Im Verlauf des letzten Oktober-Drittels zeigen die Simulationen der Wettermodelle unterschiedliche Wetterentwicklungen auf. Das amerikanische Wettermodell baut langsam aber stetig den bis dahin dominierenden hohen Luftdruck über Skandinavien ab und lässt der atlantischen Frontalzone - erstmals seit Wochen - mehr Entwicklungsspielraum, um dessen Einflussbereich auf das Wetter über Mitteleuropa zu erweitern. Das europäische Wettermodell berechnet hingegen das Skandinavienhoch bis zum 27. Oktober in relativ stabiler Verfassung weiterhin an Ort und Stelle, was die atlantische Frontalzone im Bereich vor Westeuropa blockiert. Somit ergibt sich mit höherer Wahrscheinlichkeit ein relativ milder/warmer Temperaturverlauf im letzten Oktober-Drittel bei einer mäßigen Niederschlagserwartung, wobei die Niederschlagsentwicklung im Detail von der Hochdruckposition abhängen wird (Details s. Wetter Herbst Winter 2016/17).

Welche Entwicklungsvarianten ergeben sich daraus für das Wetter im November 2016? Bleibt das Hochdrucksystem über dem nördlichen Europa stabil, so ergeben sich drei unterschiedliche Varianten, welche allesamt von der Hochdruckposition abhängen. Weicht das Hoch nach Westen in Richtung Grönland/Island aus, wird es mit höherer Wahrscheinlichkeit Anfang November über Deutschland, Österreich und der Schweiz kühler und unbeständiger, da mit einer nördlichen Grundströmung frische Luftmassen herangeführt werden können. In der zweiten Variante verbleibt das Hochdrucksystem über dem skandinavischen Raum, was das relativ milde/warme Temperaturniveau bei einer schwachen bis mäßigen Niederschlagserwartung erhalten kann. Weicht das Hoch hingegen nach Osten aus, so können sich die Tiefdrucksysteme vor Mitteleuropa positionieren, was letztlich zu einer warmen Vorderseitenanströmung der Luftmassen führen kann.

Eine andere Entwicklungsmöglichkeit ergibt sich nach der Simulation des amerikanischen Wettermodells. Hierbei spielt das Hochdrucksystem Anfang November über Skandinavien kaum mehr eine Rolle und verlagert seine Position über das östliche Mittelmeer, so dass das östliche Europa von dem Hochdrucksystem mit beeinflusst werden kann. Gleichzeitig liegen im Bereich zwischen Island/England relativ kräftige Tiefdrucksysteme, welche die Vorherrschaft über das Wetter Mitteleuropa erlangen möchten - allerdings blockiert das Hochdrucksystem die Tiefdruckgebiete, so dass diese nach Nordosten in Richtung Skandinavien abgelenkt werden. Im Ergebnis daraus stellt sich über Deutschland, Österreich und der Schweiz eine relativ milde und leicht unbeständige Südwestwetterlage ein.

Mit anderen Worten ist zum heutigen Stand ein Wintereinbruch Anfang November 2016 weniger wahrscheinlich. Deutlicher zeigt sich das anhand des Temperaturspektrums mit einem Mittelwert am 1. November von rund +10 Grad, was durchaus dem Jahreszeit-typischen Wert entspricht. Die Verhältnisse der Kontrollläufe von zu kalt (<+7) / normal (+8/+14) / zu warm (>+15), liegen am 28. Oktober bei 30/55/15 und am 1. November bei 35/55/10 und Varianten, welche zu einem Verfrühten Wintereinbruch führen könnten, liegen Anfang November bei knapp 10 Prozent. Nun zeigen die Kontrollläufe ein eher gegenteiliges Bild gegenüber den oben aufgeführten - meist zu milden bis zu warmen Varianten - woran liegt das? Auch hier ist wieder die Hochdruckposition entscheidend. Je größer der Einfluss auf das Wetter, desto höher die Wahrscheinlichkeit von länger andauerndem Nebel. Hält sich der Nebel tagsüber länger, so bleibt es in tieferen Lagen kühler, als über den sonnigen Hochlagen.

Das Langfristmodell berechnet in seiner Wetterprognose November 2016 mit einer Temperaturabweichung von -0,5/+0,5 Grad einen gegenüber dem langjährigen Mittelwert normalen Temperaturverlauf und auch der Niederschlagstrend weist gegenüber seinem Sollwert kaum Auffälligkeiten auf.

Betrachtet man den Zustand des Polarwirbels, so weist dieser mit einem negativen AO-Index einen weniger stabilen Zustand Anfang November aus, was auch mit der unsicheren Hochdruckentwicklung zusammenhängen mag. Der sog. NAO-Index (stark vereinfacht - positiv: Tief Island, Hoch Azoren, negativ: Tief Azoren, Hoch Island) hat Anfang November eine neutrale Entwicklung mit der Tendenz leicht negativ auszufallen. Somit ist letztlich eine kühle Witterungsphase Anfang November - zumindest zum heutigen Stand - nicht auszuschließen. Warum? Ein instabiler Polarwirbel neigt zu größeren Schwankungen entlang seiner Polarfront. Liegt das nördlich gelegene Hochdrucksystem nun an einer günstigen Stelle, so ist die Zufuhr kalter Luftmassen aus nördlichen Richtungen möglich.

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