Wetteraussichten: Ungewöhnlich warm und trocken, wann kommt Regen?

| M. Hoffmann
Wetterwechsel im April?

Hoher Luftdruck dominiert weiterhin das Wetter über Deutschland, doch innerhalb des Polarwirbels ergibt sich eine Veränderung, die zu einer Umstrukturierung der Großwetterlage führen kann.

Zunehmende Sonnenscheindauer. Verbreitet zeigt sich der Himmel heute wolkenverhangen und westlich einer Linie von Hamburg und Köln ist mit leichtem Niederschlag zu rechnen. Sonst bleibt es trocken. Am Freitag löst sich bei einem böigen Ostwind die Bewölkung weiter auf und ermöglicht insbesondere über dem Norden und Westen eine zunehmende Sonnenscheindauer, während über dem Süden ganz vereinzelt geringfügiger Regen niedergehen kann.

Viel Sonnenschein

Ab dem Wochenende dominiert ein Hochdrucksystem das Wetter über Deutschland. Örtliche Nebelfelder lösen sich rasch auf und mit einer maximal möglichen Sonnenscheindauer kann gerechnet werden. Der Wind kommt unangenehm böig aus östlichen Richtungen und führt in Bodennähe kühlere Luftmassen nach Deutschland. Über dem Süden und Osten ist in den klaren Nächten mit Frost zu rechnen. Am Tage erwärmen sich die Luftmassen auf +10 bis +15 Grad und über dem Westen sind bis +17 Grad möglich. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Ein Hoch dominiert weiterhin das Wetter über Deutschland
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Hoch dominiert weiterhin das Wetter über Deutschland © www.meteociel.fr

Das Wetter nach dem europäischen Wettermodell: Wetterumstellung

Das Hoch dominiert weiterhin das Wetter über Deutschland, daran gibt es keinen Zweifel und ist in den obenstehenden Wetterkarten unschwer erkennbar. Was man aber noch erkennen kann, ist die Verlagerung des Polarwirbels.

Das Zentrum des Polarwirbels verlagert sich

Ermöglicht hat die Hochdruckdominanz im März auch der Polarwirbel, der wie festgenagelt über Kanada seine Runden drehte und das Hoch auf der gegenüberliegenden Seite als Konterpart aufbaute. In Kombination der beiden Wettersysteme hat sich so die stabile Wetterlage ergeben, die nach der Wetterprognose der Europäer noch bis zum 25. März anhalten kann.

Der Polarwirbel verlagert seine Position weg von Kanada und erreicht zum 25. März die Barents- und Karasee. Und wer schon längere Zeit bei uns zu Gast ist, der weiß, dass diese Variante das Hoch nach Westen - raus auf den Atlantik - drücken kann.

Meridionale Großwetterlage mit Kaltlufteinbruch

Das Hoch kommt zum 26. März auf dem Atlantik an, blockiert die schwache atlantische Frontalzone und keilt zum 27. März weiter nach Norden aus. Da sich das Tiefdruckzentrum des Polarwirbels über der Barentssee befindet und sich Tiefdrucksysteme gegen und Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, werden in Kombination beider Wettersysteme die Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Süden geführt, die Ende März und Anfang April Deutschland, Österreich und die Schweiz erreichen können.

Erreichen die Temperaturen am 25. März +12 bis +16 Grad und örtlich bis +20 Grad, so sind am 27. März +4 bis +8 Grad und örtlich bis +10 Grad zu erwarten. Da es sich um Höhenkälte handelt, können Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer nicht ausgeschlossen werden.

Der Polarwirbel verlagert sich über die Barentssee und das Hoch auf den Atlantik. Was entsteht, ist eine meridionale Nord-Süd-Strömung
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Der Polarwirbel verlagert sich über die Barentssee und das Hoch auf den Atlantik. Was entsteht, ist eine meridionale Nord-Süd-Strömung © www.meteociel.fr

Die Wetterprognose nach dem amerikanischen Wettermodell: Ein Wetterwechsel, der keiner ist

Die Wetterprognose der Amerikaner stützt die Verlagerung des Polarwirbels in Richtung der Barentssee, doch gelingt die Umstrukturierung nicht vollständig und ein Teil des Wirbels verbleibt über Kanada. Das hat unmittelbare Konsequenzen auf das Hoch.

Hochdruckblock Europa mit omegaähnlicher Struktur

Was folgt ist das Worst-Case-Szenario für alle, die auf Regen hoffen und warten. Denn die Tiefdruckaktivität über Kanada führt kalte Luftmassen über Neufundland nach Süden auf den Atlantik und fördert so die Tiefdruckdynamik. So ergibt sich für das Hoch kein Spielraum, um sich nach Westen zu verlagern und verweilt bis zum 1. April über Europa.

Bedingt durch diesen Umstand trogt das Tief über der Barentssee weiter östlich nach Süden aus und stärkt die Position des Hochdrucksystems, was sich zwischen den beiden Tiefdruckzentren befindet. Im Ansatz handelt es sich um eine omegaähnliche Struktur (Ω), was die Hoffnungen auf Niederschlag bis April weiter dämpft.

Wetterwechsel im April?

Schaut man weiter in den April, so wird die atlantische Frontalzone zunehmend dynamischer, während der Trog über Russland sich nach Norden zurückzieht und über die Polarregion in Richtung Kanada strebt. Das Hoch über Mitteleuropa verlagert sich nach Osten, während die atlantische Frontalzone kräftiger wird.

Ab diesem Zeitpunkt gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder es ergibt sich zwischen der atlantische Frontalzone und dem Hoch eine ähnliche Pattsituation wie im März und Deutschland verweilt weiterhin im Einflussbereich des Hochdrucksystems, oder die atlantische Frontalzone setzt sich mit einer zonalen Grundströmung durch. Abwarten.

Der Versuch des Polarwirbels sich in Richtung Barents- und Karasee zu etablieren scheitert mittelfristig
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Der Versuch des Polarwirbels sich in Richtung Barents- und Karasee zu etablieren scheitert mittelfristig © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Kommt ein Wetterwechsel mit Regen?

Die Überschrift ist 48 Stunden alt und hat auch heute noch Gültigkeit. Der Polarwirbel verändert naturgemäß seine Struktur und ermöglicht so eine Veränderung der Großwetterlage mit unterschiedlichen Ausprägungen.

Fakt aber ist, dass sich das Hoch noch mindestens bis zum 25. März über Europa wird behaupten können. Darüber stimmen die Prognose-Modelle und auch die Kontrollläufe überein. Mit einem trockenen und frühlingshaft warmen Wettercharakter ist bis dahin zu rechnen. Nachfolgend nehmen die Unsicherheiten zu, wenngleich die kälteren Varianten in den Kontrollläufen die Ausnahmen abbilden. Das Temperaturspektrum bewegt sich in einem Bereich, der im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert von 1961 und 1990 um +2 bis +4 Grad zu warm ausfallen kann.

Kaum Regen

Die Niederschlagsprognose ist ernüchternd. Der März konnte bislang sein Niederschlagssoll erst zu rund 10 Prozent erfüllen können und ist damit weiterhin auf Rekordkurs. Bis zum 27. März ist nicht mit nennenswertem Niederschlag zu rechnen und auch darüber hinaus sind die Niederschlagssignale in den Kontrollläufen alles andere als nennenswert, haben aber Anfang April eine grundsätzlich positive Tendenz, was einen Wetterwechsel - zum aktuellen Stand - in den Bereich des Möglichen bringt.

Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner
Links die Regenprognose der Europäer und rechts die der Amerikaner bis zum 27. März © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
23. März +8 bis
+18 Grad
+13 bis
+15 Grad
26. März +5 bis
+18 Grad
+12 bis
+14 Grad
1. April +3 bis
+20 Grad
+11 bis
+13 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe April 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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