.

Stabiler Stratosphärenwirbel (li.), Major-Warming (mi.), Final-Warming (re.)
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Stabiler Stratosphärenwirbel (li.), Major-Warming (mi.), Final-Warming (re.) © www.meteociel.fr

Die Auswirkungen auf den Polarwirbel

Wie man auf den oben stehenden Wetterkarten sehr gut erkennen kann, wird der Prozess von Major-Warming mit abschließendem Final-Warming derzeit berechnet und hat gute Chancen auch einzutreten. Die Erfahrung zeigt, dass in etwa 3 bis 7 Tage später sich die Auswirkungen in den unteren Luftschichten zeigen werden. Bis dahin aber springen die Vorhersage-Modelle hin und her, was in Adaption des Kreisels auch nicht verwunderlich ist. Entscheidend ist, an welchen Positionen die Hochdrucksysteme nach Norden aufkeilen.

Skandinavienhoch

Keilt das Hoch bspw. über Mitteleuropa nach Norden auf, so ist bis in den April hinein mit einer stabilen Wetterlage zu rechnen. Wird das Hoch über Skandinavien aber autark und rund, so gelangen an seiner Ostseite kalte Luftmassen nach Deutschland, was einem Kaltstart in den April gleichkäme.

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Hoch Mittel-, Osteuropa

Wird das Hoch allerdings nach Osten weggedrückt, so laufen die Tiefdrucksysteme gegen das Hoch auf und leiten aus südwestlichen Richtungen einen kräftigen Warmlufttransport nach Mitteleuropa ein. Temperaturen von +20 Grad und mehr wären dann für die ersten April-Tage möglich.

Blockadehoch

Die dritte Variante ist das aufkeilende Hoch auf dem Atlantik in Richtung Island und Grönland, was die atlantische Frontalzone sehr effektiv blockiert, aber an seiner Rückseite den Zustrom kühler Luftmassen ermöglicht - auch ein Arctic Outbreak wäre in der Theorie möglich und kam in der Vergangenheit in den ersten April-Tagen schon häufiger vor, was zu der berühmt berüchtigten Ostereier-Suche im Schnee führte.

Das Ende der Westwindzirkulation

Im Grunde aber geht es in den kommenden Tagen darum, dass mit dem Major-Warming die Karten neu gemischt werden, die Schwingungen entlang der Polarfront wohl zunehmen und häufiger zu meridionalen Großwetterlagen führen werden, die sowohl zu sehr warmen, aber auch kalten Temperaturverhältnissen führen können. Vielleicht ist dem einen oder anderen noch der April 2019 in Erinnerung. Damals positionierte sich das Hoch über Skandinavien und Deutschland gelangte in die warme Anströmung der Luftmassen, was auch einen knochentrockenen April zur Folge hatte.

Im Kern der Aussage aber steht eine sich mit hoher Wahrscheinlichkeit verändernde Großwetterlage, die das Zeug dazu hat, auch die ersten April-Tage mit zu beeinflussen.

Die Großwetterlage wird sich bis in den April hinein verändern, was noch nicht klar ist, ob das gemäßigt (li.), spätwinterlich kalt (mi.), oder frühlingshaft mild (re.) vonstattengehen wird
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells und Kontrollläufe: Die Großwetterlage wird sich bis in den April 2020 hinein verändern, was noch nicht klar ist, ob das gemäßigt (li.), spätwinterlich kalt (mi.), oder frühlingshaft mild (re.) vonstattengehen wird © www.meteociel.fr

Welche Wetterentwicklung ist bis April wahrscheinlich?

Am aussichtsreichsten präsentiert sich im Moment eine Hochdruckposition zwischen Island, England und Skandinavien, was eine Wetterprognose für den April erschwert. Warum? Das Hoch liegt westlich von Mitteleuropa und ist somit ein Kandidat für eine kühle Nord- bis Nordwestströmung, was den Frühling bis weit in die erste April-Dekade hinein verzögern könnte.

Nun ist das Hoch aber auch nicht weit von Mitteleuropa entfernt und ein paar tausend Kilometer sind beim Wetter keine wirkliche Entfernung. Und das bringt die Position zwischen Skandinavien und Mitteleuropa ins Spiel, was mit dem Ausbruch des Frühlings gleichzusetzen wäre. Und zwischen diesen beiden Varianten werden die Wettermodelle in den kommenden Tagen hin und her springen können. Deutlicher wird das, wenn man sich den Mittelwert aller Kontrollläufe einmal anschaut.

Die gestörte Zirkulation hat Anfang April die besten Karten
Wetterprognose des Mittelwertes der Kontrollläufe: Die gestörte Zirkulation hat Anfang April die besten Karten © www.meteociel.fr

April 2020: Wetterprognose der Langfristmodelle

Die Prognosen der Langfristmodelle sind - mit dem möglichen Major-Warming - mit Vorsicht zu genießen, zeigen aber schon einmal einen groben Wettertrend, wie sich das Wetter im April 2020 entwickeln kann.

CFSv2: Der deutlich zu warme April

Bislang gab es in den letzten Monaten noch keine Wetterprognose des Langfristmodells, welches den April als normal oder zu kalt berechnete. Stets war der Wettertrend zu warm. Daran hat sich bis heute nichts verändert und der April 2020 soll mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad gegenüber dem vieljährigen Mittelwert zu warm ausfallen können. In der Niederschlagsprognose zeichnet sich eine deutlich zu trockene Entwicklung ab. Das Hoch liegt in diesem Fall über Mitteleuropa und leitet die Tiefdruckaktivität über Skandinavien ab.

Der Wettertrend der NASA: zu warmes April-Wetter

Auch die NASA berechnet den April 2020 im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert mit einer Differenz von +1 bis +2 Grad deutlich zu warm. Allerdings fällt die Niederschlagsberechnung normal aus, während der Norden von Europa zu trockenem Wetter tendiert (Skandinavienhoch).

Wetterprognose der Europäer: Ein zu warmer April

Auch nach dem Langfristtrend der Europäer soll der April 2020 mit einer Abweichung von +0,5 bis +2 Grad zu mild bis zu warm ausfallen können. Die Niederschlagsbilanz ist als normal zu bewerten, fällt über Skandinavien jedoch deutlich zu nass aus, was wiederum für ein Hoch über der Mittelmeerregion spricht.

Auf den Punkt gebracht: Der April macht, was er will

Zumindest zum aktuellen Stand gilt die Aussage. Zu ungewiss ist die Entwicklung und deren Ausgang. Klar scheint zu sein, dass die Westwetterlage wird beendet werden können und durch eine meridionale Grundströmung ersetzt wird (Ausgleichsverhalten). Doch kann eine meridionale Wellenbewegung entlang der Polarfront sowohl eine deutlich zu warme, als auch zu kalte Temperaturentwicklung zur Folge haben. Entsprechend auch die Wettervorhersage der Kontrollläufe, welche nicht gerade einen nachhaltigen Durchbruch des Frühlings bis in den April hinein berechnen. Das riecht vielmehr nach klassischem Aprilwetter.

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2019 +10,9 -1,2 -2,1 80 l/m² - zu nass
Juni 2019 +19,8 +4,4 +4,0 55 l/m² - zu trocken
Juli 2019 +18,9 +2,0 +0,9 55 l/m² - zu trocken
August 2019 +19,09 +2,53 +1,53 65 l/m² - zu trocken
September 2019 +14,1 +0,8 +0,6 65 l/m² - zu nass
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +6,07 +3,38 +2,6 237 l/m² - normal

Wetterfakten April

Statistische Wetterwerte für April

  • Anfang April oftmals Hochdruckeinfluss
  • Sehr häufig typisches Aprilwetter zwischen dem 6./13. April
  • Verhaltene Hochdruckphasen zwischen 14./21. April
  • Anschließend wechselhaftes Wetter
  • Erst zum 26. April zaghafte Wetterbesserung

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