Wetterprognose: Vom Polarwirbelsplit, Kaltlufttropfen und dem Frühling

Hochdruckdominiertes Wetter über Deutschland

Das aktuell wetterbestimmende Hoch dehnt und bläht sich über Deutschland weiter auf und strebt in autarker Formation in Richtung Skandinavien. Damit positioniert sich das Hoch als Störimpuls, was weitreichende Folgen für das Wetter über Deutschland haben kann.

Hochdruckwetter. Verbreitet scheint in den kommenden Tagen die Sonne von einem nahezu wolkenlosen Himmel auf Deutschland herab. Für etwas Abwechslung sorgen vorüberziehende Wolkenfelder, aus denen jedoch kaum Niederschlag hervorgehen wird.

Erst mild, dann kühler

Ohne eine schützende Wolkendecke sinken die Temperaturen über dem Süden und dem Osten in der Nacht auf -5 bis +0 Grad ab. Über dem Westen und Nordwesten können die Nächte mit +3 bis -2 Grad mancherorts frostfrei verlaufen. Am Tage lässt der Sonnenschein die Temperaturen zunächst auf +6 bis +12 Grad und örtlich bis +14 Grad ansteigen, was über dem Westen und Südwesten wahrscheinlicher, als über den östlichen Landesteilen der Fall sein wird. Zum Wochenende gelangt am südlichen Gradienten der Hochdruckzone kühlere Luft nach Deutschland, was die Temperaturen auf +4 bis +8 Grad zurückgehen lassen kann. Mehr dazu in der aktuellen Wetterprognose zum Wetter März.

Ein Hochdrucksystem dominiert das Wetter über Deutschland. Am Wochenende gelangen an der Südflanke des Hochdrucksystem kalte Luftmassen vom Festland nach Deutschland
Wetterprognose nach dem europäischen (li.) und dem amerikanischen (re.) Vorhersage-Modell: Ein Hochdrucksystem dominiert das Wetter über Deutschland. Am Wochenende gelangen an der Südflanke des Hochdrucksystems kalte Luftmassen vom Festland nach Deutschland © www.meteociel.fr

Wetterprognose nach dem europäischen Wettermodell: Zufuhr kalter Luftmassen aus östlichen Richtungen

Nach der Wetterprognose der Europäer erfolgt - im Vergleich zu gestern - eine 180-Grad-Wende, die aber nicht weiter überrascht und vor ein paar Tagen schon einmal besprochen wurde.

Ein Hoch dehnt sich nach Norden aus

Das aktuell wetterbestimmende Hoch dehnt sich zum Wochenende weiter nach Norden aus. Der Unsicherheitsfaktor in den letzten Tagen war das Verhalten des Hochdrucksystems gegenüber der atlantische Frontalzone. Kippt das Hoch nach Osten ab, so kann es mit einer südwestlichen Anströmung frühlingshaft mild werden. Kann das Hoch dem Druck der atlantische Frontalzone etwas entgegensetzen, so hat auch der Spätwinter eine Chance, wobei Spätwinter in Anführungszeichen und mit vielen Fragezeichen versehen werden muss.

Kaltlufttropfen und Ostwetterlage

Die Wettervorhersage der Europäer jedenfalls simuliert bis zum 8. März die Ausdehnung des Hochdrucksystems in Richtung Skandinavien. Am östlichen Rand des Hochdrucksystems werden über dem östlichen Europa kühle Luftmassen nach Süden geführt.

Bis zum 10. März etabliert sich das Hoch über Skandinavien in autarker Form und führt an seinem südlichen Gradienten die kühlen Festlandsluftmassen in Richtung Deutschland. Die Temperaturen erreichen am 8. März +2 bis +6 Grad und örtlich bis +8 Grad und am 10. März sind +4 bis +8 Grad zu erwarten. Abzuwarten bleibt, ob bei dieser Variante ein Kaltlufttropfen eine Rolle spielen kann. Sollte der Kaltlufttropfen zustande kommen, so können zwischen dem 7. und 9. März auch Schnee-, Schneeregen- oder Graupelschauer in Betracht gezogen werden.

Abkippendes Hochdrucksystem

Im Zeitraum vom 10. bis 11. März kippt das Hoch dann doch noch nach Osten ab und in den nachfolgenden Wetterkarten lässt sich der Ansatz einer Südwestwetterlage erkennen, was die eine frühlingshaft milde zweite März-Dekade nicht ausschließen lässt.

Kühle Luftmassen gelangen aus östlichen Richtungen nach Deutschland, bevor in der zweiten März-Dekade das Hoch nach Osten abkippt
Wetterprognose nach dem europäischen Vorhersage-Modell: Kühle Luftmassen gelangen aus östlichen Richtungen nach Deutschland, bevor in der zweiten März-Dekade das Hoch nach Osten abkippt © www.meteociel.fr

Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells: Polarwirbelsplit

Auch die Möglichkeit eines Polarwirbelsplits hatten wir in den letzten Tagen immer wieder diskutiert. Das ist aber nur dann möglich, wenn das Hoch von Skandinavien aus weiter in den Polarwirbel vordringt und Kontakt zu einem Hochdrucksystem über Alaska aufnimmt. Wie das vonstattengehen kann, zeigt die Wetterprognose der Amerikaner von heute Morgen und heute Nachmittag.

Frühlingswetter mit vielen Fragezeichen

Das erste Fragezeichen, das gesetzt werden kann, zeigt sich in der Berechnung zwischen dem 7. und 10. März. Das Hoch dehnt sich nach Norden aus und dominiert den Bereich zwischen Deutschland, Polen, der Ostsee und Skandinavien. Am südlichen Gradienten gelangen aus östlichen Richtungen kühle Luftmassen nach Mitteleuropa, was die Temperaturen auf +4 bis +8 Grad und örtlich bis +2 abkühlen lassen kann. Die Amerikaner bilden zudem die Möglichkeit des Kaltlufttropfens ab, was über Baden-Württemberg und Bayern zu Schneeschauern führen kann. In den Nächten sinken die Werte - je nach Bewölkungszustand - auf -5 bis +2 Grad ab

Das Hoch strebt in den Polarwirbel hinein

im Zeitraum vom 10. bis 12. März wird das Hoch zunehmend kräftiger und sucht - durch den Polarwirbel hindurch - den Kontakt zu einem Hoch über Alaska, das sich bis zum 12. März weiter in Richtung Sibirien ausdehnt. Das für Europa wetterbestimmende Hoch verlagert sich etwas weiter nach Osten. Zwar verbleiben Deutschland, Österreich und die Schweiz bis zum 12. März im Einflussbereich des Hochdrucksystems, doch werden die Luftmassen nicht mehr aus östlichen, sondern südlichen Richtungen zugeführt, was die Temperaturen bis zum 12. März auf +10 bis +15 Grad ansteigen lassen kann. Das ist der Definition von Frühling schon sehr nah.

Polarwirbelsplit

Vom 12. bis 16. März gelingt es den beiden Hochdruckzentren über Alaska und Skandinavien eine Hochdruckzone - quer durch den Polarwirbel hindurch - aufzubauen. Infolge daraus kommt es zu einem Polarwirbelsplit, da Deutschland, Österreich und die Schweiz aber im Einflussbereich des Hochdrucksystems liegen, passiert nicht viel. Bei einem ruhigen und trockenen Wettercharakter sind bis zum 16. März Temperaturen von +8 bis +12 Grad und örtlich bis +14 Grad zu erwarten.

Erst ein Hoch über Skandinavien, dann ein Polarwirbelsplit
Wetterprognose nach dem amerikanischen Vorhersage-Modell: Erst ein Hoch über Skandinavien, dann ein Polarwirbelsplit © www.meteociel.fr

Auf den Punkt gebracht: Spätwinter oder Frühling?

Nein, Spätwinter ist nach der Wetterprognose der beiden Vorhersage-Modelle zu weit gegriffen. Die Temperaturen sinken auf +4 bis +8 Grad und örtlich bis +2 Grad ab. Das sind für März absolut typische Temperaturen und haben mit einem Spätwinter wenig gemeinsam. Und dennoch - der Polarwirbel erhält einen Störimpuls und da kann sich binnen kürzester Zeit schnell etwas verändern. Entscheidend ist und bleibt die Hochdruckposition - insofern hat sich im Wettertrend der letzten Tage wenig verändert.

Schaut man sich die Kontrollläufe an, so ist der Mittelwert in den letzten 24 Stunden im Zeitraum vom 5. bis 9. März kühler geworden. Doch sowohl die Amerikaner, wie auch die Europäer, bilden die kältesten Lösungen an. Möglich ja, wahrscheinlicher aber ist ein Rückgang der Temperaturen auf einen für den März typisches Niveau. Im Zeitraum vom 10. bis 16. März steigen die Höhenwerte rasant an und pendeln sich auf einen Mittelwert ein, der in 1.400 Meter Höhe im Bereich von +2 bis +4 Grad schwankt und damit den vorfrühlingshaft milden Wettertrend der letzten Tage bestätigt.

Niederschlagsprognose

Das die kommende Wetterlage von einem Hochdrucksystem dominiert werden wird, zeigt sich in einer nahezu trockenen Niederschlagsprognose bis zum 10. März. Erst mit Beginn der zweiten März-Dekade steigen die Niederschlagssignale in den leicht erhöhten Bereich an.

Ein Hoch über Skandinavien wird noch im Verlauf der ersten März-Dekade wahrscheinlicher, bevor sich im Verlauf der zweiten Dekade der Ansatz einer Südwestwetterlage bemerkbar macht
Wetterprognose nach dem Mittelwert aller Kontrollläufe: Ein Hoch über Skandinavien wird noch im Verlauf der ersten März-Dekade wahrscheinlicher, bevor sich im Verlauf der zweiten Dekade der Ansatz einer Südwestwetterlage bemerkbar macht © www.meteociel.fr

Die Temperaturprognose der Kontrollläufe
Tag Temperatur­spektrum Temperatur­mittelwert
7. März +1 bis
+10 Grad
+5 bis
+7 Grad
11. März +3 bis
+18 Grad
+8 bis
+10 Grad
16. März +2 bis
+20 Grad
+10 bis
+12 Grad
Diagramm Temperaturen März 2022
Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe März 2022 von zu kalt, normal, zu warm im Vergleich zum vieljährigen Mittelwert (1961 bis 1990)

Kurzer Nachtrag von heute Nachmittag

Am möglichen Kaltluftvorstoß um den 8. März herum hat sich in der Wetterprognose der Amerikaner von heute Nachmittag ebenso wenig verändert, wie an einem möglichen Polarwirbelsplit. Die daraus resultierenden Temperaturen liegen am 10. März zwischen +6 bis +12 Grad und am 16. März zwischen +10 bis +15 Grad und örtlich bis +17 Grad. Spannende Zeiten stehen beim Wetter bevor!

Ein kurzer Kaltluftvorstoß, dann Frühlingswetter
Wetterprognose des amerikanischen Wettermodells von heute Nachmittag: Ein kurzer Kaltluftvorstoß, dann Frühlingswetter © www.meteociel.fr

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Das Wetter-Jahr 2022 in Zahlen

Monat Tem­peratur Abwei­chung 1961-1990 in Grad Abwei­chung 1991-2020 in Grad Nieder­schlag
Januar 2022 +2,8 +3,3 +1,9 55,3 l/m² - etwas zu trocken
Februar 2022 +4,5 +4,1 +3,0 84 l/m² - zu nass
März 2022 +5,1 +1,6 +0,5 14,4 l/m² - extrem zu trocken
April 2022 +7,8 +0,4 -1,2 55 l/m² - leicht zu trocken
Mai 2022 +14,4 +2,3 +1,3 46 l/m² - erheblich zu trocken
Juni 2022 +18,3 +2,96 +1,96 58 l/m² - extrem trocken
Juli 2022 +19,1 +2,2 +0,8 37,1 l/m² - extrem trocken
August 2022 +20,22 +3,7 +2,3 48,5 l/m² - extrem trocken
September 2021 +15,2 +1,8 +1,3 36 l/m² - zu trocken
Oktober 2021 +9,65 +0,6 +0,2 46 l/m² - zu trocken
November 2021 +4,9 +0,9 +0,1 48,9 l/m² - zu trocken
Dezember 2021 +2,6 +1,8 +0,8 62 l/m² - zu trocken
Gesamtjahr 2022 +11,57 +2,6 +1,3 398 l/m² - extrem zu trocken

Statistische Wetterwerte für den Sommer

Das typisch deutsche Sommer-Wetter ist häufig wechselhaft und dennoch gibt es markante Wettersingularitäten, welche häufiger auftreten.

  • Anfang Juni gibt es zumeist schönes und sommerlich warmes Hochdruckwetter, bevor zum 10. bis 20. Juni häufig die sog. Schafskälte nachfolgt
  • Oftmals entscheidend für das Sommerwetter ist die Großwetterlage zwischen dem 21. Juni und 11. Juli, welche nach der Siebenschläferregel benannt ist
  • Vom 10. bis 15. Juli gibt es häufiger sommerliche Schönwetter- und vom 16.-20 Juli Schlechtwetter­perioden zu beobachten
  • Ab dem 23. Juli folgen die heißen Hundstage (Hochsommer)
  • Zwischen dem 4. und 8. August gibt es häufig wechselhaftes Wetter
  • Um den 13. August endet häufig die Hochsommer Wetterlage (wechselhaft) und geht zum 23. August in die Spätsommerphase (erneut Hochdruck) über

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