Wettertrend Winter: Was ist vom Spätwinter noch zu erwarten?

Eine winterliche Impression vom Februar 2021

Viele Fragen erreichen uns derzeit, ob denn in diesem Winter noch mit Schneefall bis auf tiefere Lagen zu rechnen ist? Wir sind der Frage einmal nachgegangen und gleich vorweg - zu hoch sollte man seine Ansprüche an diesen Winter nicht mehr stellen.

Erheblich zu warm. Kurz vor dem Eintreffen der zweiten Sturmfront können die Temperaturen über dem Südwesten örtlich auf bis +18 Grad ansteigen. Im eigentlichen Sinne aber befindet man sich mit dem 18. Februar noch im ausklingenden Hochwinter - eigentlich deshalb, da es in diesem Winter kaum winterliche Wettererscheinungen gab.

Zu warm, zu warm und nochmals zu warm

Die Klimaerhitzung schreitet voran und hat in dieser Wintersaison selbst über den mittleren Lagen den Schnee verhindern können. Aktuell ist der Winter im Vergleich zu 1961 und 1990 um satte +2,8 Grad zu warm (91/20: +1,6 Grad). Zudem war der Dezember um +1,8 Grad (91/20: +0,8), der Januar um +3,3 Grad (91/20: +1,9 Grad) und der Februar bislang um beachtliche +4 Grad (91/20: +2,9 Grad) zu warm. Der sonst noch so milde Dezember hatte in diesem Winter die geringste Abweichung vom Klimamittelwert vorzuweisen.

Kommt noch was vom Winter?

In den kommenden Tagen tobt erst einmal die atlantische Frontalzone und nach der aktuellen Wetterprognose wird das noch bis zum 25. Februar der Fall sein.

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In schöner Regelmäßigkeit ziehen die Tiefdrucksysteme vom West nach Ost und sorgen neben zeitweiligen Niederschlägen. Der Wind frischt stark böig bis stürmisch auf und kann phasenweise zu schweren Sturmböen und am Freitag auch zu orkanartigen Winden führen.

Da bleibt wenig Platz für den Winter. Die Temperaturen pendeln sich auf die üblichen +4 bis +8 Grad ein, die gefühlt den gesamten Winter über vertreten waren. Vom Herbst in den Vollherbst in den Frühling - der Winter wurde einfach übersprungen. Zum Vollherbst passt im Übrigen auch hervorragend das aktuell stürmische und abwechslungsreiche Wetter.

Für den Winter vorerst wenig Spielraum
Wetterprognose des europäischen (li.) und amerikanischen Prognosemodells (re.): Für den Winter vorerst wenig Spielraum © www.meteociel.fr

Instabil werdender Polarwirbel

Die Grundlage für die aktive Westwetterlage ist im Moment ein nicht enden wollender Kaltluftzustrom in Richtung Kanada, der über Neufundland nach Süden ausströmt und dort die atlantische Frontalzone anheizt. Initialisiert wird dieser Kaltluftzustrom von einer Hochdruckzone, die sich zwischen Sibirien und Alaska erstreckt.

Schaut man sich nun die beiden obenstehenden Wetterkarten an, so verlagert sich die Tiefdruckaktivität weiter von Skandinavien in Richtung der Barentssee und dehnt sich bis über die Karasee und Sibirien weiter aus. Damit wird die Hochdruckzone in Richtung Alaska unterbunden und es ergibt sich innerhalb des Polarwirbels eine neue Strömungskultur.

Der Spätwinter

Sollte sich jetzt das Hoch auf dem Atlantik nach Norden aufwölben können, so wird die Zonalisierung blockiert und mit dem Hoch wird eine meridionale Grundströmung initialisiert. Wenn alles passt, gelangen Deutschland, Österreich und die Schweiz doch noch in eine Nord-Süd-Strömung, was letztlich den Spätwinter zur Folge haben kann.

So kann es mit dem Spätwinter noch was werden
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: So kann es mit dem Spätwinter noch was werden © www.meteociel.fr

Wie wahrscheinlich ist ein Spätwinter?

Die Vorgeschichte des Winters ist bekannt und die Zonalisierung vertreibt sämtlich kalte Luftmassen aus Europa. Zudem befindet sich die schon spärliche Schneedecke weiter auf dem Rückzug (Schneehöhen). Schnell wird klar, dass selbst unter optimalen Bedingen der Spätwinter ein schweres Spiel haben wird.

Ein instabiler Polarwirbel lässt sich mit dem AO-Index Wert erkennen. Ist dieser positiv besetzt, ist der Polarwirbel - vereinfacht ausgedrückt - in einem guten Zustand. Ein negativer AO-Index bedeutet, dass der Polarwirbel Probleme mit seiner Stabilität hat. Zum aktuellen Stand wird der AO-Index bis Anfang März deutlich positiv bewertet und sinkt nachfolgend - relativ zügig - in den neutralen Bereich ab. Wenn man so möchte, ist da was im Busch. Ein völlig instabiler Polarwirbel, der zu einem Splitverhalten neigt, ist daraus aber nicht abzuleiten.

Der zweite Indikator ist der NAO-Index. Ist dieser positiv besetzt, ist von einer westliche dominierten Grundströmung auszugehen (Islandtief). Der negative Zustand hätte ein Islandhoch zur Folge, das wiederum die atlantische Frontalzone blockiert. Damit ein meridionalen Strömungsmuster vorherrscht, bei dem der Winter eine Chance bekommt, sollte der NAO-Index negativ besetzt sein. Zum aktuellen Stand bleibt der NAO-Index bis in den März hinein positiv besetzt.

Auf den Punkt gebracht: Auch der Spätwinter hat so seine Probleme

Nein, da passt einfach nichts zusammen. Schaut man sich den Stratosphärenwirbel an, so zeichnet sich zum 26. Februar ein kräftiges Minor-Warming ab, dass das Zeug für ein Major-Warming hat. Das aber wurde dann frühestens Anfang März oder zum 5. März Auswirkungen auf die unteren Schichten des Polarwirbels haben. Und das macht noch einmal eines deutlich - der Polarwirbel wird in der ersten März-Dekade zu einem instabilen Verhalten neigen, was aber absolut typisch ist und über Deutschland häufiger zu nasskalten Wetterlagen mit winterlichen Wettererscheinungen führt. Mit Winter hat das dann eigentlich nichts mehr gemeinsam.

Die Kontrollläufe stützen eine insgesamt unwinterliche Wetterentwicklung. Das Temperaturniveau in 1.400 Meter Höhe schwankt im März zwischen +3 bis -1 Grad. Damit ein Flachlandwinter möglich wird, werden in der Höhe -8 bis -10 Grad benötigt. Das zeigt, wie weit der aktuelle Wettertrend von einer spätwinterlichen Wetterlage entfernt ist.

So schade das für die Freunde des Winterwetters ist, aber so ist es nun einmal.

Links das westlich geprägte Strömungsmuster nach dem Mittelwert aller Kontrollläufen und rechts das sich im Ansatz befindliche Major-Warming in Stratosphärenhöhe
Links das westlich geprägte Strömungsmuster nach dem Mittelwert aller Kontrollläufen und rechts das im Ansatz befindliche Major-Warming in Stratosphärenhöhe
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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2021 +18,6 +3,6 +2,6 94 l/m² - etwas zu nass
Juli 2021 +18,4 +1,4 +0,0 103 l/m² - zu nass
August 2021 +16,5 -0,06 -1,4 102 l/m² - zu nass
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +6,9 +2,3 +1,0 254,7 l/m² - zu trocken
Temperaturabweichung Deutschland 24 Monate - Klimadiagramm

Statistische Wetterwerte für Winter

Der typisch deutsche Winter ist gemäßigt. Seltener sind Extremwetterereignisse zu erwarten. Vielmehr überwiegt von November bis Februar ein nasskalter Wettercharakter, welcher zwischendurch immer wieder von Frost und Schnee unterbrochen werden kann. In Folge des Klimawandels verschiebt sich aber die Schneefallgrenze auf die mittleren Lagen, was die ohnehin schon geringen Chancen für einen Flachlandwinter noch weniger wahrscheinlich macht.

  • Der erste Schnee kommt häufig mit Schneeschauer schon Ende Oktober, was aber noch kein Wintereinbruch ist.
  • Den ersten Anflug von Winterwetter gibt es sehr häufig im Zeitraum zwischen dem 8. und 14. November
  • Ende November wird es wieder wärmer
  • Vom 1.-10. Dezember bleibt das Wetter mit höherer Wahrscheinlichkeit warm
  • Im zweiten Dezember-Drittel folgt Winterwetter - sehr häufig bis Weihnachten
  • Kurz vor Weihnachten folgt mit einer Wahrscheinlichkeit von 78% das Weihnachtstauwetter, welches bis Jahresende anhalten kann
  • Zwischen dem 13. und 24. Januar ist Aufgrund von Kontinentalhochdruck der Hochwinter häufiger möglich
  • Zweite Kältewelle folgt häufig zwischen dem 16. und 25. Februar nach, anschließend wärmeres Wetter
  • Der Februar ist zudem einer der schneereichsten Monate im Winter.
  • Im März klingt dann der Winter aus. Wenn sich aber der Hochwinter Mitte Januar festigen und behaupten kann, steigt die Wahrscheinlichkeit für den sog. Märzwinter an

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