Wetter Winter 2020/2021 - Wetterprognose und Wettervorhersage

Wetterprognose Herbst und Winter 2020/2021 - Vollständig gestört, oder Westdrift und was ist mit dem Frühwinter?

In welche Richtung kippt die Großwetterlage?
In welche Richtung kippt die Großwetterlage?

Die angekündigten Überraschungen zeigen sich in den heutigen Prognosen der Vorhersage-Modelle. Im Kern aber geht es um gewaltige Umwälzungen, die zu rigorosen Veränderungen der Großwetterlage führen können.

Trogwetterlage über Deutschland. Ein Tiefdruckkomplex trogt zwischen Frankreich, Deutschland, Österreich und der Schweiz nach Süden aus und bestimmt das Wetter der kommenden Tage. Bei überwiegend starker bis wechselnder Bewölkung kommt es immer wieder zu Schauern unterschiedlichster Intensität, die mancherorts länger andauernd ausfallen können.

Zeitgleich werden kühlere Luftmassen nach Deutschland geführt, was die Tageswerte bis zur Wochenmitte auf +7 bis +13 Grad zurückgehen lassen kann. Die Schneefallgrenze kann an den Alpen kurzzeitig auf bis 800 Meter absinken (Schneeprognose). In den Nächten steigt - insbesondere bei Aufklaren - die Neigung zu Bodenfrost an. Mehr dazu in der aktuellen Wettervorhersage zum Wetter Oktober 2020.

Kühles Herbstwetter mit absinkender Schneefallgrenze an den Alpen
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Kühles Herbstwetter mit absinkender Schneefallgrenze an den Alpen
© www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Eine kuriose Wetterentwicklung

Aufgrund der starken Schwankungen durch die gestörte Zirkulation haben wir in den letzten Tagen auf Wetterentwicklungen mit einem gewissen Überraschungseffekt hingewiesen. Das da etwas dran ist, zeigt sich in der heutigen Wetterprognose des europäischen Wettermodells.

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Das Tief wird eingeschlossen

Man erkennt es schon gut auf der oben dargestellten Wetterkarte. Das Hoch umspielt das Tief und zum 17. Oktober verliert das Tief seinen Kontakt nach Norden und tummelt sich orientierungslos zwischen Westeuropa und der Mittelmeerregion. Zeitgleich festigt sich der hohe Luftdruck auf dem Atlantik und erstreckt sich zwischen Neufundland bis nach Skandinavien.

Außergewöhnliche Wetterentwicklung

Normalerweise gibt es für das Tief zwei Optionen. Entweder es löst sich auf, oder es geht in ein Zentraltief über. Bedingt aber durch den Aufbau von hohem Luftdruck über Skandinavien wird durch die Drehbewegung der Wettersysteme das Tief auf den Atlantik verfrachtet und gewinnt bis zum 20. Oktober an Dynamik und erreicht ein Kerndruck von 975 hPa. Das ist im Bereich von den Azoren, Portugal und Spanien ungewöhnlich. Weiter nach Norden bleibt die Hochdruckzone erhalten.

Auch wenn die Wetterentwicklung spektakulär ist, so sind die Auswirkungen auf das Wetter über Deutschland doch eher gering. Anders formuliert ist vom 15. bis 20. Oktober mit einem gradientenschwachen Wetter zu rechnen. Hier und da ist mit etwas Niederschlag möglich, viel ist aber nicht zu erwarten. Zudem nimmt die Neigung zur Ausbildung nächtlicher Nebelfelder zu. Die Tageswerte können auf +7 bis +12 Grad zurückgehen und in den Nächten ist verbreitet mit Frost zu rechnen.

Man muss sich das aber einmal auf der Zunge zergehen lassen: Normalerweise ziehen die Tiefdruckgebiete von West nach Ost. Dieses Tief aber macht die Kehrtwende. Tropft zunächst über Mitteleuropa nach Süden ab und driftet dann von Ost nach West auf den Atlantik und gewinnt dort wieder an Kraft. Mehr an gestörter Zirkulation geht nicht. Mal schauen, ob es zu dieser außergewöhnlichen Wetterentwicklung kommen wird.

Eine ungewöhnliche Wetterentwicklung
Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Eine ungewöhnliche Wetterentwicklung
© www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Westdrift wird in Gang gesetzt

Anders - komplett anders - ist die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells. Das Azorenhoch gewinnt bis zum 18. Oktober an Kraft, doch zwischen den östlichen Kanada streben kalte Luftmassen arktischen Ursprungs nach Süden auf den Atlantik. Dem Hoch werden die Möglichkeiten verwehrt um nach Norden aufzustreben und die gestörte Zirkulation zu vollenden.

Die atlantische Frontalzone setzt sich in Gang

Hervorgerufen durch den Kaltluftzustrom über dem östlichen Kanada explodiert auf dem Atlantik regelrecht die Tiefdruckdynamik und zum 20. Oktober positioniert sich bei Island ein Tief mit einem Kerndruck von bis zu 965 hPa. Das Azorenhoch hat dem nichts entgegenzusetzen und macht einen Rückzieher nach Süden.

Die Westwindzirkulation gewinnt an Bedeutung

Berechnet das europäischen Wettermodell noch die vollständig gestörte Zirkulation, so geht Wettervorhersage des amerikanischen Wettermodells stark in die Wiederherstellung der zonalen Großwetterlage. Bis zum 25. Oktober festigt sich die atlantische Frontalzone und strebt in Richtung Skandinavien und kann zeitgleich auf dem Atlantik eine Tiefdruckrinne etablieren. Auf der Vorderseite der Tiefdruckaktivität wird das Azorenhoch in Richtung Mitteleuropa geschoben. Was folgt ist eine warme Südwestwetterlage mit Optionen auf den goldenen Oktober.

Die Temperaturen steigen vom 19. Oktober mit +6 bis +12 Grad bis zum 25.Oktober auf +14 bis +18 Grad an. In der Übergangsphase ist mit kräftigen, ergiebigen und auch flächendeckenden Niederschlägen zu rechnen, bevor das Hoch zum 23. Oktober das Wetter allmählich abtrocknen lässt.

Der Versuch den Westdrift zu etablieren
Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Der Versuch den Westdrift zu etablieren
© www.meteociel.fr

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Auf den Punkt gebracht: Vollständig gestört, oder Westdrift?

Die Schwankungen werden in den Wetterprognosen der Vorhersage-Modelle auch in den kommenden Tagen noch anhalten und für Überraschungen sorgen können. Eine Entwicklung aber gilt es ganz besonders im Auge zu behalten: gelingt der Vorstoß der arktischen Kaltluftmassen über dem östlichen Kanada in Richtung Neufundland, so ist über Kurz oder Lang mit einer westlich dominierten Großwetterlage zu rechnen.

Deutlich werden die Optionen anhand eines größeren Kartenausschnitts der Kontrollläufe. Links das gestörte Zirkulationsmuster, rechts die Westwetterlage mit Sturmoptionen. Was zudem noch deutlich hervorgeht ist die enorme Dynamik der Wetterentwicklung in der letzten Oktober-Dekade.

Die gestörte Zirkulation oder die Instandsetzung der Westwetterlage?
Wetterprognose nach Kontrollläufen: Die gestörte Zirkulation (li.) oder die Instandsetzung der Westwetterlage (re.)
© www.meteociel.fr

Die wahrscheinliche Entwicklung ist wenig spektakulär

Die Wetterentwicklungen neigen über Mitteleuropa selten zu extremen, kommen aber vor. Nach dem Mittelwert der Kontrollläufe ist vom 10. bis 17. Oktober von einer im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert zu kalten Temperaturentwicklung auszugehen. Wie kalt? Im Schnitt kann die Abweichung zwischen -2 bis -4 Grad betragen. Nachfolgend steigt das Temperaturniveau in den normalen und mit Beginn der letzten Oktober-Dekade in den zu warmen Bereich an.

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur-Spektrum Temperatur-Mittelwert
16. Oktober +4 bis
+15 Grad
+7 Grad bis
+11 Grad
20. Oktober +7 bis
+16 Grad
+11 bis
+13 Grad
25. Oktober +6 bis
+22 Grad
+11 bis
+13 Grad
Diagramm Temperaturen Oktober 2020
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Oktober 2020 von zu kalt, normal, zu warm

Chancen auf den Frühwinter?

In der gestrigen Wetterprognose sind wir näher auf den negativen NAO- und AO-Index eingegangen. Heute möchten wir anhand der Druckanomalien einmal zeigen, wie knapp es in der kommenden Wetterentwicklung zugeht und welche Parameter eine Rolle spielen. Was man erkennt, ist eine bis zum 20. Oktober anhaltend gestörte Zirkulation, was mit der Trogausbildung über Mitteleuropa zu einer deutlich zu kalten zweiten Oktober-Dekade führen wird (die erste Oktober-Dekade war im Übrigen um +3 Grad zu warm).

Entscheidend ist nun das Konstrukt des Azorenhochs im Verhältnis zum Kontinentalhoch. Wer weicht, wer strebt nach Norden und wie richtet sich das Hoch im Polarwirbel aus? All das sind im Moment noch Unbekannte, doch in der Schlussfolgerung ist nicht so schnell mit einer Westwetterlage zu rechnen. Vielmehr ist es so, dass dem meridional verlaufendem Muster eine höhere Bedeutung zukommt, was frühwinterliche Wetterereignisse - zum aktuellen Stand - in der letzten Oktober-Dekade nicht ausschließen lässt.

Die gestörte Zirkulation behauptet sich in der zweiten Oktober-Dekade
Die gestörte Zirkulation behauptet sich in der zweiten Oktober-Dekade © climatereanalyzer.org

Niederschlagsprognose: Wenig

Das die Regenprognosen der Vorhersage-Modelle zu optimistisch sind, haben wir in den letzten Tagen immer wieder erläutert. Heute kommt nun die Bestätigung. Im Mittel sind Niederschlagssummen von 0 bis 10 l/m² und mancherorts bis 20 l/m² zu erwarten. Auf die Fläche gerechnet kann demnach die zweite Oktober-Dekade - trotz Tiefdruckdominanz - zu trocken ausfallen. Aber auch hier sind die Würfel noch nicht gefallen und vieles hängt davon ab, wie sich das Tiefdrucksystem verhalten wird.

Die Position des Troges, sowie dessen Auflösung ist für die Niederschlagsprognose von entscheidender Bedeutung
Die Niederschlagsprognose des europäischen (li.) und des amerikanischen (re.) Wettermodells bis zum 20. Oktober: Die Position des Troges, sowie dessen Auflösung ist für die Niederschlagsprognose von entscheidender Bedeutung © windy.com

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Das Wetter-Jahr 2020 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1981-2010 in Grad Nieder­schlag
Januar 2020 +3,2 +3,8 +2,9 45 l/m² - zu trocken
Februar 2020 +5,3 +4,9 +4,3 125 l/m² - zu nass
März 2020 +5,4 +1,8 +1,0 50 l/m² - zu trocken
April 2020 +10,4 +3,0 +2,2 17 l/m² - zu trocken
Mai 2020 +11,9 -0,2 -1,1 40 l/m² - zu trocken
Juni 2020 +16,8 +1,4 +1,1 90 l/m² - etwas zu nass
Juli 2020 +17,7 +0,74 -0,3 53 l/m² - zu trocken
August 2020 +19,9 +3,4 +2,4 90 l/m² - etwas zu nass
September 2020 +14,8 +1,5 +1,3 50 l/m² - zu trocken
Oktober 2019 +10,9 +1,9 +1,7 80 l/m² - zu nass
November 2019 +5,2 +1,2 +0,8 60 l/m² - zu trocken
Dezember 2019 +3,7 +2,9 +2,5 60 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2020 +11,76 +2,28 +1,53 554 l/m² - zu trocken

Wetterfakten Winter

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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