Der Winter hält über dem Süden ein kurzes Gastspiel, bevor das nächste Sturmtief am Wochenende wieder für Tauwetter und unwetterartige Wetterereignisse sorgen kann. Bliebt das Auf und Ab im Winter bestehen?

Ein Hoch über dem Westen und ein auslaufendes Sturmtief über dem östlichen Europa sorgen in den kommenden Stunden für winterliche Wetterverhältnisse über dem Süden von Deutschland. Bis auf tiefere Lagen herab ist mit der Ausbildung einer Schneedecke zu rechnen und entlang der Alpen ist mit weiteren - kräftigen - Schneefällen zu rechnen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose für das Wetter Januar 2019 und der Schneeprognose.

Zum Wochenende positioniert sich über Skandinavien ein beeindruckender Tiefdruckwirbel und wird dort mit aller Wucht wüten. Deutschland bekommt die Ausläufer des Orkantiefs zu spüren, was insbesondere am Sonntag über den exponierten Lagen und entlang der Küstenregionen zu orkanartigen Winden führen kann. Der Wind führt etwas mildere Luftmassen nach Deutschland, was für Tauwetter bis in die höheren mittleren Lagen sorgt.

Unwetterartige Wetterereignisse sind zu erwarten
Unwetterartige Wetterereignisse sind zu erwarten

Wetterprognose amerikanisches Vorhersage-Modell: Für Winterwetter fehlt nicht viel

Das Auf und Ab bleibt in der Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells erhalten. Zwischen Neufundland, Island und Skandinavien baut sich eine aktiv-dynamische Tiefdruckrinne auf und sorgt im Zeitraum vom 14. bis 16. Januar für einen weiterhin unbeständigen windigen und überwiegend nasskalten Wettercharakter. Die Niederschläge können zwischendurch bis in tiefere Lagen in Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer übergehen und ab den mittleren Lagen ist auch mit der Ausbildung einer Schneedecke zu rechnen, doch wirklich winterlich ist diese Wetterlage - vorerst - nicht.

Die Tiefdruckrinne verläuft zu weit nördlich

Dabei fehlt für winterliche Witterungsbedingungen nicht viel. Würden sich die Tiefdrucksysteme 1.000 Kilometer weiter südlich bewegen, so wäre mit Schneefall bis in tiefere Lagen zu rechnen und diese Differenz ist gerade bei solch einer Wetterentwicklung nicht viel. Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen sozusagen zwischen den Fronten.

Veränderungen kündigen sich an

Ab dem 16. Januar zeigt sich ein zaghafte Veränderung in der Wetterprognose des amerikanischen Vorhersage-Modells. Ein Hochdruckkeil bildet sich vom 16. bis 18. Januar von den Azoren bis nach Skandinavien aus und unterbindet die Tiefdruckrinne. Gelingt es dem Hoch diesen Zustand dauerhaft zu bewahren, wird der Wettercharakter zunehmend winterlich werden. Kippt das Hoch aber nach Osten weg, übernimmt die atlantische Frontalzone wieder das Zepter. Es bleibt also dabei - der Zeitraum um den 16. Januar kann Richtungweisend für den Winter sein.

Setzt sich das hoch durch, kommt der Winter. Kippt es weg, kommt die Zonalisierung
Berechnung Großwetterlage des amerikanischen Vorhersage-Modells: Setzt sich das hoch durch, kommt der Winter. Kippt es weg, kommt die Zonalisierung © www.meteociel.fr

Wettervorhersage nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Das Polarhoch entscheidet

Die Wettervorhersagen des europäischen Vorhersage-Modells bleiben im Zeitraum vom 12. bis 18. Januar weitgehend nasskalt orientiert. Immer wieder ist mit Niederschlägen zu rechnen, welche am 15. und 18. Januar teils bis in tiefere Lagen als Schnee-, Schneeregen-, oder Graupelschauer niedergehen können. Doch richtig winterlich ist das alles nicht.

Was den Winter in Deutschland bisweilen verhindert ist das Polarhoch, welches in den Berechnungen des europäischen Wettermodells gut zur Erklärung ist. Die Hochdruckachse verläuft zwischen Sibirien und Alaska. Da sich Hochdrucksysteme im Uhrzeigersinn drehen, wird der aktive Teil des Polarwirbels bei Kanada befeuert und unentwegt gelangen kalte Luftmassen über dem östlichen Kanada bis nach Neufundland. Solange sich daran nichts ändert, ändert sich auch nichts über Mitteleuropa.

Das entscheidende Kriterium also ist der Einfluss, welcher das Polarhoch zu einem anderen Achsverlauf zwingt. Am 16. Januar erkennt man das aufstrebende Hoch in Richtung Island, doch der Versuch ist - zum aktuellen Stand - zu zaghaft um wirklich für Veränderungen zu sorgen.

Die Achse des Polarhochs verhindert bisweilen Winterwetter bis in tiefere Lagen herab
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Die Achse des Polarhochs verhindert bisweilen Winterwetter bis in tiefere Lagen herab © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Ein zu kalter Temperaturtrend

Der Zeitraum vom 9. bis 11. Januar ist gegenüber dem langjährigen Mittelwert um 2 bis 3 Grad zu kalt. Anschließend steigen die Werte an und bleiben bis zum 14. Januar etwa um 1 bis 3 Grad zu warm. Ab dem 15. Januar zeigt sich eine negative Temperaturentwicklung, was den Wettertrend der letzten Tage bestätigt.

Winterlich ab den mittleren Lagen

Geht man nur vom Mittelwert der Kontrollläufe aus, so sinken die Temperaturen in 1.400 Meter ab dem 16. Januar unter die -5 Grad Marke ab, was für Schneefall und die Ausbildung einer Schneedecke bis auf mittlere Lagen herab ausreichend sein sollte. Im Verlauf der letzten Januar-Dekade sinkt der Mittelwert auf unter -7 Grad ab, was auch in tieferen Lagen für winterliche Wetterverhältnisse sorgen kann. Der Mittelwert ist ab dem 15. Januar gegenüber dem langjährigen Mittelwert etwa um 1 bis 3 Grad zu kalt.

Viel Niederschlag

Die Kontrollläufe bestätigen zudem eine deutlich erhöhte Niederschlagsneigung vom 11. bis 24. Januar, was über den höheren Lagen für weitere - teils erhebliche - Neuschneemengen sorgen könnte. Simuliert werden in den kommenden 10 Tagen über den Alpen 80 bis 140 cm Neuschnee.

Diagramm Temperaturen Januar 2019 vom 09.01.2019
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Januar 2019 von zu kalt, normal, zu warm

Major-Warming - Der stratosphärische Wirbel erholt sich vorerst nicht

Die Windumkehr in Stratosphärenhöhe steht mit -65 km/h am 10. und 11. Januar kurz vor dem zweiten Tiefpunkt. Darüber hinaus schwächt sich die Windumkehr im Mittel auf -28 km/h ab, bleibt aber bis auf weiteres negativ ausgerichtet. Somit kommt es oberhalb der Troposphäre zu einer gegenteiligen Windrichtung, welche in den oberen Luftschichten bereits zu einem Polarwirbelsplit geführt hat. Es ist davon auszugehen, dass davon auch die unteren Luftschichten und damit der Polarwirbel selbst beeinflusst wird.

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Der Höhenwirbel teilt sich

Daran hat sich nichts verändert. In der Höhe von rund 36 km teilt sich der Wirbel in Form eines Hochdruckeinschubes von den Aleuten bis nach Island. Diese Hochdruckachse verläuft somit um 90 Grad versetzt zu der in den unteren Luftschichten. Über Kanada und Sibirien verlagern sich die Tiefdruckzentren. Nun versteht man auch, warum diese Auswirkungen den Winter nachhaltig beeinflussen könnten.

Die Betonung liegt auf könnte. Tatsächlich muss derzeit einfach abgewartet werden, wie sich das auf den Polarwirbel auswirkt. Möglich ist auch, dass nichts passiert, bzw. die Hochdruckachse zwischen Sibirien und Kanada weiterhin gestützt wird. Die Kontrollläufe berechnen in einigen Varianten, was passieren kann, wenn sich die Auswirkungen auf die unteren Luftschichten bemerkbar machen.

Splitverhalten des Polarwirbels
Berechnung Großwetterlage des europäischen Vorhersage-Modells: Splitverhalten des Polarwirbels © www.meteociel.fr

Winterliche Thesen

Schaut man sich die Druckanomalie der kommenden 10 Tage an, so erkennt man die für den Winter ungünstige Hochdruckachse. Wendet man aber den Höhenwirbel auf die unteren Luftschichten an, so sollten sich die zwei Tiefdruckcluster verlagern. Das eine mehr in Richtung östliches Sibirien, das andere mehr in Richtung Kanada. Sollte das eintreten, so wäre die oben gezeigte Karte des Kontrolllaufs plausibel.

Druckanomalie bis 19. Januar
Druckanomalie bis 19. Januar - These: wie es mit dem Winter klappen kann © climatereanalyzer.org

Was sich im Tagesverlauf alles verändert hat, erläutern wir heute Abend gegen 20:00 Uhr an dieser Stelle in einer kurzen Aktualisierung der Winterprognose.

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Update der Wetterprognose von 20:06 Uhr
Das amerikanische Vorhersage-Modell blieb seiner Linie heute Nachmittag und auch heute Abend treu. Im Zeitraum vom 12. bis 15. Januar ist mit einer aktiv-dynamischen, windigen und unbeständigen Nordwestwetterlage zu rechnen.

Ab dem 16. Januar beginnt das Strömungsmuster zu kippen und meridionalisiert zunehmend, was ab dem 18. Januar bis auf mittlere Lagen und ab dem 22. Januar auch in tieferen Lagen für winterliche Wetterverhältnisse sorgen kann.

Ein zunehmend meridionales Grundmuster kann für winterliche Wetterverhältnisse sorgen
Berechnung der Großwetterlage nach dem amerikanischen Prognose-Modell: Ein zunehmend meridionales Strömungsmuster kann für winterliche Wetterverhältnisse sorgen © www.meteociel.fr


Das europäische Vorhersage-Modell: Nasskaltes Winterwetter
Die Berechnungen des europäischen Vorhersage-Modells bleiben mit einer nordwestlichen Grundströmung nasskalt orientiert. Weder das Hoch, noch die Tiefdrucksysteme können im Zeitraum vom 12. bis 18. Januar einen entscheidenden Impuls setzen. Das Temperaturspektrum pendelt sich zwischen +0 bis +6 Grad ein und phasenweise ist ab den mittleren Lagen mit Schneefällen und der Ausbreitung einer Schneedecke zu rechnen. Winterlich bleibt es ab den höheren mittleren Lagen.

Nasskaltes Winterwetter aus nordwestlichen Richtungen
Berechnung der Großwetterlage nach dem europäischen Prognose-Modell: Nasskaltes Winterwetter aus nordwestlichen Richtungen © www.meteociel.fr


Polarwirbelsplit wird zunehmend wahrscheinlicher - doch Vorsicht mit der Winterwundertüte!
Der Zeitraum zwischen dem 15./16. Januar bleibt heute Abend ein entscheidender Zeitraum für den weiteren Verlauf des Winters. Die Kontrollläufe berechnen mehrheitlich einen Polarwirbelsplit, bzw. einen entsprechenden Ansatz dazu. Eine sehr auffällige Variante ist die von heute Nachmittag (Wetterkarte weiter oben). Die zweite Variante ist die Hochdruckbrücke zwischen Sibirien und Alaska. Zwar gibt es bei dieser Formation verschiedene Ausprägungen, doch ist eine erhöhte Wetteraktivität auf dem Atlantik mit milden, windigen und abwechslungsreichen Wetter über Deutschland wahrscheinlicher als bei anderen Varianten. Deutschland steht quasi zwischen den Stühlen.

Eine für den Winter ungünstig verlaufende Hochdruckachse ist möglich
Berechnung der Großwetterlage nach Kontrolllauf: Eine für den Winter ungünstig verlaufende Hochdruckachse ist möglich © www.meteociel.fr


Die Kontrollläufe mit winterlichen Aussichten teils bis in tiefere Lagen
Es ist momentan ein Hin und Her, da ein paar wenige Grad Unterschied zwischen Winter bis in tiefere und den mittleren Lagen entscheiden können. Heute Abend sind die Kontrollläufe einen Tick kälter geworden, was die Temperaturen in ca. 1.400 Meter ab dem 17. Januar unterhalb der -5 Grad Marke zwischen -5 bis -8 Grad pendeln lässt. Ab Höhentemperaturen von -7 Grad ist auch in tieferen Lagen mit Dauerfrost und Schneefall zu rechnen. Für richtiges Winterwetter fehlt nicht mehr viel und die Kontrollläufen bestätigen zudem eine mäßig hohe Niederschlagsentwicklung. Anders formuliert: zwischen nasskalt und Vollwinter. Milde oder zu warme Varianten haben nach dem 14. Januar kaum eine Relevanz.

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