Deutschland liegt in den kommenden Tagen zwischen einer Tiefdruckrinne und einer Hochdruckbrücke. Entscheidend ob das Sommerwetter kühl und unbeständig oder warm und durchwachsen ausfallen wird, ist die Position dieser Wettersysteme zueinander.

Der Temperaturstress und die Neigung zu teils schweren Unwettern lässt in den kommenden Tagen nach und das Wetter im Juni 2018 kann sich langsam normalisieren. Der Grund hierfür ist eine andere Großwetterlage, welche aus nördlichen Richtungen auch kühlere Luftmassen nach Deutschland führen kann. Kühl ist dabei als relativ zu bewerten, denn bei Werten von +17 bis +23 Grad und örtlich bis +25 Grad pendeln diese sich um den langjährigen Mittelwert im normalen Bereich ein.
Bereits zum kommenden Wochenende gelangt Deutschland erneut auf die feucht-warme Vorderseitenanströmung eines Tiefdrucksystems zwischen Island und England, was am Samstag und Sonntag die Neigung zu Schauern und Gewittern wieder ansteigen lassen kann. Gleichzeitig aber steigen mit Werten von +24 bis +28 Grad die Temperaturen wieder in den sommerlich warmen Bereich an.

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Wechselhaftes Sommerwetter

Deutschland, Österreich und die Schweiz liegen nach den gängigsten Varianten der Wettermodelle im Zeitraum vom 17. bis 20. Juni zwischen einer von Neufundland über Island bis nach Skandinavien verlaufenden Tiefdruckrinne und einem Hochdruckkeil des Azorenhochs, welcher sich von den Azoren bis über das westliche Russland erstreckt. Für weitere Entwicklung des Sommerwetters kommt es nun darauf an, wie sich die beiden Wettersysteme zueinander positionieren und ob der Aufbau der Hochdruckbrücke über Mitteleuropa gelingen mag.

Amerikanische Prognosemodell: Durchwachsenes Sommerwetter

Man würde es gerne als weder Fisch noch Fleisch oder auch als Wettersumpf bezeichnen, was das amerikanische Wettermodell in seiner heutigen Prognose berechnet. Der Hochdruckkeil kann sich nur kurzzeitig behaupten und vom 16. bis 19. Juni für einen weitgehend sommerlich warmen, aber auch zu Schauern und Gewittern neigenden Wettercharakter sorgen. Darüber hinaus unternimmt die atlantische Tiefdruckrinne wieder größere Anstrengungen, das Wetter über Deutschland zu beeinflussen. Das Azorenhoch verlagert sich in diesem Prozess weiter in Richtung England und Deutschland gelangt auf die östliche Seite des Hochdrucksystems, was aus nördlichen Richtungen etwas kühlere Luftmassen heranführen kann.

In Folge daraus nimmt vom 20. bis 25. Juni nach dieser Berechnung die Niederschlagsneigung zu und die Temperaturen können auf Werte zwischen +17 bis +23 Grad zurückgehen. Im Grunde eine für den ersten Sommermonat ganz typische Wetterentwicklung.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel dem amerikanischen Wettermodell: Deutschland liegt am östlichen Gradienten des Hochdrucksystems © www.meteociel.fr

Europäisches Prognosemodell: Unbeständiges Wetter im Sommer

Nach der Vorhersage des europäischen Prognosemodells kann sich der Hochdruckkeil nicht wirklich durchsetzen. Immer wieder stoßen Tiefdrucksysteme in Richtung Mitteleuropa vor und unterbinden die Ausbildung der Hochdruckzone über Mitteleuropa. In Folge draus liegt Deutschland bis zum 20. Juni in einem schwachgradientigen Wetterumfeld, was bei Jahreszeit typischen Temperaturen gerne zu Niederschlägen neigt. Im Zeitraum vom 20. bis 22. Juni steigen die Temperaturen in den sommerlichen bis hochsommerlichen Bereich an, doch zeigt sich schon der nächste Tiefdruckvorstoß. Beständiges Sommerwetter sieht anders aus.

Polarwirbelberechnung Sommer

Berechnung Polarwirbel nach dem europäischen Prognosemodell: Zwischen den Fronten © www.meteociel.fr

Kontrollläufe: Warmes oder gemäßigtes Wetter im Sommer 2018?

Geht es nach den Kontrollläufen, so muss man zwischen dem Norden und Süden differenzieren. Über dem Norden berechnen die Kontrollläufe im Zeitraum vom 14. bis 28. Juni eine durchweg zu warme Temperaturentwicklung. Das amerikanische und auch europäische Wettermodell sind dabei klar zu kalte Varianten, sodass in den kommenden Stunden noch mit Veränderungen zu rechnen ist.

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Anders die Situation über dem Süden, bei der der Mittelwert gegenüber dem langjährigen Durchschnittswert im leicht zu warmen Bereich liegt.
Warum ist das so? Die Sommer sind über dem Norden häufiger von maritimen Luftmassen geprägt, während es über dem Süden häufiger Hochdruckkeile sind, welche das Sommerwetter bestimmen können. So ist der langjährige Durchschnittswert über dem Norden etwa um 2 bis 3 Grad kühler als über Süddeutschland. Und leicht zu warme Werte über dem Süden haben über dem Norden deutlich zu warme Werte zur Folge.

Das Temperaturspektrum liegt am 20. Juni zwischen +16 bis +31 Grad (Mittelwert: +23 bis +24 Grad) und am 26. Juni zwischen +15 bis +31 Grad (Mittelwert +23 Grad). Zusammengefasst: Sommerwetter ist in der letzten Juni-Dekade wahrscheinlicher, als deutlich zu kühle Wetterentwicklungen.

Diagramm Temperaturen Juni 2018 vom 12.06.2018

Die Wahrscheinlichkeiten der Kontrollläufe Juni 2018 von zu kalt, normal, zu warm.

Wetterprognose Sommer nach dem Langfristmodell: Juli wird normal berechnet

Das Langfristmodell berechnet in seiner aktuellen Wetterprognose mit einer Abweichung von +1 bis +2 Grad einen zu warmen Juni. Das Langfristmodell geht also weiterhin davon aus, als dass die Zweite und letzte Juni-Dekade Jahreszeit typisch ausfallen werden (das erste Juni-Drittel war um +4,3 Grad zu warm).
Für den Juli nimmt das Langfristmodell in den letzten Tagen immer wieder Veränderungen der Prognose vor, welche im Grundsatz von zu warm auf normal mit Trend etwas zu warm auszufallen korrigiert wurde. Der August bleibt mit einer Abweichung von -0,5 bis +1 Grad gegenüber den letzten Wochen weiterhin unverändert. Die Sommermonate im Überblick:

Abweichungen der Temperaturen im Sommer gegenüber dem langjährigen Mittelwert
Monat Tem­peratur Nieder­schlag
Juni 2018 +1 bis +2 Grad Trend: Norden etwas zu trocken, sonst zu nass
Juli 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal bis zu trocken
August 2018 -0,5 bis +1 Grad Trend: normal bis leicht zu trocken

Diagramm der Temperaturentwicklung Frühling und Sommer 2018 vom 12.06.2018

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