Wettertrend: Polarwirbel in Unruhe - Markanter Wetterwechsel mit Kaltlufteinbruch?

| M. Hoffmann
Schnee- und Graupelschauer im April?

Ein Hochdrucksystem sorgt aktuell für viel Sonnenschein und trockenes Wetter. Was für die einen ein Genuss ist, ist für andere ein banges Warten auf Regen. Wann kommt der Wetterumschwung mit Regen?

Sonnenschein. Die letzten Reste eines stark abgeschwächten Kaltlufttropfens trüben mit ein paar Wolkenfelder den Sonnenschein in den kommenden Stunden noch etwas ein, doch ist nur vereinzelt mit etwas Niederschlag zu rechnen. Auffälliger hingegen ist der Wind, der einem kräftig und unangenehm böig ins Gesicht bläst.

Frühling

Die Wolken ziehen am Sonntag über dem Westen nach Norden ab- und nachfolgend setzt sich mit uneingeschränkter Dominanz ein Hochdrucksystem über Deutschland durch und das sonnige und trockene Wetter geht in die Verlängerung. In den klaren Nächten ist über den südlichen und östlichen Landesteilen leichter Nachtfrost möglich. Regional können sich insbesondere über Talsenken, sowie über Fluss- und Seeniederungen Nebelfelder ausbilden, die mancherorts die Vormittagsstunden überdauern und sich erst am Nachmittag auflösen können. Die Temperaturen erreichen heute +8 bis +12 Grad und steigen in den kommenden Tagen auf +14 bis +18 Grad ab. Ab der Wochenmitte ist das lokale Erreichen der +20 Grad-Marke nicht auszuschließen. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Ein Hoch sorgt über Deutschland für viel Sonnenschein und trockenes Wetter
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Hoch sorgt über Deutschland für viel Sonnenschein und trockenes Wetter © www.meteociel.fr

Polarwirbel in Unruhe

Die Überschrift ist 48 Stunden alt und hat heute weiterhin Bestand, was vor allem am Verhalten des Polarwirbels liegt, der zum Ende des Monats wohl keine gute Figur mehr macht.

Major-Warming in Stratosphärenhöhe

Das Phänomen des Major-Warmings in Stratosphärenhöhe hatten wir am 16. März einmal näher besprochen. Das Ergebnis daraus war, dass die Vorhersage-Modelle in den darauffolgenden Tagen mit kräftigen Schwankungen auf dieses Ereignis reagieren können. Das scheint heute nun der Fall sein.

Bestandsaufnahme

Ein Minor-Warming geht aktuell in ein Major-Warming über, das am 22. März seinen voraussichtlichen Höhepunkt erreicht. Nachfolgend gelingt es dem Höhenwirbel nicht mehr, sich zu stabilisieren, was ein erstes Indiz auf ein Final-Warming ist. Das aber ist typisch für den April und nichts Außergewöhnliches.

Die Windgeschwindigkeiten in Stratosphärenhöhe betragen aktuell noch +36 km/h und sacken zum 20. März mit -5 km/h den negativen Bereich ab. Ab diesem Moment beginnen sich in Stratosphärenhöhe die Winde von West-Ost auf Ost-West zu drehen. Das Minimum wird für den 23. März mit -36 km/h berechnet. Nachfolgend pendeln sich die Windgeschwindigkeiten auf -15 km/h ein, was die These des Final-Warmings stützt.

Ein Major-Warming geht in ein Final-Warming über
Wetterprognose des Stratosphärenwirbels: Ein Major-Warming geht in ein Final-Warming über © www.meteociel.fr

Die Folgen eines Major-Warmings

Mit der dem Durchschreiten des negativen Bereichs drehen sich die Winde in Stratosphärenhöhe in die entgegengesetzte Richtung, wie es der Polarwirbel in den unteren Luftschichten macht. Was entsteht, ist eine sog. negative Beschleunigung. Wenn man so will, bekommt der Polarwirbel von oben eines auf den Deckel. Diese Bremswirkung aber hat unmittelbare Auswirkung auf die Stabilität des Polarwirbels.

Das winterliche Finale

Der Polarwirbel beginnt zunächst zu schwanken, dann zu wanken und am Ende kommt entweder ein Polarwirbelsplit oder ein Displacement des Polarwirbels heraus. Am Ende des Winters aber - bei der sich der winterliche Polarwirbel ohnehin in der Auflösungsphase befindet - ist ein Displacement zunächst einmal sekundär. Wahrscheinlicher sind zunehmende Turbulenzen innerhalb des Polarwirbels, die - im Moment - von den Prognose-Modellen noch nicht in vollen Umfang erfasst werden können. Insofern ist auch in den kommenden Tagen mit teils abenteuerlichen Simulationen zu rechnen.

Wir haben die extremeren Varianten in den Kontrollläufen herausgesucht und gegenübergestellt, um die Unterschiede einmal zu verdeutlichen.

Der Polarwirbel in einem desolaten Zustand
Wetterprognose nach ausgesuchten Kontrollläufen: der Polarwirbel in einem desolaten Zustand © www.meteociel.fr

Kaltlufteinbruch im April?

Das bleibt abzuwarten, doch in den letzten Tagen deutet sich in den Prognose-Modellen immer wieder ein Vorgang an, der zu einem Kaltlufteinbruch führen kann. Das Hoch über Deutschland verlagert sich raus auf den Atlantik, agiert gegenüber der atlantische Frontalzone als Blockadehoch und stößt zum April in den Polarwirbel hinein vor.

Schnee- und Graupelschauer

Infolge daraus entsteht ein meridional verlaufendes Strömungsmuster, mithilfe dessen kalte Luftmassen aus nördlichen Richtungen nach Süden geführt werden können. Was im Winter zu einem Wintereinbruch führt, ist Ende März und April eher mit dem klassischen Aprilwetter gleichzusetzen. Die kalten Luftmassen in der Höhe kühlen die Temperaturen am Boden auf +0 bis +5 Grad in den nasskalten Bereich ab. Die Höhenkälte hat noch eine andere Eigenschaft, sie destabilisiert die Luftschichten und so sind zahlreiche Schauer möglich, die bis auf tiefere Lagen herab als Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer niedergehen können. Sind die Turbulenzen entsprechend hoch, so können auf kurze Gewitter möglich sein.

Dass an dieser These etwas dran ist, zeigt sich in den heutigen Prognosen beider Vorhersage-Modelle. Die Wetterprognose der Europäer berechnet die Verlagerung des Hochdrucksystems auf den Atlantik zum 26. März und keilt bis zum 29. März über Grönland vollständig in den Polarwirbel hinein auf. Bis Anfang April wird auf diese Art und Weise ein meridionales Strömungsmuster entstehen können, was zum typischen Aprilwetter führen kann.

Das Hoch weicht nach Westen aus und strebt in den Polarwirbel hinein, was Anfang April ein meridional verlaufendes Strömungsmuster initialisiert
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Das Hoch weicht nach Westen aus und strebt in den Polarwirbel hinein, was Anfang April ein meridional verlaufendes Strömungsmuster initialisiert © www.meteociel.fr

Markanter Wetterumschwung

Die Wetterprognose der Amerikaner geht einen Schritt weiter und berechnet das Hoch auf dem Atlantik kräftiger und kompakter. Zeitgleich ist der Wirbel über der Barentssee kräftiger strukturiert, was den Zustrom kalter Luftmassen polaren Ursprungs beschleunigt und zudem intensiver macht. Bei Tageswerten von +0 bis +5 Grad wäre demnach schon Ende März mit kräftigen Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer zu rechnen.

Mehr Niederschlag in der Normalisierungsphase

Ein instabiler Polarwirbel kann im April den Kaltluftzustrom nicht mehr für einen längeren Zeitraum aufrechterhalten und angesichts dessen sind diese Kaltluftvorstöße im April meist von kurzer Dauer. Die Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells zeigt sehr eindrücklich, wie schnell das Hoch nach Osten abkippt und den Trog nach Osten wegdrückt. Nachfolgend stabilisiert sich der Polarwirbel nochmals über Kanada und bringt das Hoch zunehmend in die Defensive, was letztlich die Wetterlage nachhaltig verändert und im Verlauf der ersten April-Dekade zu einer wechselhaften und mehr westlich dominierten Wetterlage führen kann. Auch wird der Niederschlag wieder vermehrt eine Rolle spielen können.

Typisches Aprilwetter
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Typisches Aprilwetter © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Wie wahrscheinlich ist ein Kaltlufteinbruch im April?

Ein Indiz für ein Blockadehoch auf dem Atlantik ist ein negativer NAO-Index. Zum aktuellen Stand wird dieser mehrheitlich im neutralen Bereich berechnet und hat einige Ausschläge in die negative Richtung. Eine eindeutige und absolute Ableitung für einen Kaltluftausbruch lässt sich nicht machen. Vielmehr ist es eine Option, die sich auch in den Kontrollläufen widerspiegelt.

Generell gilt es, das Major-Warming in Stratosphärenhöhe abzuwarten und eintreten zu lassen. Rund vier bis sieben Tage später wird man im Details sehen können, wohin dieses Phänomen führen wird. Die Kontrollläufe stützen eine im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert bis zum 30. März um +2 bis +4 Grad zu hohe Temperaturentwicklung. Anfang April normalisiert sich das Temperaturniveau. Deutlich tritt dabei der Hauptlauf der Amerikaner hervor, der mit einer Differenz von bis 7 Grad zum Mittelwert die absolut kälteste Variante berechnet. Ein Kaltlufteinbruch ist im April möglich und auch plausibel, doch zum aktuellen Stand weniger wahrscheinlich.

Regen in Aussicht

Dass sich aber der Großwetterlage ein struktureller Wandel bevorsteht, zeigt sich in der Niederschlagsprognose der Kontrollläufe. Bis zum 29. März ist nicht mit nennenswertem Niederschlag zu rechnen. Nachfolgend steigt das Niederschlagsniveau in den leicht bis mäßig erhöhten Bereich an, was ein Ende der markanten Trockenheit aus dem März bedeuten kann.

Um nochmals auf die Wahrscheinlichkeiten zurückzukommen, so lohnt der Blick auf den Mittelwert aller Kontrollläufe. Das Hoch zieht sich mit einer höheren Wahrscheinlichkeit zum 27. März auf den Atlantik zurück, verliert dann aber an Stabilität und zieht sich im April nach Süden zurück, was der Westwetterlage einen größeren Spielraum ermöglicht. Abwarten!

Zunächst verlagert sich das Hoch auf den Atlantik, bevor es sich im April nach Süden zurück zieht
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Zunächst verlagert sich das Hoch auf den Atlantik, bevor es sich im April nach Süden zurückzieht © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
25. März +7 bis
+20 Grad
+13 bis
+15 Grad
28. März +3 bis
+20 Grad
+12 bis
+14 Grad
3. April +2 bis
+21 Grad
+10 bis
+12 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe April 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

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© Deutscher Wetterdienst, Offenbach (DWD)

Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2022 +13,4 +0,1 -0,4 98,9 l/m² - zu nass
Oktober 2022 +12,53 +3,53 +3,13 49,5 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,7 +2,3 +1,3 546,5 l/m² - zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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